HEFT #52

Ausgabe DEZEMBER 2021

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Chiefs gegen Raiders: Sieger stößt Tür zu Playoffs auf

Patrick Mahomes geht in Las Vegas "All-In". Die Kansas City Chiefs können gegen die Raiders alles verlieren, aber viel gewinnen. Patrick Mahomes geht in Las Vegas "All-In". Die Kansas City Chiefs können gegen die Raiders alles verlieren, aber viel gewinnen. Imago Images / Icon Sportswire / William Purnell
Alle Spiele vom NFL-Sonntag gibt es in dieser knackigen Zusammenfassung. Irgendwie war es nach dem überraschenden Sieg der Miami Dolphins gegen die Baltimore Ravens vorherzusehen. Die Woche 10 in der NFL wird am Sonntag genauso wild weitergehen. Nachdem Aaron Rodgers aus dem COVID-19-Protokoll entlassen wurde und sich für das Heimspiel im Lambeau Field vorbereitet, ist für America’s Game of the Week gegen den genesenen Russell Wilson alles angerichtet. Zwischen den Kansas City Chiefs und den Las Vegas Raiders würde es in der Nacht im Sunday Night Football ohnehin heiß hergehen. Beide Teams halten schließlich dieselbe Anzahl an Saisonsiegen inne. Zuvor bietet der Spielplan ein paar enge Divisionduelle, ungewöhnliche Favoritenstürze und irre Fights um die Playoffs.

Mahomes geht “All-In”

Die AFC West Teams liegen vor diesem Spieltag alle sehr dicht beieinander. Alle zählen sie fünf Siege. Wer jetzt in den direkten Duellen schläft und nicht seinen besten Football spielt, findet sich ganz schnell raus aus den Playoffs. Der Gewinner beim Gastspiel der Kansas City Chiefs bei den Las Vegas Raiders stößt dafür die Tür zur Postseason ein ganzes Stück weit auf. Wie wichtig dieses Spiel für beide Teams ist, merkt man von der ersten Sekunde. Denn wer die Division gewinnt, ist sicher in den Playoffs. Im ersten Drive gehen die Chiefs Three and Out und die Raiders stellen sich im Anschluss mit ihrer Offense nur unwesentlich besser an. Dann setzt Mahomes zu einem 89 Yards Drive an, bindet Travis Kelce und zum Touchdown Tyreek Hill ein, was in den Vorwochen nicht so gut gelungen ist. Las Vegas schafft es zwar zu Beginn des zweiten Viertels auszugleichen. Dann gehört der Abend ausschließlich Pat Mahomes.

Zu Beginn des vierten Quarters legt Mahomes nach einem kurzen zwei Minuten Drive bereits seinen vierten Touchdown auf und führt seine Chiefs beim Stand von 34-14 endgültig auf die Siegerstraße. Wie weggeblasen scheinen nun die Kritiken an seiner Person und der fehleranfälligen Umsetzung der Offense. Tyreek Hill kommt auf zwei Touchdowns und Travis Kelce erzielt sein erstes Spiel mit über 100 Receiving Yards seit dem 26. September. Der Knoten scheint bei den Chiefs geplatzt zu sein und gerade noch rechtzeitig präsentiert sich das Team in der Form der letzten beiden Jahre als es am Ende in den Super Bowl ging. Mahomes’ Gala-Auftritt endet an der Seitenlinie. Mit fünf Touchdowns, 406 Yards durch 35 angekommene Pässe bei 50 Versuchen schaut er entspannt und mit einem breiten Lächeln seinem Backup Chad Henne zu, wie dieser beim Stand von 41-14 abkniet.


