HEFT #51

Ausgabe NOVEMBER 2021

Jetzt kaufen

Frankfurt Galaxy nach dem ELF-Titel: Die Stimmen der Sieger

Das Siegerteam der Frankfurt Galaxy. Das Siegerteam der Frankfurt Galaxy. IMAGO / Beautiful Sports
Das erste ELF-Finale ist Geschichte. Frankfurt Galaxy nahm den Titel nach einem dramatischen Sieg gegen die Hamburg Sea Devils mit nach Hause. TOUCHDOWN24 hat sich bei den Siegern umgehört und spannende Aussagen der Beteiligten bekommen.

Jakeb Sullivan: "Die Trophäe ist zuhause"

Championship-Game-MVP und All-Star Jakeb Sullivan warf für 324 Yards und vier Touchdowns. Sein wichtigstes Play war aber der Quarterback-Sneak mit nur noch 25 Sekunden auf der Uhr zum 32:30 für Frankfurt. Das Finale wird der US-Amerikaner immer in Erinnerung behalten: „Seit dem ersten Telefonat mit Coach K., damals im November 2020, war unser gemeinsames Ziel, das erste ELF-Championship-Game zu gewinnen. Das war unser Ziel, bis die Uhr am Sonntag auf Null gesprungen ist. Und das haben wir geschafft. Mehr als alles andere war es eine Teamleistung. Das war eine der spaßigsten Footballsaisons und eine der besten und talentiertesten Mannschaften, die ich jemals hatte. Ich kann meine Teamkollegen, die Coaches und die Organisation gar nicht genug loben. Sie haben uns in die Position gebracht, erfolgreich zu sein. Hut ab vor Hamburg. Die waren on fire. Wir haben etwas gebraucht, um uns anzupassen und einen Weg zum Sieg zu finden. Aber das haben wir geschafft, und das ist alles was zählt. Die Trophäe ist zuhause bei uns. Dieses Spiel werde ich für immer in Erinnerung behalten und ich bin froh, ein Teil davon zu sein.“



Benji Barnes: "Die Hamburger Defense war sensationell"

 
Safety Benji Barnes legte im Finale acht Tackles und einen Pass Breakup auf. In seinem Kommentar zeigt er sich beeindruckt von der starken Offense der Sea Devils, lobt aber auch das eigene Team um „Mister Magic“ Jakeb Sullivan: „Das Finale war überraschenderweise sehr knapp. Die Hamburger Offense hat sich sehr gut auf uns eingestellt. Bei jedem Third Down und Key Play wussten sie, wie sie unsere Coverage schlagen können. Das war sensationell. Jadrian Clark hatte für mich das mit Abstand beste Spiel seiner Saison. Er hat Europa bewiesen, dass er immer noch auf hohem Niveau Quarterback spielen kann. Unsere Offense hat flawless gespielt. Im zweiten und im vierten Quarter haben sie genau das richtige gemacht, damit wir wieder in Führung gehen konnten. Anthony Mahoungou hat trotz Double Coverage im ganzen Spiel wieder 100 Yards und einen Touchdown gemacht. Der Mann ist einfach der Wahnsinn. Und Jakeb Sullivan – Mister Magic, wie ich ihn so gerne nenne – hat einfach sein Ding gemacht. Hut ab an unsere O-Line, vor allem im letzten Play. Ohne unseren Center Jockel und seinen Block – dieser Block war einfach nicht von dieser Welt. Als Philipp Andersen das erste Field Goal in der Red Zone daneben gekickt hat, wusste ich, dass wir das Spiel gewinnen. Wenn Mister Automatic das Field Goal vergibt, dann war es Gottgegeben, dass wir dieses Spiel gewinnen.“

Gerald Ameln: "Am Ende des Tages waren wir das stärkere Team"

