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Barcelona Dragons: Mehr Stabilität in der D-Line mit Ex-NFL-Spieler Michael Sam?

Michael Sam wurde 2014 in der siebten Runde von den St. Louis Rams gedraftet. Michael Sam wurde 2014 in der siebten Runde von den St. Louis Rams gedraftet. IMAGO / Icon SMI
Die Barcelona Dragons flogen 2021 größtenteils unter dem Radar in der European League of Football (ELF). Dabei lieferte das Team aus Katalonien spektakulären Offensivfootball ab und begeisterte mit aggressivem Passspiel. Auch 2022 dürfte die Stärke der Dragons in der Luft liegen. TOUCHDOWN24 wirft einen Blick auf den Kader.

Gleich mit zwei großen Unbekannten bekommen es die Dragons in der Saison 2022 zu tun. Gegner in der Southern Conference sind neben den bereits etablierten Cologne Centurions die beiden Neulinge Rhein Fire und Istanbul Rams. Diese besondere Konstellation mit zwei Rookieteams gibt es auch in der Central Conference, in der die Vienna Vikings und Raiders Tirol zu den Stuttgart Surge und Frankfurt Galaxy stoßen.

Es bleibt abzuwarten, ob die Zusammensetzung der Southern Conference die Dragons automatisch zu einem Mitfavoriten auf den Conference-Titel macht. Als Halbfinalist der vergangenen Saison haben die Centurions die „Braggin‘ Rights“ im Süden. Dahinter schicken sich die Spanier aber an, den Domstädtern das Leben schwer zu machen. Zumal in Barcelona – oder besser gesagt: Im 110 Kilometer entfernten Reus, wo die Dragons ihre Heimspiele austragen – auf der wichtigsten Position im Football Konstanz herrscht.
 

Quarterback Zach Edwards bleibt auch 2022 ein Drache


Denn Quarterback Zach Edwards wird auch 2022 wieder Bälle im Trikot der Dragons an seine offensiven Waffen verteilen. Im jüngsten Quarterback-Ranking von TOUCHDOWN24 lag der FCS-Bowl-MVP von 2019 auf Platz drei hinter Jakeb Sullivan (Frankfurt) und Sean Shelton (Tirol). Seine Passquote von nur 53,8 Prozent lag zwar deutlich hinter den Werten der Konkurrenz. Dennoch lief die passlastige Offense der Spanier meist wie eine gut geölte Maschine.
 

Neuer Steuermann der Dragons ist Head Coach Andrew Weidinger, der Adam Rita ablöst und mit reichlich NFL-Erfahrung seine Zelte an der Costa Durada aufschlägt. Zwischen 2007 und 2018 war der 39-Jährige bei den Atlanta Falcons und Tampa Bay Buccaneers in verschiedenen Funktionen im Trainerteam tätig, coachte danach die Runningbacks der Arizona Hotshots in der AAF und war zuletzt zwei Jahre lang Offensive Coordinator der Potsdam Royals in der GFL. Auch bei den Dragons wird er neben seiner Funktion als Head Coach als Offensive Coordinator agieren. Gabriel Sánchez lenkt die Geschicke als Defensive Coordinator. Ein bekannter Name im Coaching Staff der Dragons ist Defensive Line-Coach Chase Baker, der 2013 und 2014 fünf NFL-Spiele für die Minnesota Vikings absolvierte.
 

Fragezeichen im Receiving-Corps


Auf dem Feld lautet die erste Frage, wer die Pässe von Quarterback Edwards fangen wird. ELF-Receiving-Leader Jean Constant (74 Receptions für 1.038 Yards und acht Touchdowns in 2021) wechselte in der Offseason zu den Hamburg Sea Devils. Rémi Bertellin, fünftbester Receiver der Liga (47 Receptions für 750 Yards und sieben Touchdowns) steht aktuell bei den Thonon Black Panthers in der französischen Division Élite unter Vertrag. Mario Flores (286 Yards und zwei Touchdowns 2021) ist der einzig verbliebene Passempfänger aus der vergangenen Saison. Zu ihm gesellen sich Benjamin Plu und Kyle Sweet. Plu stammt als Le Mans und war 2019 ein Erstrundenpick im CFL-Draft, absolvierte aber kein Profispiel in Kanada. Sweet kommt mit einer Empfehlung von 139 Receptions für 1.454 Yards und fünf Touchdowns für die Washington State Cougars in der Pac-12-Conference nach Barcelona. Tight End Igor Maslanka, 2021 noch für die Wroclaw Panthers aktiv, könnte ein weiterer Baustein der Passing Offense sein.
 