Colts überleben Aufholjagd der Jaguars

Alles läuft zunächst nach Plan. Runningback Jonathan Taylor rusht beim ersten Play der Colts-Offense für 34 Yards. Nach einem gelungenen Field Goal Versuch schickt Indianapolis die Jacksonville Jaguars mit Three and Out vom Feld. Zaire Franklin blockt den Punt und E.J. Speed nimmt das über den Boden trudelnde Ei auf und verwandelt zum Touchdown. Nach elf Minuten steht es bereits 17-0 für den Heimfavoriten, weil Jonathan Taylor nun das siebte Spiel in Folge bestreitet, in dem er mindestens einen Rushing Touchdown erzielt. LaDanian Tomlinson Vibes strömen durchs Lucas Oil Stadium. Lange Zeit hält Indianapolis die Jaguars auf mindestens elf Punkte Vorsprung. Doch im vierten Quarter bläst Trevor Lawrence zur Aufholjagd und wirft beim Stand von 23-17 kurz vor Schluss über die Mitte auf James Robinson an die gegnerische 38 Yard Linie. Colts Rookie Dayo Odeyingbo schlägt dem Runningback jedoch den Ball aus dem Arm und Kemoko Turay wirft sich drauf. Indianapolis lässt danach die Uhr herunterlaufen. 


Cowboys zerlegen Atlanta

Der erste Touchdown des NFL-Sonntags landet, geworfen von Dak Prescott, in den Händen von CeeDee Lamb. An diesem Tag wird Lamb noch einen weiteren Score erzielen und für 94 Yards sechs Pässe fangen. Bereits zur Pause ist das Spiel jedoch gelaufen, weshalb der immer noch angeschlagene Lamb im vierten Quarter aussetzt. Nach einem Blocked Punt von Dorance Armstrong und dem darauf folgenden Touchdown der Special Teams steht es bereits 36-3 zum Halbzeitpfiff für Dallas gegen die Atlanta Falcons. Im weiteren Verlauf erhöhen die Cowboys noch auf 43 Punkte und setzen nach der Niederlage in der Vorwoche ein Ausrufezeichen hinter ihre Titelambitionen.


Heinicke gewinnt gegen Tampa Bay

In den letzten Wildcard Playoffs erlebte Taylor Heinicke sein Coming Out auf der NFL-Bühne. Diesmal bestätigt er, dass ihm die Buccaneers liegen und was vor ein paar Monaten noch in einer Niederlage endete und dem späteren Super Bowl Champion im richtigen Moment einen Dämpfer versetzte, mündet nun im ersten Sieg seit dem 3. Oktober für das Washington Football Team. Tom Brady macht dabei keine gute Figur. Zwei Interceptions allein im ersten Quarter haben Seltenheitswert beim “GOAT”. Nach der Verletzung von Chase Young (Verdacht auf Kreuzbandriss) kommen die Bucs aber nochmal auf 23-19 heran, ehe Heinicke sein Meisterstück abliefert. Über zehn Minuten nimmt er mit seiner Offense im letzten Drive von der Uhr und versprüht so viel Selbstvertrauen, dass Head Coach Ron Rivera kurz vor Schluss nicht das sichere Field Goal zur Sieben-Punkte-Führung nimmt, sondern noch einen Laufspielzug auflegen lässt, den Antonio Gibson in die Endzone trägt. Beim Stand von 29-19 erhält Tampa Bay bei noch 30 Sekunden auf der Uhr den Ball zurück. Das ist auch für Brady nicht mehr zu schaffen.


New England Patriots: 557. Sieg im 1.000sten Spiel

Zum Jubiläum gelingt den Patriots ein fulminanter Sieg über die Cleveland Browns. Mac Jones erzielt bis zur Pause eine fast makellose Bilanz von 13 angekommenen Pässen bei 15 Passversuchen für 134 Yards und zwei Touchdowns. Er ist die Zukunft für New England. Genauso wie Runningback Rhammondre Stevenson, der sein erstes NFL Spiel mit mehr als einem Touchdown absolviert. Apropos Touchdown! Der gelingt auch endlich Jacoby Meyers. Für den Wide Receiver im dritten Jahr war der erste Score seiner Profikarriere längst überfällig. Wenn dann noch der Pass Rush alles niederwalzt und bei den Browns, auch aufgrund wichtiger Ausfälle, nichts zusammenläuft, setzt es einen deutlichen 45-7 Sieg im eigenen Stadion und den vierten Sieg in Folge.


