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Kein Aprilscherz: Kommt bald eine deutsche NFL-Franchise?

NFL Franchise in München: Sensationelle Nachricht ist kein Aprilscherz. Credit: Marc Junge / Beautiful Sports

NFL Commissioner Roger Goodell eröffnete im letzten Oktober die Pläne für eine internationale Division mit vier neuen Teams außerhalb der USA. Nun behauptete vor wenigen Tagen ein anonymer Teambesitzer, dass es keine Frage der Umsetzung, sondern nur eine Frage der Zeit sei, bis es vier internationale Franchises und damit sicher auch eine deutsche geben wird.  

„Wir wissen nicht, ob es in zwei Jahren, fünf Jahren oder wann auch immer passieren wird, aber es wird eine internationale Division geben”, zitiert A.J. Perez für Front Office Sports den nicht namentlich genannten NFL-Owner. Das Ganze ist also kein Aprilscherz. Es scheint mehr an der Sache dran zu sein. Die NFL plant, zukünftig gleich mehrere Franchises außerhalb der Vereinigten Staaten zu etablieren. 

Während die Auswahl der Standorte dabei relativ leicht fallen dürfte, gibt es allerdings Hürden, die bis dahin genommen werden müssen. Einige erscheinen dabei gar unüberwindbar. Doch die NFL hat immer wieder gezeigt, dass sie sich im Rausch von Profit und Expansion von nichts aufhalten lässt. So waren reguläre NFL-Spiele in Deutschland vor ein paar Jahren noch undenkbar. Fans unkten, Goodell wolle die deutschen Fans nur bei Laune halten. Jetzt gibt es in 2023 gleich zwei Partien. 

Mögliche internationale Standorte

Welche Standorte überhaupt zur Auswahl kommen, wurde bis zum heutigen Tag nicht erwähnt. Die Wahl auf bisherige Spielorte für jährlich wiederkehrende Besuche von NFL-Franchises gibt aber sicherlich etwas Aufschluss über mögliche Franchises. 

Da wäre zuallererst London. Die Metropole an der Themse war bereits bei der Suche nach einem Stadion für die International Series die erste Wahl. In London müssen sich alle Beteiligten einer neuen Franchise nicht an eine andere Sprache gewöhnen und die Flugzeit beträgt zwischen London und New York nur eine Stunde mehr, als wenn Teams von der Ost- an die Westküste fliegen. 

Noch näher dran wären da nur Mexico City und Toronto. Mit der Hauptstadt des Staatennachbarn im Süden würde sich die NFL noch weiter dem lateinamerikanischen Markt öffnen. Fällt die Wahl auf Toronto, gäbe es wahrscheinlich nicht einmal unter den Hardlinern im Mutterland des Footballs einen großen Aufschrei. Schließlich stellt die Millionenstadt in Kanada nahe der Niagara-Fälle in allen anderen großen nordamerikanischen Sportligen bereits eine Franchise und es gab immer wieder Bemühungen von lokalen finanzstarken Privatleuten, eine NFL-Franchise auf die andere Seite der Grenze zu holen. 

Für den ostasiatischen Raum wäre sicherlich Tokio die erste Option. In der seit 1971 bestehenden X-League stellt die Hauptstadt gleich für drei Teams die Heimat dar. Der zentral gelegene Tokyo Dome ist seit Jahren Finalspielort der X-League und außerdem gastierten hier in der jüngeren Vergangenheit Teams aus der Major League Baseball. 

München hoch im Kurs

Nicht erst seit dem ersten NFL-Spiel auf deutschem Boden und der atemberaubenden Kulisse, die von den Tampa Bay Buccaneers und den Seattle Seahawks in der Allianz Arena aufgesogen werden durfte, ist der Standort München bei der NFL hoch im Kurs. Zwar gäbe es sprachlich sicher ein paar Barrieren. Über diese Brücken dürfte eine neue Franchise an der Isar aber gehen können. 

Sollte die Bildung einer internationalen Division wirklich umgesetzt werden, wonach es momentan tatsächlich aussieht, dürfte München bei den Plänen neben London weit oben auf der Wunschliste geeigneter Kandidaten stehen. Wenn die NFL hierbei nicht auf eine globale Lösung zielt, sondern kurze Wege innerhalb der eigenen Division haben möchte, wie es auch in den anderen acht der NFC und AFC der Fall ist, kämen gewiss auch Frankfurt, Berlin und Düsseldorf als mögliche Anwärter in Deutschland in Frage. Auch in Paris und Barcelona oder Madrid dürften die Hoffnungen auf einen NFL Standort in Europa groß sein. 

