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NFL - National Football League

CeeDee Lamb, die Cowboys & die NFL-Cap-Hölle

Da geht es lang zur Vertragsverlängerung! CeeDee Lamb will von den Cowboys Kohle sehen. Credit: Imago Images / USA TODAY Network / Tim Heitman

Fast wäre es in der NFL Offseason ruhig um die aktuellen Dallas Cowboys gewesen, aber jetzt sorgen sie gemäß ihrem Image doch noch für ein bisschen Zirkus: CeeDee Lamb schmollt, weil er gerne einen dickeren Vertrag unterzeichnen möchte. Jene Unart ist nichts Ungewöhnliches, aber definitiv das letzte, was die Cowboys gebrauchen können!

Es gibt so allerlei Dinge, nach denen kann man eigentlich die Uhr stellen. Dinge, die immer wiederkehren, die typisch sind, die einem verraten welche Zeit am Tag oder im Jahr es ist. Bedeutungsschwangere Politikerreden vor Wahlen, billige Ramschartikel im Supermarkt vor einem Fußballgroßereignis, tieffliegende Schwalben und so weiter und sofort. Ein Hauptmerkmal der NFL Offseason ist es in diesem Sinne leider geworden, dass Starspieler XY den zornigen Emoji in den Status packt und aufgrund eines noch nicht erhaltenen Megavertrages schmollend Teamaktivitäten fernbleibt. Jüngstes Beispiel: CeeDee Lamb bei den Dallas Cowboys.

Auch wenn Herr Lamb öffentlich noch nicht vollends auf "bockig" gegangen ist, alleine das Wort „Holdout“ klingt für Fans der NFL eigentlich nur noch ermüdend. Diese gesamte Schose mit den peinlichen Online-Spielchen, welche jeden pubertierenden Zickenkrieg bereichern würden, entbehrt jeglicher Professionalität und steht für einen Mikrokosmos, der dann doch dem realen Leben ziemlich weit entrückt ist. Oder welcher mit seinem Gehalt unzufriedene Supermarktangestellte hat schon mal einfach die Arbeit niedergelegt, um Druck auf den Filialleiter zu machen, und das mit einem eigentlich verpflichtenden Vertrag? Schon klar, niemand schreit wirklich danach, den Angestellten von Edeka, Lidl und Co. bei ihrer eigentlich wichtigen Arbeit zuzusehen, arbeitsrechtlich ist das Ganze aber dann gar nicht so weit voneinander entfernt. Irgendwie wäre es schön, wenn NFL Teams kollektiv gegen diese Unart vorgehen würden und ein wenig mehr Marktleiter sein würden. Hier Vertrag, entweder Arbeit, sonst Rausschmiss! Dafür dürfte das nächste Team natürlich nicht sofort mit dem Geldköfferchen parat stehen.

CeeDee Lamb macht Druck auf die Dallas Cowboys

Bei aller polemischen Diffamierung und realitätsfernem Wunschdenken kann man das grundsätzliche Anliegen von CeeDee Lamb mehr als nur verstehen und es ist in einer freien Marktwirtschaft allemal sein gutes Recht, mehr Gehalt oder eine Vertragsverlängerung zu fordern. Die weitverbreitete Idee, dass man selber nach Jahren des Superstar-Daseins und mit einem gottgegebenen Geschenk an Talent einfach so auf Gehalt verzichten würde und ein paar Milliönchen mehr oder weniger den Kohl doch auch nicht mehr fett machen, ist letzten Endes eher etwas heuchlerisch, bestenfalls ein wenig weltfremd. In Einzelfällen reagieren Menschen sicherlich etwas bescheidener, das macht die ganz große Masse deshalb aber nicht automatisch zu geldgierigen Egozentrikern, nur weil sie auf einem marktkonformen Gegenwert für ihre Arbeit beharren. Und das bleibt wohl auch bei aller kritischen Auseinandersetzung mit einer durch TV-Gelder aufgeblähten Sportwelt so, die in vielerlei Hinsicht merklich an einem Identitätsproblem krankt.

Aber zurück zu Herrn Lamb und seinen Cowboys. Die Fronten sind jetzt eigentlich geklärt, besonders nachdem Receiver-Kollege Justin Jefferson von den Minnesota Vikings mit seinem neuen Megavertrag den Markt für Passfänger auf ein neues Niveau gehoben hat. Lamb, wie alle einigermaßen verdienten Spieler, bekommt von seinem Agenten sicherlich ins Ohr gesetzt, dass er für ein paar Wochen der bestbezahlte Receiver der Liga sein muss und wird genau das fordern. Die Cowboys, glaubt man Adam Schefter, werden da wohl nicht mitmachen. Wobei man bei Jerry Jones niemals nie sagen sollte. So oder so, irgendwie wird sich wahrscheinlich ein neuer Deal finden – schließlich geht es für die Cowboys im Moment darum, einen Schritt auf den Super Bowl zuzumachen und nicht umgekehrt. Da hilft einer der besten Receiver der Liga natürlich ungemein.

Dallas Cowboys blicken in die NFL-Cap-Hölle

Das Problem? Dieser Schritt könnte schnell zum Stolperstein werden, wenn er es nicht schon längst geworden ist. Denn Mega-Edge-Rusher Micah Parsons und Quarterback Dak Prescott wollen in der nahen Zukunft ebenfalls neue Verträge auf den Tisch gelegt bekommen. Bezahlt man sie alle hätte man eine unmöglich hohe Summe seines Salary Cap auf nur drei Spieler verteilt, wobei der totale Geldwert gar nicht die eigentliche Katastrophe darstellt. Jüngst steigen die Gehälter der NFL-Profis nämlich schneller, als es die ligaweite Gehaltsobergrenze tut, womit auf weniger Spieler ein größerer Anteil des Caps verwendet wird und das gesamte Gehaltsgefüge gesprengt wird. Im Falle der Cowboys würde es dann immer schwerer werden, den Rest des Kaders adäquat auszufüllen.

Dies wäre per se kein Ding, wenn denn die Cowboys mit ihrem Core aus Prescott, Parsons und Lamb Super Bowls gewinnen würden oder zumindest nah dran wären. Bisher gab es mit den besagten Protagonisten aber nur gute reguläre Spielzeiten gefolgt von peinlichen Auftritten in den Playoffs. Ganz besonders die Heimpleite gegen die Green Bay Packers aus der letzten Saison offenbarte alle großen Schwächen, welche „America’s Team“ seit Jahren plagen. Allen voran ist dabei ein Mangel an Toughness und Fokus zu nennen, wie ihn Meisterschaftsanwärter eben haben müssen. Hier sind nicht der Swing Tackle auf der Bank oder der Kicker gefragt, sondern die Team Leader. Diejenigen, die das dicke Geld verdienen oder verdienen wollen. Am Ende sieht es so aus, als ob sich Dallas hier in eine Zwickmühle manövriert hat und hüpfen oder springen kann, wie es will – am Ende vom Tag steht man entweder mit den plötzlich extrem teuren Spielern da, die einen bisher nirgendwo hinführen konnten oder eben zumindest für den Moment mit einigen, wo man nicht weiß, ob sie überhaupt etwas bewegen können.

Und dann könnte man wohl Anfang Januar auch wieder die Uhr nach einer erneuten Cowboys-Playoff-Pleite stellen.

Über den/die Autor/in
Moritz Wollert
Moritz Wollert
Moritz Wollert schreibt für TOUCHDOWN24 u.a. über die NFL. Für das monatliche Print-Magazin schreibt er u.a. die NFL History Artikel

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