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Dienstag, 25 Juli 2017 08:00

„Erfolg macht sexy“ - Die Biberach Beavers steigen auf

geschrieben/veröffentlicht von/durch Markus Schulz
Brodschelm: "Meine Planung für die 3. Liga hat schon angefangen" Brodschelm: "Meine Planung für die 3. Liga hat schon angefangen" Foto: Florian Achberger
Pünktlich zum 25-jährigen Vereinsjubiläum steigen die Biberach Beavers in die 3. Liga auf. Touchdown24.de sprach mit Headcoach Dominik Brodschelm.
Biberach an der Riß ist ein beschauliches Städtchen in Oberschwaben. Es gibt einige Eigenschaften, die mit den Schwaben als Bevölkerungsgruppe in Verbindung gebracht werden. Sparksamkeit vor allem – oder auch Genügsamkeit. Doch einige Tage im Jahr schafft es ein American-Football-Verein eine unheimlich große Menge an Fans zum Stadionbesuch zu bewegen. Dann legt der Schwabe seine Genügsamkeit ab und verwandelt das Stadion an der Adenauerallee in einen Hexenkessel. „Wir haben mit unserem 12. Mann einen Haufen Flaggen beim Gegner generiert“, sagt Dominik Brodschelm, Headcoach der Biberach Beavers, über die beeindruckende Zuschauerzahl von bis zu 1400 Fans – in Liga vier.

Lange, von der Abteilungsgründung 1992 bis vor fünf Jahren, dümpelten die Beavers dann so durch die unteren Ligen Baden-Württembergs. Doch seit 2012 hat sich was getan an der Riß – innerhalb von fünf Spielzeiten gelang es den Biberachern nun den dritten Aufstieg zu feiern. Als erster Verein aus allen deutschen Oberliga-Staffeln stehen die Beavers als Aufsteiger in die Drittklassigkeit fest. Touchdown24.de sprach mit Beavers-Headcoach Dominik Brodschelm, der die Mannschaft im September vergangenen Jahres übernahm, über den Saisonverlauf, Schlüsselmomente, seinen Bart und mehr.

Touchdown24:
Hallo Herr Brodschelm. Im dritten Viertligajahr gelang den Beavers nun der ungefährdete Aufstieg in die Regionalliga Baden-Württemberg. Wie sehr sind sie vom Erfolg ihrer Mannschaft überrascht?

Dominik Brodschelm:
Wir waren in der Vorbereitung relativ früh der Meinung, dass in diesem Jahr etwas passieren könnte. Wir hatten kurz vor dem Saisonstart ein Scrimmage (gemeinsame Trainingseinheit, Anm. d. Red.) mit den Allgäu Comets II, bei denen aber auch Spieler aus der GFL-Mannschaft teilgenommen hatten und wir haben da festgestellt, dass wir auf einigen Positionen ganz gut mithalten konnten. Diese Erfahrung und die Erfahrung aus einem sehr harten Trainingslager ließ früh in mir die Hoffnung aufkeimen, dass da vielleicht sogar noch mehr drin ist diese Saison.

Touchdown24:
Das hat sich dann ja auch schon früh bestätigt, durch den Sieg am zweiten Spieltag bei den Tübingen Red Knights, einem Angstgegner der Beavers bis dahin.

Brodschelm:
Ja, genau. Wir hatten zu Beginn ein Heimspiel gegen einen Aufsteiger und dann historisch das erste Mal überhaupt auswärts bei den Tübingen Red Knights gewonnen. Es war dann später sogar so, dass wir die Tübinger zum ersten Mal überhaupt zweimal in einer Saison schlagen konnten. Wir haben die Stuttgart Silver Arrows an ihrem American-Day-Heimspieltag geschlagen, an diesem Tag hatten sie zuvor noch nie verloren. Wir haben in diesem Jahr dann auch viele Serien der letzten Jahre beendet. Es ist dann auch irgendwie ein Selbstläufer geworden.

Touchdown24:
Aber darüber hinaus - 2015 und 2016 fanden sich die Beavers jeweils mit 10:14 Punkten im unteren Mittelfeld der Staffel wieder. Was hat sich im Vergleich zu den Vorjahren noch geändert?

