HEFT #50

Ausgabe OKTOBER 2021

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Brennende Fragen nach Woche vier: Sind die Unicorns das beste Football-Team Europas?

Jubel nach dem CEFL-Titel: Halls Christian Honig (l.) und Aurieus Minton Jubel nach dem CEFL-Titel: Halls Christian Honig (l.) und Aurieus Minton IMAGO / GEPA pictures
Während die New Yorker Lions aus Braunschweig gegen die Dresden Monarchs die erste Saison-Niederlage in der GFL hinnehmen mussten, krönten sich die Schwäbisch Hall Unicorns in einer packenden Partie gegen die Swarco Raiders Tirol zum CEFL-Champion. In Zeiten der European League of Football drängt sich somit die Frage auf: Wer ist denn nun das beste Football-Team in Europa?

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Sind die Unicorns das beste Football-Team Europas?


Diese Frage muss man wohl aktuell mit “Ja“ beantworten. In der Südstaffel der German Football League wenig gefordert, haben sich die Unicorns am Samstag den CEFL-Titel geschnappt. Zum Haller Matchwinner avancierte einmal mehr US-Receiver Tyler Rutenbeck, der im dritten und vierten Viertel mit jeweils einem Touchdown den Halbzeit-Rückstand von 7:16 noch in ein 22:16 drehte. Den ersten Touchdown für den GFL-Vertreter hatte Ex-NFL-Akteur Moritz Böhringer erzielt, der als Tight End im Passspiel zunehmend an Relevanz für Quarterback Alexander Haupert gewinnt. Für die Raiders erzielten Runningback Ruben Seeber und Wide Receiver Marco Schneider die Touchdowns. Am diesjährigen europäischen CEFL-Wettbewerb nahmen zwölf Mannschaften aus elf verschiedenen Nationen teil.



Doch kann man daraus ableiten, dass Schwäbisch Hall das aktuell beste Football-Team in Europa stellt? Ja, das CEFL-Finale haben sie gegen die Österreicher knapp gewonnen. Die Raiders selbst hatten sich zuvor im Halbfinale gegen das zweite österreichische Top-Team, die Vienna Vikings, durchgesetzt, Hall die Calanda Broncos aus der Schweiz bezwungen. In den letzten Jahren wäre eine derartige Bewertung ohne die New Yorker Lions Braunschweig nicht möglich gewesen. Doch die Niedersachsen haben an den ersten GFL-Spieltagen so ihre Probleme und am Samstag ihre erste Saisonpleite gegen die Dresden Monarchs eingesteckt. Und die Teams aus der European League of Football, die unter NFL-Regeln spielen und so nur bedingt vergleichbar sind? Die neue League mag aufgrund der Leistungsdichte im Schnitt die vielleicht beste Liga in Europa sein, die besten Teams spielen mit Schwäbisch Hall (und vielleicht Braunschweig und Dresden) sowie den Raiders und Vikings aber noch in der GFL und AFL.

Lions verlieren: Gibt es eine neue Nummer eins in der Nordstaffel?


Die Cologne Crocodiles düpierten die Dresden Monarchs zum Saisonauftakt, die Monarchs gewannen gegen die Braunschweig Lions und die Potsdam Royals schlugen die Crocodiles. Was die Südstaffel an Spannung an der Spitze vermissen lässt (s.o.), liefert die Nordstaffel aktuell par excellence. Hochspannung und jede Menge Partien, deren Ausgänge am Ende viele überraschte. Eigentlich galten die Braunschweiger als weiterhin bestes Team. Doch schon in der Vorwoche entgingen sie nur um Sekunden einem Remis gegen die Berlin Rebels. Und nun folgte die 27:35-Niederlage gegen Dresden.

Wer das Spiel, das live auf Sport1 übertragen wurde, verfolgt hat, kommt um den Eindruck nicht herum, dass die Monarchs damit das aktuell beste Team der Nordstaffel sind. Die Tabelle weist allerdings die Potsdam Royals an der Spitze aus, die vor allem in der Defense gegen die bisher so angriffsstarken Crocodiles überzeugten und somit zurecht ihren Hut in den Ring werfen, wenn es um Heimrecht in den Playoffs und somit eine Top-Platzierung geht. Würde man heute ein Power Ranking für den Norden erstellen, wären die Monarchs wohl knapp auf Platz eins vor Braunschweig und Potsdam. ABER: Bereits am kommenden Wochenende dürfen die Royals im Heimspiel gegen die Monarchs den Gegenbeweis antreten. Auf Sport1 (Samstag, ab 16.45 Uhr) wird übrigens Cologne Crocodiles gegen die Berlin Rebels übertragen. Hier können beide Teams beweisen, dass auch sie noch ein Wörtchen mitreden wollen, wenn die Lions denn dann nun schonmal stolpern.

Ist die Frankfurt Universe die schlechteste Mannschaft der GFL-Geschichte?


Noch nicht, aber die Universe befindet sich genau auf diesem statistischen Kurs. Die schwächste Mannschaft der Liga-Geschichte stellten die Hildesheim Invaders in der Saison 1991. Die Niedersachsen verloren sämtliche 14 Saisonspiele und kamen am Ende auf ein Punkteverhältnis von 54:944. Die höchste Pleite war dabei ein 0:88 bei den Dortmund Giants. Im Schnitt verloren die Invaders also ihre Spiele mit 3,9 zu 67,4 Punkten. Die Frankfurter bringen es bisher auf 6,7 zu 70 Punkten. In der Hochrechnung verfügen sie also aktuell über die bereits schlechteste Defense der GFL-Geschichte.

Immerhin: Beim 20:55 bei den Stuttgart Scorpions brachten die Hessen ihre ersten Saisonpunkte aufs Scoreboard und führten sogar zu Spielbeginn schnell mit 14:0. Dennoch kann wohl nur noch ein Wunder verhindern, dass die Frankfurter nicht in die Abstiegs-Relegation müssen. Und ob es dort zum Klassenverbleib gegen die Straubing Spiders oder Kirchdorf Wildcats ausreicht, die aktuell an der Spitze der GFL2-Südstaffel stehen, darf stark bezweifelt werden.

Ergebnisse von Woche 4:


  • Potsdam Royals vs.Cologne Crocodiles 31:7 (7:0, 3:0, 14:0, 7:7)
  • New Yorker Lions Braunschweig vs. Dresden Monarchs 27:35 (0:7, 7:21, 6:0, 14:7)
  • Stuttgart Scorpions vs. Frankfurt Universe 55:20 (6:14, 29:0, 14:0, 0:6)
  • Berlin Rebels vs. Kiel Baltic Hurricanes 28:14 (0:0, 14:0, 0:7, 14:7)
  • Allgäu Comets vs. Munich Cowboys 20:17 (0:3, 12:14, 0:0, 8:0)
  • Ravensburg Razorbacks vs. Saarland Hurricanes 31:38 (7:7, 3:0, 7:3, 14:28)
Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.
Twitter: @ELFinsider
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