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Ein wenig Licht zum "Black Monday" der NFL

Kliff Kingsbury war einer von zwei NFL-Head-Coaches, die am "Black Monday" gefeuert wurden. Credit: Imago Images / USA TODAY Network / Joe Rondone

Der "Black Monday" ist bei vielen NFL-Coaches der wohl unbeliebteste Tag des gesamten Kalenderjahres. Denn am "schwarzen Montag" müssen sie und andere Verantwortliche, die mit ihren Teams die Playoffs verpasst haben, Fingernägel kauend um ihre Jobs fürchten. So war es auch in dieser Saison und wir verraten wer gehen musste, wer für welchen Posten in Frage kommt und was man sonst noch so aus den Geschehnissen ableiten kann!

Der Name "Black Monday" hat in sich schon eine ganz besondere Dramatik inne und sie passt tatsächlich zu jenem für viele doch eher tristen Tag im NFL-Kalender. Es ist jenes Datum, an dem die 18 Franchises, welche nicht in den Reiseplanungen für die Playoffs am kommenden Wochenende stecken, lange und kritisch in den Spiegel blicken müssen. An dem Spieler ihre Locker Rooms ausräumen, die Taschen für den Urlaub packen und finale Interviews geben. An dem gefeuerte Assistenztrainer dem Chefcoach signalisieren, dass er im nächsten Jahr abliefern muss. Und es ist der Tag, an dem etlichen Personen mitgeteilt wird, dass ihre Dienste nicht mehr gebraucht werden.

Hierbei sollte der Blick nicht nur auf die großen Namen fallen, sondern es sind auch ganz viele Leute im Hintergrund, für die in diesen Stunden ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Sie sind Menschen, mit Familien, Kindern, Sorgen, Ängsten, die sie alle an einen anderen Ort mitnehmen werden. Bei aller Schnelllebigkeit und Emotionalität des NFL-Geschäfts sollte dies niemals vergessen werden. Aber wie heißt es so schön oder besser gesagt so brutal: "It’s part of the job".

Wer ist in der NFL am Black Monday geflogen?

Für die meisten Schlagzeilen sorgen am Black Monday natürlich die Head Coaches, sind sie doch von allen Personen aus dem Trainerstab sowie dem Front Office diejenigen, deren Gesicht am präsentesten ist. Mit den Entlassungen von Kliff Kingsbury bei den Arizona Cardinals und Lovie Smith bei den Houston Texans ist die totale Zahl der Freistellungen in diesem Jahr relativ gering, was aber daran liegt, dass mit Nathaniel Hackett (Denver Broncos), Matt Rhule (Carolina Panthers) und Frank Reich (Indianapolis Colts) bereits drei Übungsleiter während der Saison ihr Büro räumen mussten. Damit sind derzeit genau fünf NFL-Trainerposten frei und ein weiterer prominenter könnte folgen.

Denn in NFL-Kreisen halten sich die Gerüchte hartnäckig, dass auch Sean McVay von den Los Angeles Rams ernsthaft über die Zukunft seiner Karriere nachdenkt. Nachdem er erst letztes Jahr der jüngste Super-Bowl-Coach der Geschichte wurde, verlief die aktuelle Saison alles andere als rund. Die Rams konnten namhafte Abgänge nicht kompensieren und durchliefen zudem eine signifikante Verletztenmisere. Die Zukunft sieht aufgrund alternder Stars, wenig Draft Picks und teuren Verträgen ebenfalls nicht besonders rosig aus. Hinzu kommen für McVay wohl persönliche Probleme, in der Vergangenheit sprach er schon über die Möglichkeit auszubrennen.

Welche freien NFL-Trainerposten sind am attraktivsten?

Derartige Schwierigkeiten versuchen Trainer andernorts tunlichst zu vermeiden, auch wenn McVays Super Bowl Ring mit Sicherheit ein durchaus gewichtiger Pfand wäre. Bei allen fünf Mannschaften, die jetzt einen neuen Übungsleiter suchen, ist jener noch ein ganzes Stück entfernt, was aber nicht heißt, dass manche offene Stellen nicht attraktiver als andere sind. Keine von ihnen ist perfekt, schließlich endeten die jeweiligen Saisons ja in der Erfolgslosigkeit. Aber die einzelnen Teams haben dennoch unterschiedliche Dinge in die Waagschale zu werfen, wenn sie mit neuen Coaches sprechen.