Hürden müssen genommen werden

Davor hat die Politik innerhalb des Sports und auch vor Ort, wo es interessierte Anwärter auf eine neue NFL-Franchise geben dürfte, einige Hürden gesetzt. Eine Zustimmung der bisherigen Besitzer und der Spielergewerkschaft NFLPA wären hier noch die am leichtesten zu lösenden Blockaden. Beide Parteien haben immer wieder bewiesen, so lange die Bezahlung stimmt, sind sie für jede Neuerung offen. 

Die Expansion im internationalen Markt dürfte bisher unerwartete Summen an TV-Geldern einspielen und man könnte sich einem neuen Sektor für Sponsoring und potentielle Kunden widmen. Das Potential einer solchen Erweiterung aus wirtschaftlicher Sicht dürfte ohnehin der Motor für die bisherigen Planungen sein. 

Doch vor Ort am neuen Standort sieht es anders aus. Eine NFL Franchise in München müsste sich ein neues Stadion und Trainingsstätten errichten. Für ein oder zwei Gastauftritte ist der FC Bayern München sicher bereit, sein Wohnzimmer zu teilen und bietet gern seine Gäste-Couch zum Schlafen an. Aber eine Dauerlösung über die gesamte Hinrunde ist für den Verein nicht einmal theoretisch umsetzbar, selbst wenn die Bezahlung für die Miete angemessen wäre. 

Dann geht es schließlich beim Bau von neuen Stätten auch um den Bürgerwillen. So groß das Interesse an der NFL und American Football in Deutschland in den letzten Jahren auch gestiegen ist. Wenn die große Liga bei ihren Expansionsplänen genauso vorgehen will, wie bei vergangenen Standortwechseln nach Los Angeles oder Las Vegas, wird sie bei der Münchner Bevölkerung auf Granit beißen. Eine absolute Mehrheit wird sich bei einer Bürgerbefragung kaum finden, wenn ein Gutteil des Stadionbaus aus Steuergeldern finanziert werden soll. Denn so hat es die NFL bisher immer gern gehandhabt. 

Ohne hohe private Investitionen ist hier also kein Vorankommen. Fraglich, ob die NFL überhaupt auf dem Schirm hat, wie hoch die Akzeptanz für die Liga in Deutschland ist, wenn es an den eigenen Geldbeutel der Bürgerinnen und Bürger geht. 

Salary Cap und Steuern

Sollte es dennoch zu einem neuen Standort in München kommen, wäre die nächste Hürde das deutsche Steuersystem. Während in den USA durchschnittlich 37 Prozent Einkommensteuer in Spitzensteuersatz anfallen und es dort sogar regelrechte Oasen zum Beispiel in Florida gibt, zahlen Sportprofis mit einem jährlichen Einkommen von über etwa 280.000 Euro im Jahr einen Spitzensteuersatz von 45 Prozent. 

Würde ein Spieler wie Aaron Rodgers hypothetisch von Green Bay nicht nach New York zu den Jets, sondern nach München wechseln, würde er auf seinen 150 Millionen US-Dollar Vertrag nicht 55,5 Millionen, sondern 67,5 Millionen Steuern zahlen. Wäre ein Spieler mit einer Gehaltskürzung von 12 Millionen US-Dollar bei einem Wechsel einverstanden? Wohl eher nicht und ein Standort München hätte somit einen klaren Wettbewerbsnachteil. 

NFL-Standort in Deutschland

Es fließt sicher noch ein wenig Wasser die Isar von den Alpen herunter, bis die Pläne zur Bildung einer deutschen NFL-Franchise tatsächlich umgesetzt werden. Wie beschrieben, sind aus Sicht der NFL und der Stadt München noch etliche Hürden zu erklimmen und manche lassen sich nicht einfach aus dem Weg räumen, sondern bedürfen viel Verhandlungsgeschick. 

Bis dahin kann die NFL aber bei der Bevölkerung weiter punkten und beim nächsten NFL-Spiel in Deutschland wieder ein so guter Gast wie beim letzten Mal sein. Wenn die NFL internationale Franchises in Europa und Deutschland will und sie die Fans auf ihrer Seite wissen, wird es auch für die anderen Probleme eine Lösung geben. Wo ein Wille, da ist ein Weg. Und der Wille scheint von Seiten der NFL tatsächlich da zu sein.


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