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Amon-Ra St. Brown - Das "German Wunderkind" der NFL

Den Blick immer nach vorn - Amon-Ra St. Brown von den Detroit Lions hat in der NFL viel vor. Den Blick immer nach vorn - Amon-Ra St. Brown von den Detroit Lions hat in der NFL viel vor. Imago Images / NurPhoto / Jorge Lemus
Amon-Ra St. Brown hatte es in seiner Rookie-Saison nicht gerade leicht in der NFL, neben der Gewöhnung an den harten Profialltag gab es mit seinen Detroit Lions gerade einmal drei Siege zu feiern. Seine individuellen Statistiken dagegen ließen sich aber nicht nur sehen, sie könnten potenziell eine Vorschau auf das gewesen sein, was die Lions-Fans noch von St. Brown in der härtesten Liga der Welt erwarten können. Und mit ihnen ganz Football-Deutschland!



Vier Sekunden stehen auf der Spieluhr, die Minnesota Vikings führen mit ebenso vielen Punkten Vorsprung gegen die heimischen Detroit Lions, welche den Ball an die 11-Yard-Linie ihrer Gegner getragen haben. Die Dramatik schwebt durch die Luft im Ford Field, das Dach des monströsen Domes kann sie kaum unter sich halten. Zur Ruhe aufgerufen, damit ihr Angriff kommunizieren kann, blicken die Fans der Lions sehnsüchtig gen grünem Geläuf, wo ihre glücklosen Helden abermals nach den so fernen Sternen greifen. Sie sind für Detroit schon lange schier unerreichbar weit weg, auch wieder in dieser Saison, in der sie nicht ein Spiel von zehn gewinnen konnten. Diejenigen, die das Verlieren schon seit Jahren zu einer fatalen Kunstform erheben, die ihnen viel Spott und irgendwie auch ein wenig Mitgefühl einbringt. Sie werden schon einen Weg finden, auch dieses so aufopferungsvoll gekämpfte Spiel zu verstolpern, denkt sich mancher Anhänger. Dann aber kommt der Snap.

Amon-Ra St. Brown und sein Game Winner

Die Receiver schwärmen aus, Quarterback Jared Goff scannt aus der Shotgun das Feld. Sein Blick wandert von der Mitte nach links, wo einer seiner Passfänger eine große Cushion bekommen hat. Mutig lässt Goff das Leder fliegen, es durchschneidet Luft wie Moment und landet in den Händen eines fallenden Amon-Ra St. Brown. Zwei Vikings-Verteidiger kommen zu spät, der Game Winner ist perfekt. Eine schiere Explosion der Freude lässt das Ford Field beben, der Stein von den Lions-Herzen kracht mit dem Gewicht des Mount Everest zu Boden und lässt purer Ekstase freien Lauf. Es scheint wie der Gewinn eines kleinen Super Bowl, in dem der größte Held fast in der Menge jubelnder Löwen untergeht. Amon-Ra St. Brown sticht kaum hervor aus dem Meer aus Silber und Blau, wobei er genau das den Rest der gesamten Saison tun soll. Er, der sich nun in der Vorbereitung auf sein zweites NFL-Jahr anschickt, vorher nie Dagewesenes in der National Football League zu erreichen. Zumindest aus deutscher Sicht.

"Good Ol‘ Football Germany" schickte schon einige kräftige Exporte über den großen Teich an die Küsten, welche für die Liebhaber des Pigskin die Welt bedeuten. Manche von ihnen kehrten ohne großes Brimborium zurück, an Erfahrungen und dem Wissen um die Unterschiedlichkeit zweier verschiedene Sphären reicher. Andere wiederum machten sich gute, solide, ehrbare Namen und noch mehr. Die Kuhns, Johnsons und Vollmers, die Edebalis, Nzeochas, Nüttens und Werners, ganz früher auch ein Stückweit der legendäre Ernie Stautner, sie alle zeigten dem Mutterland das auch in fernen Galaxien Football gespielt werden kann. In jüngster Vergangenheit liest man von immer mehr Namen in den Gazetten, die ihr Glück unter dem schweren Gewicht von Shoulder Pads suchen, die das Wort Globalisierung mit einem sportlichen Touch in die ureigene Amerikanische Sportliga hineintragen und damit eigene Träume zur Erfüllung bringen wollen. Bis heute gab und gibt es aber unter all den großen Jungs noch keinen wie Amon-Ra St. Brown.

