HEFT #50

Ausgabe OKTOBER 2021

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Offensivspektakel garantiert? Lions gegen Monarchs in der Vorschau

Monarchs-Quarterback Kyle Carta-Samuels gehört zu den besten Ballverteilern der GFL Monarchs-Quarterback Kyle Carta-Samuels gehört zu den besten Ballverteilern der GFL IMAGO / Hentschel
Am vierten GFL-Spieltag treffen die vermeintlichen Topfavoriten der Nordstaffel im direkten Duell aufeinander. Die ungeschlagenen New Yorker Lions Braunschweig empfangen am Samstag (ab 16.45 Uhr, live auf Sport1) die passfreudigen Dresden Monarchs. TOUCHDOWN24 hat mit beiden Quarterbacks gesprochen.

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Die Vereine:

Die New Yorker Lions Braunschweig wurden 1987 gegründet, nachdem zwei Braunschweiger Schüler eine Zeitungsanzeige am 23. Oktober 1986 geschaltet hatten. Der Rest ist Geschichte: seit 1994 spielen die Braunschweiger durchgängig in der GFL. Zwölf deutsche Meisterschaften und sechs Vizemeisterschaften sammelte das Team zwischen 1997 und 2019, hinzu kommen sechs Eurobowl-Titel. Damit sind die Lions in beiden Wettbewerben Rekordmeister. Bis 1999 waren die Lions Teil des Post-SV-Braunschweig, gliederten sich aber zum 1. Januar 2000 als 1. FFC Braunschweig vom Stammverein aus. Im FFC sind die Amateur- und Nachwuchsteams, sowie das Cheerleading der Braunschweiger organisiert. Die erste Mannschaft der Lions befindet sich im Besitz der Modekette New Yorker, die das Team seit 1988 als Sponsor, sowie 1995 und seit 2011 auch als Namenssponsor unterstützt.

Die Dresden Monarchs wurden 1992 gegründet, Der Name des Teams führt auf den Monarchen August des Starken zurück, der ab Ende des 17. Jahrhunderts Herzog von Sachsen war. Auch das Vereinslogo führt auf August zurück, die ineinander verschlungenen Buchstaben zeigen ein "A" und ein "R", was für "August Rex" steht. Seit der Saison 2003 spielen die Monarchs in der GFL und sind in der vergangenen Dekade zu einem festen Bestandteil der Playoffs geworden, die man zuletzt 2011 verpasste. Der größte Erfolg war die Teilnahme im German Bowl 2013, der denkbar knapp mit 34:35 gegen die New Yorker Lions Braunschweig verloren wurde.

Die Teams:

In den letzten sieben Jahren standen die New Yorker Lions Braunschweig sechsmal im German Bowl. An dem amtierenden deutschen Meister führt in der Regel kein Weg vorbei. Auch in dieser Saison gehen die Braunschweiger von Headcoach Troy Tomlin als Favorit in die Spielzeit und wurden der Rolle beim 31:0 zum Auftakt gegen die Berlin Rebels auch gerecht. Das Rückspiel nur eine Woche später gewannen die Lions m heimischen Stadion jedoch erst kurz vor Schluss 29:22. Die Offense kam bisher noch nicht richtig ins Rollen. 30 Punkte im Schnitt sind aktuell nur Platz acht im ligaweiten Vergleich. Dafür überzeugt die Defense der Lions, die nur 190,5 Yards pro Spiel zuließ. Nur Allgäu ist mit 120 zugelassenen Yards besser, hat jedoch erst ein Spiel absolviert. Vor allem die Pass Defense der Braunschweiger präsentiert sich bisher hervorragend. Gerade einmal 62 gegnerische Yards ließ die Einheit pro Spiel zu. Die zweitplatzierten Saarland Hurricanes haben mehr als doppelt soviele Yards kassiert (134,7 im Schnitt).

