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NCAA - College Football

Mike Leach stirbt im Alter von 61 Jahren: “Rest in Peace, Pirate!”

Mike Leach stirbt im Alter von 61 Jahren. Credit: Imago Images / USA Today / Dale Zanine

Mississippi State Head Coach Mike Leach erlitt am Sonntag eine Herzattacke, die lebensbedrohlich sein sollte. Der Football-Coach war vor allem bekannt durch geistrieche, aber skurril anmutende Reden und hochproduktive, sowie passintensive Air Raid Offenses, mit denen er den College Football und sogar die NFL beeinflusste. Scharfsinnig und scharfzüngig bildete er zahlreiche Spieler, aber auch Coaches aus, die seinen Spielstil nun ohne ihn in die Footballwelt hinaustragen müssen. Am Montag verstarb Leach im Alter von 61 Jahren an den Folgen seiner plötzlichen Erkrankung. 

Sogar auf dem Sterbebett leistete der berühmte Trainer und Familienvater noch einen “Final Act of Charity”, indem er einwilligte, seine Organe zu spenden, wie seine Familie später mitteilte. “Mike war ein großzügiger und aufmerksamer Ehemann, Vater und Großvater.” Erst am Tag zuvor wurde er nach Jackson, Mississippi, ins UMMC geflogen, wo Ärzte versuchten, sein Leben zu retten. Vergebens. 

„Wir sind untröstlich und am Boden zerstört durch den Tod von Mike Leach“, sagte Bracky Brett, Interims-Sportdirektor der Mississippi State, in einer Erklärung. „Der College-Football hat heute eine seiner beliebtesten Persönlichkeiten verloren, aber sein Vermächtnis wird für immer andauern. Mikes energische Persönlichkeit, seine einflussreiche Präsenz und seine außergewöhnliche Führung berührten jahrzehntelang Millionen von Athleten, Studenten, Trainern, Fans, Familie und Freunden. Mike war ein Innovator, Pionier und Visionär. Er war eine College-Football-Ikone, eine Trainerlegende, aber ein noch besserer Mensch. Wir sind alle besser dadurch, Mike Leach gekannt zu haben. Die Gedanken und Gebete der Mississippi State University und der gesamten Bulldogs-Familie sind mit seiner Frau Sharon, seinen Kindern und der gesamten Familie Leach."

 

Mike Leach beeinflusste den Football

Das Wirken von Coach Leach wird durch all seine Weggefährten weitergetragen. Aktuell arbeiten 15 ehemalige Assistenztrainer und Spieler von ihm als Head Coaches im College Football und der NFL. Darunter Kliff Kingsbury bei den Arizona Cardinals, Lincoln Riley, Trainer von drei der letzten sechs Heisman Trophy Gewinner, sowie Sonny Dykes, der die TCU Horned Frogs gerade erst in die College Playoffs führte. 

„Es ist schwer in Worte zu fassen, welchen Einfluss Mike Leach auf die Spieler hatte, die er trainierte, das Footballspiel und mich persönlich“, sagte Dykes am Dienstag. „Er war eine einzigartige Persönlichkeit und unabhängiger Denker und ein großartiger Freund. Niemand hatte einen größeren Einfluss auf mein Leben, neben meinem Vater.“

Mike Leach forderte jeden heraus, anders zu denken und neue Perspektiven einzunehmen. Er beschäftigte sich mit der Kultur der Native Americans und verfasste als Co-Autor ein Buch über den Apachen-Häuptling Geronimo und dessen Führungsstärke. 

 

Piraten und Mike Leach

Außerdem beschäftigte er sich intensiv mit der Lebensweise von Piraten des 18. Jahrhunderts. 

“Piraten funktionieren als Team'', sagte er einmal selbst über seine Leidenschaft für die Freibeuter der Meere. “Damals gab es in England viele Kasten und Klassen. Aber bei Piraten war es egal, ob man schwarz, weiß, reich oder arm war. Das Ziel war, einen Schatz zu bekommen. Wenn der Captain einen schlechten Job gemacht hat, konntest du ihn einfach stürzen.”

Berühmt ist dadurch auch seine Rede an die Spieler der Texas Tech Red Raiders geworden, als er ein echtes Piraten-Schwert mit in die Umkleidekabine vor dem Spiel brachte. In seiner eigenen Kolumne “Swing the Sword” wird sein Auftritt folgendermaßen zitiert: 

“Ich hatte viel darüber nachgedacht, was ich sagen würde, bevor ich den Raum betrat. Ich habe ein paar Ideen auf ein Stück Papier geschrieben, so wie ich es normalerweise vor Meetings gemacht habe“, schrieb Leach. „Für ein Team ist es wichtig, mehr als nur Football zu erleben, und während ich daran arbeitete, klangen die Piraten und die Metapher des Schwertes einfach richtig. Ich nahm dieses Schwert und legte es auf das Podium.“

„Dein Körper ist dein Schwert. Wirst du dein Schwert aggressiv schwingen oder wirklich außer Kontrolle geraten, als würdest du da draußen Streetball spielen?“ erinnerte er sich, gesagt zu haben, als er das Schwert herumschwang.

„Wenn Sie hektisch sind, ohne einen klaren Verstand zu haben, bringen sie sich in eine verwundbare Position. Wirst du deinen Kopf einziehen und schüchtern schwingen? Oder wirst du eine großartige Technik haben und es ohne Zögern schwingen?“

Im ersten Moment soll es Gelächter in der Kabine gegeben haben, doch die Botschaft saß. Bis zu seinem Tod begleitete Leach die Piraten-Metapher. Viele seiner früheren Weggefährten, die ihn nun auf seiner letzten Reise bis ans Grab begleiten werden, erinnern sich vor allem an diese und ähnliche, manchmal skurril anzunehmende Reden, die stets den Punkt trafen und nachhaltig im Gedächtnis geblieben sind. 

Da ist es wie ein Wink des Schicksals, dass sein letztes Team, die Mississippi State Bulldogs, die er bis zu seinem Tod coachte, am 2. Januar im ReliQuest Bowl ihren ehemaligen Trainer noch einmal ehren dürfen. Denn das Spiel findet im Raymond James Stadium der Tampa Bay Buccaneers statt. Die Kanonen werden für Mike Leach donnernd von der Nordseite des Stadions aus dem berühmten Piratenschiff der Bucs abgefeuert werden. 

Leach hätte dazu sicherlich wieder einen passenden Spruch oder eine Anekdote auf den Lippen gehabt. Nun müssen seine Spieler und Weggefährten fortan allein in die Schlacht ziehen. “Rest in Peace, Pirate!” 


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