Früher trainierte Chiefs-Coach Andy Reid in Philly seine heutigen Gegner in Super Bowl LVII. Credit: Imago Images / UPI Photo

Nur noch wenige Tage, dann steigt mit Super Bowl LVII in Glendale das American Football Highlight des Jahres, bei dem sich die Kansas City Chiefs und die Philadelphia Eagles zum besten Team der NFL krönen wollen. Es wäre ein weiterer historischer Erfolg für zwei Franchises, die seit vielen Jahren die Liga-Landschaft mitprägen und jeweils auf eine illustre Geschichte zurückblicken!

In diesen Tagen wird die NFL-Landschaft förmlich mit Informationen zum aktuellen Super Bowl LVII geflutet. Was die Kansas City Chiefs mit den Philadelphia Eagles vorhaben und umgekehrt, wer wem wie ein Schnäppchen schlagen könnte, warum er es aber vielleicht dann doch nicht tut, welches der unendlich vielen faszinierenden Matchups das große Spiel entscheiden könnte oder vielleicht auch nicht… das Memo dürfte deutlich sein. Bei aller Berechtigung jeder einzelnen Prognose oder Spekulation muss man letztendlich aber doch darauf warten, was am Sonntag passiert. Denn dann wird echte Geschichte geschrieben. Historie, welche die Sportart, die Welt, jeden einzelnen Zuschauer wohl nie mehr loslassen wird – in welcher Form auch immer. Sie bleibt, so wie es die großen Geschichten der beiden Franchises bis zum heutigen Tag getan haben. Und an jene wollen wir uns bei der Vorschau auf das ultimative NFL-Endspiel einmal erinnern.

Mit dem Super Bowl kennen sich die Chiefs und Eagles aus

Ganz besonders gerne tun das die Fans der Chiefs und Eagles natürlich an die großen Erfolge ihrer jeweiligen Teams. Und entgegen einigen anderen Bezirkssportgruppen in der NFL haben sie da so einiges vorzuweisen. Die Kansas City Chiefs schossen sich zunächst einmal in ihrer Zeit in der American Football League mit drei Meisterschaften warm, bevor sie dann ins Kräftemessen der großen NFL einstiegen. Nach einem Satz heiße Ohren von den Green Bay Packers im allerersten Super Bowl überhaupt lief es in der vierten Ausgabe schon wesentlich besser, als Quarterback Len Dawson die Chiefs ein Jahr vor dem Merger zum Triumph in Super Bowl IV über die Minnesota Vikings führte.

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Danach mussten die Häuptlinge aber mit ihrer Feldflasche ziemlich sparsam umgehen, denn in Sachen Titeln ritt man auf einer jahrzehntelangen Durststrecke. Mit Marty Schottenheimer spielte man in den 1990er Jahren zwar vorne mit, aber letztendlich sprang der "Marty Ball" dann in der Postseason doch nicht so, wie er sollte. Ein gewisser Patrick Mahomes wurde dann von den Detroit Tigers in der Major League Baseball gedraftet und… ach nein, er entschied sich doch für Football und begründete fortan die jüngste Dynastie der Chiefs, in der sie bereits jetzt einen Super Bowl Titel und zwei weitere Endspielteilnahmen in nur vier Jahren vorzuweisen haben. In der anderen Saison ging es übrigens auch bis ins AFC Championship Game.

Die Eagles kennen den Super Bowl lange nur vom Hörensagen

Während die Chiefs schon seit den Jahren des Mergers ein paar Schoten zum Super Bowl überm Bierchen zu erzählen hatten, mussten die Philadelphia Eagles lange griesgrämig am Ende des Tresens sitzen und anderen dabei zuhören, wie sie von ihren Siegesparaden schwadronierten. Dabei war es nicht so, als ob die „Birds“ keine Ahnung davon gehabt hätten, wie man Football-Spiele gewinnt. 1948 und 1949 holte man sich unter "Greasy" Neale zwei aufeinanderfolgende NFL-Meisterschaften und krönte dann 1960 mit einer weiteren Meisterschaft die große Karriere von Chuck Bednarik, dem letzten echten 60-Minute-Man der NFL und einem der härtesten Hunde, welche dieser Sport je gesehen hat. (Und über den man HIER ein fantastisches Stück Sportjournalismus lesen kann).