Wo Dresden spielt, können sich die Zuschauer auf ein Punktefeuerwerk einstellen. 41:48 unterlagen die Monarchs zum Auftakt bei den Cologne Crocodiles. Das Rückspiel nur eine Woche später gewannen die Sachsen mit 54:34 im heimischen Stadion. Spektakuläre Passspielzüge zeigten die Monarchs um Quarterback Kyle Carta-Samuels in diesen beiden Partien. 773 Passing Yards und elf Touchdowns durch die Luft sprechen eine klare Sprache. 101 Passversuchen stehen 42 Laufspielzüge gegenüber. Anders sieht es in der Defensive aus. Dort ließ Dresden 878 Yards und acht Touchdowns zu und stellt damit die schwächste Passverteidigung der GFL. Immerhin gelangen aber bisher drei Interception, ebenfalls Bestwert im ligaweiten Vergleich.

Guys to Watch:

Lions-Quarterback Jake Kennedy sollte bereits 2020 für Braunschweig Pässe werfen. Die Corona-Pandemie verzögerte sein Debüt für die Lions aber bis zum Start der aktuellen Saison. „Es fühlt sich richtig gut an, jetzt endlich für Braunschweig zu spielen. Ich wusste von Anfang an, dass dies der Platz ist, an dem ich sein wollte. Ich würde für kein anderes Team spielen wollen“, verriet der US-Amerikaner TOUCHDOWN24. Kennedy war bis 2018 in der Division III für die Wittenberg University aktiv und legte 2019 für die Spielberg Graz Giants in der AFL 2.581 All-Purpose Yards und 36 Touchdowns auf. In den bisherigen zwei Saisonspielen brachte Kennedy 28 von 42 Pässen (66,7%) für 434 Yards und fünf Touchdowns an. Neben Kennedy lastet ein Großteil der Lions-Offense auf Runningback Exavier Edwards, der durchschnittlich 116 Yards pro Spiel erlief (5,0 pro Lauf) und bisher drei Touchdowns erzielte. Das Receiving-Corps führt Paul Bogdann mit acht gefangenen Bällen für 137 Yards und einen Touchdown an. Justus Holtz und Christian Bollmann sind weitere hochkarätige Waffen im Kader. In der Defense sticht Da'Shawn Benton mit zwei Inteceptions heraus. Die Secondary der Lions ließ bisher lediglich eine Completion Percentage von 27,5% zu – mit Abstand Bestwert in der GFL.



Diese überragende Pass-Defense wird gegen Dresden am Samstag richtig gefordert. Quarterback Kyle "KJ" Carta-Samuels ist aktuell mit durchschnittlich 386,5 Passing Yards pro Spiel der zweitbeste Ballverteiler der Liga hinter Kölns Chris Strong. Der ehemalige Starter der Colorado State Rams (2.255 Passing Yards und 19 Touchdowns in der College-Saison 2018) wurde vor der Saison verpflichtet. „Es macht sehr viel Spaß, als Quarterback in einer passlastigen Offense zu spielen. Letztlich müssen wir aber so spielen, dass wir Erfolg haben, egal ob wir den Ball werfen oder laufen“, erklärt Carta-Samuels gegenüber TOUCHDOWN24. Verlassen kann sich der Quarterback auf sein Receiving-Corps. Radim Kalous (19 Receptions für 278 Yards und 4 Touchdowns), Antek Podgorski (13 Receptions für 65 Yards), Darrell Stewart Jr. (11 Receptions für 163 Yards und 4 Touchdowns) und Robin Wilzeck (4 Receptions für 170 Yards und 1 Touchdown) trugen bisher wesentlich zum Erfolg der passlastigen Offense bei, genauso wie die gute Offensive Line der Monarchs. Auf dem Boden sorgt Yazan Nasser (4,9 Yards pro Lauf) für die nötige Unterstützung.

