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ELF - European League of Football

Vienna Calling: Wie der österreichische Football mit Europa abrechnet

Die Vienna Vikings gewinnen die Meisterschaft der European League of Football. Credit: Imago Images / GEPA Pictures / Daniel Goetzhaber

Der neue Champion in der ELF sind die Vienna Vikings. Das beste Footballteam aus Europa kommt damit aus Wien und die Wikinger aus der österreichischen Hauptstadt haben uns bereits das ganze Jahr versucht, klarzumachen, woher die Nummer Eins der European League of Football kommt und wen es zu schlagen gilt.

Es war eine lange und kräftezehrende Reise, was uns beide Head Coaches vor dem Spiel im jeweiligen Interview bestätigten. Sowohl Hamburg Sea Devils Charles Jones als auch Vikings Cheftrainer Chris Calaycay priesen im Vorfeld die Teamleistung ihrer Mannen an. Am Ende war es aber nur eine Mannschaft, die wirklich über eine geschlossene Mannschaftsleistung in Klagenfurt über den Rasen stürmte. 

Bereits die Anreise verlief, zumindest aus Sicht des Autors, für die Hamburger schwierig. Mit dem Bus reisten die Sea Devils in die über 1.100 Kilometer entfernte Hauptstadt des Bundeslandes Kärnten. Für Spieler und Staff sicherlich strapaziös, zumindest anstrengender als für die Wiener, die nur knapp über 300 Kilometer Fahrstrecke auf sich nahmen. 

Bemerkenswert jedoch, wie viele Nordlichter den Weg an den Wörthersee gefunden haben. Trotz teilweiser Flüge oder Bahnfahrten mit mehrfachem Umsteigen, nahmen viele Anhänger der “Catch the Wave” Bewegung die lange Fahrt auf sich und checkten dann zumeist in nicht weniger günstigen Hotels ein. Am Ende sehen zwischen 10.800 und 14.600 Zuschauer das Spiel vor Ort. Die offiziellen Zahlen schwanken hier etwas.

 

ELF: Zweites Finale der Start-Up-Liga

Die Standortwahl für ein Endspiel in Klagenfurt musste an dieser Stelle kritisiert werden, bevor wir uns endgültig dem Spiel und den Spielern widmen. Was nach Aussage von Sea Devils Runningback Glen Toonga an diesem Wochenende ansonsten nicht der Fall gewesen ist. Auf Twitter wird er folgendermaßen zitiert:

“Ja, ich habe das Gefühl, dieses ganze Wochenende ist für alle da, ausgenommen für die Athleten.”

Es machte tatsächlich bei allen Events rund um das Spiel den Anschein, dass es hier mehr um die Unterhaltung der Fans und die eigene Präsentation einiger Verantwortlicher der European League of Football ging, als um das Spiel selbst. Tun wir es deshalb in diesem Rückblick und steigen ein. 

Das Spiel beginnt mit langen Drives auf beiden Seiten, die häufig in Punkten münden. Zur Pause erarbeiten sich die Vikings eine Two Possession Führung durch ein paar besondere Highlights nach tiefem Pass von Quarterback Jackson Erdmann oder der Einwechslung von Cornerback Exavier Edwards in die Offense, der, wie bereits im Halbfinale, einen Touchdown in die Endzone trägt. 

 

Glen Toonga kommt nicht ins Rollen

Hamburg hat derweil Probleme, das eigene Laufspiel in die Gänge zu bekommen. Glen Toonga, der mit Abstand erfolgreichste Runningback der Regular Season, rennt immer und immer wieder an, wird aber letztlich von der hervorragenden Defensive Line um Leon Balogh immer wieder nah an der Line of Scrimmage gestoppt und auf durchschnittliche 2,2 Yards pro Versuch zurechtgestutzt.

Toonga ist im Spiel kein Faktor, auch wenn er es aufopfernd immer wieder versucht, sein Team in gute Feldposition zu bringen. Der Plan der Vikings geht damit auf. Sie zwingen Quarterback Salieu Ceesay dazu, das Spiel selbst in die Hand zu nehmen. Das haben sich in der abgelaufenen Saison nahezu alle Teams vorgenommen, denn der junge deutsche Spielmacher ist noch unsicher und muss sich weiterentwickeln. Doch nur den Wikingern gelingt es und das im alles entscheidenden Spiel. 

