HEFT #53

Ausgabe JANUAR 2022

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Hildesheim Invaders und Ingolstadt Dukes: Zwei ELF-Opfer kehren zurück

Gute alte Zeit: Die Invaders spielten 2019 noch in der GFL. Gute alte Zeit: Die Invaders spielten 2019 noch in der GFL. IMAGO / Beautiful Sports
Die European League of Football (ELF) hat eine erfolgreiche erste Saison hinter sich. Doch der Start der neuen Liga war alles andere als harmonisch. Besonders gelitten haben darunter die Hildesheim Invaders und die Ingolstadt Dukes. Was war passiert und wie geht es den Teams jetzt? TOUCHDOWN24 liefert Antworten.


Schauplatz Hannover/Hildesheim: Schnelles Aus für German Knights 1367 Niedersachsen


Das hatten sich die Verantwortlichen im östlichen Niedersachsen sicher anders vorgestellt. Mit großen Ambitionen war Investor und Geschäftsführer Frank Meyer schon 2018 bei den Hildesheim Invaders angetreten. Die Footballabteilung wurde Anfang des gleichen Jahres aus dem Stammverein Eintracht Hildesheim ausgegliedert. Zur Saison 2019 wurden große Namen verpflichtet: Quarterback Casey Therriault und Wide Receiver Anthony Dablé-Wolf waren darunter. Head Coach Matt LeFever wurde jedoch schon während der Saison entlassen, weil die Ergebnisse nicht mit den Erwartungen übereinstimmten. Die Invaders beendeten ihre vierte GFL-Saison seit dem Aufstieg 2015 dennoch auf Platz drei der Nordstaffel und schieden im Playoff-Viertelfinale gegen Frankfurt Universe aus.


2020 sollte Shuan Fatah als Cheftrainer den Weg weiterführen. Die Saison wurde wegen der Corona-Pandemie jedoch nicht gespielt. Stattdessen gab Investor Meyer bekannt, sich aus dem Front Office zurückzuziehen und stattdessen mit einem neuen Team in der ELF antreten zu wollen. Dem Ruf von Meyer folgten Coach Fatah und viele Spieler. Das Projekt scheiterte jedoch. Die Verhandlungen wurden abgebrochen. Die German Knights 1367 Niedersachsen – so der geplante Name der neuen Franchise – waren schon vor ihrer Gründung Geschichte.


Die Invaders standen vor einem Scherbenhaufen, verfielen aber nicht in Panik. Die GFL-Lizenz war allerdings nicht mehr erreichbar. „Sowohl sportlich als auch finanziell hat die Planung für uns ein zu großes Risiko bedeutet. Wir können es unter den gegebenen Umständen nicht verantworten, unsere teils sehr jungen und noch unerfahrenen Spieler, in das Abenteuer GFL2 zu schicken“, hatte Jan Hendrik Meyer, erster Vorsitzender der Invaders, damals erklärt. Also trat das Team in der Saison 2021 in der Regionalliga Nord an und konnte sich dabei auf die Dienste vieler Spieler verlassen, die eigentlich für das ELF-Team vorgesehen waren, nach dem Aus aber zu den Invaders zurückkehrten.


Schauplatz Ingolstadt: Keine Chance für die Praetorians


Das gleiche Schicksal ereilte auch die Ingolstadt Dukes. 2016 waren die Bayern in die GFL aufgestiegen und qualifizierten sich auf Anhieb für die Playoffs. Dort scheiterten sie an den New Yorker Lions Braunschweig. In den beiden folgenden Jahren etablierte sich das Team in der Südstaffel, verpasste die Playoffs aber jeweils knapp. Nach der ausgefallenen Spielzeit 2020 stellten die Dukes keinen Lizenzantrag für die GFL. Stattdessen sollte das Team unter dem neuen Namen Ingolstadt Praetorians in der ELF antreten. Auch hier folgten viele Spieler den Plänen der Verantwortlichen. Und auch hier scheiterte das Projekt.

Dabei hatten die Veranwortlichen bereits große Namen für das neue Team verkündet. Runningback Chris Ezeala war der Headliner. Der Münchner verbrachte zwei Jahre im Practice Squad der Baltimore Ravens und spielte bereits in der Vergangenheit in Ingolstadt. Doch aus dem Engagement bei den Praetorians wurde letztlich nichts. Stattdessen heuerte Ezeala bei den Cologne Centurions an, beendete seine Saison aber bereits nach drei Spielen aus familiären Gründen.


„Die SEH Sport Beteiligungs GmbH, Hamburg und die IN-Herofactory Sportainment GmbH, Ingolstadt konnten für die geplante Spielsaison 2021 keine Einigung erzielen und stellen die Verhandlungen zum jetzigen Zeitpunkt ein“, ließen die Praetorians auf ihren Kanälen schließlich im März 2021 verlauten. Hinter der SEH Sports & Entertainment Holding GmbH steckt ELF-Chef Zeljko Karajica, der mit seiner Firma in verschiedene Projekte wie Fußball-Drittligist Viktoria Berlin und den TV-Sender More Than Sports investiert.


Die Reaktionen der ELF


Lange schwiegen alle Beteiligten über die Hintergründe der gescheiterten Verhandlungen. Bis sich Patrick Esume und Karajica auf dem YouTube-Kanal der ELF im April äußerten. Ersterer stellte dabei klar: „Viele verstehen noch nicht, wir sind keine Liga eines Verbandes, sondern eine von Wirtschaftsunternehmen.“ Entsprechend sei es völlig normal, in Verhandlungen nicht zu Abschlüssen zu kommen. Karajica ergänzte: „Wir haben nicht so viel Zeit, um zu verhandeln und wieder und wieder zu sprechen. Und manchmal stellt sich eben die Erkenntnis ein, das wird so nicht funktionieren.“


Wie geht es den Teams heute?


Soweit, so richtig. Offenbar sitzt die ELF bei den Verhandlungen mit den Teams am deutlich längeren Hebel. Was bleibt, sind zwei etablierte GFL-Teams, die von Grund auf neu anfangen mussten, ihre Potenziale aber mehr als beeindruckend genutzt haben.


Da sind zum einen die Invaders, die die Regular Season in der Regionalliga Nord ungeschlagen beendeten und in der Aufstiegsrelegation mit einer 0:32-Niederlage in Paderborn und einem 34:7-Sieg gegen Spandau zusammen mit den Paderborn Dolphins in die GFL 2 aufstiegen. Dort spielen sie allerdings ohne Head Coach Bob Madden, der in die USA zurückgekehrt ist.


Und auch die Dukes überzeugten und kehrten auf Anhieb in die Zweitklassigkeit zurück. Auch die Ingolstädter schlossen die Regular Season ungeschlagen ab. Ein 35:22-Sieg in Gießen und ein 48:0 gegen Pforzheim besiegelten den Aufstieg in der Relegation.

Sven Schuer

Nach seinem Soziologiestudium in Osnabrück absolvierte Sven Schüer ein Praktikum bei der Neuen Osnabrücker Zeitung und blieb dem Journalismus bis heute treu. Als freier Mitarbeiter berichtet er vom Amateurfußball in und um Osnabrück und begleitet das Footballteam der Osnabrück Tigers seit einigen Jahren. Darüber hinaus schreibt er als freier Autor für verschiedene Online-Magazine und seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

Twitter: @Schueer86
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