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Montag, 12 Juni 2017 12:50

BIG6 Finale 2017: Ein Rückblick auf das Event und überhaupt

geschrieben/veröffentlicht von/durch Thomas Filges
Ein Rückblick Ein Rückblick Fotos: C-Sportpics
Beim diesjährigen BIG6 Finale im Frankfurter Volksbankstadion gab es viel Licht, aber auch viel Schatten. Licht vor allem im Bereich der Organisation und Durchführung. Für Schatten sorgte das Spielergebnis aus Sicht der Universe-Fans und die Vorstellung einer Großveranstaltung im American Football.

Eines vorweg: Dieser Artikel ist kein Bericht über das eigentliche Spiel. Wer sich für die Sichtweisen der beteiligten Teams interessiert, der sei an dieser Stelle auf die jeweiligen Pressemitteilungen der Lions oder der Universe verwiesen. Die, die sich hingegen dafür interessieren, was neben dem Platz und fernab des eigentlichen Spielbetriebs passiert ist, die dürfen gerne weiterlesen.

Die vielen fleißigen und überwiegend ehrenamtlichen Helfer der Samsung Frankfurt Universe hatten ganze Arbeit geleistet um den zahlreichen Fans ein Football-Spektakel zu bieten welches so in Deutschland nur wenige Vereine auf die Beine gestellt bekommen und an dem sich viele Vereine ein Beispiel nehmen sollten. Ah, da sind sie wieder, die Stimmen die sagen: „Die Frankfurter haben ja auch Geld und da ist das dann ja auch nicht weiter schwierig.“ Allen die so denken, denen sei gesagt, es steht jedem frei in die Hände zu spucken und zu sagen was die Frankfurter können, können wir auch. Nur neidisch auf andere Vereine zu blicken die ihr Handwerk verstehen und die verstanden haben, dass Football immer auch ein Stück weit Entertainment ist, ist dem deutschen Football nicht würdig und bringt diesen in keinster Weise weiter voran. Neben den Frankfurtern gibt es auch weitere Vereine, die wissen, wie es geht. Es ist also nicht immer eine Frage des Geldes!

Nach allem was man im Vorfeld so von den Heimspielen der Universe zu hören und zu lesen bekam, waren unsere Erwartungen natürlich schon etwas höher als bei manch anderen GFL-Spielen. Insbesondere wenn man aus Berlin kommt, wird man hier doch bedauerlicherweise in Sachen Unterhaltung und Zuschauerkulisse und der damit in Verbindung stehenden Stimmung nicht sonderlich verwöhnt. In Sachen Stimmung sei ein Verein entschuldigt. Wenn sich ein Anwohner über „Lärm“ aus einem Fußballstadion gestört fühlt, ist das mit der aufkommenden Stimmung so eine Sache. Berlin halt. Aber dennoch, gerade in einer Stadt wie Berlin sollte in Sachen American Football eigentlich genau soviel möglich sein wie in Frankfurt. Auch hier gibt es Unternehmen mit Geld die man sicherlich für Football begeistern könnte. Doch dazu sind gewisse Anstrengungen und die richtigen Leute im Hintergrund von Nöten. So hätte man bspw. mit einem potentiellen Sponsor nach Frankfurt fliegen können, denn das, was hier geboten wurde, war Werbung für American Football pur. Mit dem richtigen und schlüssigen Konzept in der Tasche und der richtigen Crew im Hintergrund hätte man auf diesem Weg sicherlich einen finanzstarken Sponsor überzeugen und gewinnen können. Stattdessen setzt man zur Finanzierung seines Vereins auf Spenden oder hofft darauf, dass Sponsoren von alleine kommen. Aber sei es drum, es ist wie es ist.

AFVD Präsident Herr Robert HuberDoch zurück zum Geschehen in Frankfurt und zu einer Geschichte, die für uns und viele Kenner der Szene nicht ganz nachzuvollziehen ist. Der American Football Verband Deutschland e .V. nutzte das BIG6-Finale um kurz vor dem Kick-off Vertreter der Medien im Rahmen einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz über eine Großveranstaltung im American Football in Deutschland zu informieren. Als diese Einladung im Vorfeld die Runde machte, hofften viele bei dem Wort "Großveranstaltung" auf ein Pre-Season-Game der NFL. Haben sich die Frankfurter doch, nach unserem Stand der Dinge, für ein NFL-Game beworben. Ein Pre-Season Game würde ja auch Sinn machen, eine Art Test-Veranstaltung ob Frankfurt als Austragungsort überhaupt in Frage kommt und ob man überhaupt in der Lage ist, ein solches Event zu stemmen. Zusätzliche Nahrung bekamen diese Hoffnungen durch die Teilnahme von Patrik Meyer, seines Zeichens Geschäftsführer der Stadion Frankfurt Management GmbH, die sich für den Betrieb der Frankfurter Commerzbank Arena verantwortlich zeichnet. Eine Arena mit einer Kapazität von maximal 51.100 Zuschauerplätzen. Des Weiteren war AFVD-Präsident Robert Huber bei dieser Pressekonferenz anwesend.