Beim Stand von 24-12 für Wien passiert dann das, was viele angereiste Fans der Vikings bereits auf der Tribüne unkten. Ihr Quarterback ist immer einmal für eine “YOLO-Aktion” gut und so wirft Erdmann in Bedrängnis in der eigenen Endzone eine Interception, anstatt den Ball irgendwie ins Seitenaus zu befördern. Linebacker Daniel Laporte fängt ungefähr auf Höhe der 15 Yard Linie die wilde Bogenlampe von Erdmann, obwohl dort weit und breit kein einziger Receiver zu finden ist. 

Die Sea Devils, deren Körpersprache bis dahin mittlerweile andeutete, dass sie mit dieser Gegenwehr Wiens nicht gerechnet hatten, schöpfen noch einmal Hoffnung. Hingegen macht es den Anschein, als hätten die Vikings sich über die Saison an solche Aktionen von Erdmann gewöhnt und die Defense hält sich bereit, den Fehler wieder auszubügeln, ehe man die Hamburger zurück ins Spiel kommen lässt. 

 

Wien ist mental stärker

Der folgende Drive bringt die Entscheidung. Die norddeutschen Angreifer attackieren über den Boden, konvertieren sogar ein 4th Down, um dann jedoch drei Yards vor der Goalline trotzdem das Fieldgoal zu nehmen. Ein Fehler, wie sich zeigt. 

Bereits in der ersten Halbzeit konnten die Vikings mit einem geblockten Versuch einen moralischen Sieg einfahren und auch jetzt kippt das Momentum endgültig in Richtung Österreich, während der Versuch zwar reingeht, die Hamburger jedoch mit hängenden Schultern das Feld verlassen. 

Als dann ein paar Minuten später die Offense Viennas wieder punktet und der anschließende Kickoff gefumbelt wird, ist das Spiel entschieden. Die Vikings spielen gemächlich die Uhr herunter und gewinnen mit 27-15 das Endspiel der European League of Football. 

Nach Abpfiff kennen die Wiener kein Halten mehr. Spieler liegen sich in den Armen und klatschen sich mit den Fans auf den Rängen ab. Hamburgs Cheftrainer Charles Jones sammelt währenddessen seine Männer ein, die teilweise am Boden zerstört sind. Zum zweiten Mal in Folge verlieren die Sea Devils das Finale und dennoch gibt es eine Menge, worauf die Mannschaft stolz sein kann, weshalb Jones alle Spieler zu einer letzten gemeinsamen Besprechung auf dem Feld in die Sea-Devils-Endzone ruft und dort eine Abschlussrede hält, die alle Spieler wieder etwas aufzumuntern scheint. 

 

Der Sieg gehört ganz Österreich

Wiens österreichische Helden feiern noch über eine Stunde im Stadion, während draußen die ELF-Verantwortlichen warten, um den Sieger auf der Bühne den Fans zu präsentieren. Die Vikings jedoch machen der Liga deutlich: Dieser besondere Moment ist für die Spieler und die Mannschaft und alle Mitwirkenden im Kreise der Vienna Vikings. 

Die Fans verstehen das und warten geduldig auf den Champion. Wien ist angetreten, der europäischen Football-Landschaft zu zeigen, wer die Nummer Eins auf dem Kontinent ist. Und sie haben vielen Kritikern im Vorfeld zum Trotz gezeigt, dass man mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung und weniger großen Namen in der ELF den Titel gewinnen kann. Nicht nur Wien ist stolz, auch ehemalige Konkurrenten aus der AFL von Graz und anderswo gratulieren dem Champion und freuen sich mit, obwohl sie im letzten Winter viele wichtige Spieler an die ELF zu den Vienna Vikings und den Tirol Raiders verloren haben. Von dieser Anerkennung der großartigen Leistung kann sich der deutsche Football sicher eine Scheibe abschneiden. Noch abends im Fernsehen wird der Moderator Christopher David Ryan auf PULS4 zitiert:

“Gratuliere den Vienna Vikings herzlich zum größten Erfolg in Österreichs American-Football-Geschichte!” Wir schließen uns CDR’s Worten an.


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