HEFT #51

Ausgabe NOVEMBER 2021

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Viertelfinal-Duell: Unicorns empfangen New Yorker Lions

Zwei Protagonisten der Haller Offensive: Wide Receiver Joshua Haas (#13) und Runningback John Santiago Zwei Protagonisten der Haller Offensive: Wide Receiver Joshua Haas (#13) und Runningback John Santiago IMAGO / Hartenfelser
Fünfmal in den vergangenen sechs Jahren trafen im German Bowl die Schwäbisch Hall Unicorns auf die New Yorker Lions aus Braunschweig. In diesem Jahr gibt es das Duell der Dauer-Meisterschaftsrivalen bereits im Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft. Der Grund liegt in der schwachen Saison der Niedersachsen. Kickoff ist am Samstag um 16.15 Uhr im Optima Sportpark der Unicorns.

 

Wieder einmal sind die Unicorns durch eine Regular Season der Südstaffeln der German Football League marschiert. Zehn Spiele, zehn Siege, 512:90 Punkte. Die letzte Niederlage vor den GFL-Playoffs fing sich die Mannschaft von Head Coach Jordan Neuman Mitte der Saison 2015 gegen die Allgäu Comets ein. Quarterback Alexander Haupert führte seine Unicorns samt seines nicht minder starken Backups Ian Gehrke fast fehlerfrei durch die Saison.

Neben Stars wie Ex-NFL-Profi Moritz Böhringer und Runningback John Santiago zeigte sich Schwäbisch Hall vor allem mannschaftlich geschlossen. Ein Beweis: Gleich neun unterschiedliche Spieler erzielten Rushing Touchdowns in dieser Saison, gleich 16 verschiedene Passempfänger fingen Touchdowns durch die Luft. Die Unicorns konnten es sich leisten, häufig kamen schon frühzeitig in der zweiten Halbzeit Backups zum Einsatz.

Doch während die Offense der Haller in vielen Kategorien nur in den Top-fünf zu finden ist, liegt die eigentliche Stärke des Südstaffel-Serienmeisters in der Defense. Spieler der Front Seven, wie die Defensive Ends Hagen Krauss und Corey Chapman waren eine permanente Gefahr für die gegnerischen Quarterbacks,, Linebacker Nick Alfieri räumte hinter der Line of Scrimmage ab und Monteze Latimore avancierte zum besten Cornerback der Liga – fing die meisten Interceptions.

Lions nicht mehr mit Stärke vergangener Jahre

Auf der Gegenseite ließen die Braunschweiger die Dominanz vergangener Jahre vermissen. Der Grund ist ganz einfach: Der Kader von Head Coach Troy Tomlin ist einfach nicht so stark besetzt, wie in den vergangenen Jahren. Ein erfolgreicher Saisonstart mit zwei Siegen über die Berlin Rebels täuschten anfangs noch über Defizite hinweg. Erst im Saisonverlauf zeigte sich, dass auch die Rebels weit von dem Playoff-Contender-Team der Vorjahre entfernt waren. Mit nur einem Sieg wurden die Hauptstädter Letzter der Nord-Tabelle.

Spätestens mit der Niederlage am vierten Spieltag gegen bis dahin sieglose Kiel Baltic Hurricanes offenbarte sich, dass die Braunschweiger ihre Probleme in dieser Saison haben würden. Nach einem zwischenzeitlichen Hoch, unter anderem mit einem Sieg gegen die Potsdam Royals, bei dem es aussah als wenn die Tomlin-Mannen zu alter Stärke zurückfinden könnten, verpasste der Rekordmeister am letzten Spieltag der regulären Saison mit einem Heimsieg über die Cologne Crocodiles Platz drei zu sichern. Stattdessen gewannen die Kölner und verwiesen Braunschweig auf Rang vier, was nun dazu führt, dass das namhaft besetzte Viertelfinale in Schwäbisch Hall stattfinden kann.

Braunschweig fährt so als klarer Außenseiter nach Baden-Württemberg. Zwar zeigte Quarterback Jake Kennedy durchaus seine Qualitäten, doch die Receiver-Unit hatte ohne Topspieler wie Nicolai Schumann (2021 bei Berlin Thunder in der ELF) und Niklas Römer (Karriereende) nicht die Durchschlagskraft vergangener Jahre. Paul Bogdann und Justus Holtz waren mit jeweils fünf Receiving Touchdowns beste Passempfänger ihres Team. Und auch die Defense zeigte sich in dieser Saison allenfalls im Mittelmaß der Liga. Fazit: Die Lions sind für Schwäbisch Hall dennoch der erste Gegner, der zumindest ansatzweise auf Augenhöhe sein kann. Über die komplette Dauer von vier Vierteln wäre alles andere als ein Erfolg der Unicorns eine große Überraschung.

Vorschau: Potsdam Royals vs. Munich Cowboys
Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.
Twitter: @ELFinsider
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