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NFL - National Football League

Born to be great – Kyle Shanahan und Christian McCaffrey jagen ihren ersten Super-Bowl-Titel

Der Gewinn von Super Bowl 58 in Las Vegas wäre für Kyle Shanahan und Christian McCaffrey der Höhepunkt ihrer Karriere. Fotocredit: IMAGO / UPI Photo

Der Gewinn von Super Bowl 58 in Las Vegas wäre für Kyle Shanahan und Christian McCaffrey der Höhepunkt ihrer Karriere. Der Head Coach der San Francisco 49ers und sein Runningback könnten damit in die Fußstapfen ihrer berühmten Väter treten.

In der NFL gibt es viele familiäre Verbindungen, aber selten ist eine so bemerkenswert wie im Fall der Shanahans und McCaffreys. Bekannt ist, dass Christian McCaffrey seit seinem Wechsel zu den San Francisco 49ers im Oktober 2022 unter Kyle Shanahan spielt. Was viele nicht wissen: Die beiden kennen sich schon viel länger. 

Kyle Shanahan kannte Christian McCaffrey schon seit dessen Kindheit

 „Wir kennen uns schon, seit ich klein war. Ich glaube, er hat manchmal auf mich aufgepasst“, hatte McCaffrey gegenüber NFL.com gesagt, als er 2017 in die NFL kam. Im gleichen Jahr wurde Kyle Shanahan Head Coach der 49ers.

 War Kyle wirklich der Babysitter des heute 27 Jahre alten Christian, der heute einer seiner wichtigsten Spieler ist? „Nein, das war meine Schwester“, erklärte der 44-Jährige während der Super Bowl Opening Night. Dennoch hatte Kyle einen engen Draht zur Familie McCaffrey – ebenso wie die ganze Familie Shanahan. Christians Vater Ed McCaffrey spielte für Mike Shanahan, den Offensive Coordinator der San Francisco 49ers und Vater von Kyle. 

Ed McCaffrey spielte mit den Superstars der 49ers

Nachdem die New York Giants Ed McCaffrey 1994 entlassen hatten, unterschrieb er einen Vertrag bei den 49ers. Der Wide Receiver zweifelte, ob er es in den Kader schaffen würde, neben so vielen Stars wie Wide Receiver Jerry Rice, Cornerback Deion Sanders und Quarterback Steve Young. 

Am Ende setzte er sich trotzdem durch und gewann in seiner ersten und einzigen Saison mit den 49ers den Super Bowl. Es war der fünfte Titel für die erfolgsverwöhnte Franchise der 1980er und 1990er Jahre. Der sechste lässt weiterhin auf sich warten... 

Kyle Shanahan bewunderte Ed McCaffrey

 Kyle Shanahan war damals Balljunge und jubelte an der Seitenlinie den Schützlingen seines Vaters zu – besonders Ed. „Christians Vater war mein Held. Ich trug mein Schulterpolster wie er“, erinnert sich Kyle Shanahan. „Ich habe Ed immer geliebt und wusste, dass er einen Haufen verrückter Jungs hatte. Ich war eng mit Ed und seiner Frau Lisa befreundet – er ist der Grund, warum ich im College die Rückennummer 87 trug.“ 

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Durch den Erfolg im Super Bowl wurde Mike Shanahan für andere Teams interessant und erhielt entsprechende Head-Coaching-Angebote. Letztlich nahm er die Offerte der Denver Broncos an und Ed McCaffrey folgte ihm. In Colorado hatte er eine größere Rolle inne; um die Jahrtausendwende fing er in drei Spielzeiten Pässe für mehr als 1000 Yards. In den Saisons 1997 und 1998 gewannen Ed und Mike jeweils ihre Titel Nummer zwei und drei. 