Auf dem Boden besteht dagegen noch deutlicher Verbesserungsbedarf. Mit gerade einmal 54,8 Rushing-Yards pro Spiel stellten die Dragons 2021 die schwächste Rushing-Offense der gesamten Liga. Adrián Jiménez legte 251 Yards und zwei Touchdowns in neun Spielen bei 3,7 Yards pro Carry auf. Nach aktuellem Stand dürfte der Ex-Runningback der Hildesheim Invaders auch 2022 der wichtigste Rusher in der Dragons-Offense sein.
 

Ex-NFL-Spieler Michael Sam soll die Defense stabilisieren


Apropos Laufspiel: Auch auf der defensive Seite des Balls war dies die größte Baustelle der Dragons. Mit 201,7 zugelassenen Rushing Yards pro Spiel war die Laufdefense Schlusslicht in der ELF. Natürlich soll sich auch das 2022 ändern. Dafür holten die Dragons mit Michael Sam einen bekannten Namen in ihren Coaching Staff.

Sam spielte zwischen 2009 und 2013 für die Missouri Tigers in der SEC und sammelte während seiner Collegekarriere 36 Tackles for Loss, 21 Sacks, sechs Forced Fumbles und zwei Interceptions als Defensive End. Kurz vor seinem Abschluss outete er sich als homosexuell und war damit einer der ersten Spieler im American Football überhaupt, der diesen Schritt wagte. Im Draft 2014 wurde er in der siebten Runde von den St. Louis Rams gedraftet, spielte aber außerhalb der Preseason nie in der NFL. Nun soll er als Assistant Defensive Line-Coach in Barcelona für Stabilität sorgen.
 
 

Secondary könnte die größte Stärke der Spanier sein


In der Secondary sind mit Niko Lester, Luca Masero und Andy Vera die wichtigsten Playmaker zurück. Vera fing 2021 in acht Spielen fünf Pässe ab. Lester und Masero kommen jeweils auf drei Interceptions. Verstärkt wurde die Coverage-Unit mit dem US-Amerikaner Shawn Wilson, der zwischen 2015 und 2019 in 42 Spielen für die Oregon State Beavers in der Pac-12 drei Interceptions fing. „Wir werden in dieser Saison große Dinge vollbringen und den Fans eine großartige Show liefern“, fand Wilson passende Worte bei seiner Ankunft in Spanien. Ein weiterer spannender Name im Defensive Backs-Room der Dragons ist Jake O’Connell. Der US-Amerikaner kommt mit der Empfehlung einer All-American-Nominierung auf Division III-Niveau und 16 Interceptions in 44 Spielen für die Brockport Golden Eagles. Dort spielte er mit Berlin Thunder-Quarterback Joe Germinerio zusammen.

Das Roster der Dragons bietet somit auch 2022 wieder viel Potenzial. Spannend gestaltet sich die Frage, wie die beiden Stärken des Teams – das Passing Game und die Pass-Defense – in der kommenden Saison performen werden. Die Conference bietet derweil eine große Chance, solange Rhein Fire und Istanbul noch in der Findungsphase sind.
Sven Schuer

Nach seinem Soziologiestudium in Osnabrück absolvierte Sven Schüer ein Praktikum bei der Neuen Osnabrücker Zeitung und blieb dem Journalismus bis heute treu. Als freier Mitarbeiter berichtet er vom Amateurfußball in und um Osnabrück und begleitet das Footballteam der Osnabrück Tigers seit einigen Jahren. Darüber hinaus schreibt er als freier Autor für verschiedene Online-Magazine und seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

Twitter: @Schueer86
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