Justin Fields: Der Quarterback gilt seit Monaten als potentieller Erstrundenpick Justin Fields: Der Quarterback gilt seit Monaten als potentieller Erstrundenpick Imago Images / ZUMA Wire / Jose Marin

Quarterbacks der ersten Runde im NFL Draft 2021

geschrieben/veröffentlicht von/durch  12.02.2021
Die Quarterback Klasse erscheint in diesem Draft rekordverdächtig. Bis zu sechs Quarterbacks könnten am Ende in der ersten Runde ausgewählt werden. Trevor Lawrence geht momentan in allen Mock Drafts an Eins. Kurz dahinter warten Zach Wilson und Justin Fields. Doch wie steht es um Mac Jones, Trey Lance und Kyle Trask. Können wir sicher sagen, dass alle in über zwei Monaten ihren Namen am ersten Tag des Drafts hören und was sagt die frühe Auswahl über ihre Einsatzchancen in der NFL aus? 

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Ohne private Workouts und NFL Combine ist die Positionsgruppe Quarterback so schwierig zu evaluieren, wie schon lange nicht mehr. Gleichzeitig hält der Draft gerade bei den Signal-Callern nur wenige Garantien bereit. In den letzten 20 Jahren wurden 60 Quarterbacks in der ersten Runde gedraftet. Nur 22 davon erzielten bisher in ihrer Karriere mindestens 100 Touchdowns. Fünf Firstrounder gewannen einen Super Bowl in den vergangenen zwei Dekaden. Darunter war gerade ein einziger Nummer-Eins-Pick: Eli Manning.

In diesem Jahr sollen bis zu sechs Quarterbacks in der ersten Runde ausgewählt werden. Das gab es noch nie. Und selbst wenn es nur fünf an Tag Eins sind, stellt die Klasse zumindest den Rekord aus 2018 ein. Gemessen daran, dass nicht einmal die Hälfte aller Firstround Spielmacher letztendlich in der NFL aufgeht, birgt die Wahl eines Hoffnungsträgers ein hohes Risiko, so vieler gleich nochmal mehr.

Trevor Lawrence / Quarterback, Clemson

Lawrence steckt im prototypischen Körper eines NFL Quarterbacks und besitzt ein bermerkenswertes Armtalent. Seit Andrew Luck erlebten Analysten kein so talentiertes Prospect auf der Position. Möglicherweise erhält Lawrence sogar die höchste Bewertung eines Quarterback-Talents in der Geschichte des NFL Drafts. Jacksonville wird sich diesen potentiellen Superstar nicht entgehen lassen. Der neue Head Coach Urban Meyer zählt auf den neuen Signalcaller der Clemson Tigers. Es gibt keinen Grund, etwas anderes zu erwarten.

Bereits als Freshman gewann der überraschend athletische und dynamische Pocket Passer die Nationale Meisterschaft. Nach Plan oder Off Script, Lawrence war ein Alptraum für College Defenses. Er gerät nicht in Panik und geht präsent und aufrecht in der Pocket seine Reads durch. Scrambles Richtung Außenlinie gehören ebenfalls zum Repertoire. Egal wieviel Talent Clemson in den letzten drei Jahren an die NFL verloren hat. Mit Trevor Lawrence auf Quarterback gehörten sie stets zu den besten drei College Teams des Landes.

Die Jaguars gehen daher eine ziemlich sichere Wette mit seiner Auswahl ein. Doch sollte ihnen gleichzeitig klar sein. Mit der Verpflichtung von Trevor Lawrence allein ist es nicht getan.

Zach Wilson / Quarterback, BYU

Sollten die New York Jets keinen Blockbuster-Trade für Deshaun Watson anvisieren, stellt sich eigentlich nur die Frage, welchen Quarterback sie im Draft auswählen. Die Tage von Sam Darnold scheinen gezählt. Doch auf welchem Spielmacher bauen sie ihre Zukunft? Zach Wilson gehört sicherlich zu den heißesten Kandidaten.

Viele wären überrascht, wenn der Quarterback nicht unter den ersten drei ausgewählten Spielern im Draft zu finden ist. Denn Wilson bringt seine Pässe an den Mann. Häufig musste er am College den Ball in enge Fenster werfen. Dies tat er mit einem so guten Ball Placement, dass nur seine Receiver den Ball erreichen konnten. Dank seiner guten Athletik beweist sich Wilson in Drucksituationen als mobiler und dennoch präsenter Quarterback innerhalb und außerhalb der Pocket. Am College lief er sogar diverse Read Options, sodass ihm eine gewisse Vielseitigkeit für die NFL bescheinigt werden kann.

