Der College Football steht unmittelbar vor seinem nächsten großen Umbruch. Credit: Imago Images / ZUMA Wire / Scott Stuart

Vor drei Wochen schrieb ich an dieser Stelle über Big12-Commissioner Brett Yormark und seine Pläne, den College Football für immer zu verändern. Seinen Worten sind nun Taten gefolgt und das ruft weitere Anwerber auf den Plan. Eine Reise durch die Realignments der vergangenen Jahre und was der College Landschaft nun bevorsteht, bietet sich in meiner wöchentlichen Kolumne daher an, um nicht den Überblick zu verlieren. 

Neuordnungen der College-Landschaft gab es in der Vergangenheit immer wieder und die gute Nachricht ist, dass der College Football davon eigentlich jedes Mal profitieren konnte. Eine Umgewöhnung für uns College-Fans ist zwar lästig, aber unumgänglich. Und für Neueinsteiger fühlt es sich sowieso an, als würden die großen Conferences schon seit Jahrhunderten in diesem Format bestehen. 

 

Was bisher geschah…

Vor zwei Jahren gaben die USC Trojans und die UCLA Bruins bekannt, die Pac-12 zu verlassen und sich der Big Ten anzuschließen. Der damalige Commissioner Kevin Warren hatte große Pläne mit der etwas altbacken anmutenden Conference aus dem Norden des Landes. Mittlerweile ist er Präsident der Chicago Bears und plant federführend einen neuen Stadionbau. Für die Big Ten bedeutet dies, dass sie von der ursprünglichen Idee, nach USC und UCLA keine weiteren Teams mehr aufzunehmen, unter dem neuen Commissioner Tony Petitti, nun wieder abrücken, was beim Blick auf die Zukunft des College Footballs gleich noch einmal interessant wird. 

Die SEC verstärkte sich indes mit den beiden Powerhouses aus der Big12 und sicherte sich die Texas Longhorns und Oklahoma Sooners. Wie die Bruins und Trojans bestreiten sie in diesem Jahr ihre letzte Saison in der alten Conference, ehe sie dem Flaggschiff des College Footballs endgültig beitreten. 

Dies rief, wie bereits vor drei Wochen beschrieben, Brett Yormark auf den Plan. Nach den anfänglichen Neuzugängen aus BYU Cougars, Central Florida Knights, Cincinnati Bearcats und Houston Cougars, gab der neue Big12-Commissioner keine Ruhe und buhlte um weitere Footballprogramme aus dem ganzen Land. Er wollte sich nicht mit einer Nebenrolle zufrieden geben, netzte zunächst einen neuen TV-Deal für seine Conference ein und sicherte sich nun die Zusage der Colorado Buffaloes, zukünftig in der relativ zentral verorteten Conference anzutreten. 

 

Big Ten wird wieder aktiv

Yormark scheint seinen Lauf durch die Geschäftsgebäude der großen Universitäten längst nicht zu stoppen und seine Aktivitäten rufen nun die Big Ten auf den Plan. Die können nicht tolerieren, dass sich eine andere Conference zur Nummer Zwei des Landes emporschwingen will. 

Während SEC-Commisioner Greg Sankey scheinbar ziemlich zufrieden mit der Aufstellung und dem Wettbewerb in seiner Conference ist, muss die Big Ten Yormark im Nacken bereits spüren. Deshalb greift sie nun selbst im Werben um die Westküsten-Teams ein. Laut ungenannter Quellen von The Athletic nahmen vier College Präsidenten Gespräche mit den Washington Huskies und Oregon Ducks auf. Auch die Elite-Programme von der Cal und Stanford sollen sich in Verhandlungen befinden. Die Westexpansion, von der Warren vor zwei Jahren noch nichts wissen wollte, scheint damit unter Petitti wieder Thema geworden zu sein. 

Gestern erhielt dann Petitti alle Vollmachten der Big Ten College Präsidenten, um mit weiteren Schulen über eine Erweiterung der Conference zu verhandeln. Die Washington Huskies hielten sogleich ein internes Meeting ab, um ihre Stakeholder über die laufenden Gespräche zu informieren. 