Duelle/Bilanz in der GFL:

Seit dem Aufstieg der Monarchs 2003 trafen beide Teams 37-mal in der GFL aufeinander. Kann man hierbei von einer Rivalität sprechen? Lions-Quarterback Kennedy stimmt zu:„Dresden und Braunschweig haben viele gute Spiele gegeneinander ausgetragen. Ich würde sagen, es ist eine Rivalität, auch wenn ich noch nicht so lange hier bin.“



Die Lions führen die Bilanz mit 23 Siegen an, während Dresden elf Duelle für sich entscheiden konnte. Zwei weitere Partien endeten unentschieden. In die Bilanz miteingerechnet sind auch zwei Playoffduelle: 2004 schlugen die Lions die Monarchs mit 34:20 im Halbfinale und verloren später den German Bowl XXVI gegen die Berlin Adler mit 7:10. 2013 standen sich Braunschweig und Dresden im spektakulären German Bowl XXXV gegenüber. Vor 12.157 Zuschauern im Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark lieferten sich beide Teams ein enges Duell mit insgesamt neun Führungswechseln. Kurz vor Schluss drehten die Lions einen 28:34-Rückstand durch einen Lauf zum 35:34-Sieg. In den letzten Sekunden rettete Defensive Back Christian Petersen seinem Team den German Bowl-Sieg, als er Monarchs-Runningback Trevar Deed den Ball aus den Händen schlug. Der Dresdener hatte bereits das First Down geschafft und sein Team eigentlich in Field-Goal-Reichweite gebracht. Doch der Forced Fumble beendete die Titelträume der Monarchs jäh.

Prognose:

Lions-Quarterback Kennedy erwartet ein enges Match über die gesamte Spielzeit: „Das Team, das es am meisten will, wird den Vorteil haben.“ Das Zünglein an der Waage ist am Samstag die Passverteidigung der Braunschweiger. Bekommt das Team Monarchs-Quarterback K.J. Carta-Samuels in den Griff, dürfte ein Sieg wahrscheinlich sein, wenn das Laufspiel gut funktioniert. Der Dresdener Ballverteiler hält dagegen: „Der Schlüssel zum Sieg liegt darin, unser Spiel zu spielen und bei allem, was wir tun, auf die Details zu achten. Wenn unsere Offense effizient ist, bringen wir Punkte aufs Board. Wenn wir unser Spiel spielen und gut kommunizieren, werden wir gewinnen.“, Allerdings werden Troy Tomlin und Co. die Sachsen sicher nicht unterschätzen. Denn wenn die Offense der Monarchs ins Rollen kommt, ist sie nur schwer zu stoppen. Zuschauer bei Sport1 dürfen jedenfalls viele Punkte und Spektakel erwarten. „Ich erwarte ein offenes Spiel mit viel Abwechslung. Beide Teams sind sehr gut, deswegen wird es ein tolles Spiel. Wir können definitiv mit ihrer Defense mithalten. Ich denke, unsere Offense kann jederzeit gegen jeden punkten, was uns zu einem sehr gefährlichen Gegner für jedes Team macht,“ ist sich Carta-Samuels sicher. Am Ende erwartet TOUCHDOWN24 dennoch einen knappen Sieg der Lions und viele Punkte.

Der 4. Spieltag:


26. Juni
Potsdam Royals vs. Cologne Crocodiles
Stuttgart Scorpions vs. Frankfurt Universe
New Yorker Lions Braunschweig vs. Dresden Monarchs
Berlin Rebels vs. Kiel Baltic Hurricanes

27. Juni
Allgäu Comets vs. Munich Cowboys
Ravensburg Razorbacks vs. Saarland Hurricanes

*fett gedruckt die Siegtipps unserer Redaktion
Sven Schuer

Nach seinem Soziologiestudium in Osnabrück absolvierte Sven Schüer ein Praktikum bei der Neuen Osnabrücker Zeitung und blieb dem Journalismus bis heute treu. Als freier Mitarbeiter berichtet er vom Amateurfußball in und um Osnabrück und begleitet das Footballteam der Osnabrück Tigers seit einigen Jahren. Darüber hinaus schreibt er als freier Autor für verschiedene Online-Magazine und seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

Twitter: @Schueer86
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