Erfolg für Team und TV-Anstalt: Etwa 140.000 Zuschauerinnen und Zuschauer in der werberelevanten Gruppe sahen den Sieg der Sea Devils Erfolg für Team und TV-Anstalt: Etwa 140.000 Zuschauerinnen und Zuschauer in der werberelevanten Gruppe sahen den Sieg der Sea Devils IMAGO / osnapix

Brennende Fragen nach Woche 1: Hat die ELF die Erwartungen erfüllt?

geschrieben/veröffentlicht von/durch  22.06.2021
Seit vergangenem Herbst haben die Fans auf den Saisonstart der European League of Football hingefiebert. Auf dem Weg zu den Startblöcken lief sicherlich nicht alles glatt, die ELF hat auch Football-Deutschland in zwei Lager gespalten – und allen Unkenrufen zum Trotz hat am vergangenen Wochenende der erste Spieltag stattgefunden. TOUCHDOWN24 mit einer Analyse.


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Hat die ELF die Erwartungen erfüllt?

Ja! Die meisten Fans der European League of Football dürfen sich nach Woche 1 in ihrer Vorfreude bestätigt fühlen. Und das hat mehrere Gründe: Sportlich haben die Zuschauer drei spannende Spiele zu sehen bekommen, nur eines war schon zu Beginn des letzten Viertels vorentschieden. Zwei Partien, der Sieg der Stuttgart Surge bei den Barcelona Dragons und der Erfolg der Hamburg Sea Devils gegen die Frankfurt Galaxy, wurden erst kurz vor Schluss enschieden und bei den anderen beiden Spielen, Wroclaw Panthers gegen Cologne Centurions und Berlin Thunder gegen die Leipzig Kings, handelte es sich am Ende um zwei Two-Score-Games, auch wenn Berlin gegen Leipzig eingangs des letzten Viertels mit 22 Punkten zurücklag. Insbesondere die TV-Produktion des Spiels der Sea Devils gegen die Galaxy war ein Volltreffer, der mit vielen Kameraperspektiven, stets aktuellen Einblendungen über Down and Distance sowie Spielstand und Gameclock zu überzeugen wusste. Bunten Interview-Gäste am Spielfeldrand ließen die Übertragung nie langatmig werden.

Dass alle Duelle des Spieltags live oder Re-Live im Fernsehen (More than Sports TV, Dabei-TV und Streaming-Plattformen) zu sehen waren, rundeten das Produkt ab. Positiv: Auch an Kleinigkeiten wurde gedacht: Hinter den Endzonen im Stadion Hoheluft hingen dunkle Netze, so dass der Ball bei Fieldgoals und PATs nicht im optischen Nirvana verschwand. In der Spitze etwa 140.000 Zuschauer der werberelevanten Gruppe lockte das offizielle Auftaktspiel vor die Bildschirme, was einem Marktanteil von 2,6 Prozent entspricht und damit deutlich über dem Senderschnitt von 1,4 Prozent liegt. Und auch vor Ort war die Stimmung top. Die lauten Musikeinlagen zwischen den Spielzügen fanden den stimmungsvollen Weg in die Wohnzimmer vor den TV-Geräten und ließen Sehnsucht nach einem Stadionerlebnis entstehen.

Was gibt es zu verbessern?

Doch es war sicherlich nicht alles top, was die Zuschauer am ersten Spieltag geboten bekamen. An einigen Startschwierigkeiten wird die Liga und werden die übertragenden Sender noch arbeiten müssen. Beim Spiel der Cologne Centurions bei den Wroclaw Panthers war More than Sports TV viel zu früh auf Sendung. Schon eine Stunde vor dem Kickoff des inoffiziellen Auftaktspiels war das Olympiastadion von Breslau in einer großen Total-Einstellung ohne jeglichen Kommentar zu sehen. Hier hätte es auch gereicht, wenn der Sender wenige Minuten vor dem Kickoff live aus Polen berichtet hätte. Beim Spiel der Barcelona Dragons gegen die Stuttgart Surge fehlte ein Kommentar, was das Livestream-Erlebnis und -Ergebnis deutlich minderte.

Beim Spiel in Hamburg waren die Kommentatoren Jan Stecker und Volker Schenk aufgrund der Stadionatmosphäre bei ihrem ersten Kommentar nur sehr schwer zu verstehen. Das größte Manko hatte aber die Liga-Statistik zu bieten. Erst im Verlauf des Montags erschienen die Ergebnisse samt aktualisiertem Tabellenstand auf der Homepage der Liga. Individuelle Spielerstatistiken fehlten selbst am Dienstag noch in den Profilen der Spieler, immerhin gab es ab dem Dienstag die Statistiken im Gamebook zu sehen. Gerne hätte TOUCHDOWN24 den Passing-, Receiving- oder Rushing-Leader bereits am Montag gewürdigt, doch ohne jeden Spielzug Re-Live nochmal handschriftlich mitzuschreiben, mussten wir derlei Küren auf die späteren Wochen verschieben, wenn die Statistiken hoffentlich besser laufen. Die Liga kürte jedenfalls Wroclaws Lukas O`Connor zum Chio MVP of the League. Der Quarterback warf Pässe für 364 Yards und fünf Touchdowns.

Wer ist denn nun das beste Team?

Apropos Wroclaw Panthers: Was die Offense der Panthers über vier Viertel zeigte, war die beste Offensivleistung von Woche eins. Die Receiver Jakub Mazan und sein Wideout-Kollege Wiktor Zieba sowie Przemyslaw Banat fingen reihenweise die Pässe von Quarterback O`Connor. Und auch Runningback Phileas Pasqualini war nur schwer zu stoppen. Mit dieser Offense gehört das polnische Team zu den frühen Favoriten der Saison. Ob die Defense da mithalten kann oder ob Centurions-Runningback Madre London (272 Yards in 21 Läufen) auch viele weitere Verteidigungen der Liga vor Probleme stellen wird, werden die kommenden Wochen zeigen.



Defensiv überzeugten hingegen vor allem die Hamburg Sea Devils und die Frankfurt Galaxy, die sich beim 17:15 der Hamburger eine Schlacht lieferten. Auch diese beiden Teams gehören so zu den engeren Favoriten. Der Sieg der Stuttgarter in Barcelona sollte wahrscheinlich nicht überbewertet werden. Die Überraschung des Spieltags feierten indes die Leipzig Kings mit ihrem 37:27 bei Berlin Thunder. Leipzig hatte als letztes Team der Liga entscheidende Strukturen geschaffen, mit einer Reihe an Top-Spielern auf den Skill-Positionen, wie Quarterback Michael Birdsong oder Wide Reciver Anthony Dable-Wolf verlief der Saisonauftakt dann aber überraschend erfolgreich - auch weil sich der Pass Rush als Stärke des Teams zeigte. Berlins Quarterback Calvin Stitt fing sich gleich acht Sacks ein - die meisten davon verzeichnete Leipzigs Olav Rohnebak mit insgesamt 2,5 Sacks.

Ergebnisse von Woche 1:


  • Wroclaw Panthers vs. Cologne Centurions 55:39 (14:0, 7:14, 17:13, 17:12)
  • Barcelona Dragons vs. Stuttgart Surge 17:21 (0:0, 10:6, 0:8, 7:7)
  • Hamburg Sea Devils vs. Frankfurt Galaxy 17:15 (0:0, 7:9, 7:0, 3:6)
  • Berlin Thunder vs. Leipzig Kings 27:37 (9:9, 6:20, 0:8, 12:0)
Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.
Twitter: @ELFinsider

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