Christian McCaffrey war der geborene Läufer

 Eds Sohn Christian kam im Juni 1996 zur Welt. Als Ed das dritte Mal die Vince Lombardi Trophy in die Höhe reckte, war Christian zweieinhalb Jahre alt. In einem viel zu großen Trikot seines Vaters flitzte er über das mit Konfetti bedeckte Footballfeld in Miami. Sports Illustrated veröffentlichte ein ganzseitiges Titelfoto dieser Szene. Schon damals zeigte der spätere Runningback sein Talent als Läufer. Christians Großvater Dave Sime gewann übrigens bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom die Silbermedaille im 100-Meter-Sprint und musste sich im Photo-Finish nur dem Deutschen Armin Hary geschlagen geben. 

 „Christian begann mit etwa sieben Monaten zu laufen, was ungewöhnlich früh war“, sagte Lisa McCaffrey am Mittwoch im Gespräch mit den Medien. „Ich weiß, das klingt bizarr, Sie können es nicht glauben, aber ich schwöre, das es die Wahrheit ist. Fragen Sie seinen Kinderarzt. Er tat Dinge, für die sein Verstand nicht bereit war. Christians Verstand entwickelte sich in einem normalen Tempo, aber sein Körper entwickelte sich schneller.“

Wie aus dem Balljungen der Head Coach Kyle Shanahan wurde

 Genau wie seine Eltern besuchte Christian später die Stanford University und wurde dort zu einem herausragenden Runningback. Kyle Shanahan hatte zu dieser Zeit schon eine Karriere als drahtiger Wide Receiver der University of Texas hingelegt, ohne aber das Potenzial für eine NFL-Laufbahn als Spieler zu haben. Stattdessen entwickelte er sich zu einem der gefragtesten Assistenztrainer in der NFL. 2008 wurde er im Alter von 28 Jahren zum jüngsten Offensive Coordinator der Liga bei den Houston Texans ernannt. 2010 bekleidete er dieselbe Position, als sein Vater Mike sein letztes Traineramt in Washington antrat.

Seine Reputation wuchs, als er im Februar 2017 zum Head Coach der San Francisco 49ers ernannt wurde. In der Vorsaison hatte Kyle als Offensive Coordinator der Atlanta Falcons gearbeitet, wo er die beste Offensive der Liga formte. Das brachte ihm die Auszeichnung zum Assistant Coach of the Year ein. Jedoch erlitt sein Team im Super Bowl eine historische Niederlage, als das Spiel trotz einer 28:3-Führung gegen die New England Patriots verloren ging.

Für Kyle war es keine Bürde, als Sohn eines erfolgreichen Trainers aufzuwachsen. Er betonte, es habe die Dinge sogar "ein bisschen einfacher" gemacht. „Ich bin nicht nur der Sohn eines Trainers. Mein Vater ist der beste Trainer, den ich je um mich hatte“, zeigt er sich dankbar. Und weiter: „Ich lag meinem Vater immer in den Ohren und nervte meine Schwester und meine Mutter bei jeder Mahlzeit oder Autofahrt bis aufs Blut. Ich stellte ständig Fragen über Football.“ 

Sowohl Christian als auch Kyle haben hohe Ansprüche an sich selbst. Beide wollen sich nicht den Vorwurf gefallen lassen, nur aufgrund ihrer Familiengeschichte den Sprung in die NFL geschafft zu haben. Die hat ihren Einstieg in den Profi-Football zweifellos erleichtert, den heutigen Erfolg haben sich beide allerdings durch harte Arbeit verdient. 

Kyle Shanahan hatte Christian McCaffrey bereits vor dem Draft 2017 im Blick 

Zum Zeitpunkt des Draft 2017 war Kyle Shanahan erst zweieinhalb Monate Head Coach der 49ers, und Christian McCaffrey galt als klarer Erstrundenpick. Obwohl Kyle wohl seinem Vater mitteilte, dass er Christian für den talentiertesten Spieler im Draft hielt, entschieden sich er und der neue General Manager John Lynch an dritter Stelle für Solomon Thomas (heute New York Jets). McCaffrey wurde als achter Spieler von den Carolina Panthers ausgewählt. 

