Anja Anton-Hoenen hat aus ihrer Erfahrung als Stiefmutter eines aktiven Spielers und aus den Rückmeldungen anderer Eltern Vorschläge erarbeitet, wie Elternarbeit besser gelingen kann. Anja Anton-Hoenen hat aus ihrer Erfahrung als Stiefmutter eines aktiven Spielers und aus den Rückmeldungen anderer Eltern Vorschläge erarbeitet, wie Elternarbeit besser gelingen kann. RESTART21

RESTART21: Jugendarbeit ist Elternarbeit - Ein Plädoyer für mehr Kommunikation mit Eltern

geschrieben/veröffentlicht von/durch  TD24 Redaktion 17.02.2021
Die Rekrutierung und Bindung neuer Jugendspieler läuft in einem großen Maße über die Eltern. Das wird bisher deutlich unterschätzt. Es geht nun mal nicht um weithin bekanntes Fußballspielen, sondern um American Football. Diese Sportart ist weit weniger bekannt und mit weitaus mehr Vorurteilen belastet, als sie sein sollte. Schafft man es, zusätzlich zum interessierten Kind auch die Eltern für Football zu begeistern, steigen die Chancen auf eine gute Jugend- und Nachwuchsarbeit.


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Anja Anton-Hoenen hat aus ihrer Erfahrung als Stiefmutter eines aktiven Spielers und aus den Rückmeldungen anderer Eltern Vorschläge erarbeitet, wie Elternarbeit besser gelingen kann.

Die Eckpunkte des Konzepts stellt RESTART21 im Folgenden vor.

Zunächst einmal: Jugendarbeit, Elternarbeit – diese Begriffe brauchen eine Definition. Wir arbeiten vorrangig nicht an der Jugend oder an den Eltern. Schwerpunkt unseres Handelns als Engagierte im American Football muss die Arbeit mit und vor allem für jugendliche Spieler:innen und ihre Erziehungsberechtigten sein. So betrachtet gibt es eine ganze Menge im American Football, das wir besser, strukturierter und konsequenter machen können.

Die Situation
Kinder und/oder Jugendliche interessieren sich für American Football. Sie oder ihre Eltern nehmen einen ersten Kontakt zum Verein auf, rufen an, lesen auf der Webseite oder besuchen ein Spiel. Sie werden freundlich begrüßt und zum Probetraining eingeladen: „Wir freuen uns, komm doch einfach mal zum Training vorbei. Bitte Sportsachen und Trinkflasche mitbringen.“ Ganz einfach, ganz niederschwellig – so soll es sein.

Nach dem ersten Training kommt das Kind (hoffentlich) begeistert nach Hause: „Da will ich mitmachen“. Jetzt geht bei allen Eltern in egal welcher Sportart das Abwägen los: bleiben die Kosten im Rahmen, ist die Ausrüstung finanzierbar, passen die Trainingszeiten, ist das organisatorisch für uns machbar? Viermal ja – wunderbar. Das reicht für Fußball, Handball, Tennis usw. Es reicht nicht für American Football. Denn:

Football – ist das nicht die Sportart, in der sich die Spieler dauernd auf dem Feld herumschubsen, brutal von den Beinen holen, stapelmäßig übereinander liegen und keiner weiß, wo der Ball ist? Haben Footballspieler nicht ständig Gehirnerschütterungen und leiden im Alter an Alzheimer oder Demenz? Werden sie nicht auch permanent von ihren Trainern (Verzeihung: Coaches) angeschnauzt und müssen 100 Liegestütze zur Strafe machen? Überhaupt: Football – wie sind da nochmal die Regeln?

Vorausgesetzt, die Eltern entscheiden sich dennoch, dem Wunsch ihres Kindes nachzugeben, stehen sie beim nächsten Training oder Spiel am Rand und verstehen kaum etwas von dem, was da vor sich geht. Sie schnappen mit der Zeit das eine oder andere von anderen Besuchern auf, befragen zu Hause ihr Kind und wissen eigentlich nur sicher, dass sie beim nächsten Mal an der Reihe sind, belegte Brötchen oder einen Kuchen mitzubringen.

Dieses Learning by Watching mag bei einigen funktionieren. Aber wie viele Spieler haben wir auf dem Weg bis dahin schon verloren, bevor sie überhaupt richtig angefangen haben?
Das ist ausdrücklich keine Kritik an den Vereinen oder Coaches. Viele Jugendcoaches sind sehr gut in dem, was sie tun und damit aber auch ausgelastet. Sie können ihre Freizeit nicht auch noch damit verbringen, neuen Eltern die Spielregeln zu erklären oder zu skizzieren, welche Möglichkeiten ihre Kinder über den lokalen Verein hinaus womöglich noch haben. Wir brauchen also ein Elternkonzept, dass die Erziehungsberechtigten unterstützt und die Ehrenamtlichen vor Ort entlastet.
So kann es aussehen:

Eltern besser informieren

Für all die vielen Fragen und Bedenken, die Eltern anfangs haben, braucht es feste Ansprechpartner, die nicht zusätzlich noch viele andere ehrenamtliche Funktionen im Verein wahrnehmen müssen. Das ist nicht nur inhaltlich wichtig, sondern auch eine Maßnahme zur Vertrauensbildung. Nun kann nicht jeder kleine Verein so einen Elternansprechpartner haben. Das wäre die typische Idealvorstellung, die der Realität nicht standhält. Es ist schwer genug, ausreichend Ehrenamtliche für all die vielen Aufgaben zu finden, die auf und neben dem Feld zu erledigen sind.
Realisierbar ist jedoch, eine/n Ansprechpartner/in in jedem Landesverband zu installieren sowie eine Person im Dachverband, die sich diesem Schwerpunkt widmen. Die Eltern können davon über einen schlichten DIN A5 Handzettel mit den Kontaktdaten beim ersten Training erfahren.

