HEFT #51

Ausgabe NOVEMBER 2021

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Das große ELF-Finale: Sea Devils vs. Galaxy in der XXL-Vorschau

Ein Schlüsselduell könnte sich zwischen Hamburg-Runningback Xavier Jerome Johnson (in weiß) und Frankfurt-Verteidiger Jhonattan Silva Gomez anbahnen. Ein Schlüsselduell könnte sich zwischen Hamburg-Runningback Xavier Jerome Johnson (in weiß) und Frankfurt-Verteidiger Jhonattan Silva Gomez anbahnen. IMAGO / Beautiful Sports
Vergangenheit und Zukunft treffen am Sonntag (14:45 Uhr) im Championship-Game der European League of Football aufeinander, wenn die Hamburg Sea Devils und Frankfurt Galaxy in der Merkur-Spiel-Arena in Düsseldorf um den Titel kämpfen. TOUCHDOWN24 wirft einen detaillierten Blick auf das Finale.



Besser hätte das Drehbuch der ersten ELF-Saison wohl kaum laufen können. Die beiden größten Namen im Teilnehmerfeld stehen sich im Endspiel gegenüber. Beide Teams eröffneten auch die Saison. Und beide Teams – beziehungsweise deren Vorgänger – nahmen am letzten Finale der NFL Europe 2007 teil. Damals gewannen die Sea Devils angeführt von MVP-Quarterback Casey Bramlet vor knapp 50.000 Zuschauern in der Frankfurter Commerzbank-Arena mit 37:28.
Aber nun richten sich die Augen der Fans auf das letzte Spiel der ELF-Premierensaison. Welche Matchups sind besonders interessant? Wo hat welches Team Vorteile? TOUCHDOWN24 liefert Antworten.

Sea Devils Offense gegen Galaxy Defense

Das entscheidende Duell auf dieser Seite des Balls dürfte sich zwischen der Rushing-Offense der Sea Devils und der Rushing-Defense der Galaxy abspielen. Hamburg stellt das drittbeste Laufspiel der ELF. Frankfurt hält mit der zweitbesten Laufdefense der Liga dagegen. Viel hängt an der Offensive Line der Sea Devils. Right Guard Timo Winter, Left Guard Robin Fensch und Left Tackle Keanu Ebanks gehören allesamt zum All-Star-Team der ELF. Sie blocken für die Runningbacks Xavier Jerome Johnson und Julian Ampaw. Vor allem Johnson überzeugte bisher mit 5,8 Yards pro Laufversuch und 96 Yards pro Spiel.

Das Problem: Die starke Rushing-Defense der Frankfurter scheint ein Mittel gegen das Laufspiel der Sea Devils gefunden zu haben. Im zweiten Aufeinandertreffen der beiden Teams in dieser Saison hielt die Galaxy den Rivalen bei 54 Yards auf dem Boden. Dieser Wert liegt deutlich unter dem Schnitt der Hamburger von 147,6 Rushing-Yards pro Spiel. Runningback Johnson kam nur auf 37 Rushing-Yards. Das Spiel zeigte die Schwächen der Sea Devils deutlich auf: Funktioniert das Laufspiel nicht, ist die Offense relativ harmlos. Nur drei Field Goals gelangen den Hansestädtern in jenem Spiel.



Die Laufdefense der Frankfurter wird von Defensive Lineman Marc-Anthony Hor und Linebacker Sebastian Gauthier angeführt. Letzterer brillierte im Halbfinale mit neun Tackles, zwei Sacks und zwei Tackles for Loss und ist eine Bank in der Front Seven der Galaxy. Hor führt die teaminterne Statistik mit sechs Sacks an. Neben Gauthier überragt aber auch der Rest des Linebacker-Corps: Outside Linebacker Sebastian Silva Gomez wurde ins All-Star Team gewählt. Innen sorgen Osarounamen Ogbevoen und Jhonattan Silva Gomez für Stabilität.

Ein klares Missmatch ist die Passing-Offense der Sea Devils gegen die Passing-Defense der Galaxy. Quarterback Jadrian Clark ist im Ligavergleich nur Durchschnitt. 131 Passing-Yards pro Spiel bedeuten den letzten Platz in der ELF. Tight End Adria Botello Moreno ist die primäre Anspielstation und fing gut ein Drittel der Completions seines Quarterbacks. Sein Nebenmann John-Levi Kruse wurde kürzlich zum NFL International Combine eingeladen. Jean-Claude Madin Cerezo ist der einzige Wide Receiver, der regelmäßig spielte und gute Zahlen auflegte. Gelingt es den Frankfurtern, den Go-To-Guy aus dem Spiel zu nehmen, wird es sehr schwer für die Sea Devils. Bisher war die Mismatch-Waffe der Hamburger kaum zu covern. Doch die Secondary der Frankfurter gehört zu den besten ihrer Zunft und stellt mit Joshua Poznanski, Fernando Lowery und Omari Williams drei Top-Ten-Defensive Backs der ELF.



Als Zünglein an der Waage könnte sich letztlich aber auch die schwache Third Down-Conversion-Rate der Hamburger entpuppen. Sie steht der zweitbesten Third Down-Defense der Liga gegenüber. Ein kritischer Faktor könnte außerdem das Special Teams-Play der Hamburger sein. Kicker Phillip Friis Andersen ist der effektivste Kicker der Liga, Justin Rogers dazu ein brandgefährlicher Punt-Returner.

