Udo Römer: "Der Verband dient nicht dem eigenen Ego"

geschrieben/veröffentlicht von/durch  TOUCHDOWN24-Redaktion 04.03.2021
Ende Januar ist Udo Römer vom Amt des Hauptausschussvorsitzenden im Bundesverband AFVD zurückgetreten. TOUCHDOWN24 hat sich mit dem Präsidenten des American-Football-Landesverbandes Rheinland Pfalz über die Hintergründe unterhalten.

6,50 € inkl. MwSt. TD24 Heft 47 - JUL 2021 Noch 119 vorhanden Zum Produkt


TOUCHDOWN24:
Hallo Herr Römer, Ende Januar sind sie vom Amt des Hauptausschussvorsitzenden zurückgetreten. Was waren die ausschlaggebenden Gründe?

Udo Römer: In der Bundesversammlung im Hauptausschuss und in meinem Landesverbandsvorstand habe ich wiederholt mitgeteilt, dass ich mich vom Präsidium und dem Gesamtvorstand immer ausreichend informiert gefühlt habe und dass die Informationen über die Geschäftsstelle auch entsprechend an die Landesverbände verteilt wurden. Genauso hatte ich immer gesagt, dass ich kein Fachmann in Sachen Finanzen bin und den Ausführungen des Präsidiums daher immer vertraut habe, wie im Übrigen auch der Großteil der Landesverbandsvertreter. Nun wurde das Gefühl im Nachhinein stark getrübt. Die aufgekommenen Fragen, beispielsweise zu den GmbHs oder Buchungen in der AFVD-Bilanz, konnte ich nicht beantworten, obgleich ich in die Entscheidung eingebunden war. Lange glaubte ich, dass die noch offenen Fragen von den entsprechenden Personen des Präsidiums beantwortet werden würden, vor Jahren konnte man es ja noch erklären. Da nun mein Vorstand und Verband in Konfrontation mit dem AFVD-Präsidium steht, kann ich nicht Teil des Präsidiums sein. Ich wurde gewählt, um den Landesverband Rheinland-Pfalz zu vertreten. Es blieb also konsequenterweise nur ein Rücktritt vom Amt des Hauptausschussvorsitzenden. Eine Entscheidung, die mir wirklich sehr schwergefallen ist.

TOUCHDOWN24: In dem vom Landesverband Rheinland-Pfalz veröffentlichten Dokument sprechen sie "erhebliche Vorwürfe“ gegen das Präsidium des AFVD an. Welche konkreten Vorwürfe erheben sie?

Römer: Es stehen noch offene Fragen im Raum und wenn keine Antworten gegeben werden, resultieren logischerweise Vorwürfe daraus. Beispielsweise bezüglich einer Pfändungssumme, die bei der IFAF einbehaltenen wurde. Auch haben wir den Eindruck, dass Zahlen in einigen Finanzplänen "gefaket“ sind. Ein konkreter Vorwurf ist die mangelnde Bereitschaft einzelner Akteure hier abschließend Transparenz zu schaffen und alle Unterlagen auf den Tisch zu legen. Ich möchte betonen, dass unsere Vorwürfe nicht gegen den Gesamtvorstand gehen, sondern nur gegen einzelne Personen des Präsidiums.

TOUCHDOWN24: Man kann Ihrer Veröffentlichung entnehmen, dass Sie durchaus bereit waren, die Differenzen aufzuarbeiten. Woran ist eine Aufklärung gescheitert?

Römer: Wir haben in unserem Vorstand mehrheitlich den Eindruck gewonnen, dass uns nicht aufrichtig auf gleicher Höhe gegenübergetreten wurde. Den Großteil der Antworten haben wir durch eigene Recherche herausgefunden. Fragen wurden uns leider in einer Art und Weise beantwortet, die aus unserer Sicht nur teilweise unseren Untersuchungsergebnissen entsprachen oder aber Sachverhalte aus unserer Sicht falsch darstellten. Auch wurde ein gewisser Druck durch einige Präsidiumsmitglieder aufgebaut, der uns den Eindruck vermittelt hat, dass an einer nachträglichen Überprüfung einzelner Vorgänge aus der Vergangenheit kein Interesse besteht und durch die erfolgte Zustimmung des Hauptausschusses oder der Bundesversammlung zur damaligen Zeit auch kein Anspruch mehr besteht.

