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ELF-Saisonvorschau Teil 2: Was können die neuen Teams 2022?

Sean Shelton (am Ball) und die Raiders Tirol bekommen es auch in der ELF mit den Vienna Vikings zu tun. Sean Shelton (am Ball) und die Raiders Tirol bekommen es auch in der ELF mit den Vienna Vikings zu tun. IMAGO / GEPA pictures
In einem Monat startet die European League of Football (ELF) in die zweite Saison. In den kommenden Wochen stimmt euch TOUCHDOWN24 mit drei Vorschauen auf die neue Spielzeit ein. Weiter geht’s mit den neuen Teams in der Saison 2022.


Istanbul Rams: Die große Unbekannte in der ELF 2022


Vor der ELF: Vier nationale Meistertitel gewannen die Istanbul Rams seit ihrem Aufstieg in die höchste türkische Liga im Jahr 2013 – damals noch unter dem alten Namen Koc Rams. Nach zwei Vizemeisterschaften entwickelte sich das Team zum Powerhouse im Land und holte vier Meisterschaften in Serie zwischen 2016 und 2019. 2018 wurden die Türken darüber hinaus Vizemeister der Central European Football League, als sie mit 20:49 gegen die Swarco Raiders verloren.

Die Offseason: Eine der ersten Maßnahmen nach der Aufnahme in die ELF war die Änderung des Teamnamens in Istanbul Rams. Anschließend wurde Val Gunn als Head Coach vorgestellt. Als ersten Spieler holten die Rams Ex-Surge-Linebacker Zachary Blair an den Bosporus. Eine der interessantesten Verpflichtungen der Offseason ist Runningback Tyrese Johnson-Fisher, der am College Football spielte, nebenbei aber auch als Rugbyspieler unter anderem in der englischen Profiliga aktiv war.


Der Head Coach: Zunächst arbeitete Val Gunn in Norwegen und wurde 1998 mit den Oslo Vikings nationaler Meister. Nach Stationen bei den Aix-en-Provence Argonautes, Paderborn Dolphins, Devils Wroclaw, Aquile Ferrara und München Rangers wurde er von den Wroclaw Panthers verpflichtet, mit denen er 2019 polnischer Meister wurde. Zur kommenden Saison übernimmt Gunn das Amt des Head Coaches bei den Istanbul Rams. Nebenbei betreibt der ehemalige Quarterback der Texas A&M Aggies ein besonderes Hobby und veröffentlichte bereits mehrere Fantasy-Romane.

Der Quarterback: 2017 hinterließ Jared Stegman einen starken Eindruck im Trikot der Kiel Baltic Hurricanes. Als schwedischer Vizemeister mit fast 200 Yards pro Spiel kam der heute 31-Jährige nach Deutschland. 3.117 Yards und 47 Touchdowns legte der Australier in der GFL auf. Anschließend zog es ihn nach Japan und Australien. Dort gewann er mit den Bayside Ravens zwei Meisterschaften. Sein spektakulärer Spielstil war bereits 2015 bei der Weltmeisterschaft in Canton (Ohio) aufgefallen, wo er die australische Nationalmannschaft auf Platz fünf führte. 2022 soll er die Istanbul Rams in der ELF anführen.


Die Prognose: Das Roster der Rams sieht noch ziemlich dünn aus. Entsprechend schwer ist eine Prognose für die kommende Saison. In der schweren Southern Conference streiten sich die Rams mit Rhein Fire um den vorletzten Platz.


Rhein Fire: Mit massiver Fanunterstützung zu altem Ruhm?


Vor der ELF: Zwischen 1995 und 2007 war die Vorgängerfranchise der neuen Rhein Fire einer der Zuschauermagneten in der NFL Europe. Zwei Meistertitel 1998 und 2000 stehen in der Vita der „alten“ Rhein Fire. In der letzten Saison der NFL Europe kamen im Schnitt 22.000 Fans in die LTU Arena in Düsseldorf. Nun ist Rhein Fire zurück und schickt sich an, die alte Dominanz wieder neu zu entfachen.

Die Offseason: Die Düsseldorfer wilderten vor allem bei der ELF-Konkurrenz von den Cologne Centurions und holten gleich zehn Spieler vom letztjährigen Halbfinalisten. Bekanntester Name ist dabei Fullback Patrick Poetsch. Weitere bekannte Namen im 2022er-Roster sind Runningback Jason Aguemon und Wide Receiver Timothy Knüttel, die beide von den Leipzig Kings kamen. Zusammen mit dem erfahrenen Nathaniel Robitaille dürfte Knüttel eines der spannendsten Receiver-Duos der ELF bilden.


