Bryce Young: Diesmal soll neben der Heisman Trophy auch die National Championship für Alabama geholt werden. Credit: Imago Images / ZUMA Wire / John Mersits

Texas empfängt Alabama. Sicherlich ist die Paarung das meistgesehene Match an diesem Tag. Auch wenn die Begegnung offiziell in Deutschland nicht zu sehen ist, da ProsiebenMaxx ausschließlich Spiele von ESPN ausstrahlt und diese Partie auf FOX übertragen wird, muss darüber in der Vorschau gesprochen werden. Spannende Matchups aus der Draftperspektive gibt es dann außerdem bei Tennessee in Pittsburgh und Florida vs. Kentucky. 

Nachdem in Woche Null die Northwestern Wildcats über die Nebraska Cornhuskers siegten und wir bereits am ersten Spieltag einige bemerkenswerte Spiele sehen durften, warten nun alle College Fans auf eine spektakuläre Woche 2. Darunter sind vor allem einige Teams aus der Southeastern Conference gefragt. 

 

Alabama Crimson Tide @ Texas Longhorns

Samstag, 10. September 2022

Kickoff: 18 Uhr

DKR-Texas Memorial Stadium in Austin, Texas

 

Viel wurde im Vorfeld der Saison über die Dominanz der Alabama Crimson Tide berichtet. Nun erfolgt der erste echte Härtetest. Gegen die Texas Longhorns kommt es für Head Coach Nick Saban zu einem Wiedersehen mit seinem ehemaligen Offensive Coordinator Steve Sarkisian. Bisher sah der erfahrene Trainer immer gut gegen Mannschaften seiner früheren Assistenztrainer aus und auch hier ist ein Sieg der Star besetzten Truppe aus Alabama zu erwarten. 

Texas ist zwar hochgelobt, doch das waren sie bereits im letzten Jahr, als sie am Ende mit Mühe und Not fünf Saisonsiege holten und sogar eine Einladung zu den Bowl Games verpassten. Auch das Spiel gegen den SEC-Primus sollte eher ein Dämpfer für die hohen Erwartungen werden, denn ein Hoffnungsschimmer auf die Zukunft. Doch genau dort liegt die Möglichkeit für Texas. Denn waren sie in anderen Paarungen der Favorit und enttäuschten, spielen sie diesmal aus der Rolle des Underdogs. Das könnte sie zu einer Überraschung beflügeln. 

Quarterback und Heisman Trophy Gewinner Bryce Young wird einen möglichen Wackler des Favoriten verhindern wollen und konstant wie eh und je seine Offense dirigieren. Dabei ist er alles andere als ein konservativer Game Manager. Young vertraut seinem großen Armtalent und bringt auch in Drucksituationen noch tiefe Pässe auf seine Receiver an. 

Seine Passempfänger heißen nun aber nicht mehr Jameson Williams und John Metchie, sondern Tyler Harrell und Jermaine Burton. Lediglich Tight End Cameron Latu ist geblieben. Sogar auf Runningback gibt es eine Veränderung mit Jahmyr Gibbs. 

Vieles hängt also an Young und seinen Künsten, die neue Formation schnell in Takt zu bringen. Dabei unterstützt ihn immerhin eine erneut erstklassige Offensive Line mit den Guards Emil Ekiyor und Javion Cohen. 

Defensiv sind die Crimson Tide ebenfalls herausragend besetzt. In der Secondary werden Malachi Moore, Eli Ricks, Jordan Battle und Brian Branch den Passangriff vom jungen First Year Starter Quinn Ewers vereiteln, weshalb die Longhorns gut daran tun, gegen einen überlegenen Gegner auf ihr Laufspiel um Star-Runningback Bijan Robinson zu setzen. 

Der große und physische Runner spielt auffallend agil und wurde in der Vergangenheit nie im Zaum gehalten. Vor allem gegen Alabama muss er den Unterschied ausmachen, wenn er gegen die Front Seven aus Byron Young, Will Anderson und Henry To’o To’o anläuft. 

 

 

Es wird vor allem To’o To’o sein, auf den NFL Scouts hier genau schauen werden. Vor allem im Run Stop zwischen den Tackles gilt der Linebacker als phänomenales Talent. Kann er das gegen einen elitären Runner wie Robinson ausspielen, wird er in der Gunst vieler Teams steigen. Dabei kommt es auch darauf an, wie gut To’o To’o mittlerweile das Spiel bereits vor und unmittelbar nach dem Snap lesen kann. 

Alles in allem sind die Crimson Tide noch ein zu großes Kaliber für die Longhorns. Da sollten Fans aus Texas nicht zu viel erwarten und sich eher auf die eigene Conference konzentrieren. Mit Alabama muss man erst in ein paar Jahren mithalten. Und das sollten auch die Anhänger, die sich so häufig in Geduld üben müssen, beherzigen. 