 
All-Star Runningback Gerald Ameln sah in dem Finale gute Werbung für die ELF: „Mir war von Anfang an klar, dass wir auf das Hamburg-Team treffen werden, das wir am Anfang der Saison gesehen haben, und nicht auf das, was während der Saison Probleme hatte. Mir war klar, dass es ein enges Spiel wird. Nicht bewusst war mir natürlich, dass die von Anfang an so wegziehen und uns mit ihrer Defense so dominieren werden. Unsere Offense hatte starke Probleme, da mitzuhalten. Aber wir haben uns gut gefangen und immer uns immer wieder rangearbeitet. Gennadiy hat einen sehr guten Job gemacht. Die Receiver waren noch nicht so drin. Die Defense der Hamburger hat sich immer gut angepasst. Aber am Ende des Tages waren wir doch das stärkere Team und natürlich hatten wir auch etwas Glück, dass der Kicker von Hamburg das Field Goal nicht getroffen hat. Es war ein ziemlich ausgeglichenes Spiel, hat den Fans viel Spaß gemacht und war gute Werbung für diese Liga.“


Sebastian Gauthier: "Wir sind die Champions"

 
All-Star Outside Linebacker Sebastian Gauthier führte die Frankfurter Defense mit neun Tackles und einem Pass-Breakup an. Er freut sich vor allem darüber, eine persönliche Negativserie beendet zu haben: „Es war eine super Erfahrung, in diesem großen Stadion in Düsseldorf vor über 20.000 Fans zu spielen. Über 500.000 Zuschauer haben im Stream oder bei Pro Sieben Maxx zugeschaut. Das ist sehr cool und war definitiv die größte Bühne, auf der ich je gespielt habe. Wir haben gegen ein sehr gutes Hamburger Team gespielt, das das wahrscheinlich beste Saisonspiel abgeliefert hat. Großen Respekt an sie. Aber das bessere Team hat dieses Spiel gewonnen. Nachdem ich fünf Bowl-Games fast in Serie verloren habe, war das meine Chance und das Team hat geliefert, auf beiden Seiten des Balls. Ich bin sehr stolz auf unsere Jungs. Diese Erfahrung werde ich mein Leben lang behalten. Es war einfach toll, die Emotionen meiner Teamkollegen und der Coaches zu sehen. Die Party danach hat so viel Spaß gemacht. Und das Gefühl, die Trophäe mit meinen Brüdern hochzuhalten, war großartig. Und jetzt machen wir uns bereit für die nächste Saison. Wir sind die Champions.“


Marc Anthony Hor: "Ein unbeschreibliches Gefühl"

 
All-Star Defensive Tackle Marc Anthony Hor gehörte mit sieben Tackles ebenfalls zu den Säulen der Frankfurter Abwehr. Er betont vor allem die beeindruckende Kulisse in Düsseldorf: „Das ganze Setup war richtig nice. Das Stadion, diese Kulisse – das war schon beim Reinlaufen beim Warm-Up richtig geil. Als dann noch die Fans da waren, war es der Wahnsinn. Das Spiel war sehr intensiv und eines der intensivsten Spiele, das wir in dieser Saison hatten. Man wusste einfach, um was man in diesem Moment kämpft. Zwischenzeitlich hatte ich aber schon ein bisschen Bammel, als wir als Defense nicht so richtig in den Tritt gekommen sind und das ganze Spiel über nicht so richtig Fuß fassen konnten. Aber als die Offense uns im Spiel gehalten hat, da wurde es auch bei mir immer besser. Die Gefühle waren dann positiver und ich konnte meine Teamkollegen motivieren. Am Ende haben wir einen guten Job gemacht. Es war ein hitziges Spiel, das wir verdient gewonnen haben. Im Großen und Ganzen war es ein fettes Erlebnis. Als das Field Goal daneben gegangen ist, war das ein wahnsinniger Moment. Das ist meine erste richtige Championship. Ein unbeschreibliches Gefühl.“

Yannic Kiehl: "Kopf runter und gib' ihm!"