Der Head Coach: Vier Head Coaches der kommenden ELF-Saison haben bereits Erfahrungen in der NFL abseits von Praktikas oder Hospitierungen gesammelt. Ganz vorne steht Rhein Fire-Head Coach Jim Tomsula. Der 54-Jährige begann seine Coaching-Karriere 1989 am Catawba College als Strength and Conditioning Coach. 1998 ging er nach Europa und trainierte die Defensive Line der England Monarchs in der NFL Europe. Über Stationen bei den Scottish Claymores und Berlin Thunder arbeitete sich Tomsula bis 2006 zum Head Coach bei Rhein Fire hoch. 2007 kehrte er in die USA zurück und agierte von 2007 bis 2014 als Defensive Line Coach der San Francisco 49ers. In Woche 17 der Saison 2010 saß er interimsweise als Head Coach auf der Bank der Kalifornier, nachdem Mike Singletary vor dem Saisonfinale gefeuert wurde. Als einer der wenigen Position Coaches überstand Tomsula den Übergang von Singletary zum neuen Head Coach Jim Harbaugh 2011.

2015 bekam Tomsula die Gelegenheit, Harbaugh als Head Coach der 49ers zu beerben. Das Ergebnis war jedoch verheerend: San Francisco schloss die Saison 2015 mit fünf Siegen und elf Niederlagen ab, Quarterback Colin Kaepernick wurde zwischenzeitlich gebencht. Wenige Stunden nach dem Saisonfinale wurde Tomsula gefeuert. Seine weiteren Stationen als Defensive Line Coach in der NFL waren die damaligen Washington Redskins (2017 bis 2019) und die Dallas Cowboys (2020).

Der Quarterback: Als letztes ELF-Team verkündete Rhein Fire Anfang März seinen Starting-Quarterback. Der 27-jährige Matt Adam spielte von 2013 bis 2016 für die Indiana State und legte in seiner besten Saison 2015 2.098 Yards und 19 Touchdowns im Passspiel auf. Dazu kommen 494 Rushing-Yards und sechs Rushing Touchdowns. 2017 transferierte Adam zur Ferris State University und konzentrierte sich dort auf sein Studium, das er 2019 erfolgreich beendete. 2020 verschlug es ihn zu den Berlin Rebels. Sein Mentor und Quarterback-Guru Steve Calhoun hatte Rebels-Offensive Coordinator Cliff Madison auf Adam aufmerksam gemacht. Nach der abgesagten Corona-Saison wechselte er zu den Hamburg Huskies in die GFL 2 und brachte in neun Spielen für die Hansestädter nur 47,8 Prozent seiner Pässe für 1.769 Yards, zehn Touchdowns und zwölf Interceptions an.


Die Prognose: Die Quarterbackposition ist die größte Schwachstelle der Düsseldorfer – oder eher das größte Fragezeichen? So oder so wird Rhein Fire in der kommenden Saison nicht um die Playoffs spielen. TOUCHDOWN24 sieht sie auf Platz drei in der Southern Conference.


Tirol Raiders: Konstanz auf allen Positionen


Vor der ELF: Die Raiders Tirol hatten sich 1992 als Swarco Raiders Tirol gegründet und entwickelten sich ab Anfang der 2000er-Jahre zu einem der dominierenden Teams in Österreich. Acht nationale Meisterschaften und drei EuroBowl-Siege sprechen eine deutliche Sprache. Nun wagen die Innsbrucker den Sprung in die ELF.

Die Offseason: Die Österreicher setzen auf Konstanz auf mehreren Positionen im Roster – keine schlechte Idee angesichts der erfolgreichen letzten Jahre. Mit Runningback Logan Morgane, Defensive Back Dominique Shelton und Defensive Lineman Derrick Brumfield holten die Innsbrucker Importspieler mit viel Potenzial. Auf dem Papier sieht die Mischung im Roster gut aus.


Der Head Coach: Seit elf Jahren ist Kevin Herron Teil der Raiders Tirol. Vorher war er als Coach unter anderem für die Munich Cowboys tätig. In Innsbruck übernahm Herron zunächst als Assistant Linebackers-Coach unter Head Coach Shuan Fatah und holte dabei zwei nationale Meisterschaften. 2015 wurde er zum Cheftrainer der Munich Cowboys ernannt, kehrte 2017 aber nach Tirol zurück – zunächst als Defensive Coordinator, ab 2019 als Head Coach.

