George Pickens von den Steelers ist einer von vielen jungen Top-Receivern in der NFL. Credit: Imago Images / UPI Photo / Archie Carpenter

Als junger Receiver in der NFL Fuß zu fassen gilt als ziemlich schwieriges Unterfangen, der Wechsel vom College zu den Profis wird immer wieder als gewaltiger Sprung identifiziert. In den vergangenen Jahren allerdings ist ein Prozess ins Rollen gekommen, der eigentlich das Gegenteil vermuten lässt. Und dieser Trend scheint auch 2022 nicht an Fahrt zu verlieren!

College Football ist in den Vereinigten Staaten ein Riesending, das weiß mittlerweile eigentlich jeder Fan des ovalen Balls, der im Zentrum des American Football steht. In Sachen TV-Geldern, Professionalität und allgemeinem Spektakel stellt der amerikanische Uni-Sport etliche Profiligen dieser Welt in den Schatten, die meisten sogar so sehr, dass sie denken es wäre finsterste Nacht. Trotz dieses Umstandes und des gerade Niveaus in den Power Conferences gilt der Sprung in die große NFL immer noch als ein wahrlich furchteinflößendes Unterfangen, unterscheidet sich der Profialltag sich doch in immenser Art und Weise von allem, was selbst Top Prospects aus Alabama oder Georgia kennen. Auf manchen Positionen ist dieser Wechsel ins Profigeschäft sogar ganz besonders schwierig.

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Man denke nur einmal an einen Quarterback, der nicht selten frisch aus einer Air-Raid-Offense kommt und plötzlich ein kiloschweres Playbook auf den Tisch geknallt bekommt, welches für ihn im ersten Moment wie ein Wörterbuch in Altgriechisch erscheint. Oder auch an einen Center, der sich in seiner College Conference normalen Menschen gegenübersah, auf einmal aber vor Aaron Donald oder Fletcher Cox steht. Genau, Prost Mahlzeit! Auch Wide Receiver sollen es getreu traditioneller Meinung schwierig haben, sich schnell in einem NFL-System zurechtzufinden, gelten für sie doch ähnliche mentale Herausforderungen wie für die Quarterbacks, mit welchen sie sich nebst enormen physischen Anforderungen auseinandersetzen müssen. In der jüngsten Vergangenheit klappt das aber scheinbar immer besser.

Moderne Receiver-Klassen feiern Erfolge

2019 war in den Augen vieler Experten ein historisches Jahr für Rookie Receiver, denn die Gruppe um Terry McLaurin, DK Metcalf, A.J. Brown, Deebo Samuel, Darius Slayton und Diontae Johnson setzte auf vorher selten dagewesene Art Akzente. 2020 folgte dann erneut eine Draftklasse, die mit sofortigen Impact Playern wie Justin Jefferson, CeeDee Lamb, Tee Higgins, Chase Claypool oder Brandon Aiyuk nicht nur in der Tiefe überzeugte, sondern mit Jefferson und seinen 1400 Receiving Yards auch einen echten Headliner vorweisen konnte. Getoppt wurde das Ganze dann noch im vergangenen Jahr, wo Jeffersons ehemaliger LSU-Kollege Ja’Marr Chase berechtigte Ansprüche auf den Titel "bester Receiver der Liga" anmelden konnte und mit Jaylen Waddle, DeVonta Smith, Amon-Ra St. Brown oder auch Elijah Moore etliche andere Passfänger von sich reden machten.

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Natürlich ist es schwer, aus der Auswahl einzelner eine Schlussfolgerung für eine gesamte Gruppe zu ziehen, doch die letzten Jahre lassen ganz klar vermuten, dass es immer mehr Rookie-Receiver gibt, die sich quasi nahtlos in der National Football League einfügen und sich bereits früh für besondere Aufgaben empfehlen. Glaubt man den ersten Wasserstandsmeldungen aus der 2022er Preseason, dann wird sich dieser Trend in der kommenden Saison nicht nur fortsetzen, sondern vielleicht sogar einen weiteren Push erfahren. Top-Picks wie Garrett Wilson, Drake London oder Chris Olave konnten ihr Potenzial bereits unter Beweis stellen und etliche Receiver aus den späteren Runden deuten an, dass sie ebenfalls weiter oben hätten gepickt werden können.

