49ers GM John Lynch hat seine Wahl getroffen 49ers GM John Lynch hat seine Wahl getroffen Imago Images / Icon SMI / Icon Sportswire

Uptrade: Nach welchem Schatz graben die 49ers?

geschrieben/veröffentlicht von/durch  02.04.2021
Vor einer Woche bebte die Szenerie um den NFL Draft 2021. Die San Francisco 49ers tradeten ihren 12. Pick in diesem Jahr und beide Firstroundpicks der kommenden zwei Jahre und erhielten im Gegenzug die dritthöchste Auswahlmöglichkeit im anstehenden Draft der Miami Dolphins. Das ist eine Menge Draftkapital und die brennende Frage steht im Raum: Nach wem graben die Goldsucher mit einem solch hohen Aufwand?

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Zwei Dinge müssen dazu einmal aufgeklärt werden. Einen solchen Uptrade nimmt kein Team für einen Verteidiger oder Wide Receiver auf sich. Hier geht es für John Lynch, General Manager der “Niners” und Cheftrainer Kyle Shanahan nur um eine Position, der wichtigsten im ganzen Football. Außerdem wird ein solcher Trade nicht dafür auf sich genommen, um sich lediglich in eine gute Stellung für Quarterbacks zu bringen. Hier hat ein Team eine ganz klare Vorstellung davon, wer im nächsten Jahr das Trikot in Rot und Gold überstreifen soll.

Jets nehmen Zach Wilson

Dafür müssen Lynch und Shanahan in San Francisco sehr gut erahnen, was auf den beiden Plätzen vor ihnen Ende April passieren wird. Trevor Lawrence und die Jacksonville Jaguars scheinen bereits seit Monaten eine heimliche Ehe geschlossen zu haben. Da können sich die Entscheidungsträger an der Westküste sicher sein.

Zustande kam der Trade aber erst nach einer weiteren entscheidenden Information. Denn am 26. März waren alle wichtigen Leute in Provo, Utah und beobachteten aufmerksam den Pro Day der BYU Cougars. Wen sich aber alle anwesenden Scouts und General Manager von der Backe kratzen konnten, war Quarterback Zach Wilson. Vor Ort machte ziemlich schnell die Runde, dass die New York Jets sich auf den jungen Spielmacher mit exzellenten Eigenschaften und enormen Potential festgelegt haben sollen. Für San Francisco der entscheidende Moment nun den Deal mit den Dolphins zu fixieren. Jetzt waren sie sich relativ sicher, dass ihr Quarterback an dritter Stelle noch da sein dürfte.

Doch wer soll das sein?

Die ersten Mutmaßungen wurden verfasst und so kamen die ersten Analysten zu dem Schluss, dass die “Niners” sich Mac Jones sichern würden. Das ergibt mit ihrer Argumentation durchaus Sinn. Der prototypische Pocket Passer kann das System von Coach Shanahan adäquat und fehlerfrei umsetzen. Dazu passt er in das Profil der bisherigen Quarterbacks, mit denen der Offense-Guru in der Vergangenheit zu tun hatte. Von Matt Ryan, über Jimmy Garoppolo ist der Sprung zu Mac Jones eben naheliegend.

Ich will gar nichts gegen die Argumentation sagen, nur dass ich persönlich nur wenig von dem Spielmacher aus Alabama halte. Eine Verbesserung von Jimmy G. zu einem mittelmäßigen NFL Quarterback, wie zum Beispiel Kirk Cousins, sollte der Aufwand so vieler Draftpicks nicht Wert sein. Denn das Potential von Jones ist bei all seiner soliden Grundlagen klar begrenzt.

Wofür sich genauso argumentieren lässt, ist die Sache, dass man in San Francisco erstmal nicht von Jimmy Garoppolo abweicht. Sie wissen um seine Qualitäten, aber auch um seine Schwächen und seine Verletzungsanfälligkeit, weshalb die Entscheidung gegen eine langfristige Zukunft mit Jimmy als Starter gefallen ist. Doch er soll erstmal bleiben, obwohl Mac Jones vom ersten Tag an starten könnte? Da liegt es doch nahe, dass sie sich auf einen ganz anderen Quarterback festgelegt haben, der aber möglicherweise noch etwas Reifezeit vor der Entkorkung seines vollen Potentials genießen muss.

Trey Lance ist dieser Spielmacher. Seine Entwicklungskurve steigt bei dem 20 jährigen Signal Caller von der North Dakota State steil nach oben. Coaches, die mit ihm arbeiten, bezeichnen ihn als größtes Talent dieser Klasse und setzen ihn sogar über ihren früheren Schützling Deshaun Watson.

Auszug aus seinem Profil im TOUCHDOWN24 Draft Guide:

In der Pocket bewegt sich Lance gut und erledigt einen ordentlichen Job, wenn er daraus entweichen muss. Er kann Spielzüge mit seinen Beinen verlängern und ist geeignet für Read Options und RPO. Bei seiner Umsetzung wirkt er nie gehetzt und agiert stets ruhig. So sucht er immer den freien Receiver und rennt nicht sofort zum First Down. 

Auf kurzen und mittleren Routen wirft Lance einen sehr genauen Ball. Sein Ball Placement ist exzellent. Er vertraut seinem Arm und gibt Receivern gute Gelegenheiten für Yards nach dem Catch. Da kreiert er manchmal Plays, die kein anderer Quarterback machen kann. Jedoch führt er das, sogar ohne Druck, recht inkonstant aus. 


Und dieser letzte Satz beschreibt den Grund, weshalb Lance noch etwas Zeit braucht. Sammelt er viel Praxis in der Preseason und darf im späteren Saisonverlauf noch einmal auf das Feld, wird ihm das helfen, um in kürzester Zeit den nötigen Entwicklungsschritt zu einem sicheren NFL Quarterback zu machen.

Entscheidung ist gefallen

San Franciscos Front Office muss sich wirklich sicher sein, wen sie an Stelle Drei auswählen möchten. Ein solch enormer Uptrade wird nicht hingelegt, um anschließend zu schauen, wer denn an dritter Position so in Frage kommen könnte. Noch dazu will kein Team auf der Quarterback Position einfach nur eine Lücke füllen. Jeder weiß um die Notwendigkeit eines Franchise Quarterbacks und Playmakers auf der wichtigsten Personalie für maximalen Erfolg. Mac Jones ist sicher, hat aber nicht das entscheidende Potenzial eines möglichen Top Fünf Quarterbacks.

Trey Lance birgt zwar ein gewisses Risiko, weil die Entwicklung zur sicheren Nummer Eins noch ausblieb. Aber der junge Mann ist erst 20 Jahre alt und hat noch locker ein weiteres Jahr Zeit verdient. An Position Zwölf im Draft dafür zu verharren und zu erleben, wie der Bursche aus Minnesota in Zukunft woanders seine Brötchen verdient, kann nicht im Interesse einer gut geführten NFL Franchise liegen. Shanahan will bald seinen eigenen Liebling ausbilden. Sollte seine Wahl dabei tatsächlich auf Lance gefallen sein, hat die Geschichte das Zeug zum Heldenmythos. Ihr habt es hier zuerst gehört.

Philipp Forstner

DraftNerdPhilipp Forstner, alias Draft Nerd, ist ehemaliger O-Liner und sammelte erste Erfahrungen als Autor bei "Beardown Germany". Er schreibt über den NFL Draft und College Football für TOUCHDOWN24 und beobachtet als Scout die zukünftigen und aktuellen Spieler der NFL.

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