Yormark hingegen erhält dafür scheinbar freie Bahn, damit er sich um die Colleges rund um die Rocky Mountains kümmert. Arizona, Arizona State und Utah könnten seinem Ruf folgen. Denn viele Insider erwarteten ohnehin einen Dominoeffekt, sollte Colorado der Big12 beitreten, der nun eintreten dürfte. 

 Nun bestätigte der Präsident der Arizona Wildcats, dass Verhandlungen mit der Big12 bereits sehr weit fortgeschritten seien. Wir dürfen vielleicht mit offiziellen Verkündungen bereits vorm Saisonstart in drei Wochen rechnen. Schließlich wollen die meisten Teams die Wechselstimmung zur Saison 2024 nutzen, wenn nach derzeitigem Stand Colorado, Texas, Oklahoma, UCLA und USC ihre Conference wechseln. Der Ausverkauf der Pac-12 ist noch nicht beendet. 

 

Pac-12 steht mit heruntergelassenen Hosen da

Weil die Pac-12 weiterhin keinen neuen TV-Vertrag aushandeln konnte, steht sie in diesem Spiel mit heruntergelassenen Hosen da. Zuerst konnten keine größeren Schulen, wie die San Diego State, aus der Mountain West Conference angeworben werden. Nun verlässt mit Colorado eine weitere Schule die historische Conference von der Westküste und es droht bereits der nächste Aderlass. Die Pac-12 könnte der Neuordnung der College-Landschaft zum Opfer fallen. 

Und die ACC? Noch ist nichts an die Öffentlichkeit gedrungen, doch sollte sich bewahrheiten, dass Florida State und Clemson sich ebenfalls in Gesprächen mit anderen Conferences befinden, droht hier der nächste Exodus. Doch diese Gerüchte konnten bisher nicht vollends bestätigt werden.

Auch wenn sich FSU-Präsident Richard McCullough in einer gestrigen Stellungnahme zu den Realignments äußerte und den ACC-Offiziellen damit hart ins Gewissen redete. Sollte es keine radikalen Veränderungen bei der Einnahmenverteilung in der Conference geben, sei nur eine Frage des "Wann" und nicht "ob" die FSU einer anderen Conference beitreten würde. Er sehe ansonsten einen eindeutigen Wettbewerbsnachteil, den er zum Wohle seines Footballprogramms nicht hinnehmen könne. 

 

TV-Sender sind Gestalter im Hintergrund

Wie es zu einer solchen Wanderung von College Teams in dieser Zeit kommt, hat sicher mehrere Gründe. Ein sehr wichtiger darunter hat vier Buchstaben: E-S-P-N!

Das Sports Network hat einen mächtigen TV-Vertrag mit der Big Ten, doch nachdem FOX sich die wöchentlichen Übertragungsrechte am besten “Noon Game” sicherte, gingen ESPN die Spitzenspiele zur Primetime aus, da sich Colleges immer öfter davon überzeugen ließen, ihre Top-Paarung in die Mittagszeit zu legen. 

Mit der Aufnahme weiterer Colleges von der Westküste wäre das überhaupt kein Problem mehr. Denn die Summe könnte noch so hoch sein, ein Team aus Südkalifornien hat absolut kein Interesse daran, ein Top Matchup gegen Ohio State oder Michigan auf 9 Uhr morgens eigener Westküstenzeit zu legen. Daran beißt FOX sich die Zähne aus. 

Je mehr wichtige Primetime Games ESPN übertragen kann, desto tiefer werden sie in die Tasche greifen, wenn es an die Verhandlung eines neuen TV-Vertrages geht. So erklärt sich dann auch das Interesse der Big-Ten-Präsidenten, eine Ausdehnung in Richtung Westküste weiter voranzutreiben. 

Yormark verfolgt mit der Big12 eben ein ähnliches Ziel. Mit der Ausweitung seine Conference, womöglich über das ganze Land, macht er die Conference viel attraktiver für Werbepartner und TV-Anstalten. Die Neuordnung der College Landschaft begründet sich daher vor allem auch mit Geld. Damit dürfte sie nicht aufzuhalten sein und Fans der Pac-12 müssen sich mit dem Gedanken vertraut machen, bald auf eine Beerdigung gehen zu müssen. 

Über den/die Autor/in
Philipp Forstner
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Philipp Forstner
Autor / Redakteur
Philipp schreibt bei TOUCHDOWN24 u.a. über den College Football

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