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ELF-Saisonvorschau Teil 1: Wer schafft es dieses Mal in die Playoffs?

Joc Crawford trifft mit Berlin Thunder auch 2022 wieder auf die Leipzig Kings. Joc Crawford trifft mit Berlin Thunder auch 2022 wieder auf die Leipzig Kings. IMAGO / Matthias Koch
In einem Monat startet die European League of Football (ELF) in die zweite Saison. In den kommenden Wochen stimmt euch TOUCHDOWN24 mit drei Vorschauen auf die neue Spielzeit ein. Los geht’s mit den Teams, die 2021 die Playoffs verpasst haben.


Leipzig Kings: Wo steht das Team nach dem Birdsong-Schock?


Die letzte Saison: Nur knapp verpassten die Kings im vergangenen Jahr die Playoffs. Am letzten Spieltag verloren die Sachsen 13:21 gegen die Wroclaw Panthers und mussten den Polen den Vorzug lassen. Quarterback Michael Birdsong hatte mit Verletzungen zu kämpfen, gehörte im fitten Zustand aber zu den besten Ballverteilern der Liga. Primäre Passempfänger der zweitbesten Passing Offense und drittbesten Overall-Offense der ELF waren Timothy Knüttel und Anthony Dablé-Wolf. In der Defense dominierte die D-Line um „Sack Monster“ Kyle Kitchens (12,5 Sacks) und Aslan Zetterberg (9,5 Sacks). Die Passing-Defense war mit nur 140,8 zugelassenen Yards pro Spiel das Non-Plus-Ultra in der ELF.

Die Offseason: Überraschend verkündete Quarterback Birdsong im April seinen Abgang von den Kings. Mit Jordan Barlow holten die Sachsen einen noch unbekannten Ersatz. Sack-Leader Kitchens (Berlin) und Receiver Knüttel (Rhein Fire) haben das Team verlassen. Der zweifache German Bowl-MVP David McCants (zuletzt Runningbacks-Coach bei den Kings) soll das Laufspiel verbessern. Jan-Phillip Bombek (Hamburg) wurde als Ersatz für Kitchens geholt. Linebacker A.J. Wentland (Dresden Monarchs) kommt als amtierender deutscher und österreichischer Meister nach Leipzig.


Der Head Coach: Fred Armstrong gewann seit 1991 fünf schwedische Meisterschaften mit den Solna Chiefs und den Stockholm Mean Machines und wurde 1998 als Cheftrainer der Stuttgart Scorpions zum Coach of the Year in Europa gewählt. Parallel wurde als Praktikant bei den New York Giants und New York Jets vorstellig. 2022 geht Armstrong in sein zweites Jahr bei den Leipzig Kings.

Der Quarterback: Jordan Barlow stellte für die Van Buren High School in Arkansas zahlreiche Schulrekorde auf, ehe er 2016 von den Ouachita Baptist Tigers in die Division II rekrutiert wurde. Nach einem Jahr transferierte er zum Arkansas Baptist College in die NAIA, ging nach einem weiteren Jahr an die Lindenwood University in die Division II und wechselte 2020 erneut, diesmal an die Southwestern Assemblies of God University in die NAIA. Insgesamt absolvierte er 19 Spiele und legte dabei 4.436 Passing Yards, 592 Rushing Yards und 50 Touchdowns auf.


Die Prognose: Den überraschenden Abgang von Birdsong werden die Kings in der schweren Northern Conference mit Berlin Thunder, den Wroclaw Panthers und den Hamburg Sea Devils nicht kompensieren können. TOUCHDOWN24 sieht sie auf dem letzten Platz im Norden.


Berlin Thunder: Mit einem Rookie-Head Coach endlich in die Playoffs?


Die letzte Saison: Nur drei Siege holten die Hauptstädter in ihrer Premierensaison in der ELF und landeten auf dem letzten Platz ihrer Conference. Head Coach Jag Bal wurde nach der Spielzeit entlassen. Negativer Höhepunkt war die 6:44-Pleite gegen Hamburg. Quarterback Calvin Stitt blieb wie die gesamte Passing-Offense deutlich hinter den Erwartungen zurück (Platz 7 in Passing-Yards pro Spiel). Dafür lief das Rungame im wahrsten Sinne des Wortes. Joc Crawford überzeugte mit 6,8 Yards pro Rush und über 1.000 Yards während der gesamten Saison. Auch die Defense war im Kollektiv unterdurchschnittlich, auch wenn Tackle-Leader Wael Nasri (14,1 Tackles pro Spiel), die starken Linemen Kolin Hill (9,5 Sacks) und Adedayo Odeleye (7 Sacks) und Defensive Back Jamaal White (3 Interceptions in 8 Spielen) individuell gute Leistungen ablieferten.