Titans trotzen anhaltender Verletzungsmisere

Derrick Henry wird erst zu den Playoffs zurück erwartet. Julio Jones landet auf der Injury Reserve. Im Spiel trifft es Bud Dupree und damit eine wichtige Säule in der erstarkten Defense. Trotzdem ringen die Tennessee Titans am Sonntag die New Orleans Saints nieder, die nicht weniger vom Verletzungspech verfolgt sind. Solche Spiele gewinnt man mit unbedingtem Siegeswillen und Kampfgeist. Beide Teams ließen sich darauf ein und der Sieger wurde lange Zeit erbittert ausgefochten. Schön wurde es nur selten. So ist Mark Ingram nach 108 Total Yards und einem Touchdown nun der erfolgreichste Runningback in erzielten Rushing Yards in der Geschichte der New Orleans Saints. Gereicht hat es nicht. Der aktuell heißeste Super-Bowl Contender lässt sich weiter von nichts beirren. 


Buffalo trabt locker an

Es ist ein laues Spiel am Sonntagmittag in New Jersey. Buffalo spielt über weite Teile mit angezogener Handbremse. Es genügt ein starkes drittes Quarter mit drei aufeinanderfolgenden Rushing Touchdowns um einen nie gefährdeten Sieg einzufahren. Mike White wirft vier Interceptions. Zur Garbage Time kommt sogar noch Joe Flacco. Der Hypetrain um White fährt also nirgendwo hin. Jungen Talenten so viel Spielzeit wie möglich einzuräumen, ist auf lange Sicht aber der richtige Weg für die Jets. Im Heimspiel gegen den Divisions-Primus gehst du damit aber sang und klanglos unter. NY verliert 45-17 gegen Buffalo. 


Steelers vs. Lions verdient keinen Sieger

Dieses Spiel hat alles, was ein schlechtes Spiel braucht. Unnötige Turnover, schwaches Quarterback-Play auf beiden Seiten und am Ende ein verschossenes Field Goal, welches Detroit den so sehr ersehnten ersten Sieg seit Anfang Dezember 2020 bescheren soll. Immerhin, spannend wurde es, wenn auch teilweise ungewollt. Mitte des vierten Quarters rauscht Miles Killebrew in Lions Punter Jack Fox. Das aus der Strafe resultierende 4th and Inches verwandelt Detroit. Punkten werden sie trotzdem nicht. Auch nutzen sie es nicht, als in der Overtime Pittsburgh fumbelt oder Mason Rudolph fast eine Interception wirft. Am Ende schaffen es die Steelers genauso wenig, einen möglichen Field Goal Versuch an der 38 Yard Linie zu verwandeln, weil Pat Freiermuth acht Sekunden vor Ende der Overtime den Ball erneut fumbelt und an Detroit zurückgibt. Detroit gewinnt damit weiterhin zum letzten Mal 1955 vor 66 Jahren in Pittsburgh.


"Camback" gelingt

Es dauert 3:28 Minuten bis die Fans der Carolina Panthers ihren Liebling auf dem Feld begrüßen dürfen. Nur wenige Sekunden später erzielt Cam Newton den ersten Touchdown gegen die Arizona Cardinals. Ein designed Run Play für den Quarterback wird gecalled und obwohl der Gegner genau weiß, was kommt, bekommt der den Power Run über den Right Tackle auf die Außenbahn nicht gestoppt. Am Ende des ersten Quarters steht es bereits 17-0. Nicht wegen Cam, der nur limitiert in der Redzone Snaps bekommt. Die Cardinals geben zu leichtfertig den Ball her. Drei Turnover in den ersten drei Drives sind zuviel. Zuerst fumbelt Ersatz-Quarterback Colt McCoy. Dann setzt es im Mittelfeld ein Turnover on Downs und zuguterletzt wirft McCoy eine Interception. Die Cardinals erholen sich nicht mehr von diesem desolaten Auftakt und nicht vom zweiten Touchdown Cam Newtons, diesmal per Passversuch auf Robby Anderson. Carolina gewinnt auswärts deutlich mit 34-10.