 

Tennessee Volunteers @ Pittsburgh Panthers

Samstag, 10. September 2022

Kickoff: 21:30 Uhr

Acrisure Stadium in Pittsburgh, Pennsylvania

 

Das Heinz Field heißt nun Acrisure Stadium und beheimatet neben den Pittsburgh Steelers aus der NFL auch die Pittsburgh Panthers vom College. Zum ersten Heimspiel nehmen es die Panthers mit niemand geringerem als den Tennessee Volunteers auf. Die Vols sind topmotiviert und gehen so fokussiert wie lange nicht mehr in die Saison. Gab es in der Vergangenheit häufig Querelen um Trainer, Quarterback oder Offield Issues, scheint es diesmal wirklich ein erfolgreiches Jahr für Tennessee werden zu können. Coach Josh Heupel hat das Team im Griff.

Für Pittsburgh verlief die Vorbereitung unruhiger. Der Abgang von Quarterback Kenny Pickett in die NFL war erwartet worden. Doch spielt man sich seit dem Frühjahr mit Neuzugang Kedon Slovis von der USC ein, während der BiletnikoffAward GewinnerAward Gewinner Jordan Addison zu diesem Zeitpunkt an die USC wechselte. Es ist schwer zu sagen, wie gut die Panthers sich zur Titelverteidigung in der ACC gerüstet fühlen. Immerhin, nach dem Spiel gegen einen starken SEC-Opponent aus Tennessee wissen sie sicherlich mehr. 

Auf dem Papier hat die Genauigkeit von Kedon Slovis in jedem Jahr abgenommen. In seiner neuen Offense sind aber vor allem eigene Spielerkennung und Kurzpasspiel gefragt, was dem Quarterback von Pittsburgh in die Hände spielen sollte. Wie gut er sich bereits nach kürzester Zeit eingelebt hat, wird vor allem Tennessees Offense offenbaren, die mit Receiver Cedric Tillman und Quarterback Hendon Hooker aggressiv spielen und einen echten Shootout mitgehen können. Ähnlich wie im letzten Jahr dürfen Fans eine Überschreitung der 70-Punkte-Marke erwarten. 

In den Trenches kommt es dazu zu einem schönen Matchup aus Draftperspektive und für europäische College Fans. Der Italiener und Edge Defender Habakkuk Baldonado lebt vor allem von seinem explosiven Antritt an der Line of Scrimmage und zeichnete sich 2021 mit neun Sacks aus. Dem in Rom geborenen und aufgewachsenen Defender gegenüber stellt sich nun Right Tackle Darnell Wright. Während Vorgänger Cade Mays dem schnellen, aber weniger technischen Pass Rush Baldonados im Vorjahr nicht gewachsen war, versucht nun der agile Wright sein Glück. Doch auch er hatte in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit den schnellen Jungs. Vielleicht wird ihm der Wechsel auf die rechte Seite nun helfen. 

 

 

Zumindest eine Sache ist sicher. Eine spektakuläre Partie mit einigen tiefen Passversuchen ist bei Quarterback Hooker vorprogrammiert. Wofür das letztendlich reichen wird, kann nur schwer prognostiziert werden. Nach der Partie wissen beide Mannschaften schon mehr darüber, ob es dieses Jahr um Divisions-Titel gehen kann oder ob das Mittelfeld auf sie wartet. 

 

Kentucky Wildcats @ Florida Gators

Sonntag, 11. September 2022

Kickoff: 01:00 Uhr

Ben Hill Griffin Stadium in Gainesville, Florida

 

Nachdem Kentucky den ersten Saisonsieg über Miami (OH) feierte, reisen die Wildcats nun nach Gainesville zu den Florida Gators. Das SEC-Battle steigt um 1 Uhr nachts unserer Zeit im Ben Hill Griffin Stadium und es wird für beide Teams richtungsweisend. 

Von 1987 bis 2017gewannen die Gators in dreißig Jahren ausnahmslos über die “Basketball-Uni”. Seitdem geht es jedoch enger zu und mit Quarterback Will Levis im Gepäck werden die Wildcats sogar in den Top 25 gerankt und gelten auswärts als favorisiert. 

Dabei stehen auf beiden Seiten potentielle Quarterback-Kandidaten für die erste Runde im NFL Draft 2023. Zwar muss Floridas Anthony Richardson weiter an seiner Genauigkeit und seinen Passmechaniken arbeiten, doch ist der mobile Playmaker eine echte Highlight-Maschine. Richardson muss den Scouts aber mehr zeigen. 66 Passversuche in zwei Jahren College sind keine angemessene Sample-Size für einen angehenden NFL Starter. Da hilft es auch nicht, als besonders athletisch zu gelten. Etwas mehr im Passing Game muss der junge Gator-Spielmacher schon zeigen. 

Will Levis kommt für Kentucky bereits auf 455 Passversuche. Davon brachte er durchschnittlich über 64 Prozent an den Mann und konnte seine Genauigkeit statistisch von Jahr zu Jahr steigern. Was auffällt: Levis überzieht manchmal, will ein Play zu sehr. Daran sollte er weiter arbeiten, denn vor allem in der SEC erhält der Quarterback einen Vorgeschmack darauf, was NFL Defenses zukünftig aus solchen Möglichkeiten machen werden. 

Scouts ist jedoch ein Spieler lieber, den man erst noch einfangen muss als ein Spielmacher, dem man das nötige Selbstvertrauen erst noch beibringen muss. Levis wird auch als Führungsspieler in einer solchen Partie sein Können unter Beweis stellen und mit den Wildcats tatsächlich auswärts in Florida gewinnen, so die Prognose.