 

Die Houston Texans zum Beispiel haben eine Reihe von hohen Draft Picks, mit denen man den Quarterback der Zukunft finden könnte, und ein durchaus interessantes junges Mannschaftsgerüst anzubieten. Cap Space ist auch ordentlich vorhanden. Dafür dürften die vergangenen Geschäftsjahre der Texans Kandidaten zu denken geben. Zwei Coaches wurden in den letzten zwei Jahren nach nur einer Saison von Besitzer Cal McNair gefeuert, Ex-General Manager Brian Gaine hielt es ebenfalls nicht länger aus. Nicht gerade besonders gute Vorzeichen für Jobsicherheit, wird sich so mancher NFL-Coach sagen.

Wer spricht mit wem in der NFL nach dem Black Monday?

Die Carolina Panthers und die Denver Broncos haben für einen neuen Coach definitiv schon einmal eine relativ starke Defense anzubieten, große Fragen gibt es dafür im Angriff. Carolina sucht händeringend seinen Quarterback der Zukunft und Denver steht ebenfalls noch unter Schock nach Russell Wilsons miserabler Premierensaison in den Rocky Mountains. Beide Mannschaften sehen sich laut Berichten vor allem nach offensiv-orientierten Trainern um, damit man auf dieser Seite des Balles einen Schritt nach vorne machen kann. Carolina fragte bereits für Interviews mit Ken Dorsey (Bills Offensive Coordinator), Ben Johnson (Lions Offensive Coordinator) und Frank Reich (Ex-Colts-Head-Coach) an. In Denver erwarten nicht wenige die Suche nach einem größeren Namen, der Wilson wieder hinbekommen kann.

Die größten derzeit kreisenden in der Gerüchteküche sind Ex-Saints-Coach Sean Payton, nach dem sich die halbe Liga verzehren wird, und Jim Harbaugh, der derzeit noch in Michigan am College in die Pfeife bläst. Derartige Namen sind mit Sicherheit auch für die Indianapolis Colts und die Arizona Cardinals interessant. Beide Franchises brauchen einen Neustart, vor allem in Arizona liegt einiges im Argen. Viele sehen ein komplettes Umkrempeln der Kultur als einzige Option, aber mit dem horrenden Vertrag für den am Kreuzband verletzten Kyler Murray könnte das kompliziert werden. Erst recht, wenn jener bisher in den Playoffs sieglose Signal Caller ein Wörtchen beim neuen Trainer mitreden darf und Owner Michael Bidwell schon verlauten ließ, dass er einen schnellen Neuaufbau für realistisch erachtet.

Wer sind die heißesten Namen auf dem NFL-Trainermarkt?

Solche Aussagen werden von potenziellen Head Coaches mit Sicherheit auf die Goldwaage gelegt, in Interviews wird genau zugehört werden. Andersherum bekommen in den kommenden Wochen auch wieder etliche Trainer ohne bisherige Chefposten-Erfahrung die Möglichkeit, den bedeutendsten Schritt auf der Coaching-Karriereleiter der NFL zu nehmen. Zu den heißesten Namen zählen verständlicherweise einige Coordinator der besten Teams aus der abgelaufenen Regular Season, so zum Beispiel Shane Streichen, Offensive Coordinator der Philadelphia Eagles, oder Ken Dorsey, in selbiger Position bei den Buffalo Bills aktiv. Ben Johnson von den Lions ist ebenfalls sehr attraktiv, weil er in Detroit aus relativ wenig sehr viel gemacht hat.

Aber auch defensive Masterminds sind gefragt. Demeco Ryans von den San Francisco 49ers hat sich in Windeseile einen hervorragenden Ruf in Ligakreisen erarbeitet. Gleiches gilt für Jerod Mayo von den New England Patriots und Ejiro Evero von den Denver Broncos. Sie sind junge, kreative Köpfe, die ein gutes Verhältnis zu ihren Spielern pflegen und mit Enthusiasmus neue Strukturen aufbauen könnten. Und genau das ist es, was viele Franchises brauchen.

Erst recht nach dem Black Monday.

Über den/die Autor/in
Moritz Wollert
Moritz Wollert
Moritz Wollert schreibt für TOUCHDOWN24 u.a. über die NFL. Für das monatliche Print-Magazin schreibt er u.a. die NFL History Artikel

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