In der NFL geht es aus Team-Sicht immer ein wenig darum, Risiken gegen mögliche Belohnungen abzuwägen. Jeder General Manager ist deswegen ein bisschen ein Zocker und will stets auf das richtige Pferd setzen. Noch mehr als in der Free Agency gilt dieser Vorsatz für den NFL Draft – vor allem, weil die Implikationen eines bestimmten Picks oft erst viele Jahre danach sichtbar sind.
Die Chicago Bears benötigen im nächsten Jahr eine bessere Offense, um nicht nur in die Playoffs einzuziehen, sondern dort auch zu gewinnen. Dafür draften sie momentan an 20. Stelle der ersten Runde und haben viele Möglichkeiten. Eine ist, für den nächsten jungen Quarterback vorzutraden. Die nächste ist, den besten Spieler in der zweiten Hälfte an Tag Eins zu nehmen. Eine weitere Alternative ist ein Downtrade oder der Transfer einiger Spieler, um mehr Draftkapital als in den Vorjahren zu generieren. Durchleuchten wir einmal alle Chancen.
Letzte Woche habe ich mich in meiner Kolumne mit den schwächsten Positionsgruppen in der Liga beschäftigt – solche Units, bei denen im anstehenden NFL Draft noch viel passieren muss, um ligatauglich zu sein. Dabei ging es unter anderem um die Quarterback-Situation in Denver und den fehlenden Edge-Rush der Indianapolis Colts. Heute soll es um die stärksten Units gehen – und eines bereits vorweg: Sowohl die Broncos als auch die Colts sind erneut auf der Liste vertreten.
Kyle Pitts ist der beste Tight End im NFL Draft. Er ist der beste Passempfänger dieser Klasse und der beste Nicht-Quarterback seines Jahrgangs. Alternativlos ist seine Auswahl als erster Spieler, nachdem die größten Spielmacher ihren Namen auf der Bühne in Cleveland, Ohio gehört haben. Weder Ja’Marr Chase, Penei Sewell noch Micah Parsons. Wird Kyle Pitts nicht sofort nach den Quarterbacks ausgewählt, ist der Pick für einen anderen Spieler an seiner statt in meinen Augen verschwendet. Da spielt auch die Berücksichtigung von “Needs” der Teams keine Rolle. Wer in den Top Ten an der Reihe ist, hat mehr als eine Baustelle im Kader und kann einen solchen Playmaker immer gebrauchen.
Die Free Agency liegt langsam hinter uns und auch wenn noch nicht jeder Star eine neue Franchise gefunden hat, richten sich die Augen der NFL-Community bereits auf den Draft. In nicht einmal einem Monat wird Commissioner Roger Goodell die lang erwarteten Worte sprechen: „The Jacksonville Jaguars are on the clock!“ Deswegen will ich in meiner heutigen Kolumne im Rahmen eines Zweiteilers auf die schwächsten Positionsgruppen in der Liga eingehen, nächste Woche folgen dann die besten Gruppen.
Zum ersten Mal seit 2002 erreichten die Cleveland Browns die Postseason. Die Kirsche auf dem lang ersehnten Sahneeisbecher war dann der erste Playoff-Erfolg seit 1995. Mit dem Sieg über Pittsburgh steigt nun der Erfolgsdruck. Was über zwei Jahrzehnte als formuliertes Saisonziel genügte, wird in Zukunft den Ansprüchen nicht gerecht. Doch für den Super Bowl scheint das Team um “Coach of the Year” Kevin Stefanski noch nicht gerüstet. Die Browns müssen ihre Hausaufgaben gründlich erledigen, wollen sie die Spitze der NFL erobern.
Technisch gesehen, haben junge Spieler noch bis zum 1. März Zeit, um sich für den NFL Draft 2021 anzumelden. Allein deshalb werden NFL Teams noch keine Big Boards in Stein gemeißelt in ihren Büros liegen haben. Zusätzlich gibt es in den nächsten Wochen noch viele Interviews und Pro Days, die eine wichtige Rolle im Evaluationsprozess der Talente spielen. Charakter, Athletik, medizinische Checks, all das wird auch die New York Jets erst Anfang April eine Entscheidung treffen lassen, wer für sie der Beste auf der Position des Quarterbacks ist oder ob sie Sam Darnold behalten.
Nach acht Wochen bereits Talente als “Bust” zu degradieren, ist sehr voreilig. Häufig benötigen Nachwuchsspieler Jahre um ihr volles Potential abzurufen. Nach drei Saisons erhalten die besten Draft Prospects die erste Vertragsverlängerung. Solange sollte auch die Öffentlichkeit gelassen den Karriereverlauf der jungen Spieler verfolgen. Umso bemerkenswerter ist es, wenn ein Rookie sofort auf dem Feld einschlägt und dem Spiel seinen Stempel aufdrücken kann. Dies wiederum kann gar nicht früh genug gelobt werden.
Trey Lance absolvierte vor drei Wochen das einzige Spiel seiner kurzen Saison und meldete sich anschließend zum NFL Draft 2021 an. Scouts von 28 NFL Teams haben sich den Quarterback vor Ort genauer angesehen. Die Minnesota Vikings schickten auch ihre Talentsucher.
In der wöchentlichen College-Kolumne gibt Philipp Forstner (@Draft_Nerd) Einblicke in Scouting-Berichte zu künftigen NFL-Talenten, sowie einen Ausblick auf den kommenden Spieltag.

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