Nur in seiner Rookie-Saison zog McCaffrey mit den Panthers in die Playoffs ein. 2019 knackte er sowohl bei den Rushing- als auch Receiving-Yards die 1000er-Marke. Nur zwei weitere Spieler erreichten vor ihm ebenfalls diesen Meilenstein.

 

Spieler und Saison

Team

Rushing-Yards

Receiving-Yards

Roger Craig (1985)

San Francisco 49ers

1050

1016

Marshal Faulk (1999)

St. Louis Rams

1381

1048

Christian McCaffrey (2019)

Carolina Panthers

1387

1005

 

Der teure Trade für McCaffrey lohnte sich

In den folgenden zwei Jahren bestritt McCaffrey aufgrund von Verletzungen insgesamt nur 10 NFL-Spiele. Als sich die Panthers im Herbst 2022 Trade-Angebote für Christian anhörten, brachte sich Shanahan trotzdem in Position und arbeitete an einem Tauschgeschäft. Schließlich schickten die 49ers für McCaffrey im Gegenzug ein stolzes Paket bestehend aus ihrem Zweit-, Dritt- und Viertrunden-Pick im Draft 2023 sowie einem Fünftrunden-Pick 2024 nach Carolina.

Ein aufregender Neustart für McCaffrey, der fortan Teil eines Spitzenteams war und gleichzeitig in unmittelbarer Nähe seiner früheren Universität spielte. „Wir wussten, dass er zu einer herausragenden Organisation wechseln würde. Dort herrschte eine Atmosphäre des Gewinnens, mit der wir seit vielen Jahren bestens vertraut waren“, erzählte Lisa McCaffrey. Christian legte sofort den Fokus darauf, auf dem Feld zu überzeugen, denn er war sich bewusst: „Unabhängig von unseren engen familiären Bindungen kommt man ohne Leistung nicht weit.“ 

Christian McCaffrey und Brock Purdy belebten die 49ers-Saison 2022

Nur zwei Tage nach seiner Ankunft in der Bay Area stand für die 49ers das Heimspiel gegen die Kansas City Chiefs an. Ursprünglich wollte Shanahan seinen Neuzugang noch nicht einsetzen. Doch McCaffreys Einsatzfreude und Anpassungsfähigkeit änderten die Pläne. Einen Tag vor dem Spiel trainierte keiner der 49ers-Akteure – außer Christian McCaffrey und Ersatz-Quarterback Brock Purdy, die das Spielskript für das kommende Spiel intensiv besprachen. Das war keine leichte Aufgabe, da Shanahans Playbook auf Timing und Bewegungen vor dem Snap basiert. Dadurch war McCaffrey vorbereitet und spielte 23 Snaps gegen die Chiefs. Das Spiel endete jedoch mit einer Niederlage, der vierten im siebten Spiel. 

Während McCaffrey bereits ein Star in der Liga war (wenn auch bisher ohne NFL-Playoff-Erfolg), war Purdy Ende Oktober 2022 nur einem Fachpublikum bekannt. Rückblickend beeindruckte ihn vor allem McCaffreys Charakter. „Ich erklärte ihm die Laufwege, Checks und Konzepte. Über die gesamte Zeit hörte er zu. Er versuchte nicht, mich zu übertrumpfen und war bereit, zu lernen. Das war sehr wichtig für mich. Dieser Typ ist nicht ohne Grund anders, und das konnte ich an seiner Arbeitsmoral erkennen“, sagte Purdy im Interview mit The Athletic

Im folgenden Spiel gegen die Los Angeles Rams, zehn Tage nach seinem Trade, zeigte McCaffrey, dass er mehr ist als ein eindimensionaler Runningback. Mit einem Passing-Touchdown, einem Receiving-Touchdown und einem Rushing-Touchdown unterstrich er seine Vielseitigkeit. 

