Philipp Forstner

Es dauert keine ganze Woche mehr, dann wird NFL Commissioner Roger Goodell in Cleveland, Ohio an ein Pult treten und den ersten Draftpick der Jacksonville Jaguars bekanntgeben. Die Teams analysieren seit Monaten die Draftklasse und befinden sich in den letzten Zügen, um ihr finales Big Board zu erstellen. Dieses umfasst ihre teaminterne Rangfolge aller von ihnen evaluierten Prospects und bestimmt die Strategien und die Auswahl in den drei Draftnächten.
Die Chicago Bears benötigen im nächsten Jahr eine bessere Offense, um nicht nur in die Playoffs einzuziehen, sondern dort auch zu gewinnen. Dafür draften sie momentan an 20. Stelle der ersten Runde und haben viele Möglichkeiten. Eine ist, für den nächsten jungen Quarterback vorzutraden. Die nächste ist, den besten Spieler in der zweiten Hälfte an Tag Eins zu nehmen. Eine weitere Alternative ist ein Downtrade oder der Transfer einiger Spieler, um mehr Draftkapital als in den Vorjahren zu generieren. Durchleuchten wir einmal alle Chancen.
Kyle Pitts ist der beste Tight End im NFL Draft. Er ist der beste Passempfänger dieser Klasse und der beste Nicht-Quarterback seines Jahrgangs. Alternativlos ist seine Auswahl als erster Spieler, nachdem die größten Spielmacher ihren Namen auf der Bühne in Cleveland, Ohio gehört haben. Weder Ja’Marr Chase, Penei Sewell noch Micah Parsons. Wird Kyle Pitts nicht sofort nach den Quarterbacks ausgewählt, ist der Pick für einen anderen Spieler an seiner statt in meinen Augen verschwendet. Da spielt auch die Berücksichtigung von “Needs” der Teams keine Rolle. Wer in den Top Ten an der Reihe ist, hat mehr als eine Baustelle im Kader und kann einen solchen Playmaker immer gebrauchen.
Vor einer Woche bebte die Szenerie um den NFL Draft 2021. Die San Francisco 49ers tradeten ihren 12. Pick in diesem Jahr und beide Firstroundpicks der kommenden zwei Jahre und erhielten im Gegenzug die dritthöchste Auswahlmöglichkeit im anstehenden Draft der Miami Dolphins. Das ist eine Menge Draftkapital und die brennende Frage steht im Raum: Nach wem graben die Goldsucher mit einem solch hohen Aufwand?
Vom 29. April bis zum 1. Mai 2021 findet der NFL Draft statt. Alle Augen der Footballwelt sind an diesen drei Tagen auf Cleveland, Ohio gerichtet, wo die 86. Auswahl junger Talente für die größte Profiliga im American Football abgehalten wird.
Die Free Agency erhält gerade das Rampenlicht im NFL Zirkus. Doch ist bekannt, langfristiger Erfolg fußt auf starken Entscheidungen im Draft. Die Suche nach möglichen “Sleepern” oder Spielern, die andere Teams zu unrecht negativ bewerten, ist dabei besonders wichtig. Denn während in den ersten Runden das “Bust”-Potential minimiert wird, soll es am dritten Tag darum gehen, Spieler aufzutreiben, die eigentlich Tag-Zwei-Talente sind und definitiv Starterpotential besitzen.
Der NFL Draft 2021 findet, wie geplant, ab dem 29. April bis zum 1. Mai statt. Der Weg dorthin ist aber ein ganz anderer als in den Vorjahren. In einem normalen Draftprozess kehren gerade die meisten Talente vom NFL Combine aus Indianapolis zurück und die Teams werten ihre gesammelten Eindrücke und Resultate aus. Dieses Jahr verschiebt sich die Debatte in den einzelnen “War Rooms” nach hinten. Denn bis zum 9. April finden die Pro Days der einzelnen Colleges statt.
Zum ersten Mal seit 2002 erreichten die Cleveland Browns die Postseason. Die Kirsche auf dem lang ersehnten Sahneeisbecher war dann der erste Playoff-Erfolg seit 1995. Mit dem Sieg über Pittsburgh steigt nun der Erfolgsdruck. Was über zwei Jahrzehnte als formuliertes Saisonziel genügte, wird in Zukunft den Ansprüchen nicht gerecht. Doch für den Super Bowl scheint das Team um “Coach of the Year” Kevin Stefanski noch nicht gerüstet. Die Browns müssen ihre Hausaufgaben gründlich erledigen, wollen sie die Spitze der NFL erobern.
Technisch gesehen, haben junge Spieler noch bis zum 1. März Zeit, um sich für den NFL Draft 2021 anzumelden. Allein deshalb werden NFL Teams noch keine Big Boards in Stein gemeißelt in ihren Büros liegen haben. Zusätzlich gibt es in den nächsten Wochen noch viele Interviews und Pro Days, die eine wichtige Rolle im Evaluationsprozess der Talente spielen. Charakter, Athletik, medizinische Checks, all das wird auch die New York Jets erst Anfang April eine Entscheidung treffen lassen, wer für sie der Beste auf der Position des Quarterbacks ist oder ob sie Sam Darnold behalten.
Dak Prescott, Derek Carr, Kirk Cousins, Russell Wilson und Tom Brady teilen eine Gemeinsamkeit. Allesamt wurden sie nicht in der ersten Runde ihres Jahrgangs gedraftet und trotzdem sind sie Starter in der NFL. Der Draft bietet keine Garantien und im weiteren Verlauf werden die Chancen immer geringer, noch einen zukünftigen Franchise Player zu ergattern. Doch kam es in der Vergangenheit immer wieder vor, weshalb es sich lohnt, auch in diesem Jahr auf die zweite Reihe an Quarterbacks zu schauen.

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