Erzielte zwei Touchdowns beim Sieg über die Rebels: Braunschweigs Exavier Edwards (#8) Erzielte zwei Touchdowns beim Sieg über die Rebels: Braunschweigs Exavier Edwards (#8) IMAGO / Hübner

Brennende Fragen nach Woche 2: Lions, Cowboys, Castle

geschrieben/veröffentlicht von/durch  14.06.2021
In Woche zwei der neuen Saison ist auch der amtierende Deutsche Meister in die Saison eingestiegen. Die New Yorker Lions Braunschweig gaben sich dabei keine Blöße. TOUCHDOWN24 mit den brennenden Fragen des 2. Spieltags.

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Sind die New Yorker Lions Braunschweig wie ein Topfavorit auf den Titel aufgetreten?


Die New Yorker Lions präsentierten sich beim 31:0 gegen die Berlin Rebels kompromisslos in der Defense und humorlos in der Offense. Trotzdem war vor allem der Offense anzumerken, dass sie – Corona-bedingt, wie alle Teams – nicht in der Verfassung war, wie man es von den Lions seit Jahren gewohnt ist. Dennoch machte Quarterback Jake Kennedy ein fehlerfreies Spiel und auch Import-Runningback Exavier Edwards zeigte gleich, dass er nach seinem Kurzintermezzo als nomineller Spieler der Bracelona Dragons in der European League of Football in die Fußstapfen von Christopher McClendon treten kann, mit dem die Lions 2019 die Meisterschaft geholt hatten. Bemerkenswert: Die drei Touchdowns durch die Luft resultierten allesamt durch Big Play über 46, 53 und 43 Yards.

Die Niedersachsen unterstrichen so ihre Favoritenrolle im Norden, ob sie im Fernduell mit den Schwäbisch Hall Unicorns, die in dieser Woche ihr Halbfinalspiel in der CEFL bei den Calanda Broncos/Schweiz mit 35:21 gewannen und so nicht in der GFL antraten, bereits wieder das bessere Team sind, lässt sich noch nicht beantworten. Beide Teams befinden sich aber auf Augenhöhe und es wäre überraschend, würden sich Lions und Unicorns nicht im German Bowl im Oktober gegenüberstehen.

Sind die Munich Cowboys auf dem Boden der Tatsachen angekommen?


Zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung war das 26:27 bei den Ravensburg Razorbacks ein schwerer Rückschlag. Die Cowboys werden ihren 72:0-Erfolg in Woche eins gegen die Frankfurt Universe aber richtig eingeschätzt und sich selbst nicht überschätzt haben. Dass allein Aufsteiger Saarland Hurricanes in dieser Woche mit 83:0 einen noch höheren Sieg über die Frankfurter feierte, relativierte, dass nicht die Cowboys besonders stark, sondern die Universe außerordentlich schwach ist.

Die (denkbar knappe) Niederlage bei Aufsteiger Ravensburg Razorbacks zeigte, dass die Bäume für die Cowboys in diesem Jahr nicht in den Himmel wachsen. Da sich zwischen dem Überteam der Schwäbisch Hall Unicorns und der unterirdischen Frankfurt Universe aber eine Saison im Süden entwickelt, in der noch kein Team sonderlich stabil wirkt, kommen auch die Cowboys noch immer für einen Playoff-Platz infrage – allerdings werden sie sich keinen weiteren Ausrutscher gegen ein vermeintlich schwächeres Team mehr leisten können.

Ist Markell Castle der beste Wide Receiver der GFL?


Was Markell Castle im Trikot der Cologne Crocodiles in den ersten beiden Wochen geleistet hat, ist mehr als bemerkenswert. In Woche eins fing der 26-Jährige sechs Pässe für 208 Yards Raumgewinn und zwei Touchdowns. Am Samstag legte der 1,84 Meter große Passempfänger 13 Catches für 248 Yards und vier (!!!) Touchdowns nach. Die 34:54-Niederlage der Kölner bei den Dresden Monarchs konnte er allerdings auch nicht verhindern. Der US-Amerikaner profitiert bei seinen herausragenden Leistungen auch von seinem Teamkollegen Aaron Jackson, der als US-Import ebenfalls viel Aufmerksamkeit an sich bindet – Quarterback Chris Strong hat einen britischen Pass und so zwei US-Receiver zur Verfügung.



Doch seit Beginn des GFL-Datenarchivs 2007 waren tatsächlich noch einige andere Wide Receiver effektiver. Das liegt vor allem daran, dass Castle schon 2019 zehn Spiele für die damals allenfalls mittelmäßigen Kiel Baltic Hurricanes absolviert hat. Damals fing er 47 Pässe für 686 Yards und neun Touchdowns, wodurch er durchschnittlich auf 95,17 GFL-Yards Raumgewinn pro Spiel und 17,30 Yards Raumgewinn pro Catch kommt. Damit verpasst er in beiden Kategorien eine Top-Ten-Platzierung der GFL-Datenaufzeichnung, bei Yards pro Spiel belegt er aber immerhin den historischen 20. Platz. Allerdings: Bedenkt man, dass die Crocodiles mit ihren beiden Spielen gegen die Dresden Monarchs gegen einen der besten Gegner ihres Spielplans gespielt haben und somit noch etliche "leichtere" Gegner kommen, dann ist es durchaus möglich, dass Castle in den historischen Tableus noch nach oben klettert. Erstaunlich: Selbst, wenn man die Kieler Zeit herausrechnet und nur die Durchschnittswerte dieser Saison heranzieht, dann führt er nur die Kategorie "Yards pro Spiel" um Längen an. Bei Yards pro Catch ist allein Halls Tyler Rutenbeck mit 24,5 Yards im Schnitt noch ein halbes Yard effektiver als Castle - und Rutenbeck blickt mittlerweile auf 62 GFL-Spiele zurück. 

Ergebnisse aus Woche 2:


  • Frankfurt Universe vs. Saarland Hurricanes 0:83 (0:7, 0:35, 0:21, 0:20)
  • Potsdam Royals vs. Kiel Baltic Hurricanes 52:6 (23:0, 8:0, 14:0, 7:6)
  • Dresden Monarchs vs. Cologne Crocodiles 54:34 (14:0, 6:3, 21:13, 13:18)
  • Stuttgart Scorpions vs. Marburg Mercenaries 29:38 (0:14, 14:14, 9:0, 6:10)
  • New Yorker Lions Braunschweig vs. Berlin Rebels 31:0 (7:0, 17:0, 7:0, 0:0)
  • Ravensburg Razorbacks vs. Munich Cowboys 27:26 (14:3, 0:3, 0:14, 13:6)
Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.
Twitter: @ELFinsider

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