In Deutschland fliegt Amon-Ra St. Brown noch etwas unterm Radar

Denn als hauptberuflicher Top-Receiver kann er zwischen Linien auf eine Art und Weise in Erscheinung treten, wie es viele seiner Vorgänger nicht konnten – mit offensiven Highlights, mit Statistiken, die ihn auf wichtige Statboards und Fantasylisten katapultieren, mit einer physischen Akrobatik, welche ihn zum stetigen Fixpunkt sonntäglich wandernder Augenpaare macht. Es ist ein Stück eine der großen Ungerechtigkeiten dieses Sports, dass manche Positionen einfach in vermeintlicher Dunkelheit ihr Dasein fernab der breiten Masse fristen, andere dafür selbst dem Nicht-Football-Fan schnell zum Begriff werden. An der Realität ändert das aber nichts, auch wenn Amon-Ra St. Brown davon vielleicht noch gar nicht so viel mitbekommt.



Denn selbst wenn er mit seinen 90 Receptions, 912 Yards und fünf Touchdowns zu den mit Abstand besten Rookie-Receivern seines Jahrgangs gehört, erreicht diese spektakuläre Welle bisher nur als plätscherndes Ostseewasser die Strände der deutschen Sportöffentlichkeit. Ein Teil davon mögen die wenigen Siege Detroits oder der selbst laut seinem Vater "ausgefallene" Name sein, dann die Tatsache, dass St. Brown mehr Weltenbummler als verwurzelter Mitteleuropäer ist, vielleicht ist auch einfach ein Umstand, in welchem sich die Nachricht mit ähnlicher Bedächtigkeit und Bodenständigkeit bewegt, wie Amon-Ra seine Routen läuft. Was auch immer es ist, die Zeichen der Zeit lassen rauschende Fluten von Highlights eigentlich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erwarten. Man muss nur die widrigen Umstände bedenken, unter denen St. Brown seine bisherigen Leistungen ablieferte, in einem Alter, in dem Receiver eigentlich nur Route Trees im Training büffeln und die hellen Lichter an Sonntagen oft von der Ersatzbank aus begutachten können.

Amon-Ra St. Brown mit Potenzial zum deutschen Megastar

Amon-Ra St. Brown kennt diesen Werdegang aus nächster Nähe, so gestalteten sich schließlich die ersten Karriereschritte seines älteren Bruder Equanimeous bei den Green Bay Packers. Eben jener darf jetzt bei den Chicago Bears auf größere Chancen hoffen, was nicht verschleiert, wie schwer es sein kann, sich als dominanter Passfänger in der NFL einen Namen zu machen. Genau das hat der sympathische Amon-Ra eigentlich schon gemacht, auch dank seiner faszinierenden persönlichen Geschichte mitsamt Jugendnationalmannschaft, dem Game Winner, einem Mr. Universe als Papa oder etlichen Sommern in der Beschaulichkeit Leverkusens. Wenn dieser Name noch einer breiteren deutschen Öffentlichkeit bekannt wird, dann steckt darin ein Potenzial für ihn als auch für den Sport hierzulande, welches ähnliche Höhen erreichen kann wie der Detroit Lion bei einem umkämpften Jumpball. Auch wenn ein ausufernder Hype natürlich ein wenig früh kommen mag, hier könnten Dinge folgen, an die man heute gar nicht denken möchte. Oder eben doch.

Nicht nur wenn man Fan der Detroit Lions ist…
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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