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Die WM kommt nach Deutschland – deutscher Football bleibt in Huber-Hand

Möglicher WM-Standort: der Deutsche Bank Park in Frankfurt Möglicher WM-Standort: der Deutsche Bank Park in Frankfurt IMAGO / eu-images
Vor knapp einer Woche ist die Weltmeisterschaft 2023 im American Football nach Deutschland vergeben worden. Das ist eine tolle Nachricht für die Football-Fans in Deutschland, für den in die Kritik geratenen AFVD-Präsidenten Robert Huber ist die Meldung aber mindestens ebenso toll.




Ein paar Tage zu spät ging die Meldung über den Sender: Deutschland wird die Weltmeisterschaft 2023 ausrichten. Hätte der Weltdachverband IFAF die Vergabe doch nur wenige Tage früher bekannt gegeben, wer weiß, vielleicht hätte der Verbandstag des Landesverbandes Hessen nicht verschoben werden müssen, vielleicht hätten sich digitale Möglichkeiten gefunden. Die ursprünglich für den 8. Dezember geplante Sitzung, bei der auch Robert Huber um sein Amt hätte fürchten müssen, war kurzfristig aus Pandemie-Gründen verschoben worden. Nur eine Randnotiz, doch so war der Weg frei für die guten Nachrichten.

“Ich danke Präsident Richard MacLean, dem IFAF Executive Board und Managing Director Andy Fuller dafür, dass sie fachkundig unsere Bewerbung geprüft und das Vertrauen in die Organisationskraft des AFVD haben, hier etwas wirklich Großartiges liefern zu können. Wir versprechen, dass die Football-WM in Deutschland ein außergewöhnliches Fest für die internationale Football-Fangemeinde und alle Teilnehmer werden wird“, ließ sich Huber staatstragend auf der Verbands-Homepage zitieren. Auf der politischen Ebene ist Huber eben voll in seinem Element und verkauft die Strahlkraft des Footballs in Deutschland wirklich gut.

Der AFVD steht nicht mehr alleine für Football in Deutschland

Eine Strahlkraft, die nicht mehr nur auf den deutschen Football-Dachverband zurückzuführen ist. Erst kürzlich hat die NFL mit Alexander Steinforth einen Geschäftsführer für Deutschland ernannt, die große US-Profiliga will spätestens 2023 im Rahmen ihrer International Series ebenfalls nach Deutschland kommen, womöglich sogar bereits ein Jahr eher. Die European League of Football hat ihren Hauptsitz ebenfalls in Deutschland aufgeschlagen, die meisten Teams der Liga haben zudem in Deutschland ihren jeweiligen Standort und erblühen mit der Wiederaufnahme alter Markennamen in neuem Glanz: Galaxy, Thunder, Rhein Fire, um nur drei zu nennen.

Just in dieser Phase, die auch mit der Corona-Pandemie einherging, geriet auch Huber als AFVD-Präsident ins Schleudern. Während der ersten Phase der Pandemie begehrten einige Vereine aufgrund mangelnder Führung auf, einige wenige wanderten schließlich in die ELF ab. Die German Football League emanzipierte sich mit der Gründung eines Ligavorstandes von ihrem Dachverband und mit der Initiative Restart21 schien der Fall des langjährigen Präsidenten, dem der Vorwurf gemacht wird, sich den Football in Deutschland zu eigen gemacht zu haben, nicht mehr weit entfernt.

Widerstandsfähigkeit des Präsidenten unterschätzt

Doch wer auf einen politischen Umsturz in Deutschland gehofft hatte, hatte die Widerstandsfähigkeit des Verbands-Präsidenten unterschätzt. Die Entwicklung der GFL wurde von Seiten des AFVD wohlwollend begleitet, wo Macht nicht zu halten war, wurden neue Kompetenzen verteilt. Kritikpunkte wie die faktische Abschaffung der deutschen Nationalmannschaft, wurden befriedend angegangen. Geschickt behielt Huber die Fäden aber in seinen Händen und saß die Entstehung der ELF ebenso geduldig aus wie das Aufbegehren von Restart21, um die es verdächtig ruhig geworden ist.

“So gut die WM-Vergabe nach Deutschland ist, um dem Football eine große Bühne zu bieten, denke ich, dass es, so sehr es dem Sport selbst hilft, es noch mehr Robert Huber hilft“, sagt Sebastian Mühlenhof, der seit Jahren den Football in Deutschland journalistisch begleitet, aktuell als Pressesprecher bei Stuttgart Surge in der ELF arbeitet und zuvor in gleicher Funktion bei den Stuttgart Scorpions in der GFL aktiv war. “Wir wissen alle, Robert Huber ist angeschlagen, er stand kurz vor der Abwahl in Hessen. Aber genau mit dieser WM kann er sich nun wieder herausretten“, so Mühlenhof weiter, der fest davon ausgeht, dass die WM Huber helfen wird um “bis 2023 und darüber hinaus im Amt des AFVD-Präsidenten zu bleiben“. Sein Fazit: “Für die Aktiven in Deutschland ist es das schlechteste Zeichen, was man senden kann.“

Fünf von acht WM-Teilnehmern stehen bereits fest

Der AFVD-Präsident hält nun auch alle Karten in der Hand, um aufbegehrende Landesverbände, beispielsweise den AFCVNRW aus Nordrhein-Westfalen, mit der Ausrichtung einiger WM-Spiele zu besänftigen. Oder eben Hessen, wo bereits alljährlich der German Bowl in Frankfurt ausgetragen wird. Noch ist das aber reine Spekulation.

Die WM selbst soll erstmals seit 2011 wieder mit acht Nationalverbänden ausgetragen werden. Neben Deutschland als Gastgeber sind die USA als Titelverteidiger sowie die aktuellen EM-Finalisten Italien und Schweden neben Australien als Gewinner der Ozeanien-Qualifikation bereits sicher dabei. Die übrigen drei Startplätze werden an Teams aus Afrika, Amerika und Asien vergeben. Marokko oder Ägypten sowie Mexiko und Japan gelten als aussichtsreiche Kandidaten. Damit ist auch klar: Österreich und Frankreich, zwei der stärksten europäischen Football-Nationen, haben keine Chance mehr auf eine Qualifikation.
Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.
Twitter: @ELFinsider
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