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Causa Harrison Butker: Das Sexismusproblem der NFL

Chiefs Kicker Harrison Butker steht für seine mehr als kontroversen Äußerungen heftig in der Kritik. - Foto: IMAGO / USA TODAY Network

Der Name Harrison Butker dürfte bis vor kurzem nur den eingefleischteren Football Fans ein Begriff gewesen sein. Dass mittlerweile fast jeder, der Zugriff auf Social Media hat, über ihn gestolpert ist, dürften die PR-Abteilungen der NFL und der Kansas City Chiefs wenig begeistern.

Butker hielt es Mitte Mai für eine gute und angemessene Idee, mit einer bizarren erzkonservativen und -religiösen Rede bei einer College Abschlussfeier so viele Gruppen der Bevölkerung gleichzeitig gegen sich aufzubringen, dass ein Shitstorm sondergleichen ins Rollen kam. Bei Betrachtung seiner Aussagen lässt sich feststellen: Völlig zurecht.  

Gleich zu Beginn seiner Rede redet Butker über Abtreibung, künstliche Befruchtung, Leihmutterschaften und Sterbehilfe. Alle medizinischen Eingriffe verteufelt er. Es sind allem Anschein nach Themenfelder, auf denen sich der Kicker der Kansas City Chiefs bestens auskennt. Er versteht sich offenbar als Prediger katholischer Ideale, die laut ihm mehr und mehr dem Zeitgeist verfallen. Er sagt den bemerkenswerten Satz „ […] I have no other choice, but […] to preach more hard truth about accepting you lane and staying in it“. Wie überaus ironisch.

Weiterhin beschreibt er Diversität, Gleichheit und Inklusion als Tyrannei, Gay Pride bezeichnet er indirekt als Todsünde. Den jungen Frauen, die gerade erfolgreich ihren College Abschluss erworben hatten, erzählt er, dass sie lieber ihre Karriere hintenanstellen sollen und sich sicher am meisten auf ihr Dasein als Mutter und Hausfrau freuten.

Football gehört zu den USA wie Fast Food, Hollywood oder Cowboys. Dass der Sport aber ein erhebliches Sexismus Problem hat, ist nichts neues. Im Sommer 2023 durchlebte der Sport dank einer Promi Romanze eine zarte Metamorphose: Zahlreiche Frauen und Mädchen schalteten auf einmal vor allem in die Spiele der Chiefs ein, um Superstar Taylor Swift beim Bejubeln von Travis Kelce zuzusehen. Es wurden emotionale Bindung von Töchtern zu Vätern und Schwestern zu Brüdern geschaffen, Swift wurde ab und an auf dem Jumbotron gezeigt, Fernsehteams diskutierten ihre Anwesenheit. Dabei bescherte Swift mit der neuen Zielgruppe der NFL nebenbei laut einer Studie einen Marketingwert von 331 Millionen Dollar. Trikotkäufe von Kelce schnellten genauso in die Höhe wie die Klickzahlen des Podcast New Heights der Kelce Brüder.

Gleichzeitig führte diese Fokussierung zu negativen Reaktionen der traditionellen Football Fans: Die objektiven Männer beschwerten sich in den sozialen Medien, dass Swift und Kelce einen zu großen Stellenwert in der Berichterstattung einnehmen, die mit schwächeren Egos teilten kräftig gegen Swift und die neuen weiblichen Fans aus. Dass die Chiefs als Dauersieger auch diese Saison den Super Bowl holten, dürfte keinesfalls zur Entspannung der Situation beigetragen haben.

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Die NFL steht also vor einem Problem: Zum einen bedeutet die Gewinnung eines weiblichen Publikums die Eroberung eines riesigen Werbe- und Zuschauermarktes. Wie an dem fanatischen Hype rund um Taylor Swift zu sehen ist, kann man sich kaum ein loyaleres und frenetischeres Publikum als ein weibliches vorstellen. Auf der anderen Seite ein Football immer noch ein traditioneller, amerikanisch-christlicher Sport, dessen Akteure immer wieder durch alles andere als frauenfreundliches Verhalten auffallen.

Womit sich wieder der Kreis zu Harrison Butker schließt. Will die NFL die weiblichen Fans in ihren Reihen wissen? Oder ist ihr mehr daran gelegen, seine alteingesessenen männlichen Fans nicht übermäßig zu verärgern? Butkers Rede ging in Sekundenschnelle auf sämtlichen sozialen Netzwerken viral. Weitläufiges Entsetzen gesellte sich zum Aufschrei nach „Cancel Culture“ der amerikanischen Rechten. Die NFL distanzierte sich zwar etwas zögerlich von Butkers Rede, stellte aber klar, dass jeder Spieler seine eigene Meinung vertreten dürfe. Ähnlich äußerten sich Butkers Quarterback Patrick Mahomes und Trainer Andy Reid, die es immerhin schafften, klarzustellen, dass sie seine Meinung nicht teilten. Butker selbst stellte in einem Statement klar, dass er zu seinen Aussagen stehe und sieht scheinbar keinen Fehler in seinen Worten.

Auch Travis und Jason Kelce thematisierten die Rede in ihrem Podcast. Travis Kelce, dessen Freundin Taylor Swift ebenfalls in Butkers Rede mit einer völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Songzeile, und lediglich als „my teammates girlfriend“ betitelt, zitiert wurde, wurde nicht müde zu sagen, was für ein toller Kerl Butker sei. Immerhin machte er klar, dass er der Rede inhaltlich wenig bis gar nicht zustimmen könne. Jason Kelce spricht wohl den meisten aus der Seele, als er Butker indirekt einen verdammten Idioten nennt, und betont, dass seinen Töchtern niemand vorschreiben könne, was sie zu tun und zu lassen hätten.

Dem Ernst der Lage angemessen, erzählt er zudem, dass seine Frau sich sehr über die Rede geärgert hätte, worauf er sie zurück in die Küche geschickt hätte, um ihm etwas zu kochen. Naja, sie waren auf einem vielversprechenden Weg. Mehr können die in den Startlöchern stehenden weiblichen Footballfans scheinbar nicht erwarten.

Über den/die Autor/in
Elena Hümmer
Elena Hümmer
Online-Redaktion
Elena gehört zu den touchdown24.de Beat Writern und schreibt hauptsächlich über die NFL.

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