Vikings @ Chargers so eng wie erwartet

Im ersten Quarter beobachten sich die beiden Kontrahenten und setzen erste Stiche. So landet Joey Bosa gegen Minnesota Vikings Quarterback Kirk Cousins einen Strip Sack Fumble. Doch resultieren daraus keine Punkte. Im zweiten Viertel gibt es dann insgesamt 23 Punkte und die Wikinger gehen mit einer 13-10 Führung in die Pause. Die Los Angeles Chargers kommen aus der Kabine und Justin Herbert legt endlich einen anständigen Drive hin. Die Führung währt allerdings nicht lang. Minnesota baut sogar auf zehn Punkte Vorsprung aus. Zwar gibt es am Ende nochmal das für die Vikings in diesem Jahr berühmte zaudern. Doch als Dalvin Cook beim entscheidenden 4th Down an der Seitenlinie für ein neues Set an Downs sorgt, geht der Sieg an Minnesota. 


Erster Schneefall der NFL-Saison

Als die Fans beider Seiten sich auf den Weg zum Lambeau Field machen, schneit es bereits ganz tüchtig in Green Bay. Die weißen Flocken bleiben zwar nicht auf dem Feld liegen, der Matsch und die nasse Kälte beeinflussen das Spiel aber sichtlich. Dies darf allein aber nicht für den siebten Fehlversuch von Mason Crosby bei elf probierten Field Goals als Ausrede herhalten. Jedoch rutschen auffällig viele Spieler weg und müssen sich mit dem herannahenden Winter erst einmal vertraut machen. Zur Halbzeit steht es deshalb nur 3-0 für die Green Bay Packers gegen die Seattle Seahawks, was gleichzeitig das niedrigste Ergebnis zur Pause in dieser NFL-Saison bedeutet. Dass Runningback Aaron Jones zum Ende des Spiels ausfällt, wird für die Packers wohl eher in den nächsten Wochen relevant werden. Denn an diesem Sonntag ist der Quarterback auf der anderen Seite, Russell Wilson, noch sichtlich angeschlagen und verpasst einige tiefere Passversuche. So geht das Spiel in Hälfte Zwei klar an das Heimteam aus Wisconsin und endet mit 17-0.


Philly macht den Tag für die NFC East perfekt

In den Stunden zuvor gewinnen die Dallas Cowboys und überraschend das Washington Football Team. Vom Sofa aus müssen die spielfreien New York Giants nun noch erleben, wie die Philadelphia Eagles ebenfalls einen Sieg für die NFC East einfahren. Jalen Hurts trifft dabei früh seinen Rookie Wide Receiver Devonta Smith mit einem Zuckerpass. Später netzt dieser noch ein weiteres Mal ein und kommt am Abend auf vier Catches für 66 Yards und erwähnte zwei Touchdowns. Denver hingegen kassiert eine klare Niederlage und erlangt die Gewissheit, dass es mit Quarterback Teddy Bridgewater nicht weit gehen wird in diesem Jahr. 

Philipp Forstner

DraftNerdPhilipp Forstner, alias Draft Nerd, ist ehemaliger O-Liner und sammelte erste Erfahrungen als Autor bei "Beardown Germany". Er schreibt über den NFL Draft und College Football für TOUCHDOWN24 und beobachtet als Scout die zukünftigen und aktuellen Spieler der NFL.
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