Die Hoffnungen auf ein NFL-Game bekamen aber schon beim Betreten des Presseraums einen Dämpfer verpasst. Waren doch am Pressepult statt der erhofften NFL-Trikots „nur“ die Trikots des deutschen American-Football- Nationalteams zu sehen. Ergo musste es sich um die im kommenden Jahr stattfindende Europameisterschaft handeln und tatsächlich, bei der im Vorfeld angekündigten Großveranstaltung ging es tatsächlich um die EM. Ausgetragen werden sollen in der Commerzbank Arena im kommenden Jahr die Halbfinal-Spiele sowie das Finalspiel. Termine sind hier der 27.07.2018 sowie der 29.07.2018.

Viele Medien-Vertreter waren bei dieser PK nicht zugegen, woher sollen sie auch kommen? Deshalb verwundert es auch nicht, dass nach der Vorstellung des Vorhabens keinerlei Nachfragen gestellt wurden. Was man von Seiten des Gastgebers als gelungene Arbeit und Präsentation des Vorhabens wertete. Zugegeben, im Nachhinein hätte man folgende Frage stellen können: „Was lässt die Verantwortlichen annehmen, dass die Commerzbank Arena mit ihren über 50.000 Zuschauerplätzen der richtige Austragungsort sei und ob man wirklich glaubt, dieses Stadion auch nur ansatzweise gefüllt zu bekommen?“ Rückblickend bedauern wir diese Frage nicht gestellt zu haben, die Antwort wäre bestimmt eine Interessante gewesen.

Es wird ein enormer Aufwand an Marketing und Öffentlichkeitsarbeit nötig sein, um hier eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Bisher ist das Interesse an Spielen der Deutschen Nationalmannschaft eher gering bzw. es steht in keinem Verhältnis zur ausgewählten Spielstätte. Eine Nummer kleiner und dafür mit vollen Zuschauerrängen und der daraus resultierenden Stimmung hätte es sicherlich auch getan. Aber nun gut, der AFVD hat sich so entschieden und nun heißt es, das Beste draus machen, will man am Ende keine böse Überraschung erleben. Vor diesem Hintergrund interessiert uns Eure Meinung. Diskutiert mit auf unserem Facebook-Kanal.

Das war aus unserer Sicht "ein Satz mit X": Das war wohl nix. Der zweite folgt so gleich und der betrifft das Spiel der Frankfurter, welches hier nur am Rande eine Rolle spielen soll. Rückblickend betrachtet kann man sagen, das Spiel war schon nach dem ersten Touchdown der Lions entschieden, denn von diesem Moment an dominierten die Gäste und diese ließen keinen Zweifel daran aufkommen, ihren Titel ein weiteres Mal verteidigen zu wollen. Dem Gastgeber fiel im Verlauf des Spiels nicht wirklich viel ein, um sich gegen die drohende Niederlage zu wehren. Eine Niederlage, die im Ergebnis zu hoch ist, denn auch gegen die Lions, die im Gegensatz zur Universe über ein jahrelang eingespieltes Team, verfügen das sich nahezu blind versteht, hätte mehr möglich sein können und vielleicht auch müssen. Mal verliert man, mal gewinnt man. Es ist aber davon auszugehen, dass die Universe aus diesem Spiel ihre Lehren ziehen und gestärkt aus dieser Niederlage hervorgehen wird. Als nächster Gegner stehen die Cowboys aus München auf dem Terminplan, bevor am 24. Juni mit den Unicorns aus Schwäbisch Hall der nächste Hochkaräter im heimischen Volksbank Stadion zu Gast sein wird.

War noch etwas? Aber klar, eine Sache ist uns noch negativ aufgefallen: Die Siegerehrung. Wir erinnern uns, es handelte sich bei diesem Spiel um ein BIG6-Finale bzw. um den EUROBOWL XXXI. Ist es hier nicht Pflicht die Siegerehrung durch den 1. Vorsitzenden des entsprechenden Verbandes vornehmen zu lassen? Immerhin war dieser an diesem Tag zugegen, doch nach der Vorstellung besagter Großveranstaltung waren andere Termine anscheinend wichtiger. Aus unserer Sicht ein NoGo. Es hat auch etwas mit Respektbezeugung gegenüber den Teams zu tun. Aber vielleicht sehen wir das auch falsch.

Wir möchten es abschließend aber nicht versäumen, allen einen Dank auszusprechen die dieses hervorragende Event möglich gemacht haben. Es war eine Veranstaltung, wie man sie sich wünscht und sie war eine Werbung in Sachen American Football. Ein ganz besonderer Dank unsererseits geht an Kathrin Zier, Uwe Lange und Chris Haas. Drei Personen von vielen, die American Football in Frankfurt nicht nur lieben, sondern auch leben. Menschen, die für diesen Sport und seine weitere Entwicklung in Deutschland überaus wichtig sind.

Dieser Dank geht aber auch an alle anderen die sich in Deutschland für American Football engagieren, einsetzen und ihre Freizeit opfern. Ohne Euch geht es nicht!

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