HEFT #51

Ausgabe NOVEMBER 2021

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Brennende Fragen nach Woche zwei: Hat die ELF einen Skandal vermieden?

Nico Strahmann (Mitte) und Frankfurt Galaxy gewannen bei den Stuttgart Surge Nico Strahmann (Mitte) und Frankfurt Galaxy gewannen bei den Stuttgart Surge IMAGO / Jan Huebner
Das zweite Wochenende der ELF hatte nur drei Spiele zu bieten, die allesamt relativ einseitig verliefen. Dennoch boten die Partien jede Menge Gesprächsstoff auf und neben dem Platz. Dazu muss die Liga ihren ersten Skandal bewältigen. TOUCHDOWN24 beantwortet die wichtigsten Fragen zu Woche zwei.


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Wie ausgeglichen ist die ELF wirklich?

Die Freude bei Fans und Beobachtern war nach dem Auftaktwochenende der ELF groß. Drei von vier Spielen gestalteten sich spannend dank enger Spielstände. Die Hamburg Sea Devils gewannen nur knapp mit 17:15 gegen Frankfurt Galaxy durch ein Field Goal kurz vor Schluss. Stuttgart Surge setzte sich mir 21:17 gegen Barcelona durch und Leipzig und Berlin trennten letztlich nur zehn Punkte beim 37:27-Erfolg der Kings. Und selbst das 55:39 der Wroclaw Panthers gegen die Cologne Centurions war noch im vierten Viertel offen.

Die zweite Woche der ELF zeigte ein etwas anderes Bild. Wroclaw setzte sich klar mit 54:28 gegen die Leipzig Kings durch, bereits zur Halbzeit führten die Polen mit 33:14. Die Panthers wirken aktuell wie der klare Titelfavorit, erzielten schon 109 Punkte in zwei Spielen. Sonntag zerlegten die Cologne Centurions die Gäste aus Barcelona mit 40:12. Vor allem die Defensive der Kölner spielte stark auf, ganz zu schweigen von Spieltags-MVP Madre London, der 352 Yards und vier Touchdowns (!!!) erlief. Einige Fehler der Spanier trugen jedoch auch zum klaren Endergebnis bei. Im Parallelspiel ließ Frankfurt beim 42:20-Erfolg gegen Stuttgart vor allem in der ersten Hälfte (27:0-Führung zur Pause) nichts anbrennen und verwaltete den Sieg im weiteren Spielverlauf.



Eine seriöse Einschätzung der Kräfteverhältnisse innerhalb der ELF ist nach zwei Spieltagen nicht möglich. Vielleicht erwischten einige Teams einfach einen schlechten Tag am vergangenen Wochenende. Vielleicht haben wir mit Wroclaw, Köln und Frankfurt aber auch drei ELF-Topteams gegen drei schwächere Mannschaften gesehen. Dazu haben Hamburg und Berlin jeweils erst ein Spiel absolviert. Nach dem kommenden Wochenende könnte sich ein klareres Bild abzeichnen, wenn Frankfurt Galaxy und die Wroclaw Panthers im Topspiel aufeinandertreffen.

Sind die Wroclaw Panthers der klare Titelfavorit?

Auch hier sind Einschätzungen mit Vorsicht zu genießen. Der Hype-Train der Wroclaw Panthers setzt sich jedoch langsam, aber sicher in Bewegung. Hier zeigt sich einmal mehr, wie wichtig ein gut abgestimmtes Team im Football sein kann. Die Panthers konnten als einzige ELF-Franchise auf einen bereits seit mehreren Jahren zusammenspielenden Kader zurückgreifen. Wroclaw gehörte vor dem Wechsel in die ELF zu den besten Teams in Polen und konnte sich in den bisherigen beiden Spielen auf die Teamchemie verlassen.

109 erzielte Punkte in acht Vierteln sprechen eine deutliche Sprache. Die Offense der Panthers präsentiert sich extrem spektakulär. Quarterback Lukas O’Connor war der Liga-MVP in Woche 1. Dabei war der gebürtige Kalifornier vor der Saison gar nicht eingeplant, sondern übernahm erst zehn Tage vor dem ersten Saisonspiel für Cody Williams. Letzterer war aus persönlichen Gründen in die USA zurückgekehrt. O’Connor entpuppte sich als Glücksgriff für die Panthers und kann sich dabei auf seine Teamkollegen um sich herum verlassen.



Es bleibt abzuwarten, ob die Panthers die positiven Eindrücke in den kommenden Wochen bestätigen können. Denn Fragezeichen existierten nach wie vor. So holten die Panthers beide Siege vor heimischem Publikum. 4.600 Zuschauer sahen den Auftakt vor einer Woche. Aber wie treten die Polen in Auswärtsspielen auf? Diese Frage wird am kommenden Wochenende bei Frankfurt Galaxy beantwortet. Zudem sind die wahren Stärken der Centurions und der Kings noch nicht gänzlich einzuordnen. Dennoch haben sich die Panthers inzwischen als Topfavorit auf den Titel in der ELF etabliert.

