Pünktlich wieder fit: Cedrick Tillman brennt auf das Spitzenspiel in der SEC. IMAGO / USA TODAY Network / Charles LeClaire

In der SEC gibt es das Spitzenspiel. Wenn die Nummer Eins der Tennessee Volunteers zur Nummer Drei der Georgia Bulldogs reist, sprechen wir vom Spiel des Jahres. Es spielt die beste Scoring Offense gegen den Gastgeber mit der zweitbesten Scoring Defense im College Football. Jedes Spiel hat nun Auswirkungen auf die College Football Playoffs und wir dürfen uns auf spektakuläre Live Action freuen. 

Den mächtigen Double Header in der SEC komplettieren später am Abend die Alabama Crimson Tide, wenn sie auswärts gegen die LSU Tigers ran müssen. Eine zweite Niederlage ist für das Team von Nick Saban strengstens untersagt, wollen sie weiter im Kampf um die Playoffs ein Wörtchen mitreden. Vor der Saison noch als Topfavorit gehandelt, müssen sie aktuell Georgia und Tennessee den Vortritt lassen. Sollte LSU sogar gewinnen, hätten die Tigers große Chancen auf das SEC Championship Game. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Lasst uns auf die beiden Topspiele des College Wochenendes blicken. 

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Eine neue Folge ist online! Hier geht es zum Podcast “Die Stars von Morgen” mit echten Scouts, die in ihrem Job Talente für den NFL Draft evaluieren. 

 

 

#1 Tennessee Volunteers @ #3 Georgia Bulldogs

Samstag, 5. November 2022

Kickoff: 20:30 Uhr

Sanford Stadium in Athens, Georgia

 

Tennessee musste im Oktober gleich drei gerankte Gegner aus dem Weg räumen und überstand die schwere Vorbereitung auf das Endspiel gegen Georgia schadlos. Nun stehen die Volunteers bei 8-0 und reisen, trotz des höheren Ratingsim Ranking des College Football Playoff Committees, als Underdog zum National Champion nach Georgia. Der Showdown gegen die Bulldogs legt fest, wer von den beiden voraussichtlich das Ticket in der SEC East für die Conference Championship buchen wird. Eine Eintrittskarte zu den College Playoffs wäre damit praktisch sicher. 

Georgia besitzt eine wahnsinnig talentierte Defense und hält die Konkurrenz derzeit auf zwölf Punkte pro Spiel. „Sie haben in allen drei Phasen des Spiels großartiges Personal und werden gut trainiert. Ein riesiger Test für uns und wir freuen uns auf die Woche.“, erwartet Vols Head Coach Josh Heupel demnach ein großes Kräftemessen. 

Sein Team schickt den stärksten Angriff, den der College Football aktuell zu bieten hat, ins Feld, um für diese Top Defense Antworten zu finden. Was dabei nicht vernachlässigt werden darf. Auch Tennessee kann verteidigen. Zuletzt hielten sie Will Levis, aussichtsreiches Draft Prospect auf der Quarterback Position, in Schach und drosselten Kentuckys Angriff auf 98 Passing Yards, während Levis ganze drei Interceptions warf und nicht einmal 60 Prozent seiner Pässe anbringen konnte. 

Allen voran ist es aber Hendon Hooker, auf dem die Hoffnungen für Tennessee ruhen. Der Quarterback ist sehr kompakt und sicher in seinen Würfen geworden und zeichnet sich mittlerweile durch gutes Ball Placement auf kurzen und mittleren Ebenen aus. Seine Genauigkeit auf tiefen Routen ist ohnehin schon seit über einem Jahr sehr besonders. Gemessen daran, dass er in Sachen Beinarbeit und Passmechaniken im Unterkörper sogar noch nachbessern kann, ist Hooker ein wirklich sehr ernstzunehmendes Prospect für den kommenden NFL Draft. 

Seine Hauptanspielstation ist neben Junior Jalyn Hyatt, der voraussichtlich noch ein weiteres Jahr am College bleiben wird, Cedric Tillman. Groß gewachsen, ist Tillman in Contested Situationen ein stets sicherer Receiver. Pünktlich zum Topspiel meldete sich der potentielle X-Receiver im letzten Spiel von einer Verletzung zurück und dürfte gemeinsam mit Hyatt darauf brennen, die schweren Matchups mit Cornerback Kelee Ringo und weiteren hervorragenden Defensive Backs auf sich zu nehmen. 

Ringo ist in diesem Jahr exzellent gegen kräftigere Receiver einsetzbar und liefert hier vor allem als direkter Manndecker einem Prospect wie Tillman ein schweres Matchup. Gelegentlich geht er zu optimistisch an den Catch Point und lässt dem Passempfänger anschließend zu viel Freiraum, wenn er das Play verpasst. Das sollte ihm in der Kombination aus Hooker und Tillman oder Hyatt besser nicht passieren. 

