Andreas Kegelmann: “Im Fokus muss der Sport stehen“ Andreas Kegelmann: “Im Fokus muss der Sport stehen“ Foto: Kegelmann

Kegelmann: "RESTART21 steht für Herzblut und Kompetenz"

geschrieben/veröffentlicht von/durch  TOUCHDOWN24-Redaktion 04.02.2021
AFVD-Präsident Robert Huber im Panik-Modus? Alexander Sperber greift nach der Macht? Auch wenn aufgrund der Corona-Pandemie der Ball schon länger nicht mehr durch die deutschen Football-Stadien fliegt, auf Sport-politischer Ebene erlebt Football-Deutschland samt seiner Protagonisten stürmische Zeiten. TOUCHDOWN24 hat mit Andreas Kegelmann von RESTART21 gesprochen, um herauszufinden, wo der Schuh am meisten drückt und was sich unter Sperber als möglicher Huber-Nachfolger ändern würde.
TOUCHDOWN24: Hallo Herr Kegelmann, Football-Deutschland ist nach einem Jahr Corona-Pause ganz schön in Bewegung gekommen. Mit dafür verantwortlich ist Ihre Initiative “RESTART21“. Für alle, die bisher nicht ganz im Thema sind: Wer und was verbirgt sich hinter RESTART21?

Andreas Kegelmann: “RESTART21“ ist eine Initiative, die den derzeitigen Bundesvorstand des AFVD abwählen lassen möchte. Unter Führung von Alexander Sperber hat sich ein Team aus mehreren, kompetenten Persönlichkeiten aus ganz Deutschland zusammengefunden. Wir wollen zum Wohle des Sports eine neue Richtung im AFVD einschlagen. Unser Engagement gilt der Weiterentwicklung des American Football in Deutschland. Dazu ist das Potenzial auf jeden Fall vorhanden und auch am Engagement in den Vereinen fehlt es nicht. Die Förderung der Sportart, eigentlich oberste Aufgabe des AFVD, leidet allerdings unserer Meinung nach seit Jahren unter der Führung des derzeitigen AFVD-Präsidenten und der Intransparenz der Strukturen, der Entscheidungen und Handlungen. Natürlich reicht es nicht, das bisherige Präsidium einfach abzuwählen. Es braucht ein neues Programm und Menschen, die es tatkräftig umsetzen. Daher stellen sich die Mitstreiter bei RESTART21 gleichzeitig als neues Führungsteam zur Verfügung.

TOUCHDOWN24: Die Hauptkritik richtet sich also gegen den AFVD-Präsidenten Robert Huber, sowie die Intransparenz im Verband. Schwelt die Unzufriedenheit mit den Zuständen schon länger?

Kegelmann: Natürlich! Dazu muss man sich einfach nur ein bisschen an der Basis umhören. Unzufrieden sind vor allem die, die ehrenamtlich eine großartige Arbeit machen und sich dabei nicht nur kaum unterstützt, sondern sogar ausgebremst vorkommen. Sobald man versucht, hinter die Kulissen des AFVD zu schauen, läuft man vor Mauern des Schweigens. Das Konstrukt des AFVD erlaubt keinen Durchblick - unserer Meinung nach wurde es sehr geschickt und absichtlich über Jahre hinweg so aufgebaut. Gerne wird Kritik auch einfach ausgesessen - so wie bei einer Petition vor etwa drei Jahren, die knapp 13.000 Sportbegeisterte unterzeichneten. Trotz der großen Zahl der Unterstützer gab es weder Feedback noch wenigstens ein offenes Ohr oder Gesprächsbereitschaft seitens des Bundesverbands.

TOUCHDOWN24: Wie erklären sie sich dann, dass Robert Huber immer einstimmig im Amt bestätigt worden ist. Warum hat Football-Deutschland so lange für eine Opposition gebraucht, wenn die Unzufriedenheit schon so lange vorliegt?