Zach Wilson wird mittlerweile bei fast allen Scouts zu den absoluten Top Talenten dieser Draftklasse gezählt. Sein Leistungsabfall in 2019 ist auf die langwierige Ausheilung einer Ellenbogenverletzung am Wurfarm zurückzuführen. Seitdem er diese überwunden hat, ist sein Aufstieg kometenhaft. Teils “Mahomesque” anmutende Plays mit wackeliger Beinarbeit beschreiben einen unglaublichen Entwicklungshorizont. Gleichzeitig begegnen ihm nicht weniger Bedenken zu Passmechaniken und konstantem Quarterback-Play. Doch selbst wenn Wilson sich nicht groß weiterentwickelt, hat er die Chance ein paar Jahre allein mit seiner Mobilität und Athletik zu starten, weshalb der Einsatz eines Erstrundenpicks definitiv gerechtfertigt ist. 

Justin Fields / Quarterback, Ohio State

In seiner ersten Saison am College zeigte sich Justin Fields für 51 Touchdowns verantwortlich. Die besondere Aufmerksamkeit erhält er seitdem völlig zurecht. Entscheiden sich die Jets für Wilson, wird der Quarterback von der Ohio State dennoch nicht lange warten müssen, um seinen Namen im Draft ebenfalls zu hören. Interessierte Teams, die einen Uptrade in die Top Fünf nicht ausschließen, gibt es in ausreichender Zahl.

Seine Überaggressivität, fehlende Erfahrung und Pocket Awareness machen den dynamischen Playmaker mit ganz besonderem Armtalent zu einer komplizierten Prognose. Sein Selbstbewusstsein ist übersteigert, weshalb er unnötige Hits in der Pocket kassiert, sobald der erste Read sich nicht öffnet. Justin Fields gehört in ein Spread/West Coast Schema mit vielen dynamischen Run Plays. Dennoch pflastern einige inkonstante Spiele seinen Weg, die sich trotz hervorragender Gesamtleistung ergaben. 

Bust-Gefahr ist bei dem potentiellen NFL Franchise Quarterback durchaus gegeben. Fields hat das Zeug, um langfristig in die Kategorie Dak Prescott und Russell Wilson aufzusteigen. Beide wurden im Draft wesentlich später gedraftet, was sich letztendlich als Fehlentscheidung herausstellte. Sein Vorteil ist, wie bei den beiden, dass er dank hoher Mobilität und gutem Arm früh in der NFL spielen kann und an seiner mentalen Verarbeitung auf dem Platz statt auf der Bank arbeiten kann. 

Trey Lance / Quarterback, North Dakota State 

Lance spielte 2020 nur ein einziges Spiel, weil die North Dakota State Bisons ihre Saison in den Frühling verschoben. Ein Jahr zuvor setzte er in seinem Freshman Year den Rekord für die meisten Touchdown Pässe ohne Interception in einer Saison. Für ihn könnte ebenfalls ein Team vortraden, da er zwar weniger zeigen konnte, jedoch als größeres Talent im Vergleich zu Wilson und Fields gilt.

Wenn Trey Lance daran arbeitet, NFL Defenses zu lesen und seine Spielintelligenz weiterzuentwickeln, steht ihm eine große Karriere bevor. Auf kurzen und mittleren Routen wirft Lance einen sehr genauen Ball. Da kreiert er manchmal Plays, die kein anderer Quarterback machen kann. In der Pocket bewegt sich Lance gut und erledigt einen ordentlichen Job, wenn er daraus entweichen muss. Er kann Spielzüge mit seinen Beinen verlängern und ist geeignet für Read Options und RPO.

Es ist nachvollziehbar, dass Teams Sorgen haben, weil er ein Jahr nicht spielte. Gleichzeitig gibt es bis heute keine Blaupause für seine Entwicklung. Kein so großes Talent hatte in seiner jungen Karriere die Zeit, über ein Jahr an fundamentalen Mechaniken und verbesserter Spielverarbeitung auf dem Trainingsfeld zu arbeiten. Seit Monaten befindet sich Lance dazu im Camp des angesehen Coaches Quincy Avery, der sein Talent größer als dass seines anderen Schützlings Deshaun Watson beschreibt. Es ist riskant, aber im Grunde hat der NDSU-Quarterback praktisch schon das erste Jahr bei einem NFL Team auf der Bank gesessen. Anderen in dieser Situation hat das einjährige “Lernen” viel geholfen. 

