Rofalski: "Wir können überraschen" Rofalski: "Wir können überraschen" Foto: Stuttgart Surge/Collage TOUCHDOWN24

Gesichter der ELF: Stuttgarts Rofalski drückt auf die Tube

geschrieben/veröffentlicht von/durch  03.06.2021
Domenik Rofalski fällt auf dem Football-Feld allein schon durch seine Statur als Wide Receiver auf. Hinzu kommt eine ungeheure Athletik, die den 26-Jährigen zu einem der schnellsten Spieler des Kaders der Stuttgart Surge macht. Aber Rofalski ist auch intelligent und reflektiert, was auch durch die European League of Football in Football-Deutschland gerade passiert.
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“Die Vorstellung in Vollzeit als Football-Spieler sein Geld verdienen zu können, ist schon geil“, sagt Rofalski im Gespräch mit TOUCHDOWN24. Der Wirtschaftsingenieur-Student wirkt dabei aufgeweckt und eloquent, hat eine deutliche Meinung und diese äußert er auch: “Daher begrüße ich auch die European League of Football. Die GFL hat in den letzten Jahren zu viele Möglichkeiten liegen gelassen.“ Dass nun mit der ELF eine neue Liga entstanden ist, die in Konkurrenz zur German Football League steht, kann der “Entwicklung des Footballs in Deutschland nur gut tun“, so Rofalski.

In den letzten Wochen war Rofalski mit seiner offenen Art ein gern gesehener Interview-Partner, gab einem Podcast auch ein Video-Interview und hatte in seiner Hektik die falschen Klamotten an, die Zeuge seiner Kieler Football-Vergangenheit waren und im Schrank des Passempfängers noch immer zu finden sind. 2017 hatte Rofalski erstmals in der GFL auf sich aufmerksam gemacht. Als Spieler der Kiel Baltic Hurricanes avancierte er neben Star-Receiver Xavier Mitchell zu einer Red-Zone-Waffe und fing insgesamt drei Touchdown-Pässe.

Hannover, Braunschweig, Kiel und Lübeck

Mit seiner Größe von 1,91 Metern bei 97,5 Kilogramm ist Rofalski wie geschaffen für eine große Rolle nahe der gegnerischen Endzone. Den Weg zu den Baltic Hurricanes hatte Rofalski über seinen Heimat-Verein, den Hannover Stampeders, gefunden. Hier empfahl er sich für den Kader der New Yorker Lions Braunschweig. “Obwohl ich aus der fünften Liga kam, wollte Coach Troy Tomlin mich in Braunschweig haben“, erinnert sich Rofalski. Doch der Schritt zum besten GFL-Team der letzten Jahre war für den jungen Wideout noch etwas zu groß. Spielanteile hatten die anderen und Rofalski kehrte zunächst zu seinem Stammverein zurück. Über die Stampeders und die Hannover Spartans landete er dann 2017 im besagten Kiel. Nach Kiel trug er 2019 noch das Trikot der Lübeck Cougars in der GFL2 und zeigte mit sieben Touchdowns sein Können nochmal deutlich auf.

“Als ich vom Combine der Stuttgart Surge hörte, dachte ich, ich fahr da mal hin“, sagt Rofalski, für den ein Football-Engagement im Süden der Republik auch möglich ist, weil sein Studium aktuell nur im Online-Bereich stattfindet. Nachts um zwei Uhr kam er dann im "Ländle" an, um pünktlich zu sein - entsprechend bereits am Vorabend war er im hohen Norden losgefahren. Umso erstaunlicher, was Rofalski dann zeigte. Mit 4,50 Sekunden im 40 Yard Dash gehörte er zu den schnellsten Spielern der Veranstaltung. “Es war aber handgestoppt“, relativiert Rofalski, der allerdings nicht verneinen kann, dass er trotz seiner Größe und seines Gewichts sehr schnell und spritzig ist. “Da kommt mir mein Hintergrund aus der Leichtathletik sehr entgegen“, gibt Rofalski zu verstehen, der auch darauf hinweist, dass mindestens zwei Spieler der Surge noch schneller auf 40 Yards waren. “Ich kenne nicht alle Zeiten des Kaders, aber Marcel Dabo (Defensive Back, d. Red.) und einer der Runningbacks waren auf jeden Fall schneller“, so der gebürtige Niedersachse.

“Sind vom Bekanntheitsgrad eher ein Underdog“

“Aus unserem starken Receiver Corps sticht Rofalski nochmal hervor“, sagt Sebastian Mühlenhof, Pressesprecher der Surge zu TOUCHDOWN24. Und auch Rofalski sieht seine Rolle nicht nur in der Redzone. Mit seiner Geschwindigkeit kann er auch als Field-Stretcher agieren, seine Rolle sieht er ohnehin außen: “Ich sehe mich schon als Outside Receiver. In der Mitte ist mir ehrlich gesagt zu großes Chaos mit den ganzen Linebackern“, lacht Rofalski über sich selbst ein wenig. Wie groß seine Rolle bei den Stuttgartern sein wird? “Wir sind eine junge Receiver-Gruppe und noch früh in der Zusammensetzung. Jeder der Receiver hat seine Chance und insgesamt muss es noch klicken“, so Rofalski weiter. Antwort gibt eher sein Head Coach in Stuttgart: "Domenik ist ein sehr fleißiger Spieler mit einer sehr professionellen Einstellung, was uns natürlich gut tut, weil wir eine junge Mannschaft haben", sagt Martin Hanselmann zu TOUCHDOWN24: "Er soll die Rolle eines Führungsspielers übernehmen. Wir sind froh einen so erfahrenen Wide Receiver unseren 'jungen Wilden' dazuzustellen."

Doch wie schätzt der Vielgelobte die Liga, insbesondere die South Division, in der Stuttgart mit der Frankfurt Galaxy, den Cologne Centurions und den Barcelona Dragons um zwei Playoff-Plätze streitet, ein? “Wenn man sich die Roster anschaut, sind wir vom Bekanntsheitsgrad eher ein Underdog. Aber die Playoffs halte ich nicht für unmöglich, wir können überraschen.“ Ehrgeizig sind sie in Schwaben auf jeden Fall, laut Rofalski predigt Coach Hanselmann ein “Wir müssen gewinnen“-Credo. Damit meint er nichts weniger als den Titelgewinn im ELF Bowl am 26. September in Düsseldorf. Vielleicht kann Rofalski mit seiner Physis, Athletik und fangsicheren Händen dabei helfen.
Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.

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