 
Für All-Star Left Tackle und NFL National Combine-Teilnehmer Yannic Kiehl war vor allem der Ort des Finaltriumphes erwähnenswert: „Ich würde das Spiel als emotional beschreiben. Zwei Comebacks von uns im zweiten und im vierten Quarter – besser hättest du es nicht schreiben können. Wir sind mit der Führung in die Halbzeit, dann sind wir wieder zurückgefallen. Aber ich wusste, dass wir nicht aufgeben werden und das habe ich auch bei allen anderen in der Offense gesehen. Wir haben immer daran geglaubt, dass wir gewinnen. Dann haben wir den Ball bekommen. Lorenz hat einen für das Team eingesteckt und dann haben wir mit einem Sneak gewonnen – das O-Line-Spiel schlechthin: Einfach Kopf runter und gib‘ ihm! Für mich als Düsseldorfer war es sehr emotional in Düsseldorf zu gewinnen. Der Bessere hat auf jeden Fall gewonnen.“



Sebastián Silva Gomez: "Ich war bereit, alles zu geben"

 
All-Star Linebacker Sebastián Silva Gomez überzeugte auch im Finale mit sechs Tackles. Er beschreibt den entscheidenden Field Goal-Versuch der Sea Devils eindrucksvoll: „Mein Eindruck vom Spiel war unglaublich. Ich war bereit alles zu geben, nicht nur für meinen Bruder, sondern für alle Teamkollegen und Fans. Das Spiel ging hin und her. Die Führung hat oft gewechselt. Es sind Fehler passiert, die eigentlich nicht passieren. Zum Beispiel, dass ein Receiver einen guten Catch gegen Omari Williams macht. Oder, dass eine Offense gegen uns stark läuft. Das ist nicht so oft vorgekommen. Aber an dem Tag lief alles anders. Als der Kick zum entscheidenden Field Goal in der Luft war, ist mein Atem kurz stehengeblieben und ich habe gedacht, dass es diesmal wieder nicht reicht. Als ich dann gehört habe, dass unsere Jungs feiern, und ich das Zeichen der Schiris gesehen habe, war alles nur noch wie im Traum. Danach kamen die Emotionen und ich habe mich einfach nur für alle gefreut.“

Gennadiy Adams: "Es hat sich wie ein NFL-Spiel angefühlt"

 
Runningback Gennadiy Adams hinterließ vor allem durch die Luft Eindruck und fing im zweiten Quarter einen Pass von Jakeb Sullivan zum 43-Yard-Touchdown und zur zwischenzeitlichen 10:6-Führung. Für ihn fühlte sich das Finale wie ein ganz großes Spiel an: „Es war wahrscheinlich das wildeste Spiel, dass ich jemals gespielt habe. Da waren so viele verschiedene Gefühle und Führungswechsel dabei. Jeder im Stadion hat Fingernägel gekaut, egal ob du für Hamburg oder Frankfurt war. Das Spiel hat gezeigt, wie hartnäckig unsere Offense ist. Die Defense hatte ein paar Löcher. Aber wenn es am meisten zählte, war sie da. Und auch die Special Teams waren stark. Das Field Goal Block-Team hat bei der letzten Aktion viel Druck gebracht und hat geholfen, dass Phil den Kick verpasst hat. Das war mein erstes Spiel vor über 20.000 Fans. Es hat sich wie ein NFL-Spiel angefühlt. Es war super, ein Teil der Galaxy zu sein und das Spiel zu gewinnen. Vielleicht war es auch noch ein bisschen besser, weil es gegen die Sea Devils war. Das war das aufregendste Spiel, das ich jemals gespielt habe. Auch für die ELF-Fans war das Spiel großartig. Das Finale hat gezeigt, was wir für ein Team sind. Darauf bin ich sehr stolz.“
Sven Schuer

Nach seinem Soziologiestudium in Osnabrück absolvierte Sven Schüer ein Praktikum bei der Neuen Osnabrücker Zeitung und blieb dem Journalismus bis heute treu. Als freier Mitarbeiter berichtet er vom Amateurfußball in und um Osnabrück und begleitet das Footballteam der Osnabrück Tigers seit einigen Jahren. Darüber hinaus schreibt er als freier Autor für verschiedene Online-Magazine und seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

Twitter: @Schueer86
Nach Oben