HEFT #50

Ausgabe OKTOBER 2021

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Road to Düsseldorf: Galaxy gegen Centurions in der Favoritenrolle

Frankfurts bester Rusher der Saison: Runningback Gerald Ameln Frankfurts bester Rusher der Saison: Runningback Gerald Ameln IMAGO / Jan Huebner
Das erste Championship Game der European League of Football steht an. Am Samstag (Kickoff 15) empfängt die Frankfurt Galaxy die Cologne Centurions. Dass Duell aus der Vorwoche, dem Aufeinandertreffen in der letzten Woche der Regular Season, sollte dabei nicht zu viel Bedeutung beigemessen werden. Beim 45:7-Erfolg der Frankfurter kamen hauptsächlich Backups zum Einsatz.

 
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Die Favoritenrolle werden die Frankfurter beim Championship-Spiel der Süd-Division trotzdem nicht los. Mit einem Record von 9-1-0 stellen die Frankfurter das beste Team der regulären Saison und gewannen zuletzt neun Spiele in Serie, nachdem die Mannschaft von Head Coach Thomas Kösling mit einer Niederlage bei den Hamburg Sea Devils in die Saison gestartet war. Für Frankfurt spricht, betrachtet man die direkten Duelle, vor allem der 41:20-Sieg in Köln in Woche vier.

Trotzdem sollten die Fans in der PSD Bank Arena noch nicht vorzeitig die Siegesparty planen. Denn die Kölner sind vor allem in der Offense gefährlich. Vieles deutet darauf hin, dass es hier zu einem offensiven Shootout kommen könnte. Denn mit der Galaxy und den Centurions treffen die beiden besten Offenses aus dem Ligajahr aufeinander. Doch während die Galaxy auch die beste Defense der ELF stellt, haben die Kölner ligaweit die meisten Punkte zugelassen. Das hatte sich Head Coach Kirk Heidelberg sicherlich anders vorgestellt, doch Spieler, die in der Vorbereitung eingeplant waren, wie Defensive End Simon Gavanda oder Linebacker Thiadric Hansen, trugen nie das Trikot der Rheinländer.

Es gilt London zu stoppen

So sorgten andere Spieler beider Teams für die Glanzlichter. Auf Seiten der Galaxy zeichnete sich Jakeb Sullivan (Pässe für 2037 Yards, 23 Touchdowns 8 Interceptions) als einer der besten Quarterbacks der ELF aus. Sein Lieblings-Receiver war Anthony Mahoungou, der 33 Pässe für 468 Yards und 6 Touchdowns fing. Allerdings lebte die Offense der Galaxy vor allem von ihrer Vielseitigkeit. Ganz anders die Gegenseite: Die Offense der Centurions mutierte zu einer One-Man-Show um US-Runningback Madre London, der in der Regular Season in 9 Spielen für 2007 Yards sowie 22 Touchdowns lief.

Damit eroberte er mehr als doppelt so viel Raum mit seinen Füßen wie der zweitstärkste Runningback der ELF (Joc Crawford, Berlin Thunder, 830 Yards und 5 Touchdowns). Es ist kein Geheimnis mehr, dass London mit seinen Leistungen auch Scouts aus der NFL auf sich aufmerksam gemacht hat. Bemerkenswert: Im Windschatten Londons führte der einzige deutsche Starting Quarterback der Liga sein Team in die Playoffs: Jan Weinreich, dem man bei den Cologne Crocodiles in der German Football League zuvor immer wieder einen anderen Signal Caller vor die Nase gesetzt hatte.

Galaxy das "Team to beat"

Wie in der Offense glänzt auch die Verteidigung der Frankfurter mit ihrer Geschlossenheit. Nachdem sich Top-Spieler wie Linebacker Kadel King und Defensive Back Desmond Cooper im Saisonverlauf verletzt hatten, wurde die Lücke durch die mannschaftliche Geschlossenheit aufgefangen. Für Ausrufezeichen sorgten dennoch Spieler wie Sebastian Gauthier, der zu den besten Coverage-Linebackern der ELF zählt, und Joshua Poznanski. Der Defensive Back sammelte im Saisonverlauf den Topwert von fünf Interceptions, wovon er gleich zwei zu einem Pick Six in die gegnerische Endzone trug.

Nach dem Ausfall etlicher Playmaker in der Defense, neben den erwähnten Gavanda und Hansen verletzte sich Matz Peters frühzeitig in der Saison und der in die Defense gewechselte Ex-NFL-Spieler Chris Ezeala verließ das Team aus privaten Gründen, schaffte es lediglich Linebacker Marius Kensy konstant zu glänzen. Kensy, der im vergangenen Jahr nur knapp an einem Engagement in der Canadian Football League vorbeigeschrammt war, ist der beste Tackler der Kölner.

Um der Galaxy ein Bein stellen zu können, wird die Defense der Centurions den besten Tag der Saison erwischen müssen. Gleichzeitig muss Head Coach Heidelberg ein Mittel finden, um seinen Star-Runningback London so ins Spiel zu bringen, dass er besser zu Geltung kommt als im Regular-Season-Spiel von Woche vier. Mit nur 85 Yards in 27 Läufen hatte London sein statistisch schlechtestes Spiel der Saison. Am Ende wird für die Centurions viel zusammenkommen müssen, um die Galaxy zu schlagen – ausgeschlossen ist es dennoch nicht, auch wenn die Galaxy das “Team to beat“ der ersten ELF-Saison ist.

Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.
Twitter: @ELFinsider
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