Galaxy Offense gegen Sea Devils Defense

Auf dieser Seite des Balls stehen die Sea Devils vor einer noch größeren Herausforderung. Denn die Galaxy stellt mit 35,7 Punkten pro Spiel die effizienteste Offense der Liga. Das Passspiel (4.) und das Laufspiel (6.) rangieren jedoch nur im Ligamittelfeld. Frankfurt versteht es, seine Chancen zu nutzen. 44 Prozent aller Third Downs verwandeln die Hessen in Punkte oder ein neues First Down – Spitzenwert in der ELF.

Quarterback Jakeb Sullivan legt pro Spiel 228,5 Passing-Yards auf und warf bereits 28 Touchdowns bei nur acht Interceptions. Seine wichtigsten Passempfänger sind die Wide Receiver Anthony Mahoungou, Hendrik Schwartz, Marvin Rutsch und Nico Strahmann. Lorenz Regler gehört ebenfalls zu dieser elitären Gruppe, verpasste aber zwei Spiele, darunter das Halbfinale. Hier verteilt sich die Last auf viele Schultern, was die Galaxy offensiv schwer auszurechnen macht. Im Laufspiel verlassen sich die Frankfurter auf das Trio aus Gerald Ameln, Gennadiy Adams und Justin Rodney.



Spannend dürfte das Duell der Frankfurter Offensive Line gegen die Defensive Line der Sea Devils ausfallen. All-Star-Left Tackle und NFL International Combine-Kandidat Yannic Kiehl verpasste das Halbfinale gegen Köln und wurde durch Nils Hampel ersetzt. All-Star-Center Joachim Christensen ragt ebenfalls aus der Line heraus. Dazu kommt Jan-Hendrick Hoffmeyer, der ebenfalls am NFL International Combine teilnehmen wird. Allerdings hatte die Unit in den beiden bisherigen Aufeinandertreffen mit der D-Line der Sea Devils große Probleme. Sieben von insgesamt 25 zugelassenen Sacks kassierte Frankfurt in den beiden Spielen gegen Hamburg. Hinzu kommen schwache 2,9 Yards pro Lauf in den Duellen mit den Sea Devils.

Ein Grund für die Performance der Galaxy-O-Line ist sicherlich Jan-Phillip Bombek. Der Outside Linebacker der Sea Devils, der ebenfalls zur NFL International Combine eingeladen wurde, zerstört regelmäßig gegnerische Linemen und Quarterbacks. Elf Sacks legte der Deutsche in nur sieben Spielen auf – 1,57-mal pro Spiel bringt er den gegnerischen Ballverteiler also zu Boden. Das ist einsame Spitze in der ELF. Allerdings verpasste Bombek das Halbfinale und steht für das Finale wohl nicht zur Verfügung. Ein herber Schlag für Hamburg. Immerhin ist da aber auch noch Defensive End Nelson Imasuen, der in der Regular Season 6,5-mal zum gegnerischen Quarterback kam. Ganz zu schweigen von All-Star Defensive End Berend Grube. Miguel Alessandro Boock und Daniel Laporte ragen zudem als All-Star-Linebacker heraus.



Bleibt noch das Duell der Frankfurter Passing-Offense mit der Hamburger Passing-Defense. Hier gestaltet sich das Matchup relativ ausgeglichen. Durchschnittlich 212,2 Passing Yards pro Spiel sind viertbester Wert in der ELF. Die Sea Devils halten mit dem fünftbesten Wert von 182 zugelassenen Passing-Yards dagegen. Die Secondary der Hansestädter wird von Cornerback Justin Rogers angeführt, der bereits fünf Interceptions fing.

Was sonst noch wichtig ist

ELF-Fans sollten in der Halbzeitpause des Championship Games keinesfalls eine Pause vor dem Fernseher einlegen. Denn dann werden die Ligaverantwortlichen um Zeljko Karajica und Patrick Esume „einige neue Teams vorstellen“, wie CEO Krajica in der Pressekonferenz im Vorfeld des Finals offiziell verkündete. Eine Woche zuvor hatte er bereits durchsickern lassen, dass 2022 mindestens zwölf Franchises in der ELF starten sollen. Somit werden mindestens vier neue Teams in den kommenden Monaten offiziell vorgestellt werden, einige davon wohl am Sonntag.



Ein Blick auf die Teilnehmer der damaligen NFL Europe könnte einen Hinweis auf potenzielle neue Teams geben. Mit den Barcelona Dragons, Berlin Thunder, Cologne Centurions, Frankfurt Galaxy und Hamburg Sea Devils spielen bereits fünf ehemalige NFL Europe-Franchises in der ELF. Dazu kommen die Wroclaw Panthers, Stuttgart Surge und Leipzig Kings als neugegründete Teams.

Vier ehemalige NFL Europe-Teams fehlen somit aktuell noch: Die Amsterdam Admirals, die London Monarchs, Rhein Fire aus Düsseldorf und die Scottish Claymores aus Edinburgh und Glasgow. Dazu kursieren Gerüchte, dass die Vienna Vikings und die Swarco Raiders aus Innsbruck Kandidaten für eine Ligaerweiterung sein könnten.
Sven Schuer

Nach seinem Soziologiestudium in Osnabrück absolvierte Sven Schüer ein Praktikum bei der Neuen Osnabrücker Zeitung und blieb dem Journalismus bis heute treu. Als freier Mitarbeiter berichtet er vom Amateurfußball in und um Osnabrück und begleitet das Footballteam der Osnabrück Tigers seit einigen Jahren. Darüber hinaus schreibt er als freier Autor für verschiedene Online-Magazine und seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

Twitter: @Schueer86
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