HEFT #50

Ausgabe OKTOBER 2021

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Welche Auswirkungen haben die neuen NIL Regelungen im College Football?

Die Ohio State Marching Band in der Halbzeitpause des Fiesta Bowls Die Ohio State Marching Band in der Halbzeitpause des Fiesta Bowls Imago Images / ZUMA Wire / Charles Baus
Es brauchte jahrelange Debatten, in die sich sogar der U.S. Supreme Court mit einer Empfehlung einschaltete und Gesetzesänderungen in mehreren Staaten, bis College Athleten endlich erlaubt wurde, ihre persönlichen Rechte am Namen und ihrem Bildnis selbst zu kommerziellen Zwecken zu nutzen. Damit ist der Weg frei für Werbetreibende oder Videospiele-Hersteller künftig die Stars der Colleges zu engagieren. Seit dem 01. Juli ist die neue NIL Regelung (Name, Image, Likeness) in Kraft und nach ein paar Tagen Beobachtung, schauen wir uns einmal die Auswirkungen an.

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Viele ehemalige College Athleten zelebrierten die Einführung des neuen Gesetzes, indem sie in Erinnerungen schwelgten und sich fragten, wie sie sich wohl ihre Taschen voll gemacht hätten, wenn es die längst überfällige Regelung bereits zu ihrer aktiven Zeit gegeben hätte.

Erste Spieler nutzen die Gelegenheit

So wie es manch aktiver Sportler jetzt tut. Einige große Namen verkündeten unmittelbar nach der Freigabe ihrer Namensrechte erste Kooperationen und Angebote. So zum Beispiel Texas Longhorns Runningback Bijan Robinson, der die Nachricht verbreitete, seine Cameo-Seite wäre nun “open for business”. Von ihm erstellte Videos könnten zukünftig für jeweils $100 US-Dollar genutzt werden.

Ole Miss Quarterback Matt Corral verlangt gleich $10.000 US-Dollar pro Stunde sollte ihn jemand über den Anbieter Dreamfield buchen wollen. Das Unternehmen vermittelt zu teils horrenden Preisen “Meet and Greets”, Autogrammstunden, Foto Sessions und Coaching Programme für seine College Athleten. Neben Corral zählen auch McKenzie Milton und D’Eriq King zum namhaften Portfolio.

EA Sports wagt den Vorstoß

Viele Fans hoffen seit längerem auf die Rückkehr des EA Sports Videospiel-Klassikers NCAA. Bisher scheiterte dies an der Beschaffung der Namens- und Bildrechte. Jetzt könnte es bald eine Einigung geben, von der alle College Football Spieler auf dem FBS-Level profitieren dürften:

"Wir beobachten die jüngsten Entwicklungen in Bezug auf Name, Image und Konterfei von Studenten-Athleten sehr genau. Es ist noch ein sehr frühes Stadium und wir planen, die Möglichkeit zu prüfen, Spieler in EA SPORTS College Football aufzunehmen. Vorerst konzentriert sich unser Entwicklungsteam auf die Zusammenarbeit mit unseren Partnern bei CLC, um sicherzustellen, dass das Spiel den großartigen College-Football-Sport und die mehr als 100 Institutionen, die sich für unser Spiel angemeldet haben, authentisch präsentiert."

EA Sports ist also weiterhin interessiert, nach der letzten Auflage 2014 bald wieder ein College Football Videospiel auf den Markt zu bringen. Aber es wird sicherlich noch eine Weile dauern. Im Raum steht zwar der Sommer 2023, dieses Datum für den Release kann jedoch bisher nicht bestätigt werden. Es scheint sich aber etwas zu bewegen.

Persönliche Meinung

In meiner Kolumne versuche ich mich mit meiner persönlichen Meinung abseits der Draft-Expertise zurückzuhalten. Unter College Football Fans wurden das Gesetz und die langen Verhandlungen aber ähnlich heiß debattiert, wie in der Öffentlichkeit, weshalb ich hier einmal etwas dazu sagen möchte.

Auswüchse, wie bei der Dreamfield Company, geben den Kritikern am neuen Gesetz sicherlich Rückenwind. Doch haben sich die schlimmsten Befürchtungen nicht bestätigt. Sorge davor, im Locker Room könne eine Schere zwischen ärmeren und reicheren College Athleten entstehen, wirkten im Land des Anti-Kommunismus ohnehin befremdlich, waren aber unbegründet. Bisher ließen fast alle Führungsspieler verlauten, ihre Einnahmen gerecht mit Mitspielern zu teilen und das Geld vor allem für Studierende aufzuwenden, die ohne Stipendium das Footballprogramm begleiten.

Außerdem ist dieses Gesetz längst überfällig. Keine Organisation kann die Rechte an persönlichen Namens- und Bildrechten halten, ohne den Inhaber dafür zu entschädigen. Für die NCAA geht diese Ausnahmestellung nun flöten, hat sie selbst ihren Teil dazu beigetragen. Wäre sie früher bereit gewesen, mit College Athleten über eine mögliche Gewinnbeteiligung an den Einnahmen des Footballprogramms zu verhandeln, wäre eine Gesetzesänderung vielleicht gar nicht nötig gewesen. So muss sie jetzt mit manch negativer Entwicklung leben, ist die NCAA doch vorher ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden. 

Jetzt sollte nur noch Reggie Bush seinen verdienten Platz in die Rekordbücher des College Sports zurückerhalten.

Philipp Forstner

DraftNerdPhilipp Forstner, alias Draft Nerd, ist ehemaliger O-Liner und sammelte erste Erfahrungen als Autor bei "Beardown Germany". Er schreibt über den NFL Draft und College Football für TOUCHDOWN24 und beobachtet als Scout die zukünftigen und aktuellen Spieler der NFL.
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