Garant für die gute Offensive der Vols ist auch die Offensive Line, die es mit dem härtesten Matchup der Saison zu tun bekommt. Georgia bietet mit Jalen Carter und Nolan Smith gleich zwei potentielle Firstrounder, wenn nicht gar Top Ten Picks für den kommenden Draft auf. Smioth fällt allerdings verletzt bis zum Saisonende aus.

Right Tackle Darnell Wright spielt eine bestechende Saison und wird sich vor allem dem Pass Rush von Smith erwehren müssen. Wright ist athletisch, Run Blocks führt er in sauberen und raschen Bewegungen aus. In Pass Protection musste er sich immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, sich zu sehr in seine Gegenspieler vorzulegen, obwohl er der Quickness doch gewachsen sein müsste. 

 

 

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Gegen die LSU Tigers und Speed Rusher B.J. Ojulari, sowie gegen Alabama und Will Anderson bewies er aber vor kurzem eindrucksvoll, dass er in seinen Pass Sets wesentlich gelassener vorgeht und auch athletischen Matchups mehr als gewachsen ist. Mit dem Pass Rush der Bulldogs will er es nun genauso fertigbringen und weitere potentiell zukünftige NFL Starter aus dem Spiel nehmen.

Gelingt es Tennessee, seinen Angriff, wie in den letzten Wochen, öfter zu entfalten, wird es tatsächlich schwierig für Georgia, einen möglichen Shootout mitzugehen. Der Bulldogs-Angriff um Quarterback Stetson Bennett wurde bereits im Vorjahr von seiner exzellenten Defense bis zur Meisterschaft getragen. Aber Tennessee sieht ganz nach dem Kaliber aus, das zum ersten Mal die Abwehrreihen in Gefahr bringen kann. Sehen wir also, was passiert, wenn der Champion aus der Reserve gelockt wird und zum ersten Mal in diesem Jahr alles aus sich herausholen muss. 

 

#6 Alabama Crimson Tide @ #10 LSU Tigers

Sonntag, 6. November 2022

Kickoff: 0:00 Uhr

Tiger Stadium in Baton Rouge, Louisiana

 

Zwar verlor Alabama jüngst gegen Tennessee. Der Weg ins Conference Championship Game geht in der SEC West aber weiterhin nur über die Crimson Tide. Gewinnt das Team von Head Coach Nick Saban gegen LSU und in einer Woche gegen die Ole Miss Rebels, sind sie klar die Nummer Eins. Das will aber auch Tigers-Coach Brian Kelly schaffen, der mit seiner Mannschaft gerade erst die Rebels aus dem Weg räumte und selbst die Divisionsmeisterschaft noch aus eigener Kraft holen kann. 

Beide Trainer respektieren sich sehr, was für die teils großspurigen Kampfansagen in der SEC schon fast ungewöhnlich ist. Obwohl Saban und Kelly beide um die Spitzenposition kämpfen und bis vor wenigen Tagen um Fünf-Sterne Rekrut und Quarterback Julian Sayin buhlten, gratulierte Brian zum Auftakt der ersten Pressekonferenz zuallererst dem 71-jährigen Nick zu seinem Geburtstag, ehe er sich den Fragen der Journalisten stellte. 

Vielleicht braucht die Begegnung aber auch gar keine zusätzliche Würze. Sowohl LSU als auch Alabama produzieren NFL Talent am Fließband und so finden sich auch diesmal massig Prospects für den NFL Draft 2023 auf beiden Seiten. Saban coachte einst die Tigers und gewann bis heute die meisten National Championships als Trainer im College Football. Die fehlt Kelly noch, der erst im letzten Winter von der Notre Dame nach Louisiana wechselte, um dort mit den Tigers den letzten großen Erfolg aus der Saison 2019 zu wiederholen. 

Nebenbei sei erwähnt: Der kalifornische Nachwuchs-Quarterback Sayin entschied sich kurz vor dem Spitzenspiel für die Crimson Tide. Damit gewinnt das Spiel an weiterer Brisanz. 

Doch jetzt ist immer noch Bryce Young am Ruder. Der Heisman Trophy Gewinner bringt Pässe aus jeder erdenklichen Lage überall auf dem Feld an und lässt sich nicht einmal in höchster Not aus der Ruhe bringen. Seine Pocket Präsenz und die Art und Weise, wie er dem Druck nicht ausweicht, sondern selbstbewusst die Pocket hinaufklettert sind es, wovon sich manche NFL Starter sogar noch eine Scheibe abschneiden können. 