Kurze Zeit später sollte nicht nur McCaffrey die Saison der 49ers maßgeblich beeinflussen, sondern auch Purdy. Anfang Dezember brach sich Starting Quarterback Jimmy Garoppolo den linken Fuß, während Trey Lance wegen eines gebrochenen Knöchels ebenfalls zum Zuschauen verdammt war. 

So schlug die Stunde von Purdy, der im Draft 2022 an 262. und damit letzter Stelle ausgewählt worden war. Bis Purdy den Starter-Posten übernahm, war McCaffrey der einzige Spieler der ersten Mannschaft, der eng mit ihm zusammengearbeitet hatte. Alle anderen waren mit der Garropolo-Offense vertraut. Der junge Quarterback erwähnt heute, dass die Überstunden mit McCaffrey auch ihm dabei halfen, sich selbst zu verbessern, indem er das Playbook immer besser beherrschte. 

Trotz ihres holprigen Start gewannen die 49ers die folgenden zehn Spiele der regulären Saison.

Purdy und McCaffrey führten die 49ers bis ins NFC Championship Game gegen die Philadelphia Eagles, wo sich Purdy schwer am rechten Ellbogen verletze und mehrere Monate ausfallen sollte. Zum Start der Saison 2023 war er wieder fit, und die 49ers knüpften nahtlos an ihre Leistungen aus der Vorsaison an. McCaffrey stellte eine neue persönliche Rushing-Bestmarke auf (1459 Yards) und wurde zum Offensive Player of the Year ernannt. Zudem hatten die 49ers erneut Playoff-Erfolg. Im Duell um den NFC-Titel siegten sie trotz eines zwischenzeitlichen 17-Punkte-Rückstands gegen die Detroit Lions. 

Die gemeinsame Playoff-Bilanz von Shanahan, McCaffrey und Purdy

Playoff-Runde

 

Gegner

Endstand

Saison 2022

Wildcard Round

vs. Seattle Seahawks

41:23 (Sieg)

Saison 2022

Divisional Round

vs. Dallas Cowboys

19:12 (Sieg)

Saison 2022

Championship Game

@ Philadelphia Eagles

7:31 (Niederlage)

Saison 2023

Divisional Round

vs. Green Bay Packers

24:21 (Sieg)

Saison 2023

Championship Game

vs. Detroit Lions

34:31 (Sieg)

 

Wiederauflage des Super Bowl vor vier Jahren

Die Wiederauflage des Super Bowl vor vier Jahren stellt die 49ers erneut den Kansas City Chiefs gegenüber. In Miami vor vier Jahren sah San Francisco schon wie der sichere Sieger aus, führte Mitte des letzten Viertels mit 20:10. Doch herausragende Pässe von Chiefs-Quarterback Patrick Mahomes brachten die Wende, und am Ende verlor Shanahan seinen zweiten Super Bowl mit 20:31. Dieser Umstand ist auch der einzige Kritikpunkt, mit dem sich der talentierte Play-Caller immer wieder konfrontiert sieht. In den Medien wird von ihm immer wieder das Bild eines Trainers gezeichnet, der Spieler verbessert und ein genialer Play-Caller ist, aber in den großen Spielen mit seinen Mannschaften eingebrochen ist. Kann er dieses Bild korrigieren?

Sollten die 49ers siegreich sein, wären Christian und Ed McCaffrey erst das zweite Vater-Sohn-Duo in der NFL-Geschichte, das mit derselben Franchise einen Super Bowl gewinnt. Außerdem hat es noch nie ein Vater-Sohn-Gespann gegeben, das als Head Coaches den Titel holte. 29 Jahre nach dem letzten Super-Bowl-Triumph der 49ers wird Kyle Shanahan wieder an der Seitenlinie stehen. Diesmal allerdings mit größerer Verantwortung – und einem McCaffrey an seiner Seite. Ein Sieg würde nicht nur ihre eigenen Laufbahnen krönen, sondern auch das Vermächtnis ihrer Väter würdigen.


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