Brodschelm:
Wir haben wieder mehr Spaß und Zug im Training gehabt. Die Jungs haben sich in der Offseason den Arsch aufgerissen. Zudem haben wir einen unheimlichen Zulauf gehabt und sind mit 68 Spielern im Roster in die Saison gegangen - von denen insgesamt 60 Spieler auch eingesetzt wurden. Meine Frau sagt zudem: „Neue Besen kehren gut.“

Touchdown24:
Gab es bestimmte Schlüsselspieler, die sich im Saisonverlauf herauskristallisiert haben?

Brodschelm:
Unser Import-Quarterback Michael van Deripe, das darf man glaub ich sagen, ist der beste Quarterback der Liga. Er ist ein echter Glücksgriff. Eher ein stiller Spieler, der durch seine Art, alle zu beruhigen, die Mannschaft sehr gut führt. Er und eine Systemumstellung haben es geschafft, aus der Offense, unserem Problemkind der letzten Jahre, eine Stärke zu machen. Wir hatten schon immer eine starke Defense und so kam das eine zum anderen. Unsere Defense hat in den ersten sechs Saisonspielen 27 Interceptions gefangen, unsere Offense in den ersten fünf Spielen jeweils mit dem ersten Drive gescored. So kommt es dann, dass man mit einem gesunden Selbstvertrauen spielt. Hinzu kommt Oscar Vazquez Dyer als Spielertrainer.

Touchdown24:
In wie weit wirkt sich der Import eines US-Amerikaners auch auf deutsche Spieler aus?

Brodschelm:
Um die beiden Jungs herum haben wir einen komplett deutschen Kader. Van Deripes Lieblingsziel Sebastian Holzhauer hat schon elf Touchdowns erzielt, das ist echt eine Hausnummer. Es ist schon fast abartig, was da an deutschem Potenzial die Leistung auf den Platz gebracht hat. Unsere Defense konnte so befreit aufspielen, weil sie immer wusste, dass die Offense immer scoren kann. Wenn ich dann sehe wie manche Rookies auftreten, dann sieht man einfach, welche Selbstsicherheit das der ganzen Mannschaft verleiht.

Touchdown24:
Auffällig ist auch, wie viele Fans die Beavers zu ihren Heimspielen ins Stadion locken. Zuletzt waren es über 1400 Zuschauer – in der vierten Liga. Liegt das nur am Erfolg der Mannschaft oder was machen die Beavers besser als andere Vereine?

Brodschelm:
Klar, die Aufstiege haben uns natürlich geholfen. Aber wir haben auch unseren Social-Media-Auftritt verstärkt, Flyer regelmäßig verteilt. Da wird schon einiges gemacht, damit auch Leute kommen. So ein wenig ist es auch so: Erfolg macht sexy. Die Fußballvereine in unserer Region sind alle abgestiegen. Wir sind mit weitem Abstand das hochklassigste Team, das Rasensport betreibt. Zudem haben wir ein großes Rahmenprogramm in der Zwischenzeit aufgestellt. Von der Beavers-Hüpfburg für die Kinder bis hin zu einer Kooperation mit unseren US-Cars-Freunden, die wir mal eingeladen hatten und die uns jetzt traditionell ins Stadion fahren. Da hat sich mit der Zeit einiges entwickelt. Zudem sind wir der TG Biberach angeschlossen, einem Verein mit über 6000 Mitgliedern und die Mitglieder aller Abteilungen besuchen die Spiele häufig gegenseitig.

Touchdown24:
Hat so ein Fanandrang neben den Ticketeinnahmen auch weitere positive Nebeneffekte?

Brodschelm:
Ja, wir haben unsere Jugendarbeit verstärkt, schauen, dass die Jungs auch zu unseren Teams kommen. Und auch Mädels, wir haben im Flag-Football ziemlich viele Mädels dabei. Da muss man mal schauen, wie sich das die nächsten Jahre entwickelt, ob man auch für die Mädels eine Tackle-Mannschaft anbietet. Um Biberach herum gibt es auch nicht viele Angebote. Da müssen wir einfach, vielleicht ähnlich wie Schwäbisch Hall, unseren Standort nutzen. Ansonsten ist es auch einfach ein saucooles Gefühl, vor so vielen Leuten zu spielen.

Touchdown24:
Das klingt gut. Am 29. Juli...

Brodschelm:
… mittlerweile ist es ja sogar so, dass die Leute einen auf der Straße erkennen. Gut, ich habe auch einen recht markanten Bart mittlerweile (lacht).

