Mack Wilson, Outside Linebacker der Cleveland Browns trifft Pat Mahomes hart Mack Wilson, Outside Linebacker der Cleveland Browns trifft Pat Mahomes hart Imago Images / ZUMA Wire / Jill Toyoshiba

Cleveland Browns NFL Draft 2021

geschrieben/veröffentlicht von/durch  05.03.2021
Zum ersten Mal seit 2002 erreichten die Cleveland Browns die Postseason. Die Kirsche auf dem lang ersehnten Sahneeisbecher war dann der erste Playoff-Erfolg seit 1995. Mit dem Sieg über Pittsburgh steigt nun der Erfolgsdruck. Was über zwei Jahrzehnte als formuliertes Saisonziel genügte, wird in Zukunft den Ansprüchen nicht gerecht. Doch für den Super Bowl scheint das Team um “Coach of the Year” Kevin Stefanski noch nicht gerüstet. Die Browns müssen ihre Hausaufgaben gründlich erledigen, wollen sie die Spitze der NFL erobern.

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Dazu wird General Manager und Executive Vice President of Football Operations Andrew Berry weiter versuchen, den Kader über die Free Agency und den Draft zu verbessern. Mit erst 33 Jahren ist er der jüngste Entscheidungsträger in der NFL. Seine ersten Erfolge bestätigen aber, dass die Browns einen guten Weg mit ihm eingeschlagen haben. Zum ersten Mal lässt sich so etwas wie eine Identität in ihrer Offense erkennen. Im nächsten Zug wird sich Berry daher vor allem an die Defensive um Coordinator Joe Woods machen.

In der Free Agency gibt es die Möglichkeit in der Secondary ein paar wichtige Additionen vorzunehmen. Cornerback Richard Sherman und Safety Marcus Williams werden zurecht mit Cleveland in Verbindung gebracht. Mit Sherman konnte Woods bereits in San Francisco arbeiten und weiß um seine Qualitäten als Führungsspieler und Passverteidiger. Der angeschlagene Greedy Williams könnte erst einmal genesen, während der Veteran der Abwehr die nötige Sicherheit gibt und den jungen Cornerbacks eine Menge von seiner Erfahrung und seinem Footballwissen weitergeben kann. Williams wird in New Orleans aufgrund der angespannten Cap Situationen keinen neuen Vertrag erhalten und zählt zu den besten Safeties auf dem freien Markt.

Weitere Verpflichtungen sind nicht auszuschließen, doch behandelt diese wöchentliche Kolumne vorwiegend den Draft. An den ersten zwei Tagen besitzen die Cleveland Browns vier Draftpicks. In Runde Eins wählen die Browns an 26., in Runde Zwei an 59. und in Runde Drei an 89. und 91. Stelle. Offensichtlich muss das Team im Pass Rush seinem Star Myles Garrett eine Unterstützung zur Seite stellen und die Front Seven generell verstärken. Gerade auf den kürzeren Ebenen war das Team zu anfällig. In einer Division mit Ben Roethlisberger, Lamar Jackson und Joe Burrow sollten sie es den gegnerischen Offenses nicht zu leicht machen.

Im Angriff fehlt spätestens seit dem Ausfall von Odell Beckham Jr. ein Playmaker unter den Wide Receivern. Dazu benötigt Quarterback Baker Mayfield weiteren Support in der Offensive Line. Diese “Needs” erst am dritten Tag zu addressieren, wäre eine übermutige Strategie, die sich ein Team mit Titelambitionen nicht erlauben darf.

Draft Runde 1 / Pick 26

Seit über 25 Jahren haben die Browns nicht mehr so spät in Runde Eins gedraftet, wenn sie ihren Pick nicht getradet haben. Bis sie an der Reihe sind, werden aller Voraussicht nach die besten Tackles und Wide Receiver weg sein. Für die breite Gruppe auf diesen Positionen, die dann folgt, ist der 26. Picks aber wiederum zu früh.

CORONA spielt Cleveland aber in die Karten. Weil viele Tests ausfielen und Spieler entschieden, ihre Saison auszusetzen, werden in diesen Bereich Talente fallen, die, zwar mit Fragezeichen behaftet, üblicherweise schon viel früher im Draft ihren Namen hören.

