HEFT #51

Ausgabe NOVEMBER 2021

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Unicorns-Quarterback Alexander Haupert: "German Bowl-Sieg wäre mein absoluter Kindheitstraum"

Alexander Haupert strebt mit Schwäbisch Hall die Deutsche Meisterschaft an. Alexander Haupert strebt mit Schwäbisch Hall die Deutsche Meisterschaft an. Dirk Haupert
Schwäbisch Hall Unicorns-Quarterback Alexander Haupert steht erstmals in seiner Karriere im German Bowl (Samstag ab 18 Uhr live bei Sport1). Allerdings ist sein Einsatz nach einer Knieverletzung im Halbfinale gegen Potsdam noch fraglich. Im Interview mit TOUCHDOWN24 verrät der 26-Jährige, wie es seinem Knie geht, wie Runningback John Santiago ersetzt werden kann und wie der Gameplan im Finale gegen Dresden aussehen könnte.


TOUCHDOWN24: Hi Alexander, die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es deinem Knie?

Alexander Haupert: Dem Knie geht es soweit ganz gut. Ich war direkt am Montag im MRT und da gab es dann zum Glück die Bestätigung, dass keine große Verletzung vorhanden ist. Ich kämpfe im Moment noch gegen die Schwellung, die hoffentlich bis zum Finale raus ist. Und ansonsten gucke ich, dass das Knie so fit wird, dass ich dann hoffentlich mit dem Helm auf dem Kopf auf dem Platz stehen kann.

TOUCHDOWN24: Dabei drücken wir auf jeden Fall die Daumen. Das Finale am Samstag wäre dein erster German Bowl. Wie groß ist die Vorfreude trotz der Verletzung?

Alexander Haupert: Danke! Auf den German Bowl arbeite ich jetzt schon 19 Jahre hin. Daher hat der Frust über die Verletzung die Freude über das gewonnene Halbfinale ein bisschen überschattet. Deshalb ist mir auch noch nicht so richtig bewusst, dass es Sonntag um die Deutsche Meisterschaft gehen wird. Aber die Vorfreude ist natürlich trotzdem riesig. Die Spiele, die man gegen die besten Gegner spielt, sind die Spiele, die am meisten Spaß machen. Vor allem in einem gut gefüllten Stadion. Darauf freue ich mich riesig.

TOUCHDOWN24: Leider bist du nicht der einzige Unicorn, der mit einer Verletzung zu kämpfen hat. Euer Runningback John Santiago wird für den German Bowl ausfallen. Wie schwer wiegt sein Verlust?

Alexander Haupert: Der Verlust wiegt schwer. John ist ein explosiver Runningback, der auch mal über 60 Yards anderen Amerikanern davonläuft. Wir haben zwar unsere deutschen Jungs um Jannis (Fiedler, Anm. d. Red.), der ein gutes Spiel gemacht hat und der ohne Zweifel als Starter spielen kann. Er ist zwar nicht ganz so explosiv, aber er hat viel Erfahrung und kann die Blocks von der Offensive Line lesen. Die Backups müssen jetzt einen Schritt nach vorne machen. Dann bin ich zuversichtlich, dass wir das auch ohne John schaffen.

TOUCHDOWN24: Ihr habt in den Playoffs nicht so klare Ergebnisse wie euer Finalgegner aus Dresden eingefahren. Wie ordnest du eure Leistungen ein?

Alexander Haupert: Das ist richtig, aber man muss das Ganze auch im Verhältnis sehen. Gegen Braunschweig hatten wir zum Beispiel mit der Offense 38 Spielzüge. Braunschweig hatte langen Ballbesitz. Wir hatten ein paar Sachen, bei denen noch Luft nach oben war. Wir konnten uns vom Viertel- zum Halbfinale zum Beispiel beim Eröffnungsdrive verbessern. Auch Potsdam hatte langen Ballbesitz und hat die Uhr mit vielen Runs kontrolliert. Wir haben unsere Chancen genutzt. Wir haben uns gut gegen zwei starke Nordmannschaften geschlagen. An diese Leistungen müssen wir anknüpfen, auch an die letzten Trainingswochen, in denen wir uns stetig gesteigert haben. Jetzt geht es gegen den Besten aus dem Norden und da muss man sich in jeder Hinsicht ins Zeug legen.



TOUCHDOWN24: Schauen wir auf das Finale. Dresden stellt statistisch die beste Passing-Offense der GFL, ihr haltet mit der besten Passing-Defense der Liga dagegen. Ist das Duell eurer Cornerbacks gegen die Receiver der Monarchs ein Schlüssel?

Alexander Haupert: Definitiv. Mit Cody Pastorino haben wir den GFL-All-Time-Interception-Leader, mit Monteze Latimore haben wir den Interception-Leader von 2021. Ich denke, das wird vielversprechend, zumal die Defense wirklich viel Erfahrung hat und es bis jetzt immer sehr gut geschafft hat, sich auf andere Mannschaften einzustellen, eine gute Spielanalyse zu betreiben und einen guten Gameplan zu haben. Von daher denke ich, dass das auch für die Dresdner Offense ein langer und schwieriger Tag wird.

TOUCHDOWN24: Andersherum stellt ihr eine gute Offense, Dresden aber statistisch betrachtet eine schwache Defense. Worauf kommt es für euch offensiv besonders an?

Alexander Haupert: Natürlich suchen wir uns die Schwachstellen in der Defense heraus. Für uns wird es darauf ankommen, wie gut wir unser Laufspiel ohne John etablieren können. Ganz wichtig werden First Downs sein und dass wir nicht nach den Big Plays schauen, sondern den Ball kontinuierlich über das Feld bewegen. Es könnte ein etwas punktereicheres Spiel werden. Deshalb dürfen wir mit jedem Drive den Anschluss nicht verlieren. Wenn Dresden punktet, müssen wir auch punkten. Wenn wir punkten, müssen wir hoffen, dass unsere Defense hält. Das ist das A und O unseres Gameplans.

TOUCHDOWN24: An dieser Stelle möchten wir gerne ein bisschen Liebe für die Offensive Line verteilen, die ja oft zu kurz kommt. Wie hat die Line bisher gespielt?

Alexander Haupert: Wenn die O-Line so weitermacht wie bis jetzt, sehe ich da gar kein Problem. Wir haben beide Spiele ohne einen Sack gegen mich geschafft. Die Snaps kamen alle super. Das Runblocking und Screenblocking waren super. Die Jungs müssen genauso weitermachen. Alle sind fit, keiner ist verletzt. Jetzt noch die Woche gut trainieren und gut essen und dann bin ich sehr zuversichtlich, dass das auch ein herausragender Job von der Offensive Line im German Bowl wird.

TOUCHDOWN24: Letzte Frage! Vervollständige bitte diesen Satz: Den German Bowl zu gewinnen, wäre für mich…

Alexander Haupert: …mein absoluter Kindheitstraum!
Sven Schuer

Nach seinem Soziologiestudium in Osnabrück absolvierte Sven Schüer ein Praktikum bei der Neuen Osnabrücker Zeitung und blieb dem Journalismus bis heute treu. Als freier Mitarbeiter berichtet er vom Amateurfußball in und um Osnabrück und begleitet das Footballteam der Osnabrück Tigers seit einigen Jahren. Darüber hinaus schreibt er als freier Autor für verschiedene Online-Magazine und seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

Twitter: @Schueer86
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