TOUCHDOWN24: Vor Ihnen war bereits Peter Springwald, der Präsident des Landesverbandes NRW, von seiner Tätigkeit im Bundesverband zurückgetreten. Wie schätzen sie allgemein den Stand in Football-Deutschland in Bezug auf die Bundesverbandspolitik ein?

Römer: Das Präsidium des AFVD verfügt über ein beeindruckendes Netzwerk in die Politik und die Wirtschaft. Die Kampagne "Wir sind Football in Deutschland“ zeigt Wirkung, wir werden nicht mehr ignoriert, man kann uns nicht mehr so ohne Weiteres umgehen. Dies würde sich auch bei einem personellen Wechsel im Präsidium nicht wesentlich ändern.

TOUCHDOWN24: In der Folge der Ereignisse haben Sie eine Mitgliederbefragung innerhalb ihres Landesverbandes durchgeführt. Wie eindeutig war das Votum der Mitglieder?

Römer: Die Befragung unserer Mitgliedsvereine stand am Anfang. Da wir in Rheinland-Pfalz eine föderalistische, basisdemokratische Führung des Verbandes praktizieren, war uns die Meinung beziehungsweise ein Votum unserer Vereine, nach der Meldung aus NRW, ganz wichtig. Von allen unseren Vereinen, die die Sportart American Football betreibenden, wurden wir aufgefordert Daten und Fakten zu sammeln und gegebenenfalls den Landesverband aus NRW bei der Einberufung einer außerordentlichen Bundesversammlung zu unterstützen. Es wurden auch Themen vorgegeben, die hinterfragt werden sollten. Nur einem Verein waren die Vorgehensweisen des AFVD-Präsidiums vollkommen egal, weil – “ die Jungs ja eigentlich nur spielen wollen”.

TOUCHDOWN24: Als Folge wird der AFCV RLP dem aktuellen Vorstand die Unterstützung verweigern. Wie wichtig, denken sie, ist es, dass es im AFVD-Präsidium einen Neuanfang gibt?

Römer: Wir können einigen Personen im jetzigen Präsidium nicht mehr das Vertrauen entgegenbringen wie all die Jahre. Ich werde meine Aufgaben in der Regelkommission und als Vertreter des Hauptausschusses für das Jugendländerturnier, in die ich jeweils vom Hauptausschuss gewählt wurde, gerne weiterführen. Es ist wichtig, erst die offenen Fragen zu klären, bevor dem Präsidium - oder besser Teile davon - gezielte Vorwürfe gemacht werden. Ich bin immer noch der Meinung, dass hier über die Jahre sehr viel gute Arbeit geleistet wurde. Es besteht ja auch nicht in allen Bereichen ein besonderer Aufklärungsbedarf. Auch bedeutet ein möglicher Neuanfang nicht, dass alles bisherige schlecht war und sofort verändert werden muss. Das ist bei einem Verband dieser Größe und den bestehenden Verträgen auch gar nicht so einfach möglich.

TOUCHDOWN24: Welche Hoffnungen und Forderungen hätten Sie an ein neues AFVD-Präsidium?

Römer: Ein neues Präsidium muss natürlich nicht "das Rad neu erfinden“. Es sollte die transparente Informationspolitik, wie sie in den letzten Jahren praktiziert wurde und lange überfällig war, weitergeführt und in manchen Bereichen intensivieren. Ich denke da besonders an die Kompetenzen in der Jugend und des Schiedsrichterwesens. Die Cheerleadingvereine haben bislang kein Stimmrecht im Verband, das muss sich ändern. Bisher gab es im AFVD Football nur in Verbindung mit den Lizenzvereinen; die Probleme der Landesverbände bezüglich eines Spielbetriebes, also die Basis, waren immer zweitrangig, wenn man überhaupt Gehör bekam. Ich hoffe sehr, dass wir uns alle bald wieder auf unsere Sportarten besinnen. Der Verband dient nicht dem eigenen Ego und die Vereine sind nicht für die Funktionäre da. Wir sind die Personen, die beauftragt wurden, den Sport in Deutschland voranzubringen und unseren Sportlern und Zuschauern ein besonderes Erlebnis zu bieten. Wir sollten alle wieder an einem Strang ziehen.

TOUCHDOWN24 im Abo

td24 abo 300x300

Anzeige

Händler finden