2022 ebenfalls voll starker Rookie-Receiver

Man denke hier nur einmal an George Pickens von den Pittsburgh Steelers, der auch Profi-Defensive-Backs wie Tackling-Dummies aussehen lässt und der nächste fulminante Duft zu sein scheint, den die beeindruckende Receiver-Draft-Nase der AFC-North-Franchise aus vielen anderen herausgeschnuppert hat. Romeo Doubs brillierte in Green Bay so dermaßen, dass sie sich bei den Packers schon Gedanken darüber machen, wie sie den Rookie auf dem Boden behalten. Andere aufstrebende Namen wie Skyy Moore (Chiefs), Khalil Shakir (Bills), David Bell (Browns) oder Lance McCutcheon (Rams) komplettierten diese ohnehin beeindruckende Liste.

Woran liegt es aber nun, dass immer mehr Rookie Receiver scheinbar vom ersten Tag an in der NFL Fuß fassen und schneller als in der Vergangenheit für Aufsehen sorgen? Ein Hauptgrund ist sicherlich in der Evolution des Spiels zu suchen. Immer mehr Teams setzen auf das Passspiel und quasi kein Team kommt mehr ohne regelmäßige Vier-Receiver-Formationen aus. Der gleiche Trend herrscht am College, womit dort und bei den Profis eine immer größere Anzahl an talentierten Wide Receivern benötigt wird. Die gestiegene Nachfrage wird von Jahr zu Jahr besser durch ein sich stetig verbesserndes Angebot gestillt, Strukturen, Trainingsmethoden und Wertschätzungen verändern sich immer mehr zum Vorteil für viele Receiver. Mit mehr Möglichkeiten entwickeln sich viele Spieler besser als früher, wo noch vielerorts die Devise galt, sich erst einmal auf das eigene Laufspiel zu stützen.

Heutige NFL begünstigt junge Passempfänger

Ähnlich verhält es sich mit der physischen Weiterentwicklung der Prospects im Allgemeinen. Früher war die Receiver Position eine, auf der sich College-Athleten zunächst einmal auf ein viel schnelleres, athletischeres Spiel ihrer direkten Gegenspieler einstellen mussten. Die Geschwindigkeit mitten in der Bewegung oder die Physis in der Press Coverage waren einfach Dinge, denen viele Rookies allein von ihrer körperlichen Konstitution nicht gewachsen waren und sie brauchten oft ein oder zwei Jahre, in denen sie sich im Kraftraum oder auf dem Track für eben jene Situationen fit gemacht haben. Heute sind durch eine starke Individualisierung und Professionalisierung der Talententwicklung viele Prospects physisch wesentlich besser auf das "next level" vorbereitet, wie unter anderem stetig purzelnde Combine-Rekorde zeigen. Entgegen anderer Positionen fällt bei den Receivern außerdem der reine Kraftaspekt aufgrund körperlichen Wachstums nicht so sehr ins Gewicht wie zum Beispiel bei einem Offensive Lineman oder einem Nose Tackle.

Es wird heute auch wesentlich früher mehr von Rookie-Receivern erwartet, als das noch vor einiger Zeit der Fall war. Da die Anzahl von Wide Receiver Snaps in der jüngsten Vergangenheit stark zugenommen hat, sind gleichzeitig natürlich die Möglichkeiten für Spieler gestiegen, diese Spielzeit in Statistiken, Impact und Scores zu verwandeln. Musste ein Rookie Receiver früher vielleicht sich viel öfter seine Sporen zunächst einmal in den Special Teams verdienen, findet er sich heute oft schon im Training Camp im erweiterten Kreis der First Team Offense wieder. Schließlich muss er ja schon als vierter Receiver im Depth Chart für alle Eventualitäten und reichlich Spielsituationen bereit sein. Dieser Trend dürfte auch in den nächsten Jahren erst einmal nicht abreißen.

Womit wir sicherlich nicht sagen wollen, dass es für einen Wide Receiver heute einfach ist, die NFL im Sturm zu erobern. Ganz vielleicht ist es aber zumindest ein bisschen einfacher.