HEFT #50

Ausgabe OKTOBER 2021

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Sea Devils gegen Panthers: Offenes Duell um Einzug in den ELF-Bowl

Im Sandwich: Hamburgs Hoffnungsträger Xavier Johnson (roter Helm) Im Sandwich: Hamburgs Hoffnungsträger Xavier Johnson (roter Helm) IMAGO / R.Seidel Imagery
Die Hamburg Sea Devils galten lange als der Top-Favorit auf den ersten ELF-Bowl, das Endspiel der Premierensaison der European League of Football. Von Verletzungen gebeutelt zeigte die Formkurve des Teams von Head Coach Andreas Nommensen zuletzt aber steil nach unten. Vielleicht der optimale Zeitpunkt für die Wroclaw Panthers aus Polen, um dem Favoriten ein Bein zu stellen.

 
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Dabei lösten die Breslauer, trainiert von Jakub Samel, erst kurz vor Toresschluss selbst das Playoff-Ticket für die ELF-Postseason. Nach einem tollen Saisonstart mit drei Siegen aus den ersten vier Spielen schienen die Polen zur Saisonmitte vor allem von der Schwäche der Konkurrenz zu profitieren, da sowohl die Leipzig Kings wie auch Berlin Thunder nicht aus den Startlöchern kamen. Doch dank dreier Pleiten in Serie – übrigens gegen die anderen drei Playoff-Teilnehmer Frankfurt Galaxy, Cologne Centurions und eben die Sea Devils, benötigen die Panthers einen Schlussspurt, um doch noch in die Playoffs einzuziehen.

Das wäre fast schief gegangen, denn die Leipzig Kings hatten sich ab der Mitte der Regular Season gefunden, gewannen vier Spiele am Stück, darunter gegen Köln und Hamburg, und luden so zum Showdown am letzten Spieltag der regulären Saison. Diesen entschieden dann aber die Panthers mit 21:13 für sich und retteten sich so ins Ziel. Somit treffen im Championship Game der Nordstaffel zwei Teams aufeinander, die im Saisonverlauf ihre Schwächen offenbarten – mit Form-Vorteilen aktuell für die Panthers.

Edebali und Bombek schwer zu ersetzen

Würden nur die Quarterbacks das ELF-Bowl-Ticket unter sich vergeben, dann wäre Breslau auch hier im Vorteil. Wenngleich Leipzigs Michael Birdsong der wahrscheinlich beste Signal Caller der ersten ELF-Saison war – aber einige Spiele verpasste – ist Lukas O`Connor der Quarterback, der insbesondere im Vergleich mit Hamburgs Jadrian Clark, den besseren Eindruck bisher hinterließ. O`Connor warf für 2879 Yards und 24 Touchdowns – beides Spitzenwerte der ersten ELF-Spielzeit. Clark hingegen hatte über den gesamten Saisonverlauf seine Probleme, erreichte durch die Luft nicht einmal die Hälfte des Raumgewinns von O`Connor und kam so nur auf 15 Touchdown-Pässe. Immerhin ist Clark der wesentlich mobilere Quarterback und sorgt so für ein weiteres Element im Offensivspiel der Sea Devils.

Die Sea Devils lebten vor allem im ersten Teil der Regular Season von ihrer herausragenden Defense rund um Ex-NFL-Spieler Kasim Edebali und Jan-Philipp Bombek – die im Duett den besten Pass Rush der Liga stellten. Zwar wuchs Nelson Imasuen in Vertretung in die Rolle hinein, doch so sattelfest wie zu Saisonstart, präsentierte sich die Defense in den letzten Spielen nicht mehr – auch wenn durch das vorzeitig gelöste Playoff-Ticket immer häufiger auch Backups Spielzeit bekamen.

Mazan, Banat, Turpin - das beste Receiver-Trio der ELF

So darf man gespannt sein, ob es den Hamburgern gelingt, den Hebel rechtzeitig zum Championship Game wieder umzulegen. Es wird in der Defense vor allem auf Spieler wie Top-Linebacker Daniel Laporte oder Defensive Back Justin Rogers ankommen, die sich um die starken Panthers-Angreifer Phileas Pasqualini (Runningback) oder Jakub Mazan, Przemyslaw Banat und KaVontae Turpin (alles Wide Receiver) kümmern müssen. Auffällig ist dabei, dass O`Connor seine Offense sehr ausgewogen über das Spielfeld führt und es keinen klaren Playmaker gibt, der das Angriffsspiel Breslaus alleine schultert. Bei den Hamburgern liegen die Hoffnungen da eher auf Runningback Xavier Johnson oder Wide Receiver Adria Botello Moreno, der mit fortschreitendem Saisonverlauf immer stärkere Form aufwies.

In Woche 11 der regulären Saison gab es dieses Duell in Hamburg bereits schon einmal. Am 22. August gewannen die Panthers mit 30:24 und stellten dem Favoriten so ein erstes Mal ein Bein. Am Sonntag wollen es die Panthers erneut tun und sich den Traum von der Teilnahme am ersten ELF-Bowl erfüllen.
Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.
Twitter: @ELFinsider
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