Touchdown24:
Der ist jetzt aber nicht nur aus Aberglaube so lang gewachsen und kommt erst bei der ersten Niederlage ab, oder?

Brodschelm:
Nein, nein. Ich hab einfach keinen Bock mich zu rasieren. Da hatte meine Frau dann letztes Jahr auch irgendwann zugestimmt. Aber wir haben mittlerweile ein paar Spieler im Team, die einen tiefen Vollbart tragen. Da müssen wir unseren Spielern mittlerweile sagen, „wenn ihr unterwegs seid, müsst ihr dran denken, dass ihr erkannt werden könnt."

Touchdown24:
Da haben sich dann alle zu benehmen...

Brodschelm:
Ja, es gibt aber auch ganz lustige Anekdoten, wenn man einen Post liest wie: „Danke an die drei Beavers-Jungs, die mir die Waschmaschine hochgetragen haben“. Das ist dann einfach schön zu sehen und führt dazu, dass die Leute sich mit den Beavern identifizieren. Es ist halt auch eine kleine Stadt, in der wir nun ein positives Standing haben. Wir hatten auch im letzten Jahr ein schweres Hochwasser in Biberach. Da waren so viele Jungs von uns unterwegs, um privat zu helfen, das war einfach nur klasse. Dafür gab es dann auch den TG-Ehrenpreis, aber dafür haben sie es nicht gemacht, sondern aus privatem Engagement. Und ich hätte heulen können, als bei meinen Eltern in Laupheim, das ist ein paar Kilometer weg, plötzlich nachts um zwei Uhr acht Leute aus meinem Team standen, um im Keller, der unter Wasser stand, mit anzupacken.

Touchdown24:
Wirklich eine klasse Truppe. Trotzdem nochmal zum Sportlichen: Am 29. Juli habt ihr euer letztes Saisonspiel gegen Stuttgart. Wie groß ist die Vorfreude als Meister vor heimischer Kulisse aufzutreten?

Brodschelm:
Unser Oberbürgermeister, der auch eine Saisonkarte hat, wird zur Pokalübergabe kommen. Da freuen wir uns einfach drauf und hoffen, dass wir vielleicht auch unseren Zuschauerrekord von 1460 Fans von vor drei Jahren knacken können. In diesem Jahr waren wir mit 1410 Zuschauern einmal schon ganz nah dran.

Touchdown24:
Ein Blick in die Zukunft. Wie sehr beschäftigt ihr euch jetzt schon mit der Regionalliga und den dort wartenden Aufgaben?

Brodschelm:
Da muss ich mal meinen Ordner holen (lacht). Nein, ich hatte tatsächlich schon am vergangenen Mittwoch ein Gespräch mit unseren US-Amerikanern. Und ich habe gute Nachrichten: Mit Oscar Vazquez Dyer sind wir uns schon einig. Er wird kommendes Jahr seine dritte Saison bei uns spielen. Im Prinzip hat meine Planung für die Regionalliga einen Tag nach der Meisterschaft direkt angefangen. Auch bei der Sponsorensuche sind wir bereits mittendrin. So, dass wir schauen, welches Budget in der Regionalliga zur Verfügung steht.

Touchdown24:
Und abschließend, was glauben sie, welche Rolle die Beavers in der Regionalliga spielen können?

Brodschelm:
Als Aufsteiger müssen wir von Spieltag zu Spieltag gucken, ich denke nicht, dass es um die ersten zwei, drei Plätze gehen wird. Aber die meisten Teams, auf die wir voraussichtlich treffen werden, kennen wir. Weinheim schätze ich als sehr gutes Team ein, bei denen hoffe ich noch, dass die in die GFL2 aufsteigen (lacht). Gegen Freiburg und Heilbronn haben wir letzte Saison noch gespielt. Freiburg einmal geschlagen und gegen Heilbronn zweimal knapp verloren, aber zu dem Zeitpunkt waren wir ja auch noch ein ganz anderes Team. Da rechnet man sich natürlich etwas aus. Wir wollen auch ein paar Scharten auswetzen aus dem letzten Jahr. Zuhause sind wir schwer zu schlagen. Wir haben mit unserem 12. Mann im Rücken einen Haufen Flaggen beim Gegner generiert. Schauen wir einfach mal.

Touchdown24:
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg weiterhin.

Brodschelm:
Es hat mich gefreut, danke.

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