Tyler van Dyke kann mit den Miami Hurricanes einen wichtigen Sieg erringen. Credit: Imago Images / ZUMA Wire / Scott Kinser

Woche 3 im College Football hält für uns einige spannende Geschichten bereit. Gleich mehrere Duelle zwischen zwei in den Top 25 gerankten Schulen wird es geben und pünktlich zum ersten Conference internen Spiel grüßen die Georgia Bulldogs wieder vom ersten Platz. Wie gehen sie die Begegnung auswärts gegen South Carolina an? Erlauben die Ole Miss Rebels bei Georgia Tech erneut nicht mehr als zehn Punkte und bestechen weiterhin mit ihrer Defense und ihrem Laufspiel? Kann sich Texas A&M nach einem Dämpfer gegen Appalachian State im Top 25 Matchup mit den Miami Hurricanes in den Favoritenkreis zurückkämpfen oder ist die Saison nach einer weiteren Niederlage praktisch abgehakt?

Gamecocks Quarterback Spencer Rattler gegen die beste Defense des Landes ist aus Sicht der NFL Scouts sicher eine interessante Paarung. Und am Sonntagmorgen wissen wir endlich, wo Miami in diesem Jahr steht. Für die Hurricanes und ihren neuen Head Coach Mario Cristobal ist das Aufeinandertreffen mit den Aggies damit der erste echte Härtetest. Besonders diese und weitere ACC vs. SEC Paarungen des Wochenendes sind vielversprechend. 

 

#1 Georgia Bulldogs @ South Carolina Gamecocks

 

Samstag, 17. September 2022

Kickoff: 18 Uhr

Williams-Brice Stadium in Columbia, South Carolina

 

Die Georgia Bulldogs bei South Carolina mit dem ehemals als besten Quarterback im College Football betitelten Spencer Rattler gegen die beste Verteidigung des Landes. Das Spiel läuft auf ProsiebenMaxx zur Abendbrotzeit. Der amtierende National Championship ist zum ersten Mal in dieser Saison an Nummer Eins gerankt und geht als klarer Favorit ins Spiel gegen die Gamecocks. Diese verloren letzte Woche gegen die Arkansas Razorbacks mit 44-30. Die Paarung war ebenfalls im deutschen Free-TV zu sehen. 

In Georgia setzen die Bulldogs weiter auf Walk-On-Quarterback Stetson Bennett und ein unverzichtbares Laufspiel. Hier tat sich in den ersten zwei Wochen vor allem Kendall Milton positiv hervor. Nachdem Alabama in der Vorwoche gegen Texas gerade so mit einem blauen Auge davongekommen ist, will Georgia weiterhin seiner Favoritenrolle gerecht werden und auch über South Carolina, wie bereits über Oregon, hinwegfegen. Damit würden sie sich weiter von der Konkurrenz im Süden absetzen. 

 

Obwohl Bennett bis heute keine ordentliche Pocket Präsenz aufbauen konnte, verteilt er seine Pässe auf mittleren und kurzen Ebenen, so wie es sein Team von ihm braucht. Slot Receiver Kearis Jackson konnte so bereits fünf Receptions für 78 Yards verarbeiten. Was dem schnellen vertikalen Ziel bisher noch fehlt, ist ein Touchdown. Das liegt unter anderem auch daran, dass er sich physisch zu selten in engen Räumen durchsetzt und dann auch zu Drops neigt. Scouts wollen mehr als nur Highlight Plays von Jackson sehen. Gerade gegen Cam Smith, der sehr instinktiv und wendig in der Rückwärtsbewegung spielt, wird er sein Können unter Beweis stellen müssen. Der ist nämlich ebenfalls nicht der körperlichste Defender. 

 

Doch am Ende wird es ohnehin wieder auf das Laufspiel ankommen. Left Tackle Broderick Jones ist ein exzellenter Run Blocker und häufig auch im zweiten Level zu finden. Gegen Jordan Burch und Jordan Strachan kann er am Samstag aber zeigen, dass er seinem Quarterback außerdem die Pocket sauber halten kann. Burch ist eher roh und kommt über seine Athletik zum Quarterback. 

 

Weniger kräftig und demnach alle Hände mit dem Run Blocking von Jones zu tun haben wird Strachan. Der zieht gern innen durch und besitzt die ein oder andere technische Raffinesse. Broderick Jones wird es daher mit sehr unterschiedlichen Typen aufnehmen. Ein hervorragender Test für NFL Scouts. 

 

Selbst wenn es den Gamecocks gelingt und sie die Offense der Bulldogs ins Straucheln bringen können, wird Neuzugang Spencer Rattler gegen die überragende Defensive Line aus Georgia kaum Luft zum Atmen bekommen. Viele Playmaker konnten dort bisher überzeugen. Doch bei Nolan Smith fehlt aktuell die Durchschlagskraft. Im direkten Duell mit Right Tackle Dylan Wonnum wäre dieses Spiel für Smith genau der richtige Zeitpunkt auf Quarterback-Jagd zu gehen. Vor allem in Pass Sets bietet der kräftige Tackle Wonnum einen echten Härtetest. 

