Daniel Wolf

85 ist die magische Zahl des Tages – so viele Tage dauert es nämlich noch (falls ihr diesen Artikel am Dienstag lest), bis das braune (NFL)-Ei wieder über die Bildschirme Deutschlands flattert. Das ist eine Menge Zeit, doch die meisten Teams haben die wichtigsten Entscheidungen bereits getroffen – Ausnahmen wie das angehende Drama um MVP Aaron Rodgers bestätigen die Regel. Soll heißen: Die Grundstruktur der meisten Teams wird sich in den letzten drei Monaten vor Saisonstart nicht mehr wesentlich ändern.
Eines der am meisten diskutierten Themen der vergangenen Wochen ist endgültig vom Tisch. Star-Receiver Julio Jones verlässt die Atlanta Falcons und schließt sich den Tennessee Titans an. Die Falcons bekommen dafür einen Zweitrundenpick im Jahr 2022 und einen Viertrundenpick im Jahr 2023, die Titans erhalten einen Sechstrundenpick im Jahr 2023 zurück. Das berichtete zunächst NFL-Insider Ian Rapoport, mittlerweile haben es beide Teams bestätigt. Es ist ein Deal, der für beide Seiten Sinn ergibt – am Ende des Tages aber nur einen klaren Gewinner hat.
Josh Allens Aufstieg zu einem der besten Quarterbacks in seinem dritten Jahr in der Liga kam nicht nur einigermaßen überraschend, sondern könnte vielen jungen Signalcallern in der Zukunft zu zweiten oder dritten Chancen verhelfen, da General Manager nicht das möglicherweise entscheidende Breakout-Jahr ihres jungen Franchise-Quarterbacks verpassen wollen. Heute werfe ich in meiner Kolumne einen Blick auf zwei Spieler, die das Potenzial haben, 2021 einen Breakout à la Allen hinzulegen: Kyler Murray und Daniel Jones.
Breakouts passieren jedes Jahr in der NFL. Manchmal ist es ein junger Spieler, der nach einigen Jahren in der Liga den nächsten Entwicklungsschritt nimmt (Josh Allen), manchmal sind es Rookies wie Justin Jefferson, die die Liga im Sturm erobern. Nicht jeder Breakout ist aber gleich: Ein Runningback, der das erste Mal über 1.000 Yards läuft, kann genauso gut als Breakout gesehen werden wie ein Linebacker, der 100 Tackles schafft oder ein Edge-Rusher, der einen persönlichen Rekord in Pressures aufstellt.
Im Vorjahr hatten es junge Spieler durch die Bank weg schwer, einen direkten Impact zu hinterlassen. Aufgrund der Corona-Pandemie mit angepassten Trainingscamps, keiner Preseason und ohne Fans gab es weniger Breakouts, als wir es sonst gewohnt sind – „Ausreißer“ wie Josh Allen, Justin Herbert oder Justin Jefferson einmal ausgenommen. Die Saison 2021 könnte deswegen zum Jahr der Breakouts werden.
Kaum ein Team hatte 2021 eine bessere Offseason als die Cleveland Browns. Nachdem General Manager Andrew Berry im Vorjahr die Offense um Baker Mayfield aufpolierte, bekam heuer die Defense den richtigen Schliff. Das Ergebnis: Die Browns haben Stand heute einen der besten Roster der Liga und zählen zurecht zu den frühen Playoff-Favoriten in der AFC.
Der NFL Draft 2021 ist Geschichte und es ist an der Zeit für uns, ein kleines Fazit zu ziehen. Welche Teams haben bei der jährlichen Talente-Auswahl so richtig abgeräumt und wer ist eher hinter den Erwartungen zurückgeblieben? Hier sind meine Gewinner und Verlierer des Drafts.
Tag 2 des NFL Drafts 2021 liegt hinter uns und der erwartete Run auf die Quarterbacks ist tatsächlich eingetreten. Die Browns zeigen einmal mehr, dass sie derzeit zu den klügsten Franchises der Liga gehören, während die Broncos und Steelers für hochgezogene Augenbrauen sorgen. Was sonst noch an Tag 2 passierte, lest ihr hier bei TOUCHDOWN24.
Was die Aufgabe als Scout im NFL Draft 2021 und in jedem anderen Jahr so aufregend macht, ist die Möglichkeit, nach der ersten oder zweiten Runde echte Rohdiamanten zu finden, die niemand sonst auf der Rechnung hat. Spieler, die vielleicht noch nicht zu 100 Prozent für die Liga bereit sind, aber sich mit dem richtigen Training zu absoluten Superstars entwickeln können. Für solche Akteure hat sich im amerikanischen Sprachgebrauch der Begriff „Sleeper“ etabliert.
In der NFL geht es aus Team-Sicht immer ein wenig darum, Risiken gegen mögliche Belohnungen abzuwägen. Jeder General Manager ist deswegen ein bisschen ein Zocker und will stets auf das richtige Pferd setzen. Noch mehr als in der Free Agency gilt dieser Vorsatz für den NFL Draft – vor allem, weil die Implikationen eines bestimmten Picks oft erst viele Jahre danach sichtbar sind.

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