Der Quarterback: Fünf österreichische Meistertitel, drei CEFL-Titel und insgesamt sechs MVP-Auszeichnungen in sieben Jahren auf dem europäischen Kontinent stehen in der Bilanz des alten und neuen Raiders-Quarterbacks Sean Shelton. Entsprechend groß sind die Erwartungen an den 30-Jährigen, der schon an seinem Division-II-College der William Jewell Cardinals vier Offense-MVP-Titel abräumte. Seit 2015 ist Shelton im Roster der Raiders. 2021 stellte seine erste Saison in Innsbruck mit mehr als zwei Niederlagen dar. Dennoch holte das Team den Titel in Österreich und Shelton machte seine Schwächephase während der Saison mit einer überragenden Finalleistung wett.


Die Prognose: Als einer von zwei Neulingen in der ELF sind die Raiders bereits eingespielt, wovon sie vor allem zu Saisonbeginn profitieren werden. Platz drei ist mindestens drin.
 

Vienna Vikings: Was kann der Ex-Penn-State-Quarterback?


Vor der ELF: Die Vikings existieren bereits seit 1983 als American Football-Verein und gewannen 1994 ihren ersten nationalen Titel. Bis 2020 sollten 14 weitere Meisterschaften folgen. Die Dominanz der Hauptstädter wurde zuletzt nur von den Swarco Raiders in Frage gestellt. Diese Rivalität wird sich auch in der ELF fortsetzen, wo die beiden österreichischen Teams in einer Conference spielen.

Die Offseason: Auch die Vikings setzten auf Konstanz im Roster, gehen aber mit einem neuen Quarterback in die ELF-Premierensaison. Bekannteste Neuverpflichtung ist ohne Frage Tight End Adrià Botella Moreno, der 2021 für die Hamburg Sea Devils überragende Receiving-Zahlen auflegte. Das weitere Receiving-Corps ist mit internationalen Namen und nationalen Talenten gespickt.


Der Head Coach: Chris Calaycay ist bereits seit unglaublichen 23 Jahren Teil der Vienna Vikings. 1999 kam er als Defender von der Willamette University in die österreichische Hauptstadt und wechselte bei den Vikings auf die Quarterbackposition. In den ersten drei Jahren holte er mit den Wienern drei Meisterschaften. 2004 übernahm der 46-jährige Hawaiianer als Defensive Coordinator bei den Vikings, bekleidete ab 2006 zusätzlich den Posten des Assistant Head Coaches und übernahm 2007 schließlich den Cheftrainerposten bei den Österreichern. Sieben nationale Meisterschaften und zwei Eurobowl-Siege später startet Calaycay mit den Vikings in der ELF.

Der Quarterback: Jackson Erdman war früher Teil eines sogenannten Blue-Blood-Programms am College. 2015 stand er im Roster der Penn State Nittany Lions. Aufgrund eines Coaching-Wechsels transferierte Erdmann 2016 an die Saint John’s University und warf dort bis 2019 Pässe für 11.638 Yards und 139 Touchdowns bei einer Passquote von 63,5 Prozent. Seine Leistungen brachten ihm einige Preise ein, im NFL-Draft 2020 wurde Erdmann jedoch nicht gezogen. Stattdessen spielte er in der Spring League für die Blues und in der Fan Controlled Fooball-League für die Wild Aces. Nun versucht der 25-Jährige sein Glück bei den Vienna Vikings.


Die Prognose: Auch die Vikings spielen schon seit längerem zusammen, was ein Vorteil sein wird. Wien und Tirol werden Platz zwei in der Conference hinter Frankfurt Galaxy unter sich aus machen. TOUCHDOWN24 sieht die Vikings vorne.
Sven Schuer

Nach seinem Soziologiestudium in Osnabrück absolvierte Sven Schüer ein Praktikum bei der Neuen Osnabrücker Zeitung und blieb dem Journalismus bis heute treu. Als freier Mitarbeiter berichtet er vom Amateurfußball in und um Osnabrück und begleitet das Footballteam der Osnabrück Tigers seit einigen Jahren. Darüber hinaus schreibt er als freier Autor für verschiedene Online-Magazine und seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

Twitter: @Schueer86
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