Die Offseason: Im Front Office der Thunder hat sich einiges getan. Ex-NFL-Profi Björn Werner stieg als Miteigentümer und Sportdirektor ein. Diana Hoge löste Heiko von Glagn als General Managerin ab. Johnny Schmuck ist neuer Head Coach. Joe Germinerio soll die Passing Offense als Quarterback beleben. Mit Robin Wilzeck (Dresden Monarchs) kommt ein starker Receiver aus der GFL (961 Yards und 13 Touchdowns 2021). Die Offensive Line wurde runderneuert. In der Defense wurde Sack-Leader Kyle Kitchens (Leipzig) geholt. Dafür sind die defensiven Leistungsträger Nasri (Frankfurt), Hill (USFL), Odeleye (Unbekannt) und White (Unbekannt) weg.


Der Head Coach: In der Saison 2022 wird ein Rookie-Head Coach in der ELF sein Glück versuchen. Johnny Schmuck ist als Cheftrainer der Berlin Thunder allerdings kein Unbekannter in der Hauptstadt. Als Spieler der Spandau Bulldogs, Berlin Rebels und Berlin Adler machte sich der 41-Jährige einen Namen in der Berliner Footballszene. Nach seinem Karriereende 2009 konzentrierte er sich komplett auf seine Coaching-Laufbahn, die bereits 2006 als Jugendtrainer der Adler begonnen hatte. 2011 gelang ihm der Sprung in den Herrenbereich als Wide Receivers-Coach der Adler. Später wurde er zum Offensive Coordinator befördert und bekleidete zusätzlich das Amt des Sportlichen Leiters. „Er ist ein echter Berliner“, sagt Teammitbesitzer Björn Werner über seinen neuen Head Coach.

Der Quarterback: Schon am Brockport und am Ithaca College überzeugte Joe Germinerio mit starken Leistungen. 100 Touchdowns warf der US-Amerikaner in der Division III. 11.373 Yards legten seine Bälle durch die Luft zurück. Aber auch am Boden bewies der 25-Jährige seine Qualitäten und lief insgesamt für 1.838 Yards und 37 Touchdowns in vier Collegejahren. Und damit nicht genug: Nach seinem Wechsel nach Europa ließ Germinerio weiter seine Arme sprechen. Für die Kiel Baltic Hurricanes brachte der US-Amerikaner 60,6 Prozent seiner Pässe für 2.265 Yards und 21 Touchdowns bei sechs Interceptions in nur neun Spielen an. Head Coach Johnny Schmuck freut sich schon gewaltig auf den ELF-Neuling.


Die Prognose: Berlin Thunder wird sich im Vergleich zur letzten Saison verbessern und den Konkurrenten im Norden mit verstärkter Offensive Probleme bereiten. Dennoch werden die Playoffs auch 2022 knapp verpasst.


Barcelona Dragons: Auf Augenhöhe mit Köln dank Ex-NFL-Coach?


Die letzte Saison: Die Dragons schlossen die letzte Saison auf Platz drei im Süden ab, verpassten die Playoffs aber deutlich und holten ebenfalls nur drei Siege. Quarterback Zach Edwards führte die drittbeste Passing-Offense der Liga an. Jean Constant war mit 1.038 Receiving-Yards bester Passempfänger der ELF. Das Laufspiel funktionierte jedoch überhaupt nicht, genauso wenig wie die Laufdefense. Insgesamt war das Team an vielen Stellen nicht auf dem Niveau der meisten Konkurrenten – abgesehen von Linebacker Myke Tavarres (11 Tackles pro Spiel) und den Defensive Backs Andy Vera (5 Interceptions in 8 Spielen), Niko Lester (3 in 10) und Lucas Masero (3 in 10).

Die Offseason: Viel hat sich getan in Katalonien. Neuer Head Coach ist Andrew Weidinger, der Adam Rita an der Seitenlinie ablöst. Quarterback Edwards bleibt, muss aber die Chemie mit neuen Receivern finden. Constant (Hamburg) und Rémi Bertellin (Thonon) haben das Team verlassen. Sie sollen durch Benjamin Plu und Kyle Sweet ersetzt werden. Die Secondary bekommt die genannten drei Playmaker zurück und wurde zusätzlich mit den US-Amerikanern Shawn Wilson und Jake O’Connell verstärkt. Fragezeichen stehen aber noch hinter der Defensive Line.


Der Head Coach: Zehn Jahre lang war Barcelona Dragons-Head Coach Andrew Weidinger in der besten Liga der Welt aktiv. Nach sieben Spielzeiten als Graduate Assistant bei den Arizona Wildcats wagte er 2007 den Sprung in die NFL, zunächst als Scout, ab 2008 als Assistant to the Head Coach der Atlanta Falcons. Als Assistant to the Head Coach arbeitete Weidinger bis 2012, wurde dann zum Offensive Assistant befördert und blieb bis 2015 bei den Falcons, ehe er als Offensive Quality Control Coach, Assistant Wide Receivers-Coach und Game Manager bei den Tampa Bay Buccaneers übernahm. Mit der Entlassung von Head Coach Dirk Koetter nach der Saison 2018 endete die NFL-Karriere von Weidinger. 2019 coachte der 39-Jährige die Runningbacks der Arizona Hotshots in der AAF, bevor er als Offensive Coordinator zwei Jahre lang bei den Potsdam Royals in der GFL aktiv war.