Obwohl sein Supporting Cast nicht mit denen der Vorjahre zu vergleichen ist, legt Young erneut sehr gute Zahlen auf. Nach den Abgängen von John Metchie und Jameson Williams, ist Runningback Jahmyr Gibbs der Dreh- und Angelpunkt seiner Angriffsbemühungen. Mit 98 Carries und 31 Receptions gehen über 28 Prozent aller Ballkontakte in Alabamas Offense auf das Konto von Gibbs, was zeigt, wie stark und vielseitig der Transfer von Georgia Tech ist, aber auch wie anfällig aufgrund ihrer Eindimensionalität die Offense eigentlich ist. 

Seit der Niederlage gegen Tennessee versucht Offensive Coordinator Bill O’Brien deshalb auch die Receiver Ja’Corey Brooks und Jermaine Burton besser einzubeziehen. Bisher aber nur mit geringem Erfolg. Vor allem Burton, der gerade erst vom Champion aus Georgia nach Alabama wechselte, ist eine Enttäuschung. Von einem solch athletischen Passempfänger im Zusammenspiel mit dem besten Quarterback im College Football erwartet man sich einfach mehr.

 

 

Gegen LSUs Cornerback Mekhi Garner wird es schwer für ihn, in der bisherigen Form ein besonderes Ausrufezeichen zu setzen. Garner ist wie geschaffen für dieses Matchup, groß, langarmig und beweglich und sollte auch für NFL Teams als einer der besseren Defender im nächsten Draft gelten. Ein gutes Tape gegen Quarterback Bryce Young und sein Name klettert die Boards noch ein Stück hinauf. 

Seinem Team würde dies natürlich ebenfalls helfen, denn sollte Alabama sich erneut nur auf Jahmyr Gibbs verlassen können, dürften die Tigers eine echte Bedrohung für die Siegesbemühungen der Crimson Tide darstellen. 

LSU verteidigt ganz ordentlich und mit Quarterback Jayden Daniels befindet sich einer der Shootingstars der diesjährigen Saison in ihren Reihen. Der ehemalige Quarterback von Arizona State kommt bereits auf 21 Touchdowns, von denen er neun mit den Beinen erzielte. Ein echter Dual-Threat Quarterback also, der zugegeben noch nicht alle Würfe in seinem Köcher hat und nur ungenügend außerhalb der Nummern in Richtung Seitenlinie attackieren kann. 

Dafür ist er ein extrem gefährlicher Runner, der Linebacker und Safeties dazu zwingt, die Box vollzumachen. Während sich die Defensive Backs Jordan Battle, Brian Branch und DeMarcco Hellams vor allem durch gute Coverage Fähigkeiten auf mittleren und tiefen Ebenen auszeichnen, wird Middle Linebacker Henry To’o To’o in diesem Spiel weitere Unterstützung im Tackling benötigen. Wir werden sehen, welcher der drei Safeties sich am ehesten für diese Rolle eignen wird. 

Doch auch dann sollte das Passing Game respektiert werden. Kayshon Boutte galt vor der Saison als einer der besten Wide Receiver dieser Draftklasse und kommt nach überstandener Verletzung allmählich wieder in Fahrt. Seine sechs Receptions für 115 Yards im Spiel gegen Florida sind vielleicht die Initialzündung einer Aufholjagd im Draftprozess. Denn Boutte ist schnell, spritzig, spielt mit guter Beinarbeit und Übersicht und liefert mit harten Cuts im Route Running vor und nach dem Catch der gegnerischen Verteidigung eine echte Herausforderung. Boutte kann einfach alles und wenn er jetzt gesund bleibt, ist das Rennen zum ersten Receiver, der im Draft gewählt wird, wieder völlig offen. 

Die Favoritenrolle mag klar an Alabama gehen. Niemand traut LSU so früh nach dem Trainerwechsel bereits zu, ein so wichtiges Spiel zu gewinnen und ins Endspiel um die SEC Championship einzuziehen. Doch im “Death Valley” der Tigers muss Sabans Team erst einmal gewinnen. Bisher zeigen sie sich anfälliger als in den Vorjahren. Doch gerade dann war BAMA immer am gefährlichsten. 

 

Hinweis in eigener Sache: Es gibt häufig weitere Draft Prospects, die für einen angenehmen Lesefluss jedoch nicht in der Kolumne genannt werden. Infos dazu gibt es dazu häufig während des Spiels auf meinem Profil via Twitter @Draft_Nerd und im Podcast “Die Stars von Morgen”. Wenn Du also weitere Hintergründe und Facts zum College Football und NFL Draft erhalten möchtest, folge mir auf Twitter und lausche gern dem kurzweiligen Podcast von Lorenz Leinweber @ScoutingLenz und @Draft_Nerd. Hier geht’s zum Twitter Feed!