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Dienstag, 23 Oktober 2018 12:23

Kommentar: American Football in Deutschland - Erzwungener Erfolg mit hohem Risiko

geschrieben/veröffentlicht von/durch Alexander Krüll
Ein Kommentar von Alex Krüll - American Football in Deutschland boomt, tausende Fans pilgern zu den London Games um die NFL Profis live zu erleben, die Stadien der deutschen Teams füllen sich immer mehr und immer mehr Menschen werden in den Vereinen aktiv und das Finale um den German Bowl vermeldete ein weiteres Mal einen Zuschauerrekord.

Doch der Hype, der vorallem den NFL-Liveübertragungen im Free TV auf ProSieben Maxx geschuldet ist, hat auch seine Schattenseiten. Die Insolvenz der Frankfurt Universe und jüngst der Kiel Baltic Hurricanes zeigt, der Hype überrollt die Vereine förmlich.

In den letzten Jahren standen einige traditionsreiche American Football Clubs am Rande der Insolvenz, die Düsseldorf Panther und ihre rheinischen Rivalen, die Cologne Crocodiles sowie auch die Berlin Adler mussten beinahe in die Insolvenz. In Düsseldorf stand man sogar kurz davor, das Senioren Team in die Regionalliga absteigen zu lassen um den Verein finanziell zu retten. Zu diesem Zeitpunkt war der Verein total überschuldet und organisatorisch in einem schlechten Zustand. Der neue Vorstand um den heutigen ersten Vorsitzenden Markus Becker brauchte einige Zeit um den ältesten Europäischen Football Club wieder auf finanziell gesunde Beine zu stellen.

Auch in Köln stand man kurz davor, das selbe Schicksal zu erleiden. Auch dort mussten die Verantwortlichen lange um die Existenz des Domstadt Clubs kämpfen. Anders lag der Fall in Frankfurt, wo sich die Gerichte mit den Gründen der Insolvenz beschäftigen müssen. Dort werden dem ehemaligen Geschäftsführer der Frankfurt Universe Betreiber GmbH Unterschlagung von Sponsorengeldern vorgeworfen. Vom finanziellen und marketingtechnischen Schaden konnte sich der Verein nicht erholen und musste im Laufe der Saison in die Insolvenz gehen. Im aktuellsten Fall sind die Kiel Baltic Hurricanes nun ebenfalls in die Insolvenz gegangen. Laut Kieler Nachrichten verkündete der Geschäftsführer der Kieler Football Vermarktungs GmbH & Co. KG, Gunnar Peter im Rahmen der Saisonabschlussfeier der Canes die Gründe für diese Entscheidung.  Die Kieler hatten in den letzten Jahren viel Geld in den Stadionausbau investiert, welches sie eigentlich für eine konkurrenzfähige Mannschaft eingeplant hatten. Wie die Kieler Nachrichten weiter berichten, werden die Canes ab sofort wieder unter dem Dach des Stammverein, der American Sports Club Kiel e.V in der GFL starten, der schon die Lizenz beantragt hat.

Doch woran liegt es, dass Football Vereine, trotz des Aufschwungs, in finanzielle Schwierigkeiten geraten? Als Erstes ist es wohl dem Konkurrenzdruck geschuldet. Vereine wie Frankfurt Universe, oder auch die Braunschweig NEW YORKER Lions, die mit viel Geld versuchen die GFL zu dominieren. Die “kleineren Vereine” versuchen diesen Teams Paroli zu bieten und investieren immer mehr Geld in teure Import Spieler bzw. in die Mannschaft. In den Vereinen sind meistens ehrenamtliche Kräfte für die Bereiche Marketing und Finanzen zuständig, welche wirklich bemüht sind. Doch die Entwicklung des American Football in Deutschland ist mittlerweile an einer Stelle angekommen, in der Profis diese Positionen besetzen sollten. Denn nur durch professionelle Strukturen, mit fundiert ausgebildeten Fachleuten, kann abgesichert werden, dass der Hype am Ende nicht die Vereine zerstört.

Die Deutsche GFL gilt momentan als die stärkste Liga in Europa, doch in den Vereinen und im Verband wird zum Teil noch wie in den frühen 90ern gearbeitet. Denn auch der AFVD bietet keine gute Außendarstellung, undurchsichtige Gelderverteilung, ein Präsident, der weniger die Interessen der Vereine und Landesverbände vertritt, als seine Persönlichen und nichts unversucht lässt, sich und seine Mitarbeiter in einem guten Licht zu präsentieren. Kritik, dass der AFVD alleine durch seine Internetpräsenz und Öffentlichkeitsarbeit noch in den späten 90ern Jahren feststecke, werden von dem Vorsitzenden Robert Huber ignoriert, oder einfach mit großen Presseerklärungen die meist wenig aussagen, oder zur Erheiterung bzw. Kopfschütteln bei den Lesern sorgen, abgekanzelt.

Schon die am Anfang des Jahres von tausenden Football Fans und Aktiven unterschriebene Petition, in der der Verfasser eine Offenlegung der Finanzströme des Verbandes forderte, wurde durch Robert Huber und den AFVD einfach ignoriert. Leider fanden sich nie genügend Landesverbände um im AFVD Druck auf Robert Huber aufzubauen und ihn zum Handeln zu zwingen.

In vielen Bereichen machen sich Fans und ehemalige Aktive ihre Gedanken. Eine Interessengemeinschaft, die die gemeinsame Vermarktung von den Teams der GFL und GFL2 übernimmt und somit den Verband Aussen vor lässt, ist nur ein Gedanke der dort schon zu hören war.

Denn solange der Verband und die Vereine nicht anfangen, die relevanten Positionen mit Profis zu besetzen, wird es schwer bis unmöglich für den American Football die nächsten Schritte zu gehen, die durch den momentanen Hype möglich wären.

Ein Kommentar von Axel Krüll

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