Alex Leatherwood wurde von den Las Vegas Raiders überraschend entlassen.
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Es ist ein Tag, an dem Träume platzen oder in Erfüllung gehen: Jedes Jahr müssen alle NFL-Teams Ende August ihren 80-Mann-Kader aus dem Trainingscamp auf 53 Spieler kürzen. Dass es da immer wieder zu harten Entscheidungen und überraschenden Entlassungen kommt, ist vorprogrammiert. Wir bei TOUCHDOWN24 haben uns angeschaut, welche bekannten Namen oder vielversprechenden Talente es in diesem Jahr erwischt hat – und wie ihre Zukunft in der Liga nun aussieht.

 

OT Alex Leatherwood

Altes Team: Las Vegas Raiders
Neues Team: Chicago Bears

Es war alles andere als ein Geheimnis, dass die Raiders mit den Leistungen von Leatherwood nicht zufrieden sind und es gab in der Offseason zahlreiche Trade-Gerüchte rund um den letztjährigen Erstrundenpick der Franchise. Dass Las Vegas den 23-Jährigen dann aber sogar auf die Straße setzt, war doch eine Überraschung. Immerhin startete Leatherwood alle 17 Spiele im Vorjahr für die Raiders, entweder auf Right Guard oder Right Tackle. Das Selbstvertrauen von Leatherwood war offensichtlich am Boden, nachdem er fast über das ganze Trainingscamp hinweg mit dem zweiten und dritten Team arbeiten musste – und das zeigte sich deutlich in der Preseason, wo er teilweise blamable Auftritte hinlegte.

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Nach seiner Entlassung wurde erwartet, dass Leatherwood aufgrund seines hoch dotierten Vertrags (noch drei Jahre mit fast sechs Millionen garantierten Dollar) ohne Claim durch die Waiver-Phase gehen würde. Doch dann ging alles Schlag auf Schlag: Die Bears schnappten nur einen Tag nach Leatherwoods Abschied bei den Raiders zu und übernehmen den kompletten Vertrag des Sophomores. In Chicago hat der ehemalige Alabama-Star nun die Chance, seine Karriere wieder auf den richtigen Weg zu bringen – es könnte bereits seine letzte in der NFL sein.

RB Philipp Lindsay

Altes Team: Indianapolis Colts
Neues Team: Noch ohne Team

Lindsays Entlassung in Indianapolis war der zweite große Schocker am Deadline-Tag. Der 28-Jährige schien in der Hackordnung der Colts klar auf Rang 3 zu liegen, hinter Superstar Jonathan Taylor und seinem Backfield-Kollegen Nyheim Hines. Die Colts haben aber das Mantra, dass ihre „Ersatz-Runningbacks“ auch im Special Team spielen müssen – was Lindsay, der bereits zwei 1.000-Yard-Saisons in der NFL hingelegt hat und der selbst nicht mehr der Jüngste ist, aber nicht tut. So entschieden sich die Colts letztlich für Deon Jackson, ein Undrafted Free Agent 2021, der bereits in der zweiten Hälfte der Vorsaison die dritte Rolle im Backfield innehatte.

Lindsay hat derweil noch kein neues Team gefunden, während Kollegen wie Niners-Flop Trey Sermon (Eagles) bereits unter Vertrag genommen wurden. Mit seiner Erfahrung und seinem Resümee sollten wir davon ausgehen, dass Lindsay in den nächsten Tagen noch irgendwo unterkommt. Die Steelers haben beispielsweise nicht genug Tiefe hinter Najee Harris und könnten eine erfahrene Präsenz hinter ihrem Superstar benötigen.

TE O.J. Howard

Altes Team: Buffalo Bills
Neues Team: Houston Texans

Viele dachten, Howard könne seine Karriere in einer Offense mit Josh Allen wiederbeleben und den Bills ein weiteres Element in ihrer bärenstarken Angriffsreihe liefern, doch Buffalo wurde nie warm mit Howard. Tatsächlich konnte der 27-Jährige als Blocker großteils überzeugen – etwas, wonach Buffalo bei ihren Tight Ends durchaus sucht. Doch das Playmaking, was eigentlich Howards große Stärke sein sollte, blieb auf der Strecke. Damit wurden die Bills zu einem weiteren schweren Karriereknick für den ehemaligen Erstrundenpick, den viele auf dem College schon mit Rob Gronkowski verglichen hatten.

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Nachdem vieles zunächst darauf hin deutete, dass sich Howard dem amtierenden AFC-Champion Cincinnati anschließen würde, gab es Donnerstag die große Wende. Die Bengals entschieden sich für Devin Asiasi anstelle von Howard und den 1,98-Meter-Hünen zog es stattdessen nach Texas, wo er jetzt für Houston aufläuft. In der Texans-Offense sollte Pharaoh Brown der Starter sein, Howard ist mehr eine Depth-Verpflichtung. Doch angesichts des Skillsets, dass Howard mitbringt, schwingt vermutlich auch in Houston die Hoffnung mit, dass der ehemalige College-Champion endlich beide Beine auf den Boden bringt.

WR Tyler Johnson

Altes Team: Tampa Bay Buccaneers
Neues Team: Houston Texans

Ja, der Wide-Receiver-Raum der Buccaneers ist so gut besetzt wie wohl nirgendwo sonst in der Liga, mit Ausnahme von Cincinnati – gerade, was die Tiefe betrifft. Irgendeinen guten Spieler musste es also treffen, dass sich die Bucs am Ende aber von Johnson trennten, war doch überraschend. Er führte die Bucs sowohl in Receptions als auch in Receiving-Yards in der Preseason an und schloss damit ein laut vieler Beat-Reporter solides Trainingscamp mit starken Auftritten auf dem Feld ab.

Johnson ist nach wie vor erst 24 Jahre alt und ja, er hatte seine Probleme mit Drops und allgemein damit, konstante Leistungen abzurufen – doch das Upside war stets zu sehen. Kein Wunder also, dass die Texans auf dem Waiver zuschnappten und sich Johnsons Dienste inklusive seinem alten Vertrag sicherten. In Texas wird Johnson mehr Möglichkeiten auf Snaps bekommen, die er hinter Mike Evans, Chris Godwin und Antonio Brown nie bekam. Seine Karriere ist selbst nach diesem Rückschlag noch lange nicht vorbei.

RB Kenyan Drake

Altes Team: Las Vegas Raiders
Neues Team: Baltimore Ravens

Drake war ehrlicherweise kein Cut am Deadline-Tag, sondern wurde von den Raiders bereits früher entlassen. Dennoch ist er, gerade unter Fantasy-Spielern, ein bekannter Name und soeben erst von den Ravens unter Vertrag genommen worden. Für Baltimore macht die Verpflichtung in jedem Fall Sinn, wollen die Ravens doch unbedingt eine Situation wie im Vorjahr vermeiden, als teilweise die besten vier Runningbacks des Teams allesamt verletzt waren.

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J.K. Dobbins hat nach wie vor mit Knieproblemen zu kämpfen, Gus „The Bus“ Edwards ist weiterhin auf der PUP-Liste. Drake soll hier eine potenzielle Lücke im Kader schließen und wird mit seiner Erfahrung (über 5.000 Rushing-Yards in sieben NFL-Saisons) sofort weiterhelfen. Der frühere Alabama-Star hat sich bei den Raiders zudem als verlässliche Passoption aus dem Backfield präsentiert und könnte daher bei Third Downs und in offensichtlichen Passsituationen öfter auf dem Feld stehen, als viele vielleicht denken.