Jaelan Phillips passt in diese Kategorie. An der UCLA noch häufig in Coverages gestellt, wurde er in Miami bei den Hurricanes nach seinem Wechsel den hohen Erwartungen endlich gerecht. Weil Gregory Rousseau das Jahr aussetzte, erhielt Phillips den Hauptanteil der Einsatzzeit und rushte vorwiegend von seiner linken Seite auf den Quarterback zu. In zehn Spielen setzte er insgesamt 23,5 Tacklings im gegnersichen Backfield (davon acht Sacks) und war kaum aufzuhalten. Phillips ist sehr gelenking und wahnsinnig schnell im Umkurven seiner Matchups. Bei dem vielseitigen Edge Defender finden sich auf dem Feld praktisch keine Einschränkungen. Wenn Cleveland nach diversen Vorverletzungen mit seinem medizinischen Bericht zufrieden ist, wird er das Team sofort verstärken.  

Draft Runde 2 / Pick 59

Jaylen Waddle, DeVonta Smith und Ja’Marr Chase sind ohne Uptrade unerreichbar in der ersten Runde. Statt an 26. Stelle mit der Brechstange zu arbeiten, sollten die Browns entspannt das Board im Blick behalten. Am Ende der zweiten Runde sind noch massig Wide Receiver der zweiten Kategorie mit Playmaker-Potential da. Exemplarisch dafür hält ein junger Passempfänger der USC Trojans für den Zweitrundenpick her. In Deutschland dürfte sein Name den meisten Fans bekannt vorkommen, schließlich ist Amon-Ra St. Brown der jüngere Bruder von Equanimeous und ehemaliger U19-Nationalspieler.

Der dynamische Receiver bewegt sich flüssig und sicher über das Feld, besitzt bereits einen äußerst variablen Route Tree und hat die Fanghände eines künftigen Nr. 1-Receivers. Sehr balanciert und fein ausgearbeitet läuft er jede Route von Anfang bis Ende. Er scheut nie die Herausforderung und arbeitet daran, sich gegen physische Press Cornerbacks besser durchzusetzen, um in der NFL als Passempfänger zu gelten, der in jedem Spiel den Unterschied ausmachen kann. 

Draft Runde 3 / Pick 89

In Runde Drei wird es Zeit für die Offensive Line und das Linebacking Corps. Das Herzstück in der Abwehr der Michigan Wolverines war in den letzten beiden Jahren Cameron McGrone. Die Lücke, die Devin Bush hinterließ, füllte der Linebacker vom ersten Tag an. Sein Spielverständnis ist weit entwickelt und er kann sofort in der NFL starten. Hinter einem starken Pass Rush bildet er einen sicheren Anker, der gelegentlich in Blitz Designs und als Playmaker fungiert. Er kann bei allen Downs starten, ist sehr athletisch und bietet damit das Potential, ähnlich erfolgreich in Cleveland zu sein, wie sein Vorgänger Bush in Pittsburgh. 

Draft Runde 3 / Pick 91

Wenn in den ersten beiden Runden andere Bedürfnisse des Teams adressiert wurden, sind die sofortigen Starter für die Offensive Line allesamt weg oder die vorhandenen Talente haben so ihre Tücken. Da kommt der Blindside-Tackle von BYU Quarterback Zach Wilson genau richtig. Berücksichtigt man, dass Brady Christensen relativ schlank ist und durchaus noch Masse aufbauen kann, ist es gut zu sehen, dass er nicht nur leichtfüßig ist, weil er sich gut bewegen kann, sondern auch technisch viel dazugelernt hat. Seine exzellente Beinarbeit hat ihm am College so manches schwere Duelle bestehen lassen. Im Run Game wird er damit in Stefanskis Schema sofort eine gute Figur machen. In Pass Protections muss er reifen und gegen kräftige Pass Rusher besser zurechtkommen. Cleveland zählt zu den Teams, die ihn auch als Guard oder Swing Tackle ausbilden können und daher von seiner Vielseitigkeit profitieren.

Philipp Forstner

DraftNerdPhilipp Forstner, alias Draft Nerd, ist ehemaliger O-Liner und sammelte erste Erfahrungen als Autor bei "Beardown Germany". Er schreibt über den NFL Draft und College Football für TOUCHDOWN24 und beobachtet als Scout die zukünftigen und aktuellen Spieler der NFL.

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