Nicht mehr Trainer in Hamburg: Ted Daisher Nicht mehr Trainer in Hamburg: Ted Daisher IMAGO / R.Seidel Imagery

Woche 3: Daisher entlassen – wie geht es bei den Sea Devils weiter?

geschrieben/veröffentlicht von/durch  06.07.2021
Drei Wochen sind mittlerweile in der European League of Football gespielt und erste Favoriten haben sich herauskristallisiert. Überall werden die Frankfurt Galaxy, Hamburg Sea Devils und Wroclaw Panthers als Titel-Anwärter genannt. Doch nun hat das Team aus der Hansestadt für einen Paukenschlag gesorgt und Head Coach Ted Daisher entlassen.
 

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Daisher entlassen – wie geht es bei den Sea Devils weiter?

Die Hamburg Sea Devils sorgten am Dienstag für einen Paukenschlag. Der hoch angesehene Head Coach Ted Daisher wurde trotz eines erfolgreichen Saisonstarts mit zwei Siegen aus zwei Spielen und Platz eins in der North Division entlassen.

"In den zurückliegenden Wochen hat sich leider gezeigt, dass wir unterschiedliche Ansichten und Erwartungen hinsichtlich der Philosophie und Führung unserer Mannschaft hatten", erklärte General Manager Max Paatz. Am Sonntag (ab 18 Uhr) gegen Berlin Thunder wird Andreas Nommensen interimsweise als Head Coach fungieren. Der 46-Jährige frühere deutsche Nationalspieler blickt auf eine erfolgreiche Karriere als Tight End zurück, gewann mit den Hamburg Blue Devils dreimal die Deutsche Meisterschaft und einmal den Eurobowl. Vor seiner Zeit in der ELF arbeitete er zuletzt als Offensive Coordinator bei den Elmshorn Fighting Pirates und stieg mit den Nordlichtern 2019 in die GFL auf.

Wer könnte die Favoriten überraschen?

Durchstöbert man diverse Social-Media-Plattformen und folgt bestimmten Podcasts, dann wird eine Konsensmeinung klar: Die Favoriten auf den ersten Titelgewinn der in der European League of Football heißen Frankfurt Galaxy, Hamburg Sea Devils und Wroclaw Panthers. Auf Platz vier folgen der allgemeinen Einschätzung nach die Cologne Centurions. Bewahrheitet sich diese Einschätzung, dann werden die Division-Finals zwischen Frankfurt und Köln sowie Hamburg und Breslau ausgetragen – und dann ist den Centurions alles zuzutrauen.

Der Grund liegt in Madre London. Das Spielsystem der Centurions schafft immer wieder Lücken für den schnellen US-Amerikaner, der vor zuvor bei den Tennessee Volunteers gespielt hat. Mittlerweile ist er nicht nur die Nummer eins im Backfield der Rheinländer, vor Chris Ezeala und Patrick Poetsch, er führt die Liga im Laufspiel um Welten an. So hat der 25-Jährige über 969 Rushing Yards und 11 Touchdowns in nur drei Spielen erzielt. Weder die Panthers, noch die Surge oder die Kings waren bisher in der Lage, das Laufspiel über London zu stoppen. Kurz gesagt: Köln ist aktuell immer in der Lage mehr als 40 Punkte auf das Scoreboard zu bringen.

Wer Köln schlagen will, muss entweder London in den Griff bekommen, was Kölns Head Coach Kirk Heidelberg mit all seiner Erfahrung bisher zu verhindern weiß, oder mit einem eigenen Offensiv-Feuerwerk dagegenhalten. Weder Frankfurt noch Hamburg zeigte dabei bisher mit der eigenen Offense, für ein solches Shootout gewappnet zu sein. Der Gedanke ist also nicht so weit hergeholt, dass die Centurions, sollte ein Überraschungskandidat den Titel holen, am Ende das Team sein wird, das jubeln darf. Einen ersten Fingerzeig, ob Frankfurt London stoppen kann, gibt es bereits am kommenden Sonntag (ab 15 Uhr, im Livestream auf ran.de)

Was hat der Quarterback-Tausch bei den Leipzig Kings zu bedeuten?


Zur Verwunderung der Zuschauer im Alfred-Kunze-Sportpark in Leipzig warf beim 47:48 gegen die Cologne Centurions nicht Michael Birdsong die Pässe aus dem offensiven Backfield der Leipzig Kings, sondern Jaleel Awini. Der US-Amerikaner wird neben Tom Van Duijn als Backup-Quarterback der Kings geführt, spielte bisher aber als Wide Receiver. Dass er auch jederzeit als Quarterback eingesetzt werden kann, zeigte Awini dann beim Punkte-Feuerwerk gegen die Centurions. Aber warum überhaupt der Wechsel Under Center? Birdsong hatte sich am Fuß verletzt und verpasste das Duell in Woche 3 somit verletzungsbedingt. Noch ist nicht absehbar, ob er am kommenden Sonntag beim Gastspiel bei der Stuttgart Surge wieder mitagieren kann. Aber mit Awini verfügen die Kings ja über einen starken Backup - Awini brachte 16 von 31 Pässen für 341 Yards, vier Touchdown und nur eine Interception an. 

Braucht die ELF eine Spielergewerkschaft?


In der Vorwoche beantwortet die European League of Football den Rassismus-Skandal der Stuttgart Surge gegen die Frankfurt Galaxy berechtigterweise mit einer Null-Toleranz-Politik. Stuttgarts damaliger Quarterback Jacob Wright hatte seinen Frankfurter Gegenspieler Kadel King rassistisch beleidigt und war in der Folge von der Liga für ein Jahr gesperrt und in Stuttgart entlassen worden. Was in der Konsequenz durch die Liga durchaus richtig sanktioniert wurde, wirft aber auch Fragen nach Transparenz und Verhältnismäßigkeit auf. Die Liga hat sich mit ihrer Reaktion im Wright-Fall eine hohe Messlatte gesetzt, die es auch zukünftig zu halten gilt. Und dann gilt es in weniger schwerwiegenden Fällen abzuwägen und angemessene Mittel zu finden, die auch dann von den Beteiligten immer widerstandslos akzeptiert werden. Wenn die Liga auf Dauer diesen Zustand nicht erhalten kann, dann wird sie sich auf kurz oder lang mit einer Spielergewerkschaft konfrontiert sehen.


Wer wurde MVP?


In Woche 3 wurde Seantavius Jones von Berlin Thunder zum MVP of the Week gewählt. Der Wide Receiver fing insgesamt neun Pässe für 155 Yards und drei Touchdowns – zudem steuerte er noch eine gelungene Two Point Conversion bei. Auch wegen den fangsicheren Händen von Jones gelang den Berlinern gegen die Stuttgart Surge der erste Saisonsieg.

Ergebnisse von Woche 3:


  • Barcelona Dragons vs. Hamburg Sea Devils 14:32 (0:13, 0:10, 0:6, 14:3)
  • Frankfurt Galaxy vs. Wroclaw Panthers 22:13 (0:0, 6:6, 13:0, 3:7)
  • Leipzig Kings vs. Cologne Centurions 47:48 (7:14, 14:13, 19:7, 7:14)
  • Berlin Thunder vs. Stuttgart Surge 40:19 (12:6, 6:8, 6:5, 16:0)
Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.
Twitter: @ELFinsider

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