Aufgaben einer Elternkontaktperson

  • Eltern an die für sie neue Sportart heranführen: von Regelkunde bis zum Spirit des Sports
  • Vereinsstrukturen transparent machen
  • Online-Informationen, Elternnewsletter, Infoveranstaltungen anbieten
  • Ein offenes Ohr für Fragen, Sorgen und Feedback haben
  • Feedback an den Verein zurückmelden, ggf. offene Fragen gemeinsam klären
  • Feedback sammeln und in die Verbesserung der Elternarbeit einfließen lassen

Kurz: Wir müssen durch Taten, nicht bloß Worte, vermitteln, dass der Verband großen Wert auf Jugend- und Elternarbeit legt und dies auch mit Herzblut und Engagement tut.

Den Beitrag der Eltern würdigen

Oben hatten wir den Begriff Elternarbeit definiert. Es gibt noch eine zweite, wortwörtliche Bedeutung des Begriffs: die Arbeit, die die Eltern (und weitere Ehrenamtliche) für den Verein leisten. Diese wird, obgleich unverzichtbar gerade im Jugendbereich, oft nicht ausreichend gewürdigt.

Wie oft werden da Kuchen gebacken, Salate gemacht, Würstchen gegrillt, Trikotsätze gewaschen, die Kids in Fahrgemeinschaften von hier nach da kutschiert… Nicht zu vergessen, dass auch irgendwer den Platz kreiden muss. Oft genug springen Eltern auch als Chain Crew ein, damit ein Spiel überhaupt stattfinden kann - häufig gar nicht wissend, was sie da eigentlich genau zu tun haben. Sie tun es trotzdem, so gut sie eben können.

Eltern sind ein wichtiger Teil der Football Family. Ohne sie wäre vieles nicht machbar. Sie haben im Gegenzug mindestens ein offenes Ohr und Aufmerksamkeit für ihre Anliegen verdient. Gute Elternarbeit eben.

Perspektiven aufzeigen

Talentierte und motivierte Jugendliche werden derzeit leider nicht so umfänglich durch die Verbandsstruktur gefördert, wie es möglich wäre. Der Landesverband NRW ist da zwar vorbildlich, aber mit mehr Unterstützung durch Strukturen, die vom Dachverband vorgegeben werden, wäre bundesweit deutlich mehr möglich. Die Jugendspieler, die ihr Talent weiterentwickeln können, verdanken dies zurzeit vor allem der Leistung einzelner motivierter und engagierter Menschen, die sich für sie einsetzen. Dass hier nicht bessere Strukturen bestehen, obwohl man doch so gerne talentierte Jugendspieler im eigenen Land halten möchte und jede Abwanderung an eine amerikanische High School bedauert, ist ein Trauerspiel.

Welche Möglichkeiten gibt es, besser zu werden? Wie schafft man es in die Landesauswahl, in die Jugendnationalmannschaft und weiter? Wann ist ein Vereinswechsel ratsam? Gibt es Alternativen zum allgegenwärtigen Traum, in der NFL zu spielen? Und wenn eben dies doch der individuelle Weg ist – welches sind die ersten Schritte dorthin? Worauf sollten Jugendliche und Eltern bei ihrer Planung achten? Beratung wird dringend nachgefragt - immerhin können sich hier Lebensumstände und

Zukunftsplanung deutlich verändern

All diese Informationen werden aktuell fast ausschließlich von Anbietern außerhalb des Verbands bereitgestellt. Den Kontakt zu ihnen suchen Jugendliche und Eltern vor allem deshalb, weil im Angebot des AFVD hier nichts weiter als eine große Lücke zu finden ist.

Das muss sich dringend ändern. Dazu muss man nicht das Rad neu erfinden oder neue Kapazitäten schaffen. Kooperationen mit seriösen Anbietern von Trainingscamps und internationalen Organisationen, die Spieler beim nächsten Schritt beraten und hilfreich zur Seite stehen, können vorteilhaft für alle Beteiligten sein. Für nationale Perspektiven und Angebote muss der AFVD die erste und beste Anlaufstelle sein. Bis es soweit ist, muss der Verband allerdings deutlich an seinem Profil und seinen Kompetenzen arbeiten. Mindestens ebenso hart, ausdauernd und mit Hingabe, wie es die Jugendspieler tun.

Last, but not least:

Imageverbesserung

Das Image des AFVD ist für viele Eltern irgendwo zwischen nicht vorhanden und schlecht. Die Arbeit findet woanders statt: vor Ort, mit Herzblut und Engagement und ganz viel Einsatz. Der Bundesverband wird, wenn überhaupt, als blutleere Verwaltungsmaschinerie wahrgenommen.

Suchen Eltern nach Informationen über den Bundesverband, finden sie schnell und in der Mehrheit die Dinge, die seit Jahren allenthalben kritisiert werden. Undurchsichtige Firmenkonstrukte, ein CAS-Urteil von 2018, das durch die mediale Football-Welt geistert, nicht vorhandene (wenngleich nun angekündigte) internationale Spielmöglichkeiten – welchen Eindruck hinterlässt das bei Eltern?

Eine deutlich bessere mediale Präsenz und Pressearbeit ist dem AFVD dringend anzuraten. Ein Thema, das alle Probleme immer wieder berührt und zu dem RESTARTR21 in Kürze ebenfalls ein Konzept vorstellen wird.

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