Lief sonst alles rund in Woche zwei?

Kinderkrankheiten sind bei einer neu gegründeten Liga wie der ELF nicht ungewöhnlich, zumal der Wettbewerb nur wenige Monate Vorbereitung zur Verfügung hatte. Das sportliche Endprodukt kann sich dabei sehen lassen – mit Ausnahme der Special Teams-Leistungen fast aller ELF-Franchises. Auch die Qualität der TV-Bilder ist bereits jetzt anderen Ligen wie der GFL voraus. Das Topspiel am Sonntag zwischen Köln und Barcelona verfolgten nach der Halbzeitpause im Schnitt 110.000 Zuschauer bei ProSieben Maxx – 30.000 weniger als beim Auftaktwochenende. Im zweiten Viertel lag der Marktanteil bei der werberelevanten Zielgruppe bei starken 1,9 Prozent (2,6 Prozent in Woche 1) .

Allerdings war nicht alles so sonnig wie das Wetter am Wochenende. Auf dem Platz sorgte die kurzzeitige Ejection von Stuttgart Surge-Quarterback Jacob Wright wegen „Nutzen eines rassistischen Ausdrucks“ offenbar gegenüber Frankfurt Galaxy-Linebacker Kadel King für Aufsehen. Nach kurzer Diskussion begnadigten die Schiedsrichter den Surge-Ballverteiler jedoch. Anscheinend war das Thema damit aber nicht gegessen, denn Berichten zufolge sollen Galaxy-Spieler nach der Partie den Handschlag mit Wright verweigert haben. King schrieb in seiner Instagram-Story: "Wir haben den Sieg geholt, aber die ELF muss etwas gegen die rassistischen Beleidigungen machen. Dass man mich vor den Schiedsrichtern 'Black Pussy' nennen und weiterspielen darf ist widerlich."

So bahnte sich bereits nach Woche zwei ein PR-Desaster für die ELF an. Doch die Liga handelte schnell, sprach mit allen Beteiligten. Stuttgart feuerte Wright, der von der ELF zusätzlich eine Sperre aufgebrummt bekam und wohl nie wieder für eine Franchise aus diesem Wettbewerb spielen wird. Die Konsequenz beeindruckt und zeigt, dass es Commissioner Patrick Esume und Co. ernst meinen.



Kleinere Schwierigkeiten gab es darüber hinaus bei den Kommentatoren während der Live-Spiele. Teilweise schienen wie bereits in Woche 1 die Rosterlisten nicht mit den tatsächlichen Nummern und Namen übereinzustimmen. Auch die Statistiken auf der offiziellen ELF-Homepage waren am Montagnachmittag noch nicht aktualisiert. Spielerstatistiken suchen Fans momentan leider immer noch vergeblich. Hier besteht definitiv noch Verbesserungsbedarf.

Wer wurde MVP?

621 Yards und sieben Touchdowns bedeuten für die meisten Runningbacks eine solide Saisonleistung. Madre London von den Cologne Centurions legte diese Zahlen aber an den ersten beiden Spieltagen der ELF auf. 352 Yards und vier Touchdowns erlief der in Arkansas geborene und in Florida aufgewachsene 25-Jährige allein am vergangenen Wochenende gegen Barcelona. Am College spielte London zwischen 2015 und 2017 für die Michigan State Spartans, wechselte zur Saison 2018 zu den Tennessee Volunteers und legte in seiner gesamten Collegekarriere 1.130 Yards und elf Touchdowns auf.


Ergebnisse von Woche 2:


Wroclaw Panthers (2-0) vs. Leipzig Kings (1-1) 54:28 (14:6, 19:8, 14:14, 7:0)
Cologne Centurions (1-1) vs. Barcelona Dragons (0-2) 40:12 (0:0, 14:0, 19:12, 7:0)
Stuttgart Surge (1-1) vs. Frankfurt Galaxy (1-1) 20:42 (0:13, 0:14, 7:6, 13:9)

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Sven Schuer

Nach seinem Soziologiestudium in Osnabrück absolvierte Sven Schüer ein Praktikum bei der Neuen Osnabrücker Zeitung und blieb dem Journalismus bis heute treu. Als freier Mitarbeiter berichtet er vom Amateurfußball in und um Osnabrück und begleitet das Footballteam der Osnabrück Tigers seit einigen Jahren. Darüber hinaus schreibt er als freier Autor für verschiedene Online-Magazine und seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

Twitter: @Schueer86
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