Kegelmann: Bisher waren es immer einzelne Personen, die in die Opposition gingen und am Ende alleine nicht gegen die Strukturen ankamen. Mit RESTART21 hat sich zum ersten Mal eine Gruppe gefunden, deren Mitglieder mit ihren Kenntnissen und Fähigkeiten alle Themenbereiche, die im AFVD wichtig sind, abdecken können. Alle gemeinsam legen wir damit mehr Kompetenz bei gleichzeitiger Arbeitsteilung in die Waagschale. Das ergibt automatisch eine bessere Effizienz als Einzelaktionen sie haben können. Auch die Politik der Postenvergabe hat zur Einstimmigkeit beigetragen. Obwohl wir uns darüber wirklich nicht freuen: Corona hat auch dabei geholfen - und zwar einzig und allein deshalb, weil wegen der Pandemie die Saison ausgefallen ist. Damit blieb die Aufmerksamkeit bei der Kritik am Präsidium. Was die Einstimmigkeit betrifft, müssten Sie eigentlich die Stimmberechtigten fragen - wir können da nur vermuten.

“Welches Geld geht wofür wohin?“

TOUCHDOWN24: Welche Position RESTART21 umfassend vertritt, haben sie kürzlich mit dem veröffentlichten Dokument “AFVD-Präsident im Panik-Modus“ deutlich zum Ausdruck gebracht. Dabei war eine gewisse Aggression in der Wortwahl nicht zu überlesen. Warum haben sie sich zu derart deutlichen Worten entschieden?

Kegelmann: Nun ja, der Inhalt fasst die aktuelle Medienstrategie des AFVD unserer Meinung nach treffend zusammen. Aber Sie haben recht, diese Meldung war anders als die vorherigen. Wir haben in den vergangenen Wochen ja vieles an Konzepten in einzelnen Themenbereichen des American Football veröffentlicht. Die deutlichere Wortwahl in der letzten Meldung hat viel Bewegung in die Sache gebracht. Interessant waren die Rückmeldungen: Im Vergleich zu dem großen positiven Feedback gab es urplötzlich zwar zahlenmäßig weniger, aber dafür recht lautstarke Stimmen, die uns vorwarfen, alles schlecht zu reden, ohne eigene Lösungen anzubieten. Deutlich formulierte Kritik nimmt man also wohl an einigen Stellen wahr - die zuvor längst vorgestellten Lösungsvorschläge offenbar nicht. Zugegeben, ausgearbeitete Programmpunkte haben ihre Längen und sind sicher nicht so emotional ansprechend. So werden auch immer noch Fakten wie das Kölner Urteil und das CAS-Urteil ausgeblendet oder sind in ihrer Bedeutung nicht bewusst verstanden. Wir arbeiten daher gerade an einem Webauftritt, der in leicht verständlicher Sprache den Sachverhalt erklärt.

TOUCHDOWN24: Wenn man es auf den Punkt bringen will, dann werfen sie Huber neben einer Intransparenz vor allem vor, dass das durch den Football erwirtschaftete Geld zum großen Teil nicht in den Football zurückfließt, sondern über eine Vielzahl an GmbHs privatisiert wird. Können Sie das nochmal erläutern?

Kegelmann: Ja, das ist ein Kernpunkt unserer Kritik. Es geht hier nicht nur um die Bilanzen des AFVD und wie liquide der Dachverband eigentlich ist. Vor allem geht es um die Geldströme: welches Geld ging wohin und für welche Gegenleistung? Die über die Jahre gegründeten Gesellschaften, aktuell noch vier, bis vor wenigen Wochen waren es sechs, sind zum großen Teil durch einen Geschäftsführer besetzt, der gleichzeitig Verbandspräsident ist: Robert Huber. Das Konstrukt der Firmen und ihrer Verflechtungen untereinander und mit dem AFVD sind nur schwer zu entwirren. Das ist aber unbedingt notwendig, um herauszufinden, für welche Zwecke das Geld der Vereine und auch die Zahlungen von Sponsoren tatsächlich verwendet werden. Natürlich wissen wir, dass eine Struktur mit dem AFVD e.V. auf der einen und Kapitalgesellschaften auf der anderen Seite sinnvoll sein kann. Aber doch bitte in Maßen und transparent. Wir sind auch der Meinung, dass die notwendigen Gesellschaften zu 100 Prozent in der Hand des Verbands sein müssen. Die Eigentumsverhältnisse müssen dringend überarbeitet werden. Es stellt sich die Frage, ob die Gesellschaften bisher wirklich nur zum Wohle des Sports betrieben wurden. Grundsätzlich muss mehr Geld in die Förderung des Sports gehen - in die Ausbildung, die Auswahlmannschaften, die Jugendarbeit - Und eben nicht für den privaten Lebensunterhalt von Verbandsfunktionären verwendet werden.