Ohne "Concrete Charlie" lief es im Super Bowl 1981 weniger gut und die Jungs vom sympathischen Dick Vermeil unterlagen den Oakland Raiders deutlich mit 27:10. Emotionale Jahre folgten für die Philly Faitful, in denen mit Buddy Ryan, Randall Cunningham oder Terrell Owens für viel Zündstoff gesorgt war. Aber auch der nächste Super Bowl (XXXIX) ging unter dem heutigen Chiefs-Coach Andy Reid daneben, als man knapp gegen die New England Patriots verlor. Unglückliche 13 Jahre später war es dann aber soweit: Die Eagles holten tatsächlich ihren ersten Super Bowl. Als Revanche gegen die Patriots, mit Backup Nick Foles als großem Helden und natürlich mit anschließend unhaltbarem Siegestaumel.

Seit wann gibt die Eagles und Chiefs überhaupt?

Fast wäre aus all diesen schönen Dingen gar nichts geworden, zumindest stand die Existenz der Kansas City Chiefs lange Zeit auf der Kippe. Ihr späterer legendärer Besitzer Lamar Hunt, seines Zeichens einer der Initiatoren des AFL-NFL-Mergers, hatte zwar Ende der 1950er Jahre so richtig Bock auf eine Football-Franchise, nur woher nehmen wenn nicht stehlen? Die Chicago Cardinals nach Texas umzusiedeln klappte nicht, auch ein Expansion Team wollte die NFL dem Ölmagnaten nicht gewähren. Na gut, dachte sich Hunt, machen wir halt 1960 unsere eigene Liga auf und starten zunächst unter dem Namen Dallas Texans in der American Football League. Neben den Cowboys war dann in der texanischen Metropole aber doch nicht genug Platz und somit ging es nach Kansas City.

Zur Geburtsstunde der Chiefs war Football in Philly schon längst eine große Nummer und auch bei der NFL hatte man einen Stein im Brett. Bereits vor 1931 gastierte mit den Frankford Yellow Jackets eine Franchise in der "City of Brotherly Love", die leider zu Beginn der „Great Depression“ rote Zahlen schrieben und pleite gingen. Nach einem Jahr Pause schickten sich mit Lud Wray und Bert Bell zwei alte College-Kumpels an, eine neue Franchise in Philadelphia aufzumachen und bekamen von der Liga den Zuschlag für ein Expansion Team. Der Name „Eagles“ ist dabei vom damals bekannten „blauen Adler“ Symbol des nationalen Wiederaufbauprograms unter Franklin D. Roosevel inspiriert.

War sonst noch was los bei den Eagles und Chiefs?

Wer noch ein paar Stunden vor Super Bowl LVII totschlagen möchte, der findet in den Historien der beiden Mannschaften noch unendlich viele andere interessante Anekdoten und legendäre Momente. Die Eagles fusionierten während des Zweiten Weltkriegs zum Beispiel einmal mit den Pittsburgh Steelers, um in den schwierigen Kriegsjahren den NFL-Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Sie nahmen mit dem ehemaligen Lehrer Vince Papale auch den ältesten Rookie aller Zeiten unter Vertrag, womit sie eine der ultimativen Aschenputtel-Geschichten im amerikanischen Sport schrieben.

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Die Chiefs wiederum können ebenfalls mit so manchem besonderen Charakter in ihrer Historie aufwarten. Sie drafteten 1967 mit Willie Lanier den ersten dunkelhäutigen Middle Linebacker der NFL-Geschichte und mit Christian "The Nigerian Nightmare" Okoye trug nicht nur vielleicht eine der größten Dampframmen überhaupt das rot-weißes Trikot, sondern auch jemand mit einem der coolsten Spitznamen überhaupt. Neben dem Feld machte sich unter anderem Tony DiPardo einen Namen, der langjährige Bandleader und Trompeter der Franchise. Er bekam nicht nur nach Super Bowl IV seinen eigenen Meisterschaftsring, sondern ihm wurde auch die Ehre seiner ganz eigenen Bobblehead-Figur zuteil.

Am Sonntag bei Super Bowl LVII wird er von ganz weit oben zuschauen, wie viele andere Legenden auf beiden Seiten dem Pigskin hinterherjagen. Sie alle werden neue Geschichte erleben, die irgendwann zur alten werden wird. In Vergessenheit wird sie danach aber wohl nie mehr geraten.

Über den/die Autor/in
Moritz Wollert
Moritz Wollert
Moritz Wollert schreibt für TOUCHDOWN24 u.a. über die NFL. Für das monatliche Print-Magazin schreibt er u.a. die NFL History Artikel