Der Quarterback: Aufgrund der sportlich untergeordneten Rolle, die die Dragons in der letzten ELF-Saison spielten, geriet die Leistung von Zach Edwards teilweise aus dem Blick der Öffentlichkeit. Dabei lieferte der FCS-Bowl-MVP von 2019 mit 2.514 Yards in zehn Spielen starke Zahlen ab. Allerdings profitierte Edwards dabei auch von der Qualität seiner Receiver und vom passlastigen Scheme der Dragons, das teilweise durch frühe Rückstände begünstigt wurde. 357 geworfene Pässe sind Rekordwert in der ELF. Die Passquote liegt mit 53,8 Prozent zudem deutlich unter den Werten der Konkurrenten. Dennoch hat Edwards 2021 bewiesen, dass er die Last einer Offense schultern kann.


Die Prognose: Trotz einiger Fragezeichen werden die Dragons in diesem Jahr den zweiten Platz in der Southern Conference erreichen, allerdings nicht als bester Gruppenzweiter in die Playoffs einziehen. An den Cologne Centurions führt im Süden zwar kein Weg vorbei. Rhein Fire und die Istanbul Rams müssen sich jedoch erstmal finden und sind den Dragons vor allem auf der Quarterbackposition unterlegen.


Stuttgart Surge: Wohin führt der Weg für den großen Außenseiter?


Die letzte Saison: Eine Premierensaison zum Vergessen erlebten die Suttgart Surge. Nur zwei Siege bedeuteten den letzten Platz in der Southern Division. Quarterback Jacob Wright musste seinen Platz wegen Rassismusvorwürfen schon nach zwei Spieltagen räumen. Für ihn übernahm Aaron Ellis. In fast allen statistischen Kategorien belegten die Surge einen der drei letzten Plätze im Ligavergleich. Nur die Laufdefense war mit Platz fünf etwas besser als der Rest. Individuell stach ebenfalls kein Spieler heraus.

Die Offseason: Trotz des schwachen Abschneidens blieb Head Coach Martin Hanselmann im Amt – ein Zeichen dafür, dass die Franchise auf die Zukunft und auf Konstanz setzt. Raiders-Fullback Jakob Johnson wurde in der Offseason als Miteigentümer verkündet. Neuer Quarterback ist Randy Schroeder, der hinter einer verbesserten Offensive Line mehr Zeit als seine Vorgänger haben dürfte.


Der Head Coach: Bereits seit 27 Jahren ist Martin Hanselmann Footballtrainer. 1995 begann er seine Coaching Karriere bei den Franken Knights. Zwischen 2000 und 2006 war der 59-jährige Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft und führte das Team 2001 zum EM-Titel. Anschließend war er als Head Coach bei den Düsseldorf Panther (2007 bis 2011), Nürnberg Rams (2011 bis 2013), Cologne Falcons (2014 bis 2015), Würzburg Panthers (2016 bis 2019) und Stuttgart Scorpions (2019 bis 2020) tätig, bevor er sich Stuttgart Surge anschloss.

Der Quarterback: Eine der größten Wild Cards der kommenden ELF-Saison schickt Stuttgart Surge auf der Quarterbackposition ins Rennen. Randall „Randy“ Schroeder spielte bis 2016 Collegefootball an der Truman State, brachte es in zwei Jahren aber nur auf 1.343 Yards und vier Touchdowns bei acht Interceptions. Erst in Europa blühte der 27-Jährige auf und gewann 2018 und 2021 die dänische Meisterschaft mit den Copenhagen Towers. Zwischenzeitlich stand der aus North Carolina stammende Quarterback bei den Neu-Ulm Spartans unter Vertrag. Die Saison 2020 wurde wegen der Corona-Pandemie jedoch abgesagt, so dass Schroeder nach Kopenhagen zurückkehrte.


Die Prognose: In der hochkarätig besetzten Central Conference wird es Stuttgart sehr schwer haben und erneut den letzten Platz hinter Frankfurt, Wien und Tirol belegen.
Sven Schuer

Nach seinem Soziologiestudium in Osnabrück absolvierte Sven Schüer ein Praktikum bei der Neuen Osnabrücker Zeitung und blieb dem Journalismus bis heute treu. Als freier Mitarbeiter berichtet er vom Amateurfußball in und um Osnabrück und begleitet das Footballteam der Osnabrück Tigers seit einigen Jahren. Darüber hinaus schreibt er als freier Autor für verschiedene Online-Magazine und seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

Twitter: @Schueer86
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