TOUCHDOWN24: Sie vergleichen Robert Huber in dem Dokument mit Donald Trump. Ist der Vergleich nicht etwas übertrieben und gibt es nicht auch gute Aspekte, die Huber für den deutschen Football erreicht hat?

Kegelmann: Der Vergleich bezog sich nicht auf die Personen Huber und Trump, sondern auf deren Demokratieverständnis, speziell auf die immer wieder verschobene Wahl im Landesverband Hessen und vor allem darauf, dass nicht aktiv nach Möglichkeiten gesucht wird, die
Mitgliederversammlung mit anderen Mitteln als den bisher gewohnten abzuhalten und zu Ergebnissen zu kommen. Beispiele, wie das funktioniert, gibt es doch inzwischen wirklich genug. Warum also diese Hinhaltetaktik? Wenn es um rechtliche Aspekte geht, wird es wohl keinen Verband in Europa geben, der besser abgesichert ist und das ist ganz sicher der Verdienst von Robert Huber. Leider gleicht die Satzung des AFVD beziehungsweise die Bundesspielordnung dadurch mittlerweile einem Strafenkatalog. Sich dort hindurch zu wühlen und richtig zu verhalten ist mindestens ebenso schwierig, wie eines der oben genannten Urteile in ganzer Länge zu lesen und richtig zu interpretieren. Aber: wir sind ein Sport-Verband. Im Fokus muss deshalb doch auch der Sport stehen und nicht eine Satzung, die in alle Richtungen die eigenen Pfründe absichern soll.

“Unter Sperber wird das komplette Präsidium ehrenamtlich tätig sein“

TOUCHDOWN24: Als Gegenkandidat bei der AFVD-Wahl soll von Seiten RESTART21 Alexander Sperber als Präsidentsschafts-Kandidat ins Rennen gehen. Was würde sich unter einem Präsidenten Sperber konkret ändern?

Kegelmann: Alexander Sperber ist ein alter Hase, über die Bundesgrenzen hinaus in der American-Football-Szene bekannt und hoch angesehen. Er kennt den American Football in Deutschland von den Anfängen an und war federführend am Aufbau der ersten Vereins- und Verbandsstrukturen in Deutschland beteiligt. Der Weiterentwicklung des Sports und der Football-Familie ist er tief verbunden. Hauptberuflich erfolgreich bringt er nicht nur alle Kompetenzen, sondern auch die notwendige Zeit mit, um mit vollem Engagement ehrenamtlich und damit unentgeltlich an der Spitze des Verbandes zu stehen. Das ist - neben den inhaltlichen Veränderungen, die wir vorschlagen - wohl auch eine der größten Neuerungen, die seine Wahl mit sich bringt: das komplette Präsidium wird ehrenamtlich tätig sein. Lediglich die Stellen des Geschäftsführers oder der Geschäftsführerin sowie des oder der GFL-Beauftragten sind dann hauptamtlich besetzt. Damit folgen wir dem guten Beispiel anderer Sportverbände, wie zum Beispiel dem DFB. Möglicherweise braucht man auch noch eine Minijobstelle in der Verwaltung - aber grundsätzlich sollen nur die allernotwendigsten Kosten in der Verwaltung entstehen, damit so viel Mittel wie nur möglich in die Förderung des Sports fließen können. Und selbstverständlich geht damit die maximale Transparenz der Verbandsarbeit sowie der Mittelverwendung und der Mittelherkunft einher. Alexander Sperber steht ganz eindeutig für Verbesserung, Transparenz, Entbürokratisierung und vor allem - so wie das ganze Team von RESTART21 - für Engagement und Herzblut, Sachverstand und Kompetenz zum Wohle der wunderbaren Sportart, deren Fans und Freunde wir alle sind.

TOUCHDOWN24: Gibt es schon einen Termin für die Wahlen?

Kegelmann: Wir haben zurzeit vier Landesverbände, die einen Antrag auf eine außerordentliche Mitgliederversammlung stützen. In Hessen gibt es eine Gruppe von Vereinsvertretern, die sich intensiv mit der wohl wenig demokratischen Satzung des AFV Hessen beschäftigen, um auch hier eine Neuwahl zu initiieren. Voraussichtlich nach der Wahl in Hessen werden wir einen Termin ins Auge fassen.

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