Mac Jones / Quarterback, Alabama

Längere Zeit musste Jones hinter Tua Tagovailoa ausharren, ehe der Angriff Alabamas auf seinen Schultern ruhte. Dem Druck seines Vorgängers hielt er Stand und führte die Offense so exzellent aus, als wäre sie ihm auf den Leib geschneidert. Nach nur einer gespielten Saison ist eine Bewertung immer schwierig. Doch in den letzten 20 Jahren gab es unter den “One-Hit-Wonders” genauso Hits und Misses wie bei allen Quarterbacks in der ersten Runde. 

Als reiner Spielverwalter wird er die Top Quarterbacks nie erreichen. Dafür liefert Jones seine Pässe mit dem richtigen Timing an seine Receiver, die damit immer etwas anzufangen wissen. Jones wird nie ein Quarterback, der Off Script außerhalb der Pocket agiert, aber er hat genug Mobilität um mal für ein First Down zu laufen. Besonderes klettern in der Pocket hat er aber noch nicht gezeigt. Und das wird dringend benötigt aufgrund seiner fehlenden Athletik. 

Die wichtigste Entwicklungsstufe für einen NFL Pocket Passer steht Jones also noch bevor. Andere Quarterbacks mit limitierter Athletik hatten es am Anfang ihrer Karriere so schwer sich an das hohe Tempo bei den Profis zu gewöhnen, dass wir sie nach ein paar desolaten Einsätzen nie mehr gesehen haben. Wichtig für ihn ist, dass ein Team bereit ist, die anfänglichen Probleme zu akzeptieren. Denn nur mit Einsatzzeiten kann Jones seine Pocket Präsenz verbessern und sich zu einem zuverlässigen Starter entwickeln. Sein Horizont liegt auf dem Niveau eines Jared Goffs oder Kirk Cousins. Langjährige Starter, ganz gewiss sogar. Doch bringen beide ihr Team nicht zum großen Erfolg. Dabei hat die diesjährige Saison und der Stafford-Trade der Los Angeles Rams einmal mehr bewiesen, dass solides QB-Play eben nicht ausreichend ist. 

Kyle Trask / Quarterback, Florida

Ehe Trask in 2020 seinen ganz großen Durchbruch erlebte, wartete die Footballwelt Jahre auf den Quarterback. Seit seinem Freshman Year an der High School war er kein Starter mehr, weil D’Eriq King ihn dort bereits verdrängte. Momentan flacht der Hype um ihn wieder etwas ab, doch befand sich Trask viele Wochen in der Erstrunden-Diskussion.

Kyle Trask muss zunächst im Unterkörper stabiler werden, um in Würfe auf tiefe Ebenen mehr Power zu legen. Hohe Passgenauigkeit ist definitiv seine beste Eigenschaft. Auch bei tiefen Versuchen ist Genauigkeit im Arm kein Problem, sondern lediglich die fehlende Kraft in seinen Würfen. Er ist alles andere als ein athletischer Scrambler, der Off Script Spielzüge verlängert. Wenn er es tut, fehlt ihm dabei auch noch jegliche Ballkontrolle.

Doch Trask wirft antizipatorischer als Jones und scheint mehr “das gewisse etwas” zu besitzen als der Quarterback Alabamas. Joe Burrow wird gern mit beiden verglichen, jedoch ist dieser viel mobiler. Trask benötigt Spielzeit und wird zu Beginn ähnlich haarsträubende Auftritte abliefern, wie im Cotton Bowl gegen Oklahoma. Ist ein Team geduldig mit ihm, ist sein Potential größer als das von Jones. Doch ist es wohl eher die NFL, die nach Verbesserungen auf der Position lechzt, die beide, Jones und Trask, in die erste Runde katapultiert. Denn bei beiden müssen sich Franchises fragen, ob heutzutage noch die Zeit und das ausgebildete Spielermaterial um einen Pocket Passer herum vorhanden ist, damit sich Kyle Trask zum nächsten Philip Rivers allmählich entwickeln kann. 

Philipp Forstner

DraftNerdPhilipp Forstner, alias Draft Nerd, ist ehemaliger O-Liner und sammelte erste Erfahrungen als Autor bei "Beardown Germany". Er schreibt über den NFL Draft und College Football für TOUCHDOWN24 und beobachtet als Scout die zukünftigen und aktuellen Spieler der NFL.

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