 

Erhält Rattler von Wonnum und seinen Kollegen in der Offensive Line die nötige Zeit, kann er sauber und energisch aus der Pocket heraus seine Offense aufziehen. Gelingt dies nicht, was gegen die Bulldogs Defense und aufgrund der letzten Einsätze zu erwarten ist, steht Rattler ein langer Tag bevor. Georgia kann hier deutlich gewinnen. Aufgrund der Matchups gibt es aber das Potential eines sogenannten “Trap Games”.

 

#20 Ole Miss Rebels @ Georgia Tech Yellow Jackets

 

Samstag, 17. September 2022

Kickoff: 21:30 Uhr

Bobby Dodd Stadium in Atlanta, Georgia

 

Später geht es auf ran.de und DAZN weiter. Es ist die erste Begegnung der Ole Miss Rebels und der Georgia Tech Yellow Jackets seit 2013 und viel ist seitdem passiert. Die Rebels sind mit Head Coach Lane Kiffin ambitioniert mit zwei deutlichen Siegen gestartet. Georgia Tech arbeitet hingegen weiterhin am Umbau seiner Offense unter Cheftrainer Geoff Collins, der länger dauert als erwartet. Die Jackets wollen nun sehen, wo sie stehen. 

 

 

Ole Miss ließ in der Vergangenheit unter Kiffin immer wieder die nötige Kontinuität vermissen. GT kann einen solchen Favoriten an einem guten Tag ärgern. Gemeinsam mit Quarterback Jeff Sims können sie massiv Punkte auflegen. Der Spielmacher ist mobil und in vielen Dingen mehr als solide. Er wäre nicht der erste QB, der nach einem auffälligen Matchup gegen ein SEC-Team plötzlich die Boards hinaufklettert.

 

Unterstützt wird die Offense auch von der Defense, was gegen den Favoriten aus Mississippi bitter nötig ist. Das Laufspiel von Zach Evans hinter einer guten Offensive Line um Left Guard Nick Broeker muss weitestgehend unterbunden werden, damit die Jackets im Spiel bleiben können. Der unnachgiebige Run Blocker ist zwar noch nicht besonders effektiv im zweiten Level, kann aber der Defensive Line gehörigen Ärger bereiten. 

 

Für diese Aufgabe haben die Yellow Jackets in der vorletzten Offseason einen Defensive End von Old Dominion zum Transfer bewegt. Keion White ist sehr kräftig gebaut und schaffte in den ersten beiden Spielen bereits drei Tackles for Loss. Ihn häufiger ins Backfield zu bringen, wird Schlüssel zum Sieg für Georgia Tech sein. Gelingt das nicht, wird Sims allein kaum den Unterschied ausmachen und Kiffin mit seiner dynamischen Offense Georgia Tech überflügeln. 

 

#13 Miami Hurricanes @ #24 Texas A&M Aggies

 

Sonntag, 18. September 2022

Kickoff: 03:00 Uhr

Kyle Field in College Station, Texas

 

Miami reißt an Nummer 13 gerankt nach Texas zu den an 24 gerankten Aggies. Vor über einer Woche war die Favoritenrolle noch sehr klar verteilt, doch jetzt schielen die Hurricanes auf den ersten möglichen Gewinn gegen ein SEC-Team seit 2013. Dazu müssten sie zwar besser spielen als in Halbzeit Eins der Vorwoche gegen Southern Miss, aber genauso wird Texas A&M von Beginn an nach einer desolaten Vorstellung vor sieben Tagen gefordert sein. 

 

 

Texas A&M ist zu Hause leichter Favorit, doch wird das Team um Mario Cristobal die Chance wittern und versuchen, sich in die Spitze des College Footballs nach jahrelanger Abstinenz zurückzuspielen. Selbst wenn dies nur einer Momentaufnahme gleichkäme, da sich die Canes in einem notwendigen Umbruch befinden, wäre es ein wichtiger Achtungserfolg und eine erste Bestätigung dafür, dem eingeschlagenen Prozess weiter zu vertrauen. 

 

Aus der Draftperspektive wird es ein Matchup zwischen Miamis Quarterback Tyler van Dyke und der Aggies-Defense um Safety Demani Richardson. Ein reibungsloser Angriff, der allmählich seinen Takt gefunden haben sollte, ist essentiell für einen Erfolg der Hurricanes. Van Dyke muss dazu weiterhin genau arbeiten, nun aber langsam mehr seinem Arm vertrauen und auch tiefe Bereiche des Feldes attackieren. 

 

Dies würde Richardson einiges abverlangen, zumal Texas A&M häufig mit Single-High Safety spielen muss, um den Lauf halbwegs anständig zu stoppen. Dabei sollte van Dyke jedoch die Coverage Skills des Safeties nicht unterschätzen und auch die Außenbahnen attackieren.

 

Alles in allem hat Miami hier eine realistische Chance, auswärts gegen einen SEC-Opponent einen großen Sieg zu erringen. Wenn die Aggies jedoch auf Revenge aus sind, und das sollten sie nach der Niederlage gegen Appalachian State sein, sollte das bessere Team gewinnen. Das ist A&M jedoch bereits vor einer Woche nicht gelungen.