HEFT #50

Ausgabe OKTOBER 2021

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College Football: Paukenschlag in der Big12

Lincoln Riley triumphiert im Red River Showdown Lincoln Riley triumphiert im Red River Showdown Imago Images / ZUMA Wire / Albert Pena
Für die meisten Vertreter der Big12-Conference war es eine schockierende Nachricht. Die Texas Longhorns und die Oklahoma Sooners bemühen sich, wie die Houston Chronicle am Mittwoch berichtete, darum, der Southeastern Conference beizutreten und damit Mitglied in der stärksten Conference im College Football zu werden. Solche Wechselgerüchte kommen in der Offseason immer wieder auf, doch selbst wenn sich SEC Commissioner Greg Sankey dazu vorerst nicht äußern möchte und Texas A&M Athletic Direktor Ross Bjork schnell abwiegelte, ist die Schlagzeile mehr als ein Aufreger im Sommerloch. 

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Die Spekulationen über einen Abgang der beiden wichtigsten Footballprogramme in der Big12 sind nicht neu. Nach diversen Bemühungen der beiden Powerhouses, ihrer Conference mehr Leben einzuhauchen und damit die eigene Marke zu stärken, scheinen die Entscheidungsträger nun die Geduld zu verlieren. Vor allem die Missouri Tigers und die Texas A&M Aggies versetzen die Gerüchte in Alarmbereitschaft. Sie verließen vor zehn Jahren die Big12 in Richtung SEC um selbst die Vorteile einer Zugehörigkeit beim Branchenprimus zu nutzen und wie Fans gerne behaupten, um der Dominanz aus Oklahoma und Texas zu entfliehen.

Vorteile für OU und Longhorns liegen auf der Hand

Natürlich ist es noch ein weiter Weg, bis zwei der größten College Footballprogramme der stärksten Conference beitreten und mit ihrer seit 1996 anhaltenden Verbundenheit zur Big12 brechen. Aber die Vorteile für Texas und Oklahoma sind zu verlockend. Wo ein Wille ist, da scheint auch immer ein Weg zu sein. 

Als Mitglieder der besten Conference im College Football steht die Tür zu wesentlich höheren Einnahmen aus TV-Geldern weit offen. Nicht zuletzt kann die SEC mit den Sooners und Longhorns an Bord sogar noch einen größeren Deal herausschlagen, als ohnehin bereits. Enge Spiele gegen weitaus stärkere Teams innerhalb der eigenen Conference als zum Beispiel Begegnungen mit den Kansas Jayhawks stehen beinah wöchentlich auf dem Plan und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, hoch dotierte Gamesc zur Primetime zu ergattern und den ESPN College Gameday mit seiner Entourage vor Ort zu erleben.

Was mehr TV-Präsenz und größere Competition im Bereich Recruiting ausmacht, lässt sich leicht abschätzen. Schon seit langem wissen High School Talente, dass sie sich für einen frühen Draftpick und dementsprechend hohem Rookiegehalt auf der größtmöglichen Bühne präsentieren müssen. Daher wollen sie für die potentiellen Playoffkandidaten spielen und in vielen Paarungen gegen die besten Konkurrenten auflaufen, damit Scouts sie im besten Fall wöchentlich besuchen. Aus Sicht der neuen NIL-Regelungen potenziert sich dieser Effekt nur noch weiter und mit der bald anstehenden Änderung des Playoffformats auf zwölf statt vier Teilnehmer könnte die SEC demnächst vier oder mehr Vertreter stellen. 

Wie sähe die neue SEC aus?

Basierend auf den Standorten der neuen und alten Footballprogramme in der Southeastern Conference könnte sich folgende Aufteilung ergeben:

SEC East

  • Alabama Crimson Tide
  • Auburn Tigers
  • Florida Gators
  • Georgia Bulldogs
  • Kentucky Wildcats
  • South Carolina Gamecocks
  • Tennessee Volunteers
  • Vanderbilt Commodores

SEC West

  • Arkansas Razorbacks
  • LSU Tigers
  • Mississippi State Bulldogs
  • Missouri Tigers
  • Oklahoma Sooners
  • Ole Miss Rebels
  • Texas Longhorns
  • Texas A&M Aggies

Damit wäre die ursprüngliche Southeastern Conference abgesehen von neuen Mitglied aus 1991 den South Carolina Gamecocks wieder vereint. In der SEC West tummeln sich dann die ehemaligen vier Gründungsmitglieder der Southwest Conference aus Arkansas, Oklahoma und beiden texanischen Vertretern. 

Weitere Gewinner neben Oklahoma und Texas

Logischerweise würde die ohnehin bereits übermächtige SEC von der Aufnahme zweier Powerhouses profitieren. Die Fernsehgelder sprudeln und für das Recruiting erhalten alle Teams weitere starke Argumente.

ESPN wird als Vertragspartner und Inhaber des SEC Networks zwar ordentlich nachverhandeln müssen, doch die Conference ist es Wert. Einschaltquoten und damit verbundene Vermarktungswege der neuen Super League spülen dem Heimatsender des College Sports mächtig Geld in die Kasse.

Die Verlierer stehen der Erweiterung im Wege

Allen voran die Oklahoma State Cowboys und die anderen verbliebenen Teams in der Big12 gucken bei einem Wechsel von Oklahoma und Texas in die Röhre. Selbst mit den beiden Topteams in der Conference fiel der Konkurrenz das Recruiting und das Erlangen medialer Aufmerksamkeit bereits schwer. Ohne die Longhorns und Sooners droht der Big12 die Degradierung zur Group-of-Five. Regelmäßige Playoffauftritte dürften der Vergangenheit angehören. 

Doch der größte Kritiker sitzt bereits in der SEC. Die Texas A&M Aggies verließen die Big12 nicht, um eine Dekade später ihre ungeliebten Rivalen erneut in der eigenen Conference zu begrüßen. Nach langer Eingewöhnungsphase scheinen die Aggies um Head Coach Jimbo Fisher endlich in der SEC angekommen zu sein. SEC-Konkurrenz im Recruiting allein im eigenen Staat Texas wird ihnen da alles andere als recht sein.

Nostalgiker und Kultfans im College Football beobachten die jüngsten Meldungen mit Argwohn. Erst die NIL-Regelungen und nun die bevorstehende Gründung einer Super League. Doch die Puristen sollten sich daran gewöhnen. Zum einen stand College Football immer schon im Wandel und war meist wesentlich näher am Zeitgeist als der populäre Vertreter aus der NFL. Und zum anderen wird die steigende Kommerzialisierung auch vor der College Welt nicht länger haltmachen. Die Spieler haben sich den Zugang zu Profiten verdient. 

Philipp Forstner

DraftNerdPhilipp Forstner, alias Draft Nerd, ist ehemaliger O-Liner und sammelte erste Erfahrungen als Autor bei "Beardown Germany". Er schreibt über den NFL Draft und College Football für TOUCHDOWN24 und beobachtet als Scout die zukünftigen und aktuellen Spieler der NFL.
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