Blake Corum vs. Tommy Eichenberg: Das wichtige Matchup erleben wir in der Neuauflage der größten Rivalität im College Football - The Game. Credit: Imago Images / UPI Photo / Aaron Josefczyk

Letzte Woche schlugen die Ohio State Buckeyes den Gastgeber aus Maryland nach einem zähen Ringen letztlich doch mit 43-30. Vielleicht schielten die jungen Spieler bereits zu sehr auf das anstehende Rivalry Game am Thanksgiving Wochenende gegen die Michigan Wolverines. Auch die blieben zwar unbesiegt, mussten eine knappe Führung aber lange über das letzte Quarter gegen Illinois verteidigen. Im All Time Classic “The Game” wird es Samstag ab 18 Uhr heiß hergehen. Im Anschluss gibt es dann weitere hart ausgefochtene Derbys im Kampf um College Playoffs und die New Year’s Six Bowl Games.

Also macht euch bereit auf ein langes Wochenende voller Football. Bereits am Freitag warten spannende Partien im College Football auf uns und es geht in vielen erbitterten Rivalries um die Vorherrschaft in der Region, teils skurrile Trophäen, die Möglichkeit an Bowl Games zu partizipieren oder ein letztes Ticket in die Conference Championship Games sind zu vergeben. Fast überall wird es deshalb um etwas gehen. 

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Es ist Rivalry Week

Rivalitäten sind das größte, was der College Football zu bieten hat. Vergesst die New York Giants gegen die Dallas Cowboys oder Deutschland gegen die Niederlande. Nur im College Football findet sich eine so tiefgreifende Rivalität und Tradition. So treffen die Oregon Ducks am Samstag um 21:30 Uhr bereits zum 126. Mal in ihrer Geschichte innerhalb ihres Staates auf die Oregon State Beavers. 

Die Vorbereitungen auf das Highlight der Saison in der Rivalry Week laufen an vielen Orten bereits auf Hochtouren. Alle Fans können es kaum erwarten, nach dem Genuss ihres Thanksgiving Dinners ihre Schule zu unterstützen und zum Sieg gegen den verhassten Rivalen anzutreiben. 

 

The Game

Der Hauptgang ist angerichtet und wird um 18 Uhr unserer Zeit serviert. Ohio State und Michigan gehören zu den erfolgreichsten College Teams in der Geschichte und gehen beide ungeschlagen in die größte Rivalität, die der Sport in Nordamerika zu bieten hat. Zwei 11-0 Teams treffen im Horseshoe aufeinander, wenn es um die Fahrkarte zum Big Ten Championship Game und das Ticket für die Playoffs geht. Die Wettervorhersage liest sich wie folgt: Der Himmel wird klar sein und über den Nachmittag soll bei rund 5 Grad Celsius die Sonne scheinen. Schnee, wie im Vorjahr, ist daher äußerst unwahrscheinlich, wenn sich in entscheidenden Key Matchups mit die besten College Spieler des Landes gegenüberstehen. 

 

#3 Michigan Wolverines @ #2 Ohio State Buckeyes

Samstag, 26. November 2022

Kickoff: 18 Uhr

Ohio Stadium in Columbus, Ohio

 

Die Meldungen zum großen Spiel am Thanksgiving Wochenende überschlagen sich. Erst zum dritten Mal und erstmals seit 2006 treffen die Ohio State Buckeyes und die Michigan Wolverines ungeschlagen aufeinander. Als wenn die Begegnung zwischen beiden Erfolgscoaches Jim Harbaugh und Ryan Day noch mehr Superlativen gebraucht hätte, würzt dieser Umstand und die Tatsache, dass es um die College Playoffs geht, die brisante Rivalität noch einmal zusätzlich. 

Der bessere Quarterback auf dem Feld dürfte C.J. Stroud sein. Im Gegensatz zum unerfahrenen Freshman J.J. McCarthy hat der Buckeyes-Spielmacher bereits so manchen steilen Hügel erklommen. Schier beeindruckend, wie kontrolliert er die Offense dirigiert, Spieler mit Antizipation und in ihrem vollen Lauf anwirft. Doch in den letzten Wochen wirkt er plötzlich inkonstant und zelebriert nicht mehr die Drives, wie am Fließband, was eigentlich seine besondere Stärke gewesen ist. Nun klingt der Hype für die erste Runde im NFL Draft 2023 noch lange nicht ab. Jedoch muss Stroud nun endlich einmal ein großes Spiel gewinnen und sein Team in die Playoffs führen. 

Dazu benötigt er seine Offensive Line, die am Samstag mächtig Druck aus allen Positionen an der Front zu erwarten hat. Allen voran wäre hier Eyabi Okie zu nennen. Der vielseitige und athletische Edge Defender lebt aktuell vor allem von seinem explosiven ersten Schritten und Dingen, die eher instinktiv geschehen. Sein Potential ist enorm, gemessen daran, was NFL Teams zukünftig mit ihm anstellen können, wenn er ein paar anständige Moves und Counters einstudiert und sie adäquat zum Matchup einzusetzen weiß. 

Vor allem Dawand Jones wird mit seinem schnellen ersten Schritt vielleicht Probleme bekommen. Er verlor bereits in der Vergangenheit öfter die Balance, wenn er einem Matchup athletisch nicht gewachsen war. Ganz anders verhält sich da Paris Johnson Jr. Er kann im Prinzip jede Bewegung seiner Gegenspieler mitgehen, lässt aber manchmal gegen feine Techniker noch etwas die Entscheidungsfähigkeit vermissen, wie er sich dem jeweiligen Move nun stellen soll. 

 

 

Bedenken wir, dass Jim Harbaugh ein gutes Coaching Staff besitzt, dürfte ihnen das genauso aufgefallen sein, weshalb Okie vorwiegend über Right Tackle Jones rushen wird. 

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Auf der anderen Seite kommt es ebenfalls zu einem wichtigen Duell in den Trenches, was auch viel darüber aussagt, wie physisch die Herangehensweise beider Teams in diesem Rivalry Game sein wird. Left Tackle Ryan Hayes bekommt es mit Star Defender Zach Harrison zu tun. Hayes ist ein ähnlicher Typ Pass Blocker, wie Dawand Jones, ist aber vor allem im Run Blocking eine wahre Augenweide. 

In Anbetracht der Tatsache, dass sie den jüngeren Quarterback besitzen, der erstmalig in “The Game” auflaufen wird und mit Blake Corum den aktuell besten Runningback im College Football in ihren Reihen wissen, werden sie vor allem anfangs versuchen, viel Raumgewinn über ihr exzellentes Laufspiel aufzuziehen. 

Ob Zach Harrison tatsächlich die nächste, hoffentlich gesündere Version von Chase Young sein wird, kann sicherlich auch aus einem Matchup mit Hayes abgelesen werden. Solch krasse Athleten, die bereits gut entwickelt sind, müssen in einem solchen Spiel den Unterschied ausmachen. So tat es bereits Young für Ohio State und im Vorjahr Aidan Hutchinson im Trikot der Wolverines. 

Und müsste ich wetten, wäre dies mein Ansatz für eine Prognose. Ohio State besitzt die wichtigeren Playmaker auf beiden Seiten des Balles. C.J. Stroud sollte ein größerer Faktor als Runningback Corum sein und genauso müsste Harrison den besseren Pass Rush aufs Feld führen, sofern er, ähnlich wie Dawand Jones, wieder voll genesen ist. Gemixt mit dem Umstand, dass McCarthy erst einmal in so ein schweres Spiel finden muss, sollte Ohio State im Heimspiel obsiegen. Nächstes Jahr werden die Karten jedoch wieder neu gemischt. 

 

Eine neue Folge ist online! Hier geht es zum Podcast “Die Stars von Morgen” mit echten Scouts, die in ihrem Job Talente für den NFL Draft evaluieren. 

 

 

Oregon Classic

Beide Schulen aus der Pac-12 North Division liegen 80 Kilometer auseinander und die Rivalität, welche seit 1894 ausgetragen wird, ist reich an Geschichte. Diesmal reisen die Oregon Ducks zu den Beavers nach Corvallis. Dabei sei betont, der frühere Name der Rivalry “The Civil War” ist mittlerweile verpönt und wird in Andenken an den Sezessionskrieg des 19. Jahrhunderts nicht mehr verwendet. Momentan wird ein neuer Spitzname gesucht, wir bedienen uns deshalb dem alten und weniger anstößigen “Oregon Classic”. Und so viel vorab. Es geht um verdammt viel in diesem Spiel. 

 

#9 Oregon Ducks @ #21 Oregon State Beavers

Samstag, 26. November 2022

Kickoff: 21:30 Uhr

Reser Stadium in Corvallis, Oregon

 

Ein wahrer All Time Classic erwartet uns also im Reser Stadium und diesmal sind nach langer Zeit beide Mannschaften vor dem Spiel in den Top 25 gerankt. Mit einem aktuellen 8-3 Record könnte es für die Beavers zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder für einen größeren Bowl am Jahresende gegen einen Gegner aus den Power-5-Conferences reichen. Dem Rivalen im Heimspiel dabei gleichzeitig die Chance auf die Pac-12 Meisterschaft zu vermiesen, wäre die Sahnekirsche auf dem Eisbecher dieser erfolgreichen Saison. Die Washington Huskies würden sich für die nötige Schützenhilfe sicherlich bedanken. Gewinnen sie nämlich anschließend ihre eigene In-State-Rivalry gegen Washington State, dürfen sie bei einer Niederlage Oregons in einer Woche gegen die USC Trojans im Allegiant Stadium der Las Vegas Raiders ran. 

Doch Oregon will mit Transfer-Quarterback Bo Nix den Conference Titel nach einem Jahr ohne Meisterschaft wieder zurück in den Beaver State holen. Namensgeber Oregon State will das verhindern und muss dazu erstmal den Lauf von Nix stoppen. Der findet nämlich seit seiner Ankunft an der Westküste seine athletischen Anlagen wieder. Seinem alten Offensive Coordinator Kenny Dillingham, der ihn zu einer beeindruckenden Freshman-Saison coachte, ehe er an die Florida State abwanderte, um nun bei den Ducks an der Seitenlinie zu stehen, hat Nix zu verdanken, dass er nun wieder wesentlich konstanter in seinem Spiel dasteht. 

Dillingham gibt Nix viele Scrambles, wenige Situationen, in denen Pocket Präsenz gefragt ist und einfache Reads, die er auf dem Weg außerhalb der Pocket anspielen kann. Weil er seine schnellen Beine wieder mehr in sein Angriffsspiel einbettet, gelingen ihm mehr First Downs, mehr Drives und deutlich mehr Touchdowns als in den Vorjahren, wie seine Stats belegen. Plötzlich ist Bo nicht mehr die Wundertüte und gilt sogar für den Draft als ein legitimes Prospect für die ersten Runden. Nur müsste er dafür eben zeigen, dass er sein Spiel entwickeln kann, was ihm am College bisher nicht gelungen ist. Dort gab es eher die Rolle rückwärts, um mit ihm erfolgreich sein zu können. Das lässt sich kurzfristig auch in die NFL übertragen. Langfristig bleibt er ein Projekt, das aber zeigt, wie es bei den Profis in den ersten Jahren Spielzeit erlangen kann, um dann möglicherweise doch noch in eine wichtige Starterrolle hineinwachsen zu können. 

Jetzt gilt es aber erstmal den In-State-Rivalen auswärts zu besiegen und das ging, obwohl als Favorit deklariert, in den letzten Jahren auch einmal in die Hose. Oregon State spielt dazu den besten Football seit Jahren und ist dank gutem Recruiting in der Region wirklich gut für das Rivalry Game aufgestellt. 

Tight End Luke Musgrave steht als Synonym für die gute Entwicklung der Mannschaft in den letzten Jahren. Safety Jayden Grant kommt als Leistungsträger ebenfalls aus der Region und ist im Gegensatz zu Musgrave, der weiterhin verletzt ausfällt, mit von der Partie. Mit einem Sieg hätte man daher weitere Argumente, um den Ducks im Recruiting in Oregon allmählich das Wasser abzugraben. Denn die wiederum rekrutieren auch gern landesweit und haben deshalb unter ihrem letzten Coach Mario Cristobal den örtlichen Markt an Talenten etwas vernachlässigt. Nicht auszudenken, wenn Grant nun die Angriffspläne der Ducks zunichte macht

Grant ist in diesem Jahr überall dort zu finden, wo er gebraucht wird. So bringt er es, wohlgemerkt als Defensive Back, auf über 50 Tackles und mittlerweile drei Interceptions und weitere wichtige abgewehrte Pässe. Er dürfte variabel als Spy gegen Nix und in Matchups mit dem jungen Receiving Corps von Oregon eingesetzt werden. 

Wir dürfen erleben, wie Bo Nix damit umgeht, viele Dinge erst nach dem Snap lesen zu können und wenn man ihm den Laufweg abschneidet. Zwingt ihn Oregon State zu Fehlern, wie wir es in der Vergangenheit in Auburn oft von ihm gesehen haben, hat der Underdog eine gute Chance, bei der Verabschiedung der Seniors im eigenen Stadion den Sieg davonzutragen. An Prestige wäre dieser Erfolg nicht zu toppen. 

 

Hinweis in eigener Sache: Es gibt häufig weitere Draft Prospects, die für einen angenehmen Lesefluss jedoch nicht in der Kolumne genannt werden. Infos dazu gibt es dazu häufig während des Spiels auf meinem Profil via Twitter @Draft_Nerd und im Podcast “Die Stars von Morgen”. Wenn Du also weitere Hintergründe und Facts zum College Football und NFL Draft erhalten möchtest, folge mir auf Twitter und lausche gern dem kurzweiligen Podcast von Lorenz Leinweber @ScoutingLenz und @Draft_Nerd. Hier geht’s zum Twitter Feed!