Auch im College Football ist der Quarterback der wichtigste Spieler auf dem Feld. Oftmals dient er neben dem Platz zusätzlich als Sprachrohr des Teams und Aushängeschild der Universität. Es gab eine Menge großartige Quarterbacks in der Geschichte des College Footballs und sicher werden noch viele in Zukunft dazukommen. Hier ist der Versuch, eine Top Ten aus der langen Historie abzubilden.

1. Tim Tebow / Florida Gators, 2006-2009

Es gab nie davor und danach bis heute einen Quarterback wie Tim Tebow. Der Heisman Trophy Gewinner gewinnt mit den Florida Gators zweimal die National Championship. Neben seinem dynamischen und aufopferungsvollen Spielstil gefällt er den Fans vor allem mit seinem besonderen Auftreten. Es gibt wohl kaum einen Amerikaner, der sein im Gebet versunkenes Hinknien, nachdem er einen Touchdown erzielt, nicht kennt. Die meisten von ihnen, werden seine Pose sogar nachgestellt haben, so beliebt, wie der bibeltreue Christ in den Vereinigten Staaten ist.

Spielerisch erzielt Tebow am College in 55 Einsätzen 9.285 Yards durch die Luft und weitere 2.947 Yards am Boden. 148 Touchdowns trägt er in 48 Siegen seines Teams zum Erfolg bei und prägt damit die glorreiche Zeit der “Tebowmania”. In der NFL bringt er es später immerhin auf einen Playofferfolg. Auch wenn die restliche Profikarriere eher dürftig verläuft. 

2. Vince Young / Texas Longhorns, 2002-2005

Der erste Einsatz von Vince Young im Jersey der Longhorns wurde mit Spannung erwartet. Schließlich galt der Shootingstar bereits an der High School als Phänomen. Die hohen Erwartungen kann Young am College dann sogar übertreffen. Er gewinnt mit den Longhorns deren letzte National Championship und bleibt für immer der erste Quarterback, der die Schallmauer von 3.000 Passing und 1.000 Rushing Yards in einer College Saison durchbricht. 

Young wirft in 37 Spielen insgesamt 44 Touchdowns und erläuft 37 weitere mit seinen explosiven Beinen. In jeder seiner drei Saisons rusht er für mindestens 998 Yards und ebnet mit dieser Spielweise auch den Weg für spätere Dual-Threat Quarterbacks. Mehrere Verletzungen halten ihn aber zu oft von einem NFL Feld fern, weshalb er seine Karriere einige Jahre später sogar in Kanada ausklingen lässt.

3. Cam Newton / Auburn Tigers, 2010*

Viele möchten meinen, dass lediglich eine erfolgreiche Saison nicht dazu reicht, um zu den größten Quarterbacks in der College Historie gezählt zu werden. Was dabei vergessen wird: Cam Newton hat bereits als Backup hinter Tebow kleinere Einsatzzeiten auf dem Weg zur National Championship 2008. Ein Jahr später holt er mit dem Blinn College die JUCO National Championship. 2010 erhält er für seine Leistungen die Heisman Trophy und gewinnt mit den Auburn Tigers den ersten Titel seit 1957. 

In seiner letzten Saison bringt er es allein auf 50 Touchdowns durch die Luft und am Boden, verliert kein einziges Spiel und beschreibt mit seiner Performance das wohl dominanteste Jahr eines College Quarterbacks aller Zeiten. 

4. Marcus Mariota / Oregon Ducks, 2011-2014

Der beste College Quarterback, den Hawaii je aufs Festland geschickt hat, ist Marcus Mariota. Er ist der erste Athlet aus dem Aloha State, der die Heisman Trophy gewinnt, nachdem er 2014 über 5.000 Yards und 57 Touchdowns erzielt. 

Trotz großartiger Leistungen am College bleibt ihm als erster Quarterback auf dieser Liste die National Championship verwehrt. Gegen die Übermacht der Ohio State Buckeyes um Ezekiel Elliott, der an diesem Abend vier Touchdowns in die Endzone trägt, ist für das Team von Mariota kein Kraut gewachsen. Auch seine spätere NFL Karriere verläuft bis dato eher holprig. 



5. Robert Griffin III / Baylor Bears, 2008-2011

Ebenfalls ohne großen Titel, dafür auch mit einer Heisman Trophy ausgezeichnet, spielt sich Robert Griffin III durch die College Footballwelt. RG3 ist etwas kleiner und schlanker als der gewöhnliche Typ Quarterback zu dieser Zeit. Und gerade das macht sein dynamisches Spiel als Playmaker noch spektakulärer. Er bringt die Baylor Bears nach erfolglosen Jahren zurück auf die Landkarte und gewinnt seine Spiele häufig mit hoher Punkteausbeute. 

In der NFL stoppen ihn jäh schwere Knieverletzungen. Heute wird RG3 als TV-Experte bei College- und NFL-Übertragungen sehr geschätzt. 

6. Roger Staubach / Navy Midshipmen, 1961-1964

Der erste reine Passer auf dieser namhaften Liste kommt ausgerechnet von der Naval Academy, die seit Jahrzehnten vor allem durch knallharte Triple-Option Offense glänzt. Roger Staubach erhält 1963 die Heisman Trophy, nachdem er von elf Spielen neun gewinnt und die zweitbeste Scoring Offense der Saison aufs Feld geführt hat und ist damit der letzte Heisman Gewinner von einer Militärakademie. 

Im Cotton Bowl verliert Staubach gegen die Texas Longhorns, die eine später von Navy adaptierte Triple-Option Offense erstmalig in dieser Zeit vorführen, womit die Träume von der ersten National Championship zerplatzen. Staubach wird 1964 in der zehnten Runde des NFL Draft ausgewählt und wird später zweifacher Super Bowl Champion, MVP und sechsfacher Pro Bowl Quarterback. Seine “Nr. 12” ist eine von vier Rückennummern bei den Midshipmen, die seiner Ehren halber nicht mehr vergeben wird. 

7. Joe Burrow / LSU Tigers, 2018-2019**

Nachdem sich Joe Burrow drei Jahre vergeblich bei den Ohio State Buckeyes versucht durchzusetzen, wechselt er zu den LSU Tigers. Es ist der wahrscheinlich bedeutendste Transfer in der College Football Geschichte. Burrow führt die Tigers zu einer ungeschlagenen Saison, gewinnt die National Championship und ist der erste LSU-Heisman seit über 60 Jahren.

Mit 5.671 Passing Yards und insgesamt 65 Touchdowns stellt Burrow SEC-Bestwerte auf. Noch in Jahrzehnten wird über diese spektakuläre Offense gesprochen. Das ist ihm genauso sicher, wie seinerzeit der Pick im Draft an allererster Stelle. 

8. Doug Flutie / Boston College Eagles, 1981-1984

Mit Abstand der kleinste Spieler in dieser Top Ten ist Doug Flutie. Wer den 1,75 Meter großen und 81 Kilogramm schweren Quarterback meinte, unterschätzen zu müssen, wurde schnell eines besseren belehrt. Flutie erhält in seinem letzten College Jahr die Heisman Trophy. Unvergessen bleibt seine Hail Mary bei auslaufender Uhr gegen den amtierenden National Champion aus Miami. 

Flutie gewinnt mit den Boston College Eagles im Cotton Bowl gegen die Houston Cougars und wird anschließend in Runde Elf von den Los Angeles Rams gedraftet. Von dort aus geht er über Backup-Rollen in die Canadian Football League, wo er dreimal den Grey Cup, das Pendant zum Super Bowl, als Starting Quarterback gewinnt. 

9. Matt Leinart / USC Trojans, 2001-2005

Mit zwei National Championships gehört Matt Leinart definitiv auf diese Liste. Ohne Vince Young auf Seiten der Longhorns, hätte es womöglich sogar zu einem dritten Titel mit den USC Trojans gereicht. Immerhin bleibt uns allen dieses unvergessliche Endspiel am Ende der Saison 2005. 

Leinart beginnt als Backup von Carson Palmer und legt anschließend in 39 Einsätzen für USC über 10.000 Passing Yards auf. Lediglich zwei Spiele verliert der Spielmacher in dieser Zeit. Leider werden ihm die Erfolge jedoch nachträglich aberkannt, weil es im Zuge des “Reggie-Bush-Skandals” zu zahlreichen Teamstrafen kommt. Lediglich seine Heisman Trophy aus 2004 bleibt ihm erhalten, ehe Leinart es über einige Jahre als Backup in der NFL versucht. 

10. Tommie Frazier / Nebraska Cornhuskers, 1992-1995

Nur wenige Spieler sind am College so erfolgreich und werden im Anschluss nicht einmal gedraftet. Doch so ist es Tommie Frazier ergangen. Zweimal in Folge gewinnt er die National Championship. Ein weiteres Mal steht er kurz davor. In seinem letzten großen Spiel am College erzielt er einen 75 Yard Touchdown Run, der in keiner Zusammenfassung der größten Plays in der College Historie fehlen darf.

Aufgrund einer im Draftprozess diagnostizierten Blutgerinnungsstörung wird Frazier nie in der NFL spielen. Frazier geht dafür in die Geschichte als einer der größten College Quarterbacks aller Zeiten ein und ist bei den Nebraska Cornhuskers eine lebende Legende. Seine Rückennummer (15) wird nicht mehr vergeben. 2013 wird er in die College Football Hall of Fame aufgenommen. 

*Newton spielte zuvor für die Florida Gators und vor seinem Wechsel nach Auburn sogar am Junior College

**Joe Burrow setzte sich bei den Ohio State Buckeyes nie durch und entkorkt sein wahres Talent erst nach seinem Wechsel zu den LSU Tigers

Über den/die Autor/in
Philipp Forstner
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Philipp Forstner
Autor / Redakteur
Philipp schreibt